Antwort auf Beitrag Nr.:
36.671.295 von Macrocosmonaut am 27.02.09
20:49:42@Macrocosmonaut:
Ihre subtile Art der Angstmacherei ist mir absolut zuwider. Und
wenn es überhaupt noch eines Beweises bedurft hätte, dass Sie weder
Ahnung von Volkswirtschaft haben noch eine Bilanz zu lesen imstande
sind: durch Ihr letztes Posting haben Sie ihn erbracht.
Warum müssen Sie eigentlich permanent ökonomische Tatsachen
verdrehen und diese so lange (fehl-)interpretieren, bis das
Ergebnis in Ihre pessimistische Weltanschauung passt? Das hat ja
fast schon manisch-depressive Züge ...
“Sie meinen Licht am Ende des Tunnels sehen zu
können - nur wegen des kleinen Hoffnungshaken da
unten.“
---> In der Tat. Aber auch nicht mehr und nicht weniger. Der
Baltic Dry Index stagniert allerdings seit rund zwei Wochen. Daher
ist noch nicht entschieden, ob die Transportaktivitäten wieder
kräftig zulegen, oder ob es sich lediglich um eine Gegenreaktion
nach dem Preiseinbruch Ende letzten Jahres gehandelt hat. Wie es
weitergeht, werden die nächsten Monate zeigen.
Im Gegensatz zu Ihnen, für den das „Konjunkturglas“ ja „erst
halbleer“ ist, betrachte ich es aber mittlerweile „schon wieder als
halbvoll“. Denn unter Einbeziehung weiterer Schlüsselindikatoren
(Early Bird, Ölpreisentwicklung etc.) bin ich vorsichtig
optimistisch, dass wir nun das Schlimmste hinter uns haben könnten.
Das bedeutet allerdings nicht, dass wir nun auch gleich wieder in
eine neue Wachstumsphase eintreten. Viel wahrscheinlicher ist eine
längere Stagnation auf dem derzeitigen Niveau, welcher dann wieder
ein moderates Wirtschaftswachstum nachfolgen wird. Die
Rezessionsphase erfordert demnach reichlich Geduld und einen langen
Atem.
“Wenn EON & Co auch nur annähernd
nachholen, was der Baltic Dry index vorgemacht hat, dann dürfte
Ihnen schwanen, wo das enden kann. (…) Im übrigen hat der baltic
dry index nichts mit der EON zu tun.“
---> 1. Wenn, wie Sie sagen, E.ON doch gar nichts mit dem BDI zu
tun hat, warum sollte die Aktie dann dessen Kursverfall nachholen?
Hier widersprechen Sie sich bezeichnenderweise selbst. Darüber
hinaus leidet aber auch E.ON bereits unter einem äußerst
irrationalen Kursverfall, der mittlerweile schon zu einer
Börsenbewertung deutlich unterhalb des Buchwertes geführt hat.
2. Ich habe keinesfalls behauptet, dass der Baltic Dry Index
positiv mit E.ON korreliert. Wenn man da überhaupt einen losen
Zusammenhang herstellen kann, dann den, dass E.ON, genauso wie der
Rest der Wirtschaft, von einer Wiederbelebung des Welthandels
profitieren würde – und zwar durch einen steigenden Stromabsatz. In
meinem letzten Posting ging es aber ausschließlich um den Versuch
einer konjunkturellen Standortbestimmung durch die Interpretation
ausgewählter Schlüsselindikatoren. Der Name E.ON ist dabei nicht
ein einziges Mal aufgetaucht.
Dass aber gerade Sie, der hier von Aidsepidemien berichtet und
Studien über den Einfluss des Gesundheitszustandes der Bevölkerung
auf das BIP rezitiert, sich genötigt fühlt auf fehlende
Zusammenhänge mit der hier im Forum diskutierten Aktie hinzuweisen,
finde ich wirklich amüsant.
Enel ist heute unter die charttechnische
Unterstützung bei 4 Euro gefallen - auf Grund der Ankündigung einer
Kapitalerhöhung - und das nur weil man sich Schulden ohne Ende
augehalst hat.
---> Dies ist der einzige Abschnitt, bei dem ich Ihnen
inhaltlich zustimme. Auch wenn Enel die mögliche (und höchst
wahrscheinliche) Kapitalerhöhung über 7 Mrd. EUR NICHT selbst
angekündigt hat, sondern diese Spekulation aus Pressekreisen
stammt. Dass diese Maßnahme eine „mögliche Option“ ist, hat das
Unternehmen jedoch bereits eingeräumt und dadurch Spekulationen
über einen dringenden Kapitalbedarf ausgelöst. Kein Wunder also,
dass sich die Anleger nun in Scharen aus dem Wert verabschieden.
Waren sie doch bislang davon ausgegangen, dass der Kauf des
Endesa-Anteils von Acciona durch das Herunterfahren von
Investitionen, Einsparungen sowie der Aufnahme von Fremdkapital
finanziert würden.
Stichwort Enel-Verschuldung:
Diese stammt bekanntlich aus der Übernahme des spanischen
Energieriesen Endesa, an dem seinerzeit ja auch E.ON interessiert
war. Enel hatte Ende Januar nach langem Hin und Her für insgesamt
11,11 Mrd. EUR 25% der Aktien des spanischen Versorgers Endesa aus
dem Besitz des spanischen Mischkonzerns Acciona übernommen. Enel
hat damit zwar die volle Kontrolle bei Endesa, doch die
Verschuldung der Italiener steigt wieder erheblich an.
Ende 2008
hatte das Unternehmen rund 50 Mrd. EUR an Verbindlichkeiten in den
Büchern, wodurch Enel das höchstverschuldete Unternehmen Europas
ist! Angesichts der schwachen Kapitalstruktur droht zudem der
Verlust des „A-„-Ratings, was die Kreditaufnahme weiter erschweren
und vor allem deutlich verteuern würde.
"Dies kann jederzeit auch bei einer EON
passieren.
Solange die Strompreise auf Talfahrt sind und die Schulden nicht
reduziert werden, wird der Markt die Risiken auf Grund der
Schuldensituation weiter einpreisen. Ich glaube nicht, dass derzeit
jemand eine möglicherweise anstehende Kapitalerhöhung bei EON auf
der Karte stehen hat - aber wenn die Banken kein Geld rausrücken,
dann wird EON sich wohl über den Kapitalmarkt wie eine Enel
refinazieren müssen - sprich bei den Aktionären
bedienen."
--->

Eine E.ON-Kapitalerhöhung hat deswegen niemand „auf der Karte“
stehen, weil sie absolut überflüssig ist. Wenn Sie eine Bilanz
lesen könnten, wüssten Sie das. Allein der Blick auf den
Verschuldungsgrad von Enel und E.ON lässt Ihre schwache
Argumentation dann auch gleich wie ein Kartenhaus zusammenstürzen.
Denn die Bilanzrelationen einer Enel mit denen der ungleich
solideren E.ON gleichzusetzen, bedeutet quasi Opel auf eine Stufe
mit Daimler zu stellen.
Enel hat beispielsweise eine deutlich niedrigere Eigenkapitalquote
und einen wesentlich höheren Verschuldungsgrad als eine E.ON, deren
Bilanz wiederum nur so vor Stärke strotzt. Denn E.ON befindet sich
nach Abschluss der Desinvestition der Randbereiche bis heute in
einer finanziell exzellenten Position. Allein der Cashbestand liegt
im ZWEISTELLIGEN Milliardenbereich, so dass dieser alleine nahezu
die Hälfte der Nettoverschuldung des Konzerns abdeckt. Ferner
schreibt das Unternehmen Jahr für Jahr Milliardengewinne - alleine
der operative Cash Flow liegt derzeit bei fast 10 Mrd. Euro - so
dass es keinerlei Probleme bei der Refinanzierung gibt. Das genaue
Gegenteil ist vielmehr der Fall. Die Finanzierungskosten bei E.ON
gehen derzeit sogar zurück.
Weil das Geschäftsmodell von E.ON nämlich weitgehend
konjunkturresistent ist, kann sich das Unternehmen auch erheblich
günstiger refinanzieren als andere.
So hatte man noch vor kurzem eine Benchmark-Anleihe über 1,75 Mrd.
Euro mit einer Verzinsung von 4,875 Prozent erfolgreich platziert.
Seit Beginn des Jahres hat sich der Konzern über Anleihen und
Schuldverschreibungen insgesamt 4,8 Mrd. Euro am Kapitalmarkt
beschafft. Alle Emissionen waren zudem deutlich überzeichnet, was
als eindeutiger Vertrauensbeweis der Investoren im Hinblick auf die
Kreditwürdigkeit des Unternehmens gewertet werden kann.
Vor diesem Hintergrund von einer drohenden Kapitalerhöhung bei E.ON
zu sprechen ist schlichtweg inkompetent. Dieter Nuhr würde wohl
sagen: „Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Fr****
halten!“
Schönen Sonntag noch allerseits!
DM