Antwort auf Beitrag Nr.:
37.041.627 von Maraho am 26.04.09
08:00:07Mit diesem Thema fing es heute an und damit
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SCHWEINEGRIPPE
USA lösen nationalen Gesundheitsalarm aus
86 Tote und 1300 Verdachtsfälle in Mexiko, 20 Erkrankte in den USA
und möglicherweise Infizierte in Frankreich, Spanien, selbst
Neuseeland: Die Schweinegrippe bereitet sich aus - die Angst
wächst. Jetzt haben die Amerikaner die Behörden in
Alarmbereitschaft versetzt.
Mexiko-Stadt/Berlin - Höchste Alarmbereitschaft bei der
US-Regierung: Am Sonntagabend erklärte die Heimatschutzbehörde die
tödliche Schweinegrippe zum nationalen Risiko. Mittlerweile wurden
laut des Center of Disease Control (CDC) 20 Fälle der
Schweinegrippe in fünf US-Bundesstaaten bestätigt - bei allen
Infizierten sei die Erkrankung mild verlaufen.
Trotzdem warnte die Heimatschutzministerin Janet Napolitano, die
USA müssten sich auf eine neue Grippeepidemie einstellen - selbst
wenn die aktuelle Welle bald wieder abebben sollte. Die
Weltgesundheitsorganisation (WHO) sprach von einem
Gesundheitsnotfall internationalen Ausmaßes.
Die US-Regierung hat nun Gesundheitskontrollen für Einreisende
angekündigt. Alle, die aus Ländern mit bestätigten Fällen von
Schweinegrippe in die USA kommen, sollen bei der Einreise über
ihren Gesundheitszustand befragt werden. In Zweifelsfällen können
weitere Tests angeordnet werden.
Weltweit wächst die Angst vor der Schweinegrippe, immer mehr Länder
erhöhen die Vorsichtsmaßnahmen: Italien, Polen, Russland und
Venezuela haben ihren Bürgern empfohlen, Reisen in die betroffenen
Gebiete in Mexiko und den USA aufzuschieben. Hongkong und Südkorea
warnten vor Reisen in die Hauptstadt Mexiko-Stadt und die drei
betroffenen mexikanischen Provinzen.
Die deutsche Regierung hat noch keine Reisewarnung ausgesprochen,
rüstet sich aber für den Fall, dass das Virus eingeschleppt wird.
Ein Sprecher des Auswärtigen Amts sagte, die Botschaft und ein
Regionalarzt beobachteten die Lage in Mexiko sehr genau.
Das Virus trägt den Namen A/H1N1. Das Tückische an dem Erreger ist,
dass er Influenzaviren vom Schwein, von Vögeln und vom Menschen
verbindet, dass es gegen ihn noch keinen eigenen Impfstoff gibt -
und dass er auch von Mensch zu Mensch übertragen wird.
In Deutschland gibt es bislang keine Verdachtsfälle von
Schweinegrippe. Wie gefährlich der Erreger ist, sei aber noch nicht
zu bewerten, bekräftigte das Robert-Koch-Institut am Sonntag in
Berlin. RKI-Sprecherin Susanne Glasmacher verwies auf die
Einschätzung der WHO, dass der Erreger zu einer Pandemie - also
einer weltweiten Epidemie - führen könnte.
In Zentralmexiko, wo der Virus zuerst ausgebrochen ist, stieg die
Zahl der Grippetoten am Sonntagabend auf 86. Bei 20 dieser
Todesfälle ist der mutierte Schweinegrippeerreger vom Typ H1N1
bereits nachgewiesen worden. Mehr als 1300 Grippekranke werden auf
das Virus untersucht - Mexikos Präsident Felipe Calderon bemühte
sich, zu beruhigen. Nach seinen Angaben sollen die meisten
Erkrankten nicht durch das Virus infiziert sein. Seine Botschaft:
Ruhe bewahren. Die Regierung hatte am Wochenende mit drastischen
Maßnahmen gegen einen Seuchenausbreitung reagiert. Teilweise
spürten Suchtrupps mögliche Grippekranke in Wohnungen und auf
Bahnhöfen auf. Auch Soldaten waren im Einsatz.
Erste Verdachtsfälle wurden inzwischen aus Spanien gemeldet, dort
waren es drei, in Frankreich vier. Die Patienten waren mit leichten
Grippesymptomen aus Mexiko gekommen, der Erreger wurde bei ihnen
aber noch nicht exakt bestimmt. Im Fall eines Flugbegleiters der
British Airways in London bestätigte sich eine Infektion nicht.
In Kanada wurde in vier Fällen eine Ansteckung mit der
Schweinegrippe bestätigt. In Neuseeland ist die Lage weiter unklar:
Zehn Schüler wurden nach der Rückkehr aus Mexiko zu Hause unter
Quarantäne gestellt und warten nun auf Testergebnisse.
Russland und Serbien verhängen Fleischverbote
Immer mehr Länder verbieten mit Blick auf eine Epidemie den Import
mexikanischer Fleischprodukte - dabei gibt es nach Angaben der WHO
noch immer "keinen Beweis" dafür, dass Menschen krank werden, weil
sie mit Schweinen oder Schweinefleisch in Berührung gekommen
seien.
Russland verhängte dennoch ein Importverbot für Fleischprodukte
sowie Regionen, wo es bestätigte Krankheitsfälle gibt. Serbien
verbot alle Fleischeinfuhren aus Nordamerika.
Die italienische Agrarlobby Coldiretti warnte vor Panikreaktionen.
Die Landwirte hätten schon 2001 und 2005 aufgrund von
Verbraucherboykotten wegen des Rindeswahnsinns und der Vogelgrippe
Hunderte Millionen Euro verloren.
Auch die WHO bemühte sich, eine Panik einzudämmen. Trotz der
angespannten Lage sei die Welt "besser denn je" gegen den Ausbruch
einer Epidemie gerüstet. Dazu hätten die Vogelgrippe-Erfahrungen
der vergangenen Jahre beigetragen, erklärte der amtierende
WHO-Generaldirektor für Gesundheitssicherheit und Umwelt, Keiji
Fukuda, in Genf.
Experten warnen seit Jahren vor einer Grippe-Pandemie, der
weltweiten Ausbreitung eines Virus, gegen den keine Impfmöglichkeit
besteht. Für den Fall haben auch deutsche Behörden aufwendige
Vorsorge- und Krisenablaufpläne erarbeitet und große Mengen
antiviraler Medikamente eingelagert.
Alarmplan am Münchner Flughafen
Bund und Länder stimmten am Sonntag einheitliche Empfehlungen ab,
wie man mit Verdachtsfällen umgehen solle. Die Fluggesellschaften
seien bereits grundsätzlich vorbereitet, ebenso die
Gesundheitsämter.
"Allerdings sind bestimmte Situationen nicht bis ins Detail
planbar", betonte RKI-Sprecherin Glasmacher. Für eine Prognose, wie
sich die Schweinegrippe entwickeln werde, sei es noch zu früh. "Es
ist zu wenig über die Situation bekannt", sagte sie und warnte
davor, Horror-Szenarien herbeizureden. Nach ersten Tests der
US-Seuchenkontrollbehörde spricht das Virus auf Grippemedikamente
der neuen Generation an.
Der Flugbetrieb lief am Sonntag zunächst wie gehabt. Am Flughafen
Frankfurt am Main landet am Nachmittag eine Maschine aus
Mexiko-Stadt. Besondere Vorkehrungen seien nicht getroffen worden,
sagte ein Sprecher des Flughafenbetreibers Fraport. Es gebe
Notfallpläne - gerade zur Infektionsabwehr. Sie träten aber erst
auf Anordnung der Gesundheitsbehörden in Kraft. Das AA weist auf
seinen Internetseiten auf den Ausbruch der Krankheit hin und
empfiehlt Reisenden, "die Medienberichterstattung aufmerksam zu
verfolgen".
Quelle:
http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,621212,00…