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Am Sterbebett eines Systems ( Seite 10)

Diskussionsstatistik
eröffnet am 21.01.09 17:19:56
von
neuster Beitrag 25.05.12 19:36:37
von

Anzahl Beiträge: 34.270
Aufrufe gesamt: 956.098
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Diskussionsnr.: 1.147.722
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schrieb am 24.01.09 06:47:50
Beitrag Nr.91 
(36.440.932)
Antwort
Zitat
Antwort auf Beitrag Nr.: 36.440.926 von Maraho am 24.01.09 06:21:53Wenn das mal alles gutgeht...


Nettokreditaufnahme steigt drastisch
Schulden doppelt so hoch

Rezession und zwei Konjunkturpakete: Die Neuverschuldung des Bundes wird in diesem Jahr deutlich höher ausfallen als bisher geplant.
Von Claus Hulverscheidt

Die deutlich höhere Neuverschuldung geht aus der Vorlage des Finanzministeriums für einen Nachtragshaushalt hervor, den das Kabinett am Dienstag beschließen will.

Danach steigt die Nettokreditaufnahme von zuletzt 11,5 Milliarden auf 36,8 Milliarden Euro. Bisher waren 18,5 Milliarden Euro vorgesehen gewesen. Mit den zusätzlichen Darlehen soll eine "Störung des gesamtwirtschaftlichen Gleichgewichts" beseitigt werden. Das ist laut Grundgesetz die Voraussetzung dafür, dass die Kreditaufnahme die Summe der Investitionen übersteigen darf.

Zugleich wird die Regierung einen Investitions- und Tilgungsfonds einrichten, über den im Laufe von zwei Jahren 16,9 Milliarden Euro in die Sanierung von Straßen sowie die Renovierung und Ausstattung von Kindergärten, Schulen und Krankenhäusern gesteckt werden sollen. Ziel ist es, wegbrechende Aufträge für Bauwirtschaft und Industrie im Zuge der Wirtschaftskrise zumindest teilweise zu ersetzen. Inklusive Zinszahlungen wird der Fonds ein Volumen von 21 Milliarden Euro haben.

Für die Tilgung dieses sogenannten Sondervermögens will die Koalition die Gewinne der Bundesbank verwenden. Dieses Verfahren hatte sich schon bei der Rückzahlung der Schulden aus dem Erblastentilgungsfonds bewährt.

Konkret ist vorgesehen, dass im Jahr 2010 maximal 3,5 Milliarden Euro des Bundesbankgewinns in den regulären Bundeshaushalt fließen dürfen. Die darüber hinaus gehende Summe wird - falls vorhanden - an den neuen Tilgungsfonds überwiesen. In den Folgejahren soll dieser Anteil sogar noch steigen: 2011 darf der Finanzminister höchstens drei Milliarden Euro der Zahlung aus Frankfurt für den Haushalt verwenden, von 2012 an nur noch 2,5 Milliarden.

Wie hoch die Neuverschuldung des Bundes in diesem Jahr insgesamt ausfallen wird, ist noch ungewiss. Dies hängt vom Mittelabfluss des Tilgungsfonds und dem entsprechenden Kreditbedarf ab. In Regierungskreisen hatte es zuvor geheißen, dass man für 2009 mit einem Mittelbedarf von etwa 50 Milliarden Euro kalkulieren müsse. 2010 könne diese Summer weiter ansteigen. Spätestens dann werde sich auch die EU-Verschuldungsgrenze von drei Prozent nicht mehr einhalten lassen.

Quelle: http://www.sueddeutsche.de/finanzen/254/455927/text/…

Und hier der Stand der Dinge: http://www.steuerzahler.de/webcom/show_softlink.php/_c-…
Wahnsinn mit Methode: Finanzcrash und Weltwirtschaft
Wahnsinn mit Methode: Finanzcrash und Weltwirtschaft

Sahra Wagenknecht
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schrieb am 24.01.09 06:55:42
Beitrag Nr.92 
(36.440.937)
Antwort
Zitat
Damit wir einen sorgenfreien Lebensabend genießen können...
Ist wohl so nicht haltbar...


Die private Vorsorge ist teuer und nicht sonderlich sicher
Die Riester-Rente ist absurd
KOMMENTAR VON ULRIKE HERRMANN

Die deutschen Aktien haben rund 40 Prozent ihres Wertes eingebüßt. Da drängt sich die Frage auf: Wer verliert bei der Finanzkrise? Auf den ersten Blick scheint der Mittelstand kaum betroffen, denn nach dem Schock der Dotcom-Krise 2001 sind die meisten Kleinanleger nie wieder an die Börse zurückgekehrt.

In den letzten acht Jahren hat sich die Zahl der Aktionäre fast halbiert, wie das Deutsche Aktieninstitut (DAI) konstatiert. 2008 gab es noch ganze 2,78 Millionen "echte" Aktienbesitzer - die also nicht nur die Belegschaftsaktien ihres Arbeitgebers besaßen. Bei den Fonds ist ebenfalls ein Schwund zu verzeichnen; nur noch 7,1 Millionen Bundesbürger haben Fondsanteile.

Dennoch sollten die vielen Nichtaktionäre nicht glauben, dass sie sich entspannt zurücklehnen können. Die Finanzkrise widerlegt alle Gewissheiten, die über Anlagestrategien und Alterssicherung verbreitet wurden. So entpuppt sich etwa die Riester-Rente als teurer Irrweg.

Im September 2008 hatten fast 12 Millionen Bürger eine Riester-Rente abgeschlossen - "ein Zuwachs binnen Jahresfrist von über 23 Prozent", jubelte das Bundesarbeitsministerium. Und weiter im offiziellen Text: "Vor dem Hintergrund der Finanzkrise zeigt sich: Die Menschen vertrauen bei der Altersvorsorge zurecht der Riester-Rente. […] Am Ende muss immer mindestens das eingezahlte Kapital plus staatliche Zulagen als Zusatzrente zurückfließen. Das bewährt sich gerade in diesen Tagen."

Man soll sich also getröstet fühlen: Was von Bürgern und Staat eingezahlt wird, kommt auch wieder raus. Tatsächlich aber formuliert das Ministerium eine Bankrotterklärung. Wenn mehr als die eigenen Beiträge plus Staatszulagen nicht zu erwarten sind, kann man das Geld ja auch gleich unter die sprichwörtliche Matratze legen. Oder, genauer, auf einem Girokonto parken. Vom Ministerium eingestanden kann die Riester-Rente noch nicht einmal Inflationsschutz garantieren. Das ist nicht harmlos, sondern bedeutet: Was jetzt eingezahlt wird, wäre in 30 Jahren bei einer jährlichen Inflationsrate von 2 Prozent weitgehend wertlos. Wozu braucht man also noch Versicherungs- und Bankkonzerne, die die Riester-Rente aufwendig verwalten und gewaltige Gebühren kassieren? Um das eigene Geld zu vernichten, benötigt man keine teure Hilfe. Ein Gang ins Kasino tuts auch.

Die Regierung geht natürlich davon aus, dass sie ein Worst-Case-Szenario beschreibt. Es soll ja "mindestens" das eingezahlte Kapital plus staatliche Zulagen zurückfließen. Gehofft wird also auf eine deutliche Zusatzrendite für die Riester-Sparer.

Nur, wo soll dieser Gewinn herkommen? Aus Aktien ja wohl nicht. Schon vor der Finanzkrise hat die Bundesregierung vorgeschrieben, dass die Versicherungen maximal 30 Prozent der Riester-Prämien in Aktien investieren dürfen. Tatsächlich dürfte der Aktienanteil derzeit sogar nur bei rund 7 Prozent liegen. Das ist durchaus weise angesichts der Börsenverluste.

Doch bleibt das Problem ungelöst, wo die Versicherungen ihre Milliardenprämien lukrativ anlegen sollen. Kürzlich hat die Allianz offenbart, wie sie das Geld ihrer Kunden momentan verwaltet: 15 bis 20 Prozent stecken in Unternehmensanleihen, rund 50 Prozent sind in deutschen Pfandbriefen und deutschen Staatsanleihen untergebracht. Nur 5 Prozent wurden in Immobilien investiert. Zum Rest gab es keine Angaben.

Dieses Portfolio soll breitgefächert wirken, doch faktisch investiert die Allianz vor allem bei einer Adresse: beim Staat. Bei den Staatsanleihen ist das offensichtlich. Aber auch hinter dem Stichwort "Pfandbrief" verbergen sich vor allem Papiere, die von der öffentlichen Hand bedient werden. Sie machten 2007 rund 70 Prozent des Pfandbrief-Marktes aus. Selbst Unternehmensanleihen sind längst nicht so staatsfern, wie sie klingen. Denn die Allianz kauft besonders gern die Anleihen von "Versorgern" - also etwa großen Stromkonzernen, die vom Staat ein Quasimonopol geschenkt bekommen haben und durch diese Regierungshilfe jetzt Milliardenprofite scheffeln. Beliebt sind bei der Allianz neuerdings auch wieder Bankanleihen, weil "weltweit keine große Bank mehr in die Pleite gehen wird". Das stimmt genau und ist doch nur dem Staat zu verdanken - diesmal seinen Rettungspaketen, für die er weitere Staatsanleihen aufnehmen muss, die die Allianz dann kaufen kann.

Die Riester-Rente ist absurd: Sie wurde eingeführt, weil die staatliche Rente angeblich nicht sicher ist - doch tatsächlich werden auch jetzt die Erträge vor allem vom Staat erzeugt. Der Staat sind jedoch die Steuerzahler, die nun von der einen Tasche in die andere wirtschaften - und das nennt sich dann "Riester-Rente".

Spätestens diese Finanzkrise widerlegt drei zentrale Mythen rund um die Riester-Rente:

1) Die Riester-Rente sei sicher, weil sie nicht an Deutschland gebunden ist. Die Versicherungskonzerne könnten weltweit in Firmen investieren, während die staatliche Rente spießig national sei. Als Krisenszenario war also vorgesehen, dass chinesische Arbeiter für die deutschen Riester-Rentner aufkommen, falls die Bundesrepublik ökonomisch schwächelt. Doch jetzt zeigt sich, dass es isolierte Boomregionen nicht gibt. Selbst China, so lange als Wunderland gepriesen, befindet sich offenbar in einer schweren Rezession. Nichts ist so global wie eine Finanzkrise. Die deutschen Riester-Milliarden sind daher nirgends sicherer als in Deutschland, wie ja auch die Allianz klar erkannt hat.

2) Die Riester-Rente sei besonders lukrativ, weil man in Aktien investieren könne. Das hat sich in der Finanzkrise sowieso als Illusion erwiesen - aber auch langfristig sind Aktien nicht besonders ertragreich. Die Financial Times Deutschland hat errechnet, dass die realen Kursgewinne seit 1970 nur 1,4 Prozent jährlich betragen.

3) Die Riester-Rente sei zwingend, weil die Gesellschaft vergreise. Die "demografische Katastrophe" war das zentrale Schlagwort, mit dem sich die Riester-Lobby durchgesetzt hat. Gezielt wurde die Hysterie geschürt, dass gesamtgesellschaftliche Solidarität nicht mehr finanzierbar sei. Doch jetzt zeigt sich erneut, dass der Demografie nicht zu entkommen ist. Letztlich muss immer der Steuer- und Beitragszahler ran. Bei der staatlichen Rente ist dies offensichtlich - und bei der Riester-Rente nur kunstvoll verbrämt, indem private Versicherungen dazwischengeschaltet werden. Aber auch die Riester-Konzerne können fast nur in staatlich garantierte Anlagen investieren, wenn sie kein allzu großes Risiko eingehen wollen.

Die Riester-Rente ist eine Meisterleistung des Lobbyismus, denn sie ist sinnlos: Ihre angeblichen Renditen hat sie direkt von den Steuerzahlern - die dafür auch noch Milliarden an Gebühren zahlen müssen. Die staatliche Rente wäre da deutlich billiger und mindestens so sicher.

Die Finanzkrise wird für die Steuerzahler sowieso sehr teuer. Als kleine Kompensation sollten die Versicherungskonzerne gezwungen werden, ihre Riester-Beute an den Staat zurückzugeben.

Quelle: http://www.taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/1/d…
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schrieb am 24.01.09 07:01:55
Beitrag Nr.93 
(36.440.939)
Antwort
Zitat
Antwort auf Beitrag Nr.: 36.440.937 von Maraho am 24.01.09 06:55:42Zum selben Thema:

Lebensversicherer
Das große Schaulaufen

Trotz Finanzkrise halten die Lebensversicherer in diesem Jahr die Verzinsung der Sparguthaben halbwegs stabil. Doch von den deklarierten Prozentsätzen sollte sich der Kunde nicht blenden lassen. Dies gilt umso mehr, wenn die Anbieter mit einer hohen Gesamtverzinsung locken. Tatsache ist: Die Renditen sinken seit Jahren.

Weiterführend: http://www.manager-magazin.de/geld/geldanlage/0,282…
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schrieb am 24.01.09 07:08:59
Beitrag Nr.94 
(36.440.945)
Antwort
Zitat
Antwort auf Beitrag Nr.: 36.425.886 von AHEO am 22.01.09 12:26:45Und das war es erst einmal.
Lasst euch das Frühstück schmecken...


Arbeitsminister Scholz erwartet mehr Kurzarbeit

Berlin (dpa) - Bundesarbeitsminister Olaf Scholz rechnet verbreitet mit Kurzarbeit. Bereits jetzt würden hunderttausende Beschäftigte kurzarbeiten, sagte Scholz der «Welt». Es könnten noch mehr werden, so Scholz. Im Jahresschnitt rechne er mit 250 000 Kurzarbeitern. Viele würden jedoch nur für eine überschaubare Zeit weniger arbeiten. Besonders betroffen ist Scholz' Worten nach die Automobilbranche mit ihren Zulieferern. Man sei auf den «Ansturm auf Kurzarbeit» vorbereitet.

© Die Welt
erschienen am 24.01.2009 um 04:53 Uhr
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schrieb am 24.01.09 08:58:54
Beitrag Nr.95 
(36.441.027)
Antwort
Zitat
Antwort auf Beitrag Nr.: 36.440.945 von Maraho am 24.01.09 07:08:59Hierzu ein Interview mit dem Herrn Minister:



Arbeitsminister Scholz
Bekommen wir mehr als vier Millionen Arbeitslose?

Kurzarbeit wird zunehmen, ebenso die Zahl der Insolvenzen. Damit rechnet Bundesarbeitsminister Olaf Scholz. Trotzdem sieht er den deutschen Arbeitsmarkt besser aufgestellt als den anderer führender Industrieländer. Nur bei der Fragen nach Arbeitslosenzahlen fällt seine Antwort nicht mehr so klar aus.


WELT ONLINE: Herr Minister Scholz, sämtliche Wirtschaftsexperten befürchten massive Arbeitsplatzverluste infolge der Wirtschaftskrise. Fühlt sich da der Arbeitsminister nicht ziemlich machtlos?

Olaf Scholz: Die Regierung ist nicht allmächtig, aber auch nicht machtlos. Der deutsche Arbeitsmarkt ist in vielerlei Hinsicht besser aufgestellt als andere in den führenden Industrieländern. Und welche Handlungsmöglichkeiten der Arbeitsminister hat, sehen Sie etwa daran, dass ich schon im letzten Jahr mit einer zügig erlassenen Verordnung die Förderdauer der Kurzarbeit von sechs auf 18 Monate erhöht habe. Jetzt entlasten wir die Betriebe in dieser Phase auch noch finanziell, indem der Staat die Hälfte der Beiträge zur Sozialversicherung übernimmt.

WELT ONLINE: Sie finanzieren die Arbeitsmarkt-Maßnahmen gegen die Wirtschaftskrise aus den Rücklagen der Bundesagentur für Arbeit. Wie lange reichen diese Rücklagen?

Scholz: Wir haben 16 Milliarden Euro Rücklagen. Das Geld reicht bis weit in das nächste Jahr. Sollte die Krise Ende kommenden Jahres noch nicht überwunden sein, bekommt die Bundesagentur ein Darlehen aus dem Bundeshaushalt, mit dem wir die Maßnahmen weiterfinanzieren können, ohne den Beitrag zur Arbeitslosenversicherung erhöhen zu müssen.

WELT ONLINE: Sie sind nah dran an den Betrieben? Wer plant Kurzarbeit?

Scholz: Kurzarbeit geht quer durch alle Branchen, vor allem durch jene, die mit der Automobilindustrie zusammenhängen. Wichtig ist: Wir sind auf einen großen Ansturm auf die Kurzarbeit vorbereitet. Wir haben die finanziellen Möglichkeiten und den Willen, sie einzusetzen.

WELT ONLINE: Wie viele Arbeitnehmer in Deutschland sind inzwischen von Kurzarbeit betroffen?

Scholz: Inzwischen sind es Hunderttausende. Und es können noch mehr werden. Im Jahresschnitt rechne ich mit 250.000 Kurzarbeitern – viele aber nur für eine überschaubare Zeit.

WELT ONLINE: Wie groß ist die Zahl der bereits jetzt vom Konkurs bedrohten Unternehmen?

Scholz: Das ist schwer zu quantifizieren. Wahr ist, die Zahl der Insolvenzen wird sicher zunehmen. Es gibt da eine schwierige Entwicklung. Gerade bei den Zulieferbetrieben der Automobilindustrie zeigen sich jetzt die Folgen der knallharten Preispolitik der bestellenden Konzerne. Die Zulieferer besitzen so gut wie keine Liquiditätsspielräume.

WELT ONLINE: Das heißt, die Praxis der Vergangenheit erschwert nun die Bewältigung der Krise?

Scholz: So ist es. Nehmen Sie das Engagement der Hedgefonds, die Unternehmen gekauft und mit horrenden Schulden belastet haben. Denen ging es nicht um die langfristige Entwicklung. Man muss offen sagen: Diesen Unternehmen fehlt heute die Luft zum Atmen.

WELT ONLINE: Wird die Arbeitslosigkeit trotz der vielen Kurzarbeiter deutlich zunehmen?

Scholz: Wir werden im Schnitt vermutlich 250.000 Arbeitsuchende zusätzlich haben.

WELT ONLINE: Heißt das, dass die Vier-Millionen-Marke erreicht oder gar überschritten wird?

Scholz: Niemand besitzt eine Rechenmaschine, mit der er eine solche Zahl seriös errechnen kann. Uns geht es darum, so viele Arbeitsplätze wie möglich zu retten und gleichzeitig denen, die ihren Arbeitsplatz verlieren, möglichst schnell einen neuen anzubieten. Darum bauen wir die Kurzarbeit aus. Darum fördern wir die Qualifizierung in der Beschäftigungskrise. Darum erhöhen wir auch die Zahl der Vermittler um mehrere Tausend.

WELT ONLINE: Der neue US-Präsident Barack Obama hat seinen Landsleuten klipp und klar gesagt, dass sie in diesem Jahr Millionen Jobs verlieren werden. Scheuen Sie davor zurück, den Menschen die Wahrheit zu sagen?

Scholz: Ich glaube, dass es richtig und verantwortlich ist, wenn wir auch bei Prognosen auf dem Teppich bleiben. Das schlimmste Szenario ist nicht zwangsläufig das Wahrscheinlichste. Im Übrigen ist das, was wir tun müssen, auch ohne eine solche Zahl klar. Wir stemmen uns der Krise entgegen. Unsere Instrumente sind ziemlich ausgereift. Ich war gerade bei einem Treffen europäischer Beschäftigungsminister in Tschechien. Viele schauen nach Deutschland, zum Beispiel wegen der Kurzarbeit. Was die Bürger nun von uns zu Recht erwarten, ist ein gutes Krisenmanagement.

WELT ONLINE: Das anfangs doch sehr zögerlich und unentschlossen wirkte.

Scholz: Die Regierung hat sehr schnell und sorgfältig reagiert und die notwendigen Maßnahmen mit dem Finanzmarktstabilisierungspaket und zwei Konjunkturpaketen auf den Weg gebracht. Aber ich sage auch: Alle sind gut beraten, sehr ernsthaft bei der Sache zu sein und keine Mätzchen zu machen. Dafür ist die Lage viel zu ernst.

WELT ONLINE: Wen meinen Sie?

Scholz: Die Mätzchenmacher outen sich selbst.

WELT ONLINE: Sie betonen immer wieder, dass Bildung der Schlüssel zum sozialen Aufstieg und das beste Fundament der Wirtschaft ist. Warum erschweren Sie dann intelligenten Kindern aus Hartz-IV-Familien den Weg zum Abitur, indem sie ihnen das Schulbedarfspaket, das jüngeren Kindern zusteht, verweigern?

Scholz: Das Schulbedarfspaket ist überhaupt erst auf Drängen der SPD entstanden. Allerdings bestand die Union darauf, dass es auf die Schüler bis zur zehnten Klasse beschränkt wird. Was allerdings die CDU-Sozialminister der Länder nicht davon abgehalten hat, dem Bundesarbeitsminister die Verantwortung dafür zuzuschreiben, dass es das Paket nicht für die Oberstufe gibt. Ein – höflich gesagt – sehr merkwürdiges Verhalten.

WELT ONLINE: Merkwürdig kann man auch finden, dass Sie ausgerechnet in Zeiten der Krise immer mehr Mindestlöhne einführen.

Scholz: Wir haben die Zahl der Mindestlöhne in dieser Legislaturperiode von eins auf zehn gesteigert. Weit mehr als drei Millionen Menschen werden so vor Dumpinglöhnen geschützt. Für Hunderttausende bedeutet dies, dass sie eine ordentliche Lohnerhöhung bekommen werden und von ihrem erarbeiteten Lohn wenigstens ihr Auskommen finanzieren können. Das ist ein Riesenerfolg. Genauso wie die Verständigung darauf, dass es eine Lohnuntergrenze für die Zeitarbeit gibt. Sie wird sich dabei an den geltenden Flächentarifverträgen in diesem Bereich orientieren.

Quelle: http://www.welt.de/politik/article3078946/Bekomm…



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schrieb am 24.01.09 10:24:07
Beitrag Nr.96 
(36.441.226)
Antwort
Zitat
Antwort auf Beitrag Nr.: 36.429.640 von Maraho am 22.01.09 18:53:54Soll als Dokumentation dienen.
In 11 Monaten wissen wir mehr...


Wirtschaftskrise

Drei Szenarien für 2009
Wie schlimm es im kommenden Jahr wird, können selbst die Wirtschaftsforscher nicht abschätzen. Drei mögliche Szenarien stehen zur Debatte.

Von Carsten Brönstrup
21.12.2008

DAS MINUS-SZENARIO: ALLES BRICHT ZUSAMMEN
Drei Prozent Minus im kommenden Jahr oder sogar vier, Gehör finden in diesen Tagen vor allem die Kassandra-Rufer. Das düstere Bild, das sie malen, geht von einem weltweiten Absturz der Industrieunternehmen aus: In den USA misslingt trotz aller Subventionen die Rettung der Autoindustrie, der Häusermarkt findet keinen Halt, weitere Großbanken geraten in eine Schieflage. Das trifft den Jobmarkt hart, schon jetzt gibt es eine Million mehr arbeitslose Amerikaner als vor einem Jahr. In den Strudel der Krise geraten Japan und vor allem China, die beide auf die Nachfrage aus den USA angewiesen sind. Und damit auch Europa und Deutschland, die davon abhängen, ihre teuren Maschinen und Anlagen in alle Welt exportieren zu können. Vor allem die Autoindustrie würde ein solches Szenario hart treffen.Die Exportabhängigkeit gerade der deutschen Wirtschaft erweist sich nun als Bumerang. Kein Manager wird in einer solchen Situation in neue Fabriken investieren.

Auf die restliche Wirtschaft greift die Krise rasch über. Die Banken schränken ihre Kreditvergabe noch weiter ein, damit neben dem gigantischen Abschreibungsbedarf auf US-Schrottpapiere nicht neue Krisenherde in ihren Bilanzen entstehen. Weil die Industrie sparen muss, streicht sie auch ihre Aufträge an Dienstleister zusammen, darunter leiden Beraterfirmen und Softwareanbieter. Bahn und Lastwagen bricht der Güterverkehr weg, Lufthansa und Air Berlin fliegen mit bestenfalls zur Hälfte ausgelasteten Flugzeugen herum.

Die Binnenwirtschaft kann dem nichts entgegensetzen. Verängstigt von den täglichen Schreckensmeldungen, halten die Verbraucher das Geld zusammen und sparen es, wie schon in den vergangenen Jahren. Entsprechend schlecht laufen die Geschäfte im Einzelhandel, trotz Sonderangeboten und Rabattaktionen. Ständig sinkende Preise münden in einer Deflation, also einer Spirale aus schwindender Wirtschaftskraft, zurückgehender Nachfrage und geringeren Unternehmensgewinnen. Größere Anschaffungen schieben die Konsumenten wieder und wieder auf – weil sie auf noch niedrigere Preise hoffen. Nimmt man die Faustformel, nach der ein Prozent weniger Wachstum 350.000 Stellen kostet, würden bis zu 1,4 Millionen Menschen im kommenden Jahr arbeitslos.

Alle Hoffnung lastet nun auf der Politik. Doch sie wird enttäuscht. Bis das Investitionsprogramm wirken kann, vergehen wertvolle Monate. Erst zanken Bund und Länder um die Finanzierung, dann fehlt es an Bauprojekten, die zügig begonnen werden können. Steuersenkungen helfen nicht, weil die Leute das zusätzliche Geld nicht ausgeben, Konsumschecks verpuffen ebenso wie verzweifelte Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank.

Wahrscheinlichkeit: mittel. Zwar deuten viele Indikatoren darauf hin, dass die Krise tief wird – das Ifo-Geschäftsklima oder die Stimmung der Einkaufsmanager. Die Prognosen erscheinen aber zu schwarz, weil die Regierungen weltweit gewillt sind, sich mit Milliarden gegen den Absturz zu stemmen.


DAS KRISEN-SZENARIO: ES WIRD ERNST, ABER NICHT HOFFNUNGSLOS
Es ist nicht alles schlecht. Zwar zeigen die meisten Konjunkturdaten momentan steil nach unten. Gleichzeitig gibt es aber ermutigende Nachrichten, etwa vom Rohstoffmarkt. Sie könnten dafür sorgen, dass Deutschland glimpflich davonkommt und die Wirtschaft nur um rund ein Prozent schrumpft. Das wäre aber immer noch die tiefste Rezession seit dem Krieg.

Entscheidend ist der rapide Verfall des Ölpreises. Der Rohstoff kostet heute nicht einmal mehr ein Drittel so viel wie noch im Sommer. Der Gaspreis, der an das Öl gekoppelt ist, wird in Kürze folgen. Bleibt der Barrel-Preis auf dem aktuellen Niveau, könnte das für Unternehmen und Verbraucher über das Jahr gesehen Einsparungen von 30 Milliarden Euro bedeuten, hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung ausgerechnet. "Das wirkt wie ein Konjunkturprogramm", sagt Chefvolkswirt Christian Dreger. Folge: Den Bürgern bleibt mehr Geld für den Konsum, die Unternehmen können billiger produzieren. Weil die Inflationsrate moderat bleibt, steigen auch die Reallöhne. Stabilisierend wirken die Erhöhung von Renten, Wohn- und Kindergeld sowie der gesenkte Beitrag zur Arbeitslosenversicherung. Zum ersten Mal seit Jahren verzeichnen der Einzelhandel und konsumnahe Wirtschaftsbereiche einen Mini-Aufschwung. "Der private Konsum könnte in diesem Jahr den Unterschied machen", glaubt Dreger.

Trotzdem bleibt der Weltmarkt bedeutend: Angesichts der abebbenden Finanzkrise kommt die Nachfrage nach Produkten aus Deutschland wieder in Schwung. Vor allem aus Amerika, das sich erstaunlich schnell wieder aufgerappelt hat. Hilfreich dabei, wenn auch nicht übermäßig, sind die Konjunkturprogramme in vielen Ländern. Ungeschoren kommen die Exporteure aber nicht davon. Allerdings hilft ihnen der niedrige Euro-Kurs, der im Vergleich zum Dollar um ein Fünftel gesunken ist, das steigert die Wettbewerbsfähigkeit. Und zwei Drittel der deutschen Wirtschaftsleistung stützen sich ohnehin nicht auf die Industrie.

Aus Angst vor einem Fachkräftemangel in der Zukunft agieren die Unternehmen bei der Personalpolitik besonnen. Es zahlt sich aus, dass sie die vorübergehend sinkende Nachfrage mittels Arbeitszeitkonten ausgleichen konnten, die heute weit verbreitet sind. Hinzu kommt die neue Möglichkeit, bis zu 18 Monate lang Kurzarbeit zu verordnen. Für den Arbeitsmarkt bedeutet das, dass sich die Zahl der Entlassungen in Grenzen hält und die Arbeitslosigkeit nur moderat zunimmt. Das ist auch eine Folge der Reformen in dieser Dekade.

Wahrscheinlichkeit: hoch. Statt einer Dauerkrise könnte die Wirtschaft bereits im Sommer wieder in die Wohlfühlzone kommen und wachsen. Der Bankensektor hat sich zudem robust gezeigt, das könnte die Krise früher beenden. Schon spekulieren Volkswirte wie Holger Schmieding von der Bank of America, dass bald Licht am Ende des Tunnels zu erkennen sein könnte. Spricht sich das bis zu den Finanzmärkten herum, könnte es zu einem Kursfeuerwerk kommen – ein wichtiges psychologisches Moment auch für die Realwirtschaft.


DAS RETTUNGS-SZENARIO: ALLES WIRD GUT
Es sind nur wenige, aber es gibt sie: Wirtschaftsforscher, die für das kommende Jahr ein steigendes Bruttoinlandsprodukt vorhersagen. Zum Beispiel Gustav Horn, der Chef des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK). Er hält 2009 ein Wachstum von einem Prozent für möglich. Dabei kommt es auf die Politik an: Die Voraussetzung wäre ein großzügiger Eingriff der Regierungen Europas. Mit zwei Prozent des jeweiligen Bruttoinlandsproduktes stützen sie ihre nationale Wirtschaft. Für Deutschland wären dies rund 50 Milliarden Euro – sie sollen nach Horns Vorstellung fließen in rasch wirksame Konsumgutscheine und in öffentliche Investitionen. Allerdings nicht nur für ein Jahr, der Staat leistet sich nun dauerhaft mehr, was wiederum die Zukunftsaussichten von Bürgern und Wirtschaft verbessert, kalkuliert Horn. Die Europäische Zentralbank flankiert diese Politik mit beherzten Leitzinssenkungen. Eine Verpflichtung der Banken vonseiten der Regierung, Geld aus dem staatlichen Rettungsfonds anzunehmen, kommt hinzu.

Eine solche Politik kommt zunächst den Unternehmen zugute. Die Firmen aus dem Bausektor, dem Einzelhandel sowie die Hersteller von Konsumartikeln profitieren. Mittelständische Straßenbauer können also mit neuen Aufträgen rechnen, ebenso Maurer, Malermeister und Zimmerleute, die örtliche Universitäten und Schulen reparieren. Siemens kann auf den Verkauf zusätzlicher Straßenbahnen hoffen, Würth mit einem steigenden Schraubenabsatz. Doch auch die wichtigen Exportfirmen zählen dank der koordinierten Ausgabenpolitik der Staaten in Europa zu den Gewinnern.

Die Hoffnung dahinter: ein grundlegender und rascher Stimmungswandel im Land. Dank der zusätzlichen Staatsnachfrage schwindet die Angst der Unternehmen vor einem markanten Auftragseinbruch. Mit dem Thema Personalabbau müssen sich deshalb die meisten kaum beschäftigen. Das schafft Vertrauen bei den Arbeitnehmern – die legen deshalb das Geld nicht auf die Seite, sondern tragen es in Fußgängerzonen und Einkaufszentren. Zum ersten Mal seit Jahren verzeichnet der Einzelhandel nennenswerte Wachstumsraten. Selbst die gebeutelten Autobauer melden steigende Verkaufszahlen. Da die Geschäftslage stimmt, bleibt ein gewisser Spielraum für Lohnerhöhungen, was wiederum der Binnennachfrage zugute kommt. Und die höheren Investitionen in die öffentliche Infrastruktur legen den Grundstein für höheres Wachstum in der Zukunft.

Wahrscheinlichkeit: gering. Bis der Staat mit seinen Milliarden zur Stelle ist, dauert es zu lange. Womöglich ist der Tiefpunkt der Krise dann bereits überwunden. Selbst wenn das Geld zur rechten Zeit fließt, ist fraglich, ob es mehr entfachen kann als nur ein Strohfeuer im Sturm der Krise. Das größte Fragezeichen steht hinter dem Thema Psychologie: Den meisten Verbrauchern schwant früher oder später, dass die Ausgaben von heute die Steuern von morgen sind. Entsprechend werden sie nicht hemmungslos shoppen gehen.

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 21.12.2008)
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schrieb am 24.01.09 10:41:50
Beitrag Nr.97 
(36.441.276)
Antwort
Zitat
Antwort auf Beitrag Nr.: 36.440.932 von Maraho am 24.01.09 06:47:50Euro-Stabilitätspakt

Barroso droht mit Defizit-Verfahren

Brüssel. In der Wirtschafts- und Finanzkrise mit milliardenschweren Ausgaben der europäischen Staaten für Banken und Konjunkturprogramme fordert die EU-Kommission Budgetdisziplin ein. "Die Mitgliedstaaten werden mehr Zeit bekommen, um ihre überhöhten Defizite zurückzuführen. Aber wir werden Defizitverfahren eröffnen", sagte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso am Freitag in Brüssel Korrespondenten von Nachrichtenagenturen.

"Der Euro kann ohne den Stabilitätspakt nicht existieren", sagte Barroso. Der Pakt bleibe in Kraft. Laut Kommission überschritten die Euro-Mitglieder Irland, Spanien, Griechenland, Frankreich und Malta im vergangenen Jahr die Defizit-Grenze von drei Prozent vom Bruttoinlandsprodukt. Für das laufende Jahr werden weiter steigende Defizite im Eurogebiet erwartet. Barroso äußerte sich nicht dazu, gegen welche Länder Verfahren eröffnet werden sollen.

EU-Währungskommissar Joaquín Almunia hatte zu Wochenbeginn angekündigt, dass er sich am 18. Februar zu den Defizitfällen äußern will. Die Euro-Länder beschlossen bereits im vergangenen Jahr, dass ein maßvolles und zeitlich begrenztes Überschreiten der Defizitgrenze angesichts der Krise erlaubt wird.

Der frühere portugiesische Ministerpräsident wandte sich vehement gegen den Eindruck, dass insbesondere südeuropäische Länder von der Krise betroffen seien. Großbritannien sei wahrscheinlich das Land in Europa, das am meisten von den Finanzturbulenzen erfasst worden sei.

"Der Euro schützt", sagte Barroso. Das zeige ein Vergleich von Irland und Island, das weder EU- noch Euro-Mitglied sei. "Irland ist nicht so hart von der Krise getroffen worden wie Island." Die Krise führt dazu, dass die Unterschiede zwischen den 16 Staaten der Eurozone wachsen.

Länder wie Griechenland oder Italien zahlen inzwischen für Staatsanleihen Risikoaufschläge - der Abstand zu den deutschen Bundesanleihen steigt. Irland hatte in der vergangenen Woche offiziell Spekulationen zurückgewiesen, wonach der Internationale Währungsfonds (IWF) in Dublin wegen der prekären Verschuldung des Landes eingreifen müsse. (dpa)

Quelle: http://www.fr-online.de/in_und_ausland/wirtscha…
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schrieb am 24.01.09 11:14:35
Beitrag Nr.98 
(36.441.370)
Antwort
Zitat
Antwort auf Beitrag Nr.: 36.441.276 von Maraho am 24.01.09 10:41:50Hier noch ein Beispiel, wie lange Forderungen aufrechterhalten werden, wenn es um Staatsanleihen geht:

Quelle Spiegel-Online

STAATSANLEIHEN-KLAGE
US-Anwalt nimmt Polen ins Visier
Ed Fagan - bekannt durch das Holocaust-Verfahren gegen Schweizer Banken - will die polnische Regierung und die Nationalbank verklagen. Der Vorwurf: Anleger, die im Zweiten Weltkrieg verfolgt wurden, hätten für ihre polnischen Staatsanleihen aus dieser Zeit immer noch kein Geld bekommen.


Hamburg - Mit der New Yorker Opfer-Organisation Association for Restitution of Polish Assets & Property (Arpap) will der US-Anwalt Ed Fagan vor einem Gericht in New York gegen die polnische Regierung und die polnische Nationalbank vorgehen. Sie hätten sich der Zwangsenteignung, unrechtmäßiger Bereicherung und Betrug von Investoren schuldig gemacht. Polen hätte nach Ende des Zweiten Weltkrieges immer noch keine Wiedergutmachung für die Staatsanleihen geleistet, die die Verfolgten aus dieser Zeit besaßen, so die Begründung der Klage.

Nach Angaben der Arpap fordern die Kläger über eine Milliarde Euro. Morgen wollen sie in Warschau die Klageschrift präsentieren. "Dies ist nur der Anfang für Polen", sagte Fagan laut einer Mitteilung. Nach Ländern wie der Schweiz, Deutschland, Österreich, Frankreich und Italien würde nun auch die polnische Regierung als Kreditnehmer ins Visier genommen.

Fagan ist ein auf Sammelklagen spezialisierter US-Anwalt und wurde durch die Holocaust-Klage gegen Schweizer Banken bekannt. Arpap will die Klage in New York vorlegen, weil dort nicht nur die Organisation arbeitet, sondern auch Holocaust-Überlebende leben. Außerdem würde die polnische Regierung den US-Finanzmarkt für ihre Anlagen nutzen.

tim
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schrieb am 24.01.09 11:22:16
Beitrag Nr.99 
(36.441.386)
Antwort
Zitat
Antwort auf Beitrag Nr.: 36.441.226 von Maraho am 24.01.09 10:24:07Und hier eine Prognose für das erste Quartal 2009.
Auf derselben Seite (Link unten) rechts zum Anklicken eine Pressemitteilung (incl. Graphiken) über die Phase einer weltweiten Konkurswelle...

Bis später...


Umfassende weltweite Krise/März 2009 – weitere Beschleunigung der Krise: 'Die Welt erkennt, dass diese Krise schlimmer ist als die Weltwirtschaftskrise nach 1929'
- Pressemitteilung des GEAB vom 18. Dezember 2008 -


LEAP/E2020 geht davon aus, dass diese umfassende weltweite Krise sich im März 2009 noch einmal beschleunigen wird. Wie im September 2008 wird sie einen Gang höher schalten. Wir gehen davon aus, dass mit Ende des ersten Quartals 2009 die Welt erkennen wird, dass das Fundament der Weltwirtschaft dreifach untergraben wird, nämlich durch :

1. den psychologischen Faktor der allgemeinen Erkenntnis über die Nachhaltigkeit der Krise ;
2. die weltweite Explosion der Arbeitslosigkeit ;
3. das Risiko eines Zusammenbruchs des kapitalfinanzierten Rentensystems.

Die Krise erzeugt eine negative Stimmung und die negative Stimmung verschärft die Krise. Wenn die Menschen in Europa, Amerika und Asien erst zur Überzeugung gelangt sein werden, dass die Krise jeglicher nationaler oder internationaler Kontrolle entglitten ist, dass sie alle Weltregionen in Mitleidenschaft zieht (auch wenn einige mehr betroffen sein sollten als andere - vgl. 28. Ausgabe des GEAB), dass sie mit ihren Auswirkungen nun auch die Realwirtschaft in Mitleidenschaft zieht, dass sie unmittelbar die Lebensgrundlage Hunderter von Millionen Menschen in der industrialisierten Welt gefährdet, dann ist eine weitere Beschleunigung nicht mehr vermeidbar. Die nationalen Regierungen und die internationalen Institutionen haben nur noch ein drei Monate, um sich auf diese Situation vorzubereiten. Das soziale Konfliktpotential ist enorm. Die Länder, die in Zeiten explodierender Arbeitslosigkeit und insolventer Pensionsfonds keine sozialen Mindeststandards garantieren können, werden, wenn Angst viele Menschen ergreift, der Gefahr sozialer Instabilität am stärksten ausgesetzt sein.

In dieser 30. Ausgabe des GEAB wird das Forscherteam von LEAP/E2020 die drei Faktoren analysieren, die das Fundament der Weltwirtschaft untergraben. Die Analyse von zweien von ihnen präsentieren wir in diesem Pressekommuniqué. Weiterhin geben wir in der 30. Ausgabe Auskunft über die erforderlichen Maßnahmen zur Eindämmung der Krise. Ebenfalls ist diese letzte Ausgabe des Jahres wieder Anlaß, eine Überprüfung der Verläßlichkeit der LEAP/E2020-Voraussagen vorzunehmen, die uns auch ermöglichen wird, die Methodik unserer Prognoseverfahren zu verbessern. 2008 liegt unsere Erfolgsquote bei 80%, wobei sie auf 87% ansteigt, wenn man nur die Voraussagen im Wirtschafts- und Finanzbereich berücksichtigt. In einem Jahr der tiefgreifenden Umwälzungen ist dies eine Erfolgsquote, auf die wir stolz sind.

Die Krise wird zumindest bis Ende 2010 andauern

Wie wir in der 28. Ausgabe des GEAB beschrieben haben, wird die Krise die unterschiedlichen Weltregionen unterschiedlich in Mitleidenschaft ziehen. Trotzdem, und hierbei wollen wir keinen Zweifel an unserer Auffassung lassen, wird sie in keiner Region schnell vorbei sein. Im Gegensatz zu den Experten, die vor drei Jahren noch leugneten, dass eine Krise sich abzeichne, die vor zwei Jahren noch leugneten, dass sie weltweit sein würde, und die vor gerade einmal sechs Monaten noch leugneten, dass sie umfassend sei, also das ganze System erfassen würde, gehen wir davon aus, dass die Krise zumindest drei Jahre andauern wird. Erst dann wird die Welt sich wirtschaftlich in der Dekantierungsphase der Krise allmählich neu ordnen (1). Sie wird weder im Frühjahr 2009, noch im Sommer 2009, noch Anfang 2010 zu Ende sein. Erst gegen Ende 2010 kann man mit einer allmählichen Stabilisierung rechnen, wird in einigen Weltregionen der Aufschwung wieder zaghaft einsetzen, nämlich in Asien und der Eurozone sowie in den Ländern, die Energie oder Rohstoffe produzieren (2). In anderen Weltregionen wird die Krise andauern ; insbs. in den USA, Großbritannien, und den Ländern, die besonders eng mit deren Volkswirtschaften verflochten sind. In diesen Ländern wird die Krise sehr wohl ein Jahrzehnt andauern, wird ein Aufschwung nicht vor 2018 einsetzen.

Man darf sich auch nicht der Illusion hingeben, dass der Aufschwung Ende 2010 wieder eine Rückkehr der Zeiten der starken Wachstumsschübe sein werde. Der Weg zurück zu vergangenem Wohlstand wird lang. Z.B. werden die Aktienmärkte ein Jahrzehnt bedürfen, um wieder ihre Stände von 2007 zu erreichen, wenn dies überhaupt je gelingen wird. Schließlich brauchte Wall Street nach 1929 20 Jahre, um ihre alte Rekordmarke zu erreichen. Wir halten diese Krise für schwerwiegender und dauerhafter als die Weltwirtschaftskrise nach 1929. Diese Erkenntnis vom wahren Ausmaß der Krise wird das Verhalten der öffentlichen Meinungen im kommenden Quartal steuern. Die soziale und wirtschaftliche Stabilität vieler Staaten wird zwischen zwei Fronten geraten : Bei den Verbrauchern, Unternehmern und Lohnabhängigen bricht Panik aus und bei den Bürgern macht sich Mißtrauen gegen die politische Kaste breit.

Das Risiko eines massiven Zusammenbruchs des Systems der kapitalfinanzierten Renten

Eine der weiteren Auswirkungen der Krise für Millionen Menschen insbs. in den USA, Kanada, Großbritannien, Japan, den Niederlanden, Irland und in Dänemark (3) wird darin bestehen, dass mit Ende 2008 das System der kapitalfinanzierten Renten immer mehr schlechte Nachrichten generieren wird ; Pensionsfonds werden massive Verluste machen und ihren Verpflichtungen zu Rentenauszahlungen nicht mehr voll nachkommen können. Die OECD geht allein für das Jahr 2008 (4) davon aus, dass Pensionsfonds 4.000 Milliarden USD Verlust machten. In den Niederlanden (5) wie in Großbritannien (6) haben die Aufsichtsbehörden für Pensionsfonds Alarm geschlagen und rufen nach einer Aufstockung der Pflichteinzahlungen und staatlichen Interventionen. In den USA werden ständig und mit zunehmender Häufigkeit Beitragserhöhungen und Auszahlungsminderungen bekannt gegeben (7). Und erst in den nächsten Wochen werden viele Pensionsfonds tatsächlich wissen, wie große ihre Verluste sind (8). Viele geben sich noch der Hoffnung hin, beim baldigen Ende der Krise ihren Kapitalstock wieder erhöhen zu können. Wenn im März 2009 Pensionsfondsverwalter, Rentner und Regierungen sich nicht mehr länger der Erkenntnis verschließen werden können, dass die Krise anhalten wird, dass sie gerade in der Zeit wütet, in der die geburtenstarken Jahrgänge ins Rentenalter kommen, und dass die Aktienmärkte viele Jahre brauchen werden, um ihre Stände von 2007 (9) wieder zu erklimmen, wird das gesamte kapitalfinanzierte Rentensystem in Chaos verfallen. Den Regierungen wird keine andere Wahl bleiben als die Pensionsfonds zu verstaatlichen. Argentinien, das vor einigen Wochen seine Pensionsfonds verstaatlicht hat, wird mit einem Mal nur ein Vorreiter gewesen sein.

Alle diese Tendenzen sind schon wirksam. Ihr Zusammentreffen und die Erkenntnis ihrer Auswirkungen in den öffentlichen Meinungen wird im Frühjahr 2009 einen immensen psychologischen Schock auslösen : Die Menschen werden erkennen, dass diese Krise schlimmer ist als die Weltwirtschaftskrise nach 1929 ; und dass sie einige Jahre andauern wird. Dieser Schock wird die kollektive Einstellung der Völker und der Regierenden weltweit verändern und damit Einfluss auf den weiteren Ablauf der Krise in den folgenden Monaten und Jahren nehmen. Mit weniger Illusionen und mehr Unsicherheit wird weltweit die soziale und politische Instabilität maßgeblich anwachsen.

Quelle: http://www.leap2020.eu/GEAB-N-30-ist-angekommen!-Umfas…
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schrieb am 24.01.09 11:29:39
Beitrag Nr.100 
(36.441.405)
Antwort
Zitat
Antwort auf Beitrag Nr.: 36.441.370 von Dorfrichter am 24.01.09 11:14:35Guten Tag Dorfrichter,

in diesem "speziellen" Falle auch noch in 954 Jahren. ;)
Erst danach wird Ruhe einkehren!

Einen schönen Tag wünscht Dir Maraho

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