Es geht dann mal weiter mit den Banken
Finanzkrise lässt Gewinn von Bank of America einbrechen
Dienstag, 7. Oktober 2008, 17:11 Uhr
New York (Reuters) - Die Kreditkrise hat nun auch eine der als
unumstößlich geltenden Säulen der Finanzbranche mit sich gerissen:
Die Geschäfte der Bank of America sind von der Zuspitzung der
Turbulenzen stärker in Mitleidenschaft gezogen als befürchtet.
Die größte US-Bank teilte in der Nacht zu Dienstag zwei Wochen
früher als erwartet mit, dass ihr Gewinn aufgrund "rezessionärer
Bedingungen" im dritten Quartal um 68 Prozent auf 1,18 Milliarden
Dollar geschrumpft ist. "Dies ist die schwierigste Zeit für
Finanzinstitute, die ich während meiner 39 Jahre im Bankgeschäft
erlebt habe", sagte Bankchef Kenneth Lewis. Bank-of-America-Aktien
gaben vorbörslich neun Prozent nach.
Vor allem die gestiegenen Kreditkosten für die Übernahme von
Countrywide Financial, des einst größten unabhängigen
Hypothekengebers des Landes, und der Chicagoer LaSalle-Bank
schmälerten den Gewinn. Die Marktturbulenzen hätten zu einer
Belastung im Quartal von 1,8 Milliarden Dollar geführt, darunter
auch 320 Millionen Dollar an Abschreibungen für Aktien von Fannie
Mae und Freddie Mac. Ein Ende sei noch nicht in Sicht, warnte das
Institut. Die Lage auf den Kreditmärkten verschärfe sich weiter.
"Dies war ein Quartal wie ein Sturm", sagte Lewis nach
Veröffentlichung der Zahlen in einer
Analysten-Telefonkonferenz.
Mit einem Gewinn je Aktie von 15 Cent bleibt die Bank of America
weit hinter den Erwartungen der Experten zurück, die um
Sonderposten bereinigt mit 60 Cent je Aktie gerechnet hatten. Die
Bank halbierte ihre Dividende und kündigte an, sich zehn Milliarden
Dollar zusätzliches Kapital durch die Ausgabe neuer Aktien
beschaffen zu wollen. "Ich glaube, dass in diesem Markt gar nichts
mehr einfach ist. Aber die Bank of America gilt als eines der
stärkeren Institute, daher denke ich, dass es ihnen leichter als
anderen fallen wird, frisches Kapital aufzunehmen", sagte Rick
Meckler von LibertyView Capital.
Der Bankenriese mit Sitz in Charlotte im Bundesstaat North Carolina
galt bisher als Fels in der Brandung und machte unlängst
Schlagzeilen mit dem Plan, die Investmentbank Merrill Lynch
übernehmen zu wollen. Am Montag zeigte sich Finanzvorstand Joe
Price optimistisch, dass die Übernahme bis zum Jahreswechsel
abgeschlossen werden könne.
Die Aktien des Instituts haben in diesem Jahr 22 Prozent an Wert
verloren.