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Am Sterbebett eines Systems ( Seite 3)

Diskussionsstatistik
eröffnet am 21.01.09 17:19:56
von
neuster Beitrag 25.05.12 19:36:37
von

Anzahl Beiträge: 34.270
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[ Seite: 1234342534263427neuster Beitrag ]

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schrieb am 22.01.09 05:05:45
Beitrag Nr.21 
(36.423.683)
Antwort
Zitat
Guten Morgen,

fangen wir mit dem eigenen Land an...
Und dafür braucht`s Forscher!


Ostdeutschland verarmt
Wohlstand für wenige

Eine Studie belegt: Die Mehrheit der Deutschen konnte vom vergangenen Aufschwung nicht profitieren - das Risiko von Altersarmut steigt.

Von Thomas Öchsner


Seit 2002 sind die Reichen in Deutschland reicher geworden und die weniger Wohlhabenden und Armen ärmer geworden. Das ist das Ergebnis einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Danach wird die Ungleichheit bei der Vermögensverteilung immer größer - und Ostdeutschland verarmt zunehmend.

2002 befand sich Deutschland am Rand einer Rezession. 2007 ging es dagegen mit der Wirtschaft noch aufwärts, das Bruttoinlandsprodukt wuchs um 2,5 Prozent. Die große Mehrheit der Bevölkerung konnte davon aber nicht profitieren, rechnen die Wissenschaftler des DIW vor: Das Vermögen (Geldbesitz, Immobilien, Versicherungen, nach Abzug von Verbindlichkeiten) konzentriert sich immer mehr bei den reicheren Gruppen der Bevölkerung.

Die Schere geht auseinander

So verfügte das wohlhabendste Zehntel der erwachsenen Bevölkerung 2007 über 61,1 Prozent des privaten Vermögens. 2002 waren es noch 57,9 Prozent. Allein das reichste Hundertstel hielt 2007 knapp 23 Prozent des Nettovermögens. Dagegen besaßen die weniger wohlhabenden 70 Prozent der Erwachsenen nur knapp neun Prozent des gesamten Nettovermögens. Auch dieser Anteil ist in dem Vergleichszeitraum von fünf Jahren leicht geschrumpft.

Die Berliner Forscher stützen ihre Untersuchung auf die jüngsten verfügbaren Daten aus dem sozioökonomischen Panel (SOEP), einer repräsentativen Befragung von etwa 23.000 Personen in Privathaushalten ab 17 Jahren. Die Studie, die das DIW an diesem Mittwoch vorstellte, wurde von der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung gefördert. Das DIW hatte bereits im November 2007 eine ähnliche Untersuchung vorgelegt.

Mit der wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich folgt die Entwicklung einem weltweiten Trend. Seit den frühen neunziger Jahren steigen die Einkommen der Spitzenverdiener auf allen Kontinenten erheblich schneller als die Gehälter von Geringverdienern. Die deutschen Zahlen sind deshalb im internationalen Vergleich nicht ungewöhnlich. Deutschland stehe hier mit seinen Zahlen "noch moderat" da, sagte Markus Grabka, einer der Autoren der Studie.

Hohe Freibeträge für Reiche

Die Berliner Wissenschaftler rechnen damit, dass sich die Schere bei der Vermögensverteilung in den nächsten Jahren weiter öffnet. Auf der einen Seite profitierten Wohlhabende von hohen Freibeträgen bei der reformierten Erbschaftsteuer und von der neuen Abgeltungsteuer in Höhe von 25 Prozent auf Kapitalerträge, sagte der DIW-Experte Grabka. Auf der anderen Seite gehe - sofern überhaupt vorhanden - das Vermögen von Arbeitslosen zurück, da die Einführung von Hartz IV dazu beigetragen habe, dass diese ihre Ersparnisse auflösen. Schließlich müssten Erwerbslose erst eigenes Vermögen weitgehend aufzehren, bevor diese staatliche Unterstützung in Anspruch nehmen könnten. Nach Ansicht der Forscher wächst deshalb in Deutschland das Risiko von Altersarmut, besonders in den neuen Bundesländern.

Insgesamt belief sich das private Bruttovermögen (ohne Autos und Hausrat) in Deutschland auf etwa 8,055 Billionen Euro. Den größten Anteil daran hatten Grund- und Immobilienbesitz mit 5,3 Billionen Euro. Dem standen Schulden der Privathaushalte von gut 1,4 Billionen Euro gegenüber. Im Durchschnitt verfügte damit jeder Erwachsene über ein individuelles Vermögen von gut 88.000 Euro - knapp 8000 Euro mehr als 2002.

Wie wenig die Zahlen über die reale Verteilung des Wohlstandes aussagen, zeigt ein Blick auf die einzelnen Bevölkerungsgruppen. Nach den Berechnungen des DIW wuchs das durchschnittliche Nettovermögen im wohlhabendsten Zehntel der Bevölkerung von gut 208.000 auf mehr als 222.000 Euro. Die Angehörigen des reichsten Prozents besaßen sogar mehr als 817.000 Euro. Zum Vergleich: Facharbeiter oder Angestellte mit einfacher Tätigkeit kommen auf knapp 46.000 Euro, Beamte des einfachen und mittleren Dienstes auf 63.000 Euro und Rentner und Pensionäre auf gut 113.000 Euro. Menschen ohne Vermögen und mit mehr Schulden als Besitz sind bei Angelernten und Arbeitslosen mit Abstand am häufigsten.

"Sozialpolitisch besorgniserregend"

Auffällig ist die Entwicklung in Ostdeutschland: Während im Westen die Nettovermögen zwischen 2002 und 2007 von durchschnittlich knapp 91.000 auf gut 101.000 Euro stiegen, sank der Mittelwert im Osten von 34.000 auf 31.000 Euro. Die Forscher des DIW nannten dafür zwei Gründe: Die Preise für Immobilien sind in vielen ostdeutschen Regionen eingebrochen. Außerdem hat die hohe Arbeitslosigkeit dazu beigetragen, dass in den Altersgruppen zwischen 35 und 65 Jahren die durchschnittlichen Vermögen in den fünf Jahren um mehr als zehn Prozent gesunken sind. Dieser Schwund, heißt es in der Untersuchung, sei "sozialpolitisch besorgniserregend".

Quelle: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/879/455554/te…
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schrieb am 22.01.09 05:13:58
Beitrag Nr.22 
(36.423.685)
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Traurig traurig...
Und nichts kapiert...



Magnetschwebebahn
Chinesen reißen sich Transrapid unter den Nagel

ThyssenKrupp gibt jetzt offenbar die Transrapid-Technik doch Preis. Um das Reich der Mitte zu einem neuen Auftrag zu bewegen, sollen die Techniker im fernen Osten nun einen Teil des geheimen Wissens aus Deutschland bekommen. Genau das hatte der deutsche Konzern bislang verweigert. Aus gutem Grund.

Der Industriekonzern ThyssenKrupp will nach einem Bericht des „Handelsblatt“ nun doch Transrapid-Technik aus der Hand geben. Um den Chinesen die Verlängerung der Magnetbahnstrecke in Schanghai schmackhaft zu machen, wolle der Konzern Teile der Technologie an China verkaufen, schreibt das Blatt unter Berufung auf industrienahe Kreise. Eine entsprechende Vereinbarung solle kommende Woche beim Berlin-Besuch des chinesischen Premiers Wen Jiabao unterzeichnet werden. Die einzige kommerziell genutzte Transrapid-Strecke weltweit verbindet den internationalen Flughafen mit der Stadt. Die Verlängerung der Trasse in eine andere Metropole war immer wieder verschoben worden.

Laut „Handelsblatt“ ist unklar, wie weit der Know-how-Transfer gehen soll. Eine Thyssen-Sprecherin sagte der Zeitung, der Konzern glaube weiter an die Magnetschwebe-Technik: „Die Kerntechnologie bleibt bei uns.“ Laut „Handelsblatt“ hat ThyssenKrupp aber keinerlei Interesse mehr am Transrapid und will tendenziell alles verkaufen. Bislang war der Technologie-Transfer vor allem aus Angst vor Plagiaten verweigert worden.

Transrapid-Partner Siemens hat keine Verkaufsabsichten. Während ThyssenKrupp die eigentliche Magnetschwebetechnik beisteuert, liefert der Münchner Konzern die Stromversorgung sowie die Leit- und Sicherungstechnik. „Unser vordringliches Ziel war und bleibt, die Kernkompetenzen der Transrapid-Technologie bei Siemens zu erhalten“, sagte ein Siemens-Sprecher der Zeitung.

Für Deutschland haben Siemens und ThyssenKrupp den Transrapid abgeschrieben, was bereits im vergangenen Jahr zu Spekulationen über einen Komplettausstieg geführt hatte. Zuletzt war die geplante Strecke vom Münchener Flughafen in die Innenstadt wegen gestiegener Kosten endgültig verworfen worden.

Quelle: http://www.welt.de/wirtschaft/article3064211/Chinesen-r…
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schrieb am 22.01.09 05:18:28
Beitrag Nr.23 
(36.423.686)
Antwort
Zitat
Antwort auf Beitrag Nr.: 36.420.738 von Maraho am 21.01.09 17:30:59EZB sieht Währungsunion nicht gefährdet - Trichet betont Rolle des Stabilitätspakts

Exitstrategie zum Schuldenabbau verlangt - Brüsseler Kommission bereitet Defizitverfahren vor

Börsen-Zeitung, 22.1.2009 cr Brüssel - Die Europäische Zentralbank (EZB) ist Spekulationen über ein Auseinanderfallen der Europäischen Währungsunion aufgrund divergierender Ausfallrisiken staatlicher Anleihen entgegengetreten. "Wenn jemand sagt, der Euroraum sei gefährdet, ist das eine Vorstellung, die ich für unangemessen halte", sagte der Präsident der Notenbank, Jean-Claude Trichet, vor dem Wirtschaftsausschuss des EU-Parlaments. Aufgrund hoher Schulden infolge kreditfinanzierter Konjunkturpakete zur Abwehr der Wirtschaftskrise haben die Ratingagenturen die Bonitäten mehrerer Euro-Staaten gesenkt, zuletzt die für Portugal. Die Herabstufungen haben zu einer Ausweitung der Anleihespreads im Euroraum geführt, die Experten inzwischen als Belastung für den Euro ansehen.

Trichet mahnte angesichts der milliardenschweren Banken- und Konjunkturpakete nachdrücklich eine Exitstrategie der Staaten zum Schuldenabbau an. Die Länder müssten mittelfristig eine nachhaltige Haushaltspolitik verfolgen. Der Stabilitätspakt sei keine abstrakte Einrichtung, sondern müsse trotz Krisenabwehr eingehalten werden. Der Pakt sieht eine Neuverschuldung von maximal 3 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) vor. Die EU-Kommission machte unterdessen deutlich, die Anwendung des Pakts sicherstellen zu wollen. Laut Währungskommissar Joaquín Almunia plant die Behörde, in den nächsten Wochen und Monaten förmliche Defizitverfahren gegen sechs bis acht europäische Staaten einzuleiten. Deutschland dürfte Brüssel mit einem Defizit von 2,9 % des BIP zunächst verschonen. Für das nächste Jahr muss sich aber auch Berlin bei einer Neuverschuldung von voraussichtlich 4,2 % auf ein Strafverfahren der EU-Währungsaufsicht einstellen.


Börsen-Zeitung, 22.01.2009, Autor cr Brüssel , Ausgabe Nr. 14 , Seite 1
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schrieb am 22.01.09 05:32:25
Beitrag Nr.24 
(36.423.692)
Antwort
Zitat
Der "kleine" Mann...
"Der Aufschwung ist angekommen".

....nach einem generellen Mindestlohn von 7,50 Euro.

Da kann man sein Geld aber nicht an der Börse verpulvern. Was geht`s und hier doch noch so gut.



Mindestlöhne für die Massen
Von Kerstin Schwenn


Der Mindestlohn hat die Koalition lange entzweit. Doch den Streit, ob gesetzliche Lohnuntergrenzen nun die Geringverdiener stärken oder eher Arbeitsplätze kosten, haben Union und SPD endgültig hintangestellt. An diesem Donnerstag wollen sie die beiden novellierten Mindestlohn-Gesetze durch den Bundestag bringen.

Bald sollen in sieben weiteren Branchen gesetzliche Lohngrenzen gelten: Neben den Bauarbeitern, Gebäudereinigern und Postdienstleistern sollen auch das Wach- und Sicherheitsgewerbe, die Entsorgungswirtschaft, die Pflegedienste, Großwäschereien und Bergbauspezialdienste in das Arbeitnehmerentsendegesetz einbezogen werden. Am Dienstag kamen in letzter Minute noch die gewerkschaftlichen Weiterbildungseinrichtungen hinzu. In den Mindestlohn-Gesprächen, die zuletzt parallel zu denen über das zweite Konjunkturpaket liefen, hat die Union auch nach langer Gegenwehr einem Mindestlohn für Zeitarbeiter zugestimmt. Allerdings ist die konkrete Untergrenze noch heftig umstritten, da in der Branche verschiedene Mindestlohn-Tarifverträge gelten. Die Zeitarbeit steht diese Woche noch nicht auf der Tagesordnung. Die Koalition will hier nicht den Weg über das Entsendegesetz nehmen, sondern eine Verordnungsermächtigung in das Arbeitnehmer-Überlassungsgesetz einfügen, die die "Tarifautonomie wahrt", wie die Koalition verabredet hat.

Das Mindestlohn-Netz wird immer dichter

Einschließlich der Zeitarbeit sollen künftig in Branchen mit rund 3 Millionen Beschäftigten Mindestlöhne gezahlt werden. So wird das Mindestlohn-Netz immer dichter - auch wenn von einer flächendeckenden Lohnuntergrenze, wie sie sich die SPD wünscht, noch keine Rede sein kann. Ihr Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier bekräftigte am Dienstag bei einem Besuch der Klausurtagung des Deutschen Gewerkschaftsbundes die SPD-Forderung nach einem generellen Mindestlohn von 7,50 Euro.

Die Branchen, die Union und SPD im Zuge der Novellierung in das Arbeitnehmerentsendegesetz schreiben werden, übertreffen aber diese Untergrenze zum Teil deutlich. So haben sich die Tarifpartner in der Abfallwirtschaft mit knapp 200.000 Beschäftigten auf einen Mindestlohn von 8,02 Euro geeinigt. Im Sicherheitsgewerbe gelten für die 177.000 Mitarbeiter je nach Bundesland unterschiedliche Grenzen zwischen 6 Euro im Osten und 8,32 Euro in Baden-Württemberg. Ein Sonderfall ist die Pflegebranche. Da mehr als die Hälfte der rund 500.000 Pflegekräfte für kirchliche Organisationen wie Caritas und Diakonie arbeiten, soll wegen deren arbeitsrechtlicher Sonderstellung eine neue Kommission über die Höhe des Mindestlohns entscheiden.

Der Streit um den Zeitarbeiter-Mindestlohn ist nicht ausgestanden

Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) verspricht sich von den Mindestlöhnen mehr Gehalt für mehrere hunderttausend Arbeitnehmer. Allein in der Zeitarbeit müssten 100.000 der 700.000 Beschäftigten davon profitierten. Doch der Streit um den Zeitarbeiter-Mindestlohn ist nicht ausgestanden. Per Verordnung nach dem Arbeitnehmer-Überlassungsgesetz soll das Bundeskabinett künftig direkt Lohnsätze festlegen dürfen. DGB-Gewerkschafter haben schon wenig begeistert auf die Ankündigung der Union reagiert, der Mindestlohn solle Tarifverträge ihrer Konkurrenz vom Christlichen Gewerkschaftsbund berücksichtigen. Die SPD unterstützt den DGB-Chef Michael Sommer in der Forderung, man dürfe sich nicht am "billigsten" Tarif orientieren.

Die Gretchenfrage, was mit konkurrierenden Tarifverträgen passieren soll, spaltet in der Union Wirtschafts- und Sozialpolitiker. Einige Wirtschaftspolitiker kritisierten, dass das neue Mindestarbeitsbedingungengesetz tarifvertraglichen Lösungen nicht mehr den Vorrang gebe. Dennoch blieben die Gesetze auf der Agenda. Danach kann die Regierung künftig Mindestlöhne durch Verordnung auch dort vorschreiben, wo Tarifverträge mit geringeren Löhnen bestehen. Diese würden verdrängt. Die Union konnte hier nur eine Ausnahme durchsetzen: Tarifverträge, die schon im Sommer 2008 in Kraft waren oder nur verlängert werden, bleiben geschützt. Neue Abschlüsse in zuvor tariflosen Branchen hätten aber keine Chance. Die Gesetze aufhalten könnte nun nur noch der Bundesrat am 13. Februar. Die Länder hatten in ihrer früheren Stellungnahme ebenfalls auf dem Tarifvorrang beharrt. Diese Position könnte nach der hessischen Landtagswahl wegen des größeren Einflusses der FDP im Bundesrat gestärkt sein.

Quelle: http://www.faz.net/s/Rub0E9EEF84AC1E4A389A8DC6C231…
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schrieb am 22.01.09 05:37:41
Beitrag Nr.25 
(36.423.693)
Antwort
Zitat
Antwort auf Beitrag Nr.: 36.423.683 von Maraho am 22.01.09 05:05:45Hierzu ein Kommentar aus der taz:


Durch die Finanzkrise wird sich die soziale Spaltung verstärken
Vom Vermögen der Mittelschicht
KOMMENTAR VON ULRIKE HERRMANN


Deutschland rauscht in die tiefste Rezession seit der Nachkriegszeit. Doch die meisten Deutschen verfügen kaum noch über ein Vermögen, mit dem sie Reallohnkürzungen oder Arbeitslosigkeit überbrücken könnten. Wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) jetzt ermittelt hat, hat die Hälfte aller Deutschen eigentlich gar keinen Besitz: Maximal 15.000 Euro nennen sie ihr Eigen. Nur die Reichen werden immer reicher. Die Mittelschicht rangiert zwar definitionsgemäß noch immer in der Mitte, aber die gediegene Sicherheit, die mit diesem Begriff verbunden wurde, sie ist verschwunden.

Diese gespaltene Gesellschaft wird nun von einem dramatischen Abschwung erfasst, für den es im Gedächtnis der Lebenden kein Vorbild gibt. Niemand weiß, was das Minus von 2,25 Prozent konkret bedeuten wird, das die Regierung am Mittwoch offiziell prognostiziert hat. Sichtbar ist bisher nur, dass die Wirtschaft eine Vollbremsung hinlegt. Die Exporte brechen ein, die Automobilindustrie beantragt Kurzarbeit, die Banken melden immer neue Verluste.

Diese schwere Krise ist beispiellos. Aber genauso beispiellos ist, dass die Normalbürger schon vom vorangegangenen Boom nicht mehr profitiert haben. Es gehörte immer zur Erzählung der Bundesrepublik, dass in den Krisen "der Gürtel enger geschnallt" wird - auf dass in guten Zeiten jeder seinen Anteil erhält. Dieses ideologische Fundament gerät nun ins Rutschen. Inzwischen ist nur noch die Hälfte der Bundesbürger von der sozialen Marktwirtschaft überzeugt. Gleichzeitig sind Dreiviertel der Bevölkerung der Meinung, dass es in Deutschland ungerecht zugeht. Und sie täuschen sich nicht, wie die neueste DIW-Studie zeigt. Noch schlimmer: Durch die Finanzkrise wird die soziale Spaltung weiter zunehmen.

So startet die Bundesrepublik in ein sozioökonomisches Experiment, für das es keine historische Schablone gibt: Die Exportnation Deutschland muss lernen, sich von Exporten unabhängiger zu machen. Und die vermeintliche Mittelstandsgesellschaft muss sich der Realität stellen, dass sie sich wieder zu einer Klassengesellschaft entwickelt.

Quelle: http://www.taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/1/vom-v…
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schrieb am 22.01.09 05:48:36
Beitrag Nr.26 
(36.423.696)
Antwort
Zitat
Hier speziell etwas für die Anleger unter euch/uns:



Das Kapital
Zwölf Prozent seit 1970

Wehe dem, der im Januar 1970 Aktien gekauft hat. Glückwunsch dem, der in den frühen 80ern zugeschlagen hat. Und Obacht dem, der jetzt ein langfristiges Engagement erwägt.


Jedes Kind weiß, dass Aktien langfristig immer eine gute Anlage sind. Aber was ist langfristig? Sowohl der MSCI Deutschland als auch der MSCI USA haben das Jahr 2008 ungefähr auf dem Niveau vom Sommer 1997 abgeschlossen. Wer etwas länger als elf Jahre Aktien besitzt, wird in der Regel also Kursgewinne erzielt haben. Seit 1970 hat sich der MSCI Deutschland mehr als verfünffacht, der MSCI USA gar gut verneunfacht. Das entspricht durchschnittlichen jährlichen Kursgewinnen von 4,4 respektive 5,9 Prozent. Nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass sich die Kurse 2008 ja fast halbiert haben. Ein langer Atem scheint sich für die Anleger also auszuzahlen.

Tut er das? Nun ja, berücksichtigt man die zwischenzeitliche Verbraucherpreisinflation, sinken die realen Kursgewinne in Deutschland seit 1970 auf 72 Prozent - oder 1,4 Prozent jährlich. Wer in den USA investiert hat, kommt gerade mal auf ein kumuliertes reales Kursplus von zwölf Prozent. Das ergibt sich jedenfalls dann, wenn man den MSCI USA in (synthetische) D-Mark umrechnet und anschließend um die hiesige Verbraucherpreisinflation bereinigt. Ziemlich bitter, nicht?

Das Problem ist, dass Aktien Anfang der 70er zu hoch bewertet waren (nicht unbedingt nach dem KGV, doch das allein ist ein schlechter Ratgeber, wie die vergangenen Quartale belegt haben). Wer die Überbewertung 1970 missachtet hat, büßt für seine Kaufentscheidung aber bis heute; die ernüchternde reale Wertentwicklung zeigt es. Stellt sich die Frage, wie es derzeit um die Bewertung von Aktien bestellt ist. Kennziffern wie das KGV oder das Kurs-Buchwert-Verhältnis, die durch Rechnungslegungsänderungen und/oder - noch - hohe Gewinnmargen verzerrt sind, bewegen sich inzwischen teils deutlich unter ihren langfristigen Durchschnittswerten. Das Kurs-Cashflow-Verhältnis hingegen ist in Europa und in den USA gerade mal da, wo es vor dem Beginn des irrationalen Überschwangs 1996 im Durchschnitt war. Auch das Verhältnis von Kursen zu BIP oder sehr langfristige reale Kurstrends deuten darauf hin, dass Aktien derzeit gerade mal "normal" bewertet sind.

Angesichts der wirtschaftlichen Lage scheint das nicht sonderlich vielversprechend. Denn selbst langfristig kann man mit Aktien nur ruhig schlafen, wenn man billig einkauft. Wer etwa bei den grausigen Kursen in den frühen 80ern zugeschlagen hat, weiß das bis heute zu schätzen.

Quelle: Aus der FTD vom 22.01.2009
© 2009 Financial Times Deutschland
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schrieb am 22.01.09 05:54:51
Beitrag Nr.27 
(36.423.698)
Antwort
Zitat
Antwort auf Beitrag Nr.: 36.420.839 von clownfisch am 21.01.09 17:41:57Und das zum Schluss.
Bis später...


"Mutter aller Krisen"
Volcker warnt vor Dollarcrash
von Tobias Bayer (Frankfurt)

Er wurde berühmt durch seinen harten Anti-Inflationskurs an der Spitze der amerikanischen Notenbank in den 80er-Jahren. Nun ist der 81-Jährige Berater von Obama. In ungewöhnlich drastischen Worten zeichnet er ein düsteres Bild der US-Wirtschaft.

Paul Volcker, der Ex-Chef der amerikanischen Notenbank und jetzige Wirtschaftsberater von Präsident Barack Obama, hat vor einem Dollarcrash gewarnt. "Es besteht das Risiko, dass das Vertrauen in den Dollar sinkt", sagte Volcker am Mittwoch bei der Senatsanhörung des designierten Finanzministers Timothy Geithner. Für die US-Wirtschaft ist er sehr skeptisch. Das Ende der Rezession sei nicht absehbar, die Welt befinde sich mitten in der "Mutter aller Krisen".

Der Amtsantritt Obamas wird von der schwierigen wirtschaftlichen Situation überschattet. Die Vereinigten Staaten sind laut dem Ökonomengremium NBER seit Dezember 2007 in der Rezession. Im dritten Quartal schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,5 Prozent, für das vierte Quartal erwarten Volkswirte sogar ein Minus von mindestens vier Prozent. Laut Volcker ist bei der Rezession "kein Ende in Sicht".

Als Fed-Chef hatte Volcker eine strikte Politik des starken Dollar und des Kampfs gegen die Inflation betrieben. So erhöhte er Ende der 70er- und Anfang der 80er-Jahre mehrmals den Leitzins auf bis zu 20 Prozent.

Dollar verliert deutlich gegenüber dem Yen

Derzeit stemmen sich Regierung und Notenbank gegen die Krise. Doch wegen Konjunkturpaketen und Milliardenkrediten an die Wall Street steigt auch die Staatsverschuldung. Momentan wird ein Haushaltsdefizit von 1200 Mrd. $ erwartet. Das wiederum wird als Gefahr für den Dollar angesehen. Die Sorge: Gerade Investoren aus Übersee wie ausländische Zentralbanken könnten ihre Dollarreserven umschichten - und damit zu einem Verfall des Dollars und einem massiven Renditeanstieg bei US-Staatsanleihen führen.

Bis jetzt allerdings legte der Greenback seit Jahresbeginn zu den meisten Währungen zu: Gegenüber dem Euro kletterte er um 7,9 Prozent und gegenüber dem britischen Pfund um knapp sechs Prozent. Am Mittwoch notierte der Euro bei 1,2857 $. Nur gegenüber dem japanischen Yen fiel er um 3,6 Prozent.

Geithner will Bankenrettungspaket reformieren

Washington denkt derzeit darüber, wie das Bankenrettungspaket Troubled Asset Relief Programme (TARP) reformiert werden sollte. Ursprünglich zum Aufkauf von problematischen Wertpapieren gedacht, wurde das 700 Mrd. $ schwere Paket zum Direkteinstieg bei angeschlagenen Banken verwendet. Bisher allerdings lässt der Durchbruch auf sich warten. Gerade mit der Citigroup und Bank of America befinden sich zwei der größten Banken des Landes nach Abschreibungen in Milliardenhöhe in Schieflage, was wiederum die Kreditvergabe beeinträchtigt.

Timothy Geithner will das TARP-Programm reformieren und die zweite Häfte "konsequent" einsetzen. Ohne genaue Details zu nennen sagte Geithner bei der Anhörung am Mittwoch: "Wenn wir jetzt nicht entschlossen und mit Kraft handeln, werden die Kosten der Krise höher ausfallen." Geithner steht wegen nicht-gezahlten Steuern in der Kritik. Es wird aber damit gerechnet, dass seine Nominierung trotzdem erfolgreich ist. Obama vertraut dem 47-Jährigen, weil er als Präsident der Distriktnotenbank New York seit Jahren direkt mit den Wall-Street-Banken in Kontakt steht.

Quelle: http://www.ftd.de/boersen_maerkte/aktien/anleihen_devise…
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schrieb am 22.01.09 06:13:02
Beitrag Nr.28 
(36.423.712)
Antwort
Zitat
Antwort auf Beitrag Nr.: 36.421.143 von raceglider am 21.01.09 18:17:33"Wenn eine dermaßen unfähige Institution (konfuse Gesetzgebung - s. z.B. ständige Verkomplizierung des Steuerrechts - , beharrliche Unterstützung des EU-Wahns, Festhalten am Euro, kein Abbau - auch schon vor der Finanzkrise - , sondern Ausweitung der Staatsverschuldung, tatenlose Hinnahme des Kriminalitätswachstums usw.) eine derartige Aussage macht, wird die Krise wohl erst noch richtig losgehen."

Wie recht du hast. Ich denke es ist an der Zeit dass man in Berlin aktiv wird (Demos etc.). Dieser Zustand ist nicht mehr hinnehmbar.
-Steuergesetze
-Euro
-Subventionen
-Zahlungen an die EU
-Soli, Länderfinanzausgleich
Merkel und die korrupte Parteidiktatur ist am Ende.
Ein EU Mitgliedsstatus wie der der Scheiz ist völlig ausreichend.
Fragt endlich das Volk, oder das Volk wird Fakten schaffen.
Avatar
schrieb am 22.01.09 06:22:11
Beitrag Nr.29 
(36.423.718)
Antwort
Zitat
Mitgliedsstatus like Schweiz heisst natürlich raus aus der EU
(für Leute die mit meinem Humor nichts anfangen können).
Avatar
schrieb am 22.01.09 06:56:09
Beitrag Nr.30 
(36.423.746)
Antwort
Zitat
Antwort auf Beitrag Nr.: 36.423.712 von fast4ward am 22.01.09 06:13:02
Die Revolution ist die erfolgreiche Anstrengung, eine schlechte Regierung loszuwerden und eine schlechtere zu errichten.

Oscar Wilde, 16.10.1854 - 30.11.1900
irischer Dramatiker und Schriftsteller


[ Seite: 1234342534263427neuster Beitrag ]

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