Antwort auf Beitrag Nr.:
38.673.688 von hdwilli am 06.01.10
11:16:02Wie kommst Du darauf? Das Gasgeschäft ist doch
derzeit eher ein großes Problem für E.ON. Nicht von ungefähr drängt
E.ON Ruhrgas doch angesichts des (infolge der Wirtschaftskrise)
eingebrochenen Gasabsatzes (-->
http://www.tarife-verzeichnis.de/nachrichten/2869-gas-und-s…)
auf eine Lockerung der "Pick or Pay"-Lieferverträge mit Gazprom.
Ziel dieser Bemühungen ist es, den Gasbezug stärker zu
flexibilisieren und mehr auf die kurzfristigen Spotmärkte
auszurichten. Dort sind die Gaspreise wegen der Krise und des
wachsenden Angebots an verflüssigtem Gas (LNG) nämlich deutlich
gesunken. Das Gasgeschäft ist also derzeit wahrlich kein
Zuckerschlecken für E.ON.
Diese Tatsache manifestierte sich auch in den desaströsen
Geschäftszahlen der E.ON Ruhrgas, die in den ersten drei Quartalen
2009 ein EBIT-Einbruch von mehr als 30 Prozent auf 1,4 Milliarden
Euro hinnehmen musste. Eine kurzfristige Verbesserung ist hier nur
erreichbar, wenn die starren Lieferverträge unmittelbar flexibler
gestaltet werden können. Kommen E.ON und Gazprom hier zu einer
Einigung, dürfte dies der E.ON-Bilanz sichtlich gut tun.
Ob dann auch die Entwicklung der Gasnachfrage einen weiteren
(positiven) Beitrag zur operativen Verbesserung leisten kann, ist
hingegen umstritten.
Gazprom, wen wundert´s, gibt sich selbstverständlich optimistisch,
dass die Gasnachfrage schon bald wieder steigen wird. Die
Internationale Energieagentur IEA sieht das jedoch anders. Sie hat
kürzlich ihre Prognosen für die nächsten 10 bis 20 Jahren gesenkt:
„(…) Gas demand also continues to expand in the 450 Scenario but is
17% lower in 2030 than in the Reference Scenario thanks to more
efficient use, lower electricity demand and increased switching to
non-fossil energy sources. (…)” (Quelle:
http://www.iea.org/press/pressdetail.asp?PRESS_REL_ID=294)
Viel bedeutender aus meiner Sicht aber etwas anderes. Denn es
dürfte mittlerweile auch jedem halbwegs aufmerksamen Beobachter
klar geworden sein, dass sich das traditionelle Geschäftsmodell der
Energieriesen in einem grundlegenden Wandel befindet. Versäumen es
die Energiekonzerne, sich den rasant verändernden Rahmenbedingungen
anzupassen, wird das unweigerlich ihr Untergang sein. Davon bin ich
felsenfest überzeugt. Ebenso überzeugt bin ich jedoch davon, dass
es nicht dazu kommen wird. Diesen Gedankengang erläutere ich in
Kürze mal in einem separaten Thread. Denn das Thema politische
Rahmenbedingungen und "Renewables" wird hier meiner Meinung nach
noch viel zu stiefmütterlich behandelt.
So long!
DM