Antwort auf Beitrag Nr.:
36.487.942 von Maraho am 31.01.09
17:01:58Auch eine Meinung...
Die Weltwirtschaft meldet sich krank
Bill Bonner
Die Ökonomen sehen die längste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg
vor uns liegen", ist eine Schlagzeile bei Reuters. Die Ökonomen
sind immer die, die am wenigsten wissen, was los ist. Wenn sie eine
lange Rezession sehen, dann ist sie vielleicht schon vorbei? Aber
nein... diesmal denke ich, dass es sogar die Ökonomen richtig
erfasst haben.
Das ist schlimmer als die Sparkassenkrise", sagte mein alter Freund
Jim Rogers vor einem Jahr. Das ist das erste Mal - das ist die
schlimmste Kreditblase, die wir je in der amerikanischen Geschichte
hatten. Nein - noch nie in der amerikanischen Geschichte waren die
Leute in der Lage, ein Haus zu kaufen, ohne Geld auf den Tisch zu
legen, niemals. Das ist zu keiner Zeit irgendwo auf der Welt so
gewesen. Also haben wir die schlimmste Kreditblase.
Es wird viel Zeit vergehen, ehe wir da wieder herausgefunden haben
werden. Man kann eine Blase nicht innerhalb von nur sechs Monaten
heilen... dazu braucht man fünf oder sechs Jahre."
Die Weltwirtschaft kränkelt ganz deutlich. Aber was stimmt hier
wirklich nicht?"
Im Jahr 1945 war die Kriegswirtschaft plötzlich nicht mehr im
Geschäft. Die Bestellungen für Panzer und Schusswaffen kamen nicht
mehr. Die Wirtschaft fühlte sich nicht gut. Die
Wirtschaftwissenschaftler befürchteten, dass die Vereinigten
Staaten zurück in eine Rezession im Stile der Rezession der
Dreißiger fallen könne. Die Investoren haben in Erwartung dessen
ihre Aktien ausverkauft.
Stattdessen sind die Soldaten nach Hause zurückgekehrt und sie
haben geheiratet. Die Frauen haben ihre Jobs aufgegeben und keine
Flugzeuge mehr gebaut und sie haben angefangen, Familien zu
gründen. Dann fingen die neugegründeten Familien an, das Geld
auszugeben, das sie in den Kriegsjahren gespart hatten. Und dann
kamen die Bestellungen für Kühlschränke, Häuser und Autos... und
die Krankheit ist wieder verschwunden.
Wieder einmal fühlt sich die Wirtschaft so, als habe sie sich eine
Grippe eingefangen. Und wieder einmal kann der Grund dafür auf eine
Wetteränderung zurückgeführt werden. Nach so vielen Jahren, in
denen die Amerikaner weit über ihren Verhältnissen lebten, fangen
sie jetzt zögerlich damit an, unter ihren Verhältnissen zu leben.
Anstatt jeden Nickel auszugeben, den sie verdienen und dazu noch
einige, die sie nicht verdient haben, fangen sie jetzt endlich
wieder an zu sparen. Nicht dass sie das wollten, aber sie müssen.
Die leichten Kredite sind verschwunden.
Und deswegen kommen die Neubestellungen für Autos, Küchen mit
Granitarbeitsplatten und neue Fernseher nicht mehr herein.
Doch diesmal gibt es keine Soldaten, die wieder nach Hause kommen
-oder wenigstens nicht so viele, dass es einen Unterschied machen
würde. Und es gibt keine Frauen, die ihre Stelle bei den
Flugzeugbauern aufgeben, um eine Familie zu gründen. Und keinen
Zunder um das Feuer unter einem neuen Ausgabenboom der Verbraucher
zu entzünden - die Leute haben heute triefende Schulden und keine
Ersparnisse.
Das ist nicht nur für die Vereinigten Staaten ein Problem. Es ist
ein Problem für die ganze Welt. Die Amerikaner waren die
Konsumenten der Welt. Man konnte sich darauf verlassen, dass sie
Geld ausgeben würden - selbst dann noch, als sie schon kein Geld
mehr hatten, das sie hätten ausgeben können. Und sie kauften die
Elektronikgeräte, die von den Chinesen hergestellt wurden, den Wein
aus Chile, die Autos aus Japan.
Und sie waren die Dummköpfe des letzten Auswegs für den gesamten
Planeten. Jetzt kommen die amerikanischen Verbraucher wieder zu
Sinnen, und die gesamte Weltwirtschaft fühlt sich ein wenig
kränkelnd.
Auf sich selbst zurückgeworfen, versuchen die Leute sich
anzupassen. Die chinesischen Fabriken schalten nach und nach um.
Anstatt das Zeug für die Leute in Minnesota herzustellen, stellen
sie heute Produkte für die Leute im Reich der Mitte her. Entlassene
japanische Autoherstellern könnten anfangen, Nudelstände zu
eröffnen. Auf die eine oder andere Art wird sich alles ergeben...
und die Krankheit wird vorübergehen.
Doch die Quacksalber drohen, die Krankheit noch viel schlimmer
werden zu lassen.
Sie liefern natürlich nur die üblichen Elixiere - in gewaltigen
Dosen.
Was die fiskalischen Konjunkturprogramme" anbelangt, sagt der neu
gewählte Präsident, dass er das TARP-Programm dahingehend ändern
wird, dass noch mehr Steuerzahler davon verleitet werden - und
nicht nur einige der ganz Großen an der Wallstreet. Er sagt, dass
er darauf abzielt, 4,1 Millionen neue Arbeitsplätze zu schaffen.
Schon jetzt geht das Haushaltsbüro des Kongresses davon aus, dass
die amerikanischen Defizite im Jahr 2009 bei 1,18 Billionen liegen
werden - noch ehe Obamas neues Konjunkturprogramm berücksichtigt
wurde.
Was die monetären Konjunkturprogramme anbelangt, ist nichts mehr
übrig; die Zentralbank kann die Zinssätze nicht noch weiter senken.
Wenn sie die Raten noch weiter nach unten drücken wollten, dann
müssten sie die Kreditnehmer dafür bezahlen, dass sie das Geld
nehmen.
Aber das neue Supermedikament der Zentralbank ist die Politik der
quantitativen Erleichterung." Was soll das sein, werden Sie sich
jetzt sicher fragen? Es beschreibt den letzten Plan der
Zentralbank, die giftigen Assets von den Banken zu kaufen. Die
Banken werden so ihre Reserven erhöhen.
Wenn sie weiter das gleiche Verhältnis zwischen Krediten und
Reserven aufrecht erhielten, dann würden sie mehr Geld verleihen
müssen, das erzeugt Geld aus dünner Luft". Mit anderen Worten, gibt
es zwischen der quantitativen Erleichterung" und dem Drucken von
Geld" nicht mehr genug Platz, um ein U-Bahn-Ticket dazwischen
schieben zu können.
Bislang hat diese neue Behandlungsmethode noch keine Anzeichen
einer Erholung erkennen lassen. Aber keine Sorge, die Quacksalber
werden nicht aufgeben. Sie werden immer höhere Dosen verschreiben
-bis der Patient gestorben sein wird.
Quelle:
http://zeitenwende.ch/bill-bonner/die-weltwirtschaft-melde…