Platzt die Kreditkartenblase?
In den USA gibt es eine Kreditkartenblase – und die wird platzen.
Zu dem Ergebnis kommt der Göttinger Kapitalmarktexperte Klaus
Bröker. In einem aktuellen Gutachten, das Euro am Sonntag Online
vorliegt, kalkuliert der Anwalt und Hochschulprofessor den
weltweiten Schaden auf 500 Milliarden Dollar. Dies werde zu neuer
Armut führen – insbesondere in den USA. Deutsche Verbraucher würden
die Auswirkungen ab Mitte 2009 mittels steigender Preise, einem
deutlich reduzierten Kreditrahmen und einem verschlechterten
Schufa-Rating zu spüren bekommen.
Bröker weist darauf hin, dass in den USA in der Regel jeder
Verbraucher mehrere Kreditkarten besitzt – oft zehn oder mehr. Rein
statistisch weise jede Kreditkarte ein Minus von 2200 Dollar aus,
die Zinsen lägen üblicherweise bei 9,0 bis 19,99 Prozent. Der
Durchschnittszinssatz bei Kreditkartenschulden liege derzeit über
13 Prozent – bei Zahlungsverzug könne dieser jedoch auf
astronomische Werte von bis zu 50 Prozent ansteigen. Zudem fielen
sofort Strafgebühren in Höhe von 30 Dollar und mehr an.
Extreme Zahlungsschwierigkeiten
Dies treibe immer mehr Kreditkartenbesitzer in extreme
Zahlungsschwierigkeiten und erhöhe die Einnahmeausfälle bei
Kreditkartenunternehmen und Banken dramatisch, so Bröker. „Kein
amerikanischer Privathaushalt ist in der Lage, für aufgenommene
Kredite 20 oder gar 30 Prozent Zinsen oder mehr zu zahlen. Kein
amerikanischer Privathaushalt ist darüber hinaus in der Lage,
mittelfristig mit einem immer geringer werdenden Kreditrahmen und
einem immer schlechter werdenden Scoring (Bonitätseinstufung)
zurecht zu kommen.“
Bröker hält den Weg, den die US-Banken angesichts dieser
Entwicklung gehen, für falsch. Die Zinsen für
Kreditkartenverbindlichkeiten drastisch zu erhöhen, um sich
Einnahmen zu sichern, sei kurzfristig gedacht, wirtschaftlich
unsinnig und führe zum Gegenteil, nämlich zu noch weiteren
Ausfällen.
Nach Untersuchungen der US-Notenbank Federal Reserve betrug die
Verschuldung amerikanischer Verbraucher im Juni 2,46 Billionen
Dollar (ohne Hypothekenschulden). Die US-Konsumentenkredite
beliefen sich auf 904 Milliarden Dollar im Juni 2007. Nur 40
Prozent aller Haushalte, die Kreditkarten besitzen, würden ihre
Raten vollständig und pünktlich zahlen. Nur jede sechste Familie
könne gerade noch die Minimalzahlungen auf ihre
Kreditkartenschulden leisten.
Die gesamten Kreditkartenschulden beziffert Bröker mit nahezu einer
Billion Dollar. Setze man für die nächsten zwölf Monate die
Ausfälle mit zwölf Prozent an, komme man auf Schulden von weiteren
120 Milliarden Dollar. „Berücksichtigt man weiterhin, dass nur rund
40 Prozent aller Haushalte pünktlich ihre
Kreditkartenverbindlichkeiten zahlen, so kann begründet davon
ausgehen, dass sich die Ausfälle mindestens verdoppeln werden.“
Konservativ gerechnet kommt Bröker damit auf mögliche Ausfälle von
250 Milliarden Dollar. Angesichts der sich dramatisch zuspitzenden
Lage und dem immer stärker auswirkenden Credit Crunch müsse man
unter „Vorsichtsaspekten“ von einem Ausfallvolumen von bis zu 500
Milliarden Dollar ausgehen.
Die Auswirkungen auf das globale Finanzsystem wären dramatisch:
Neben dem drastischen Abbau von Arbeitsplätzen komme die drastische
Verteuerung der Kredite hinzu, weil die Konsumenten diese nicht
mehr ausreichend bedienen können. Die Bonität der
Kreditkarteninhaber werde heruntergestuft, Guthaben nicht mehr
verzinst. Es komme zu einem Credit Crunch, einer sich selbst
verschärfenden Abwärtsspirale.
Das dürften auch deutsche Banken zu spüren bekommen. Wie bei
Hypothekenkrediten seien auch Kreditkartendarlehen gebündelt und
als Pakete weiterverkauft worden – auch nach Deutschland. Bröker:
„Da diese Schulden in Wertpapieren gebündelt und dann an den
Geldmärkten gehandelt wurden, ist davon auszugehen, dass sich
zahlreiche solcher Papiere in den Depots und Beständen deutscher
Banken finden.“
Keinen blassen Schimmer
Medard Fuchsgruber, Vorstand des Bundes der Kapitalanleger:
„Vereinfacht zusammengefasst zahlen wir in Europa die Entschuldung
der US-Verbraucher. Man muss sich fragen, ob unsere Banken
überhaupt einen blassen Schimmer davon haben, was innerhalb der
letzten fünf Jahren an verbrieften Schulden eingekauft wurde. Es
stellt sich außerdem die Frage, welche falsch kalkulierten Risiken
noch auftauchen."
Letztlich geht Bröker davon aus, dass es aufgrund dieser
Problematik im ohnehin angeschlagenen Bankenwesen zu einem weiteren
Vertrauensschwund kommt. Aus dieser neuen Gemengelage könnten
„gewaltige negative Konjunkturimpulse“ ausgehen. Das wiederum
schlage auf die Volkswirtschaften durch – auch auf die deutsche.
(tsc)
Das ausführliche Gutachten erhalten Sie hier:
http://fragen.fuchsgruber.com/?b=3
Autor: w:o_redaktion











