Die Türken verweigern sich eisern der Integration
dpa
Mittlerweile leben rund 15 Millionen Menschen in Deutschland, die
aus anderen Ländern stammen. Viele davon sind gut integriert.Die
Bundesrepublik ist ein Einwanderungsland.
Mittlerweile leben
rund 15 Millionen Menschen in Deutschland, die aus anderen Ländern
stammen. Viele davon sind gut integriert. Aber ein großer Teil
driftet in Parallelgesellschaften ab.
Besonders betroffen sind die türkischstämmigen Migranten.
Migranten sind hierzulande im Durchschnitt schlechter gebildet,
häufiger arbeitslos und nehmen weniger am öffentlichen Leben teil
als einheimische Deutsche. Das ist das ernüchternde Ergebnis der
Studie "Ungenutzte Potenziale" des Berlin-Instituts für Bevölkerung
und Entwicklung, welche die "Lage der Integration in Deutschland"
untersucht und am Montag in Berlin vorgestellt wird.
Die Studie vergleicht erstmals systematisch die
Integrationserfolge einzelner Migrantengruppen, darunter auch der
Zuwanderer mit deutschem Pass, und bewertet die einzelnen
Bundesländer nach deren Integrationserfolgen. Die Datenbasis der
Untersuchung bildet der "Mikrozensus 2005".
In Deutschland leben rund 15 Millionen Menschen aus anderen
Ländern. Knapp 20 Prozent aller Einwohner haben somit einen so
genannten Migrationshintergrund. Weil die Kinderzahlen unter
Zuwanderern höher sind als bei Einheimischen, wächst ihr
Bevölkerungsanteil, selbst wenn es fortan keine Zuwanderung mehr
gäbe.
Die Debatte um Integration entzündet sich zumeist am Bau von
Moscheen, der Ausländerkriminalität und dem Kopftuchverbot. Doch
das sind nur Schlagworte für ein größeres Problem. Denn ein
bedeutender Teil der Migranten verweigert sich der Integration.
Zum Teil massive Eingliederungsmängel bestehen bei Migranten aus
dem ehemaligen Jugoslawien, aus Afrika und den Einwanderern aus der
Türkei. Die Türken bilden mit fast drei Millionen Menschen nach
den Aussiedlern aus der ehemaligen Sowjetunion die zweitgrößte
Gruppe, auch wenn sie in der öffentlichen Wahrnehmung als die
gewichtigste gilt.
Obwohl die meisten türkischen Zuwanderer schon seit langem in
Deutschland leben und knapp die Hälfte von ihnen sogar hier geboren
wurde, zeigen sie kaum Bereitschaft zur Integration. Nur 32
Prozent der türkischen Migranten haben bisher die deutsche
Staatsbürgerschaft angenommen.
Als einstige Gastarbeiter kamen sie häufig ohne jeden Schul- oder
Berufsabschluss, und auch die jüngere Generation lässt wenig
Bildungsmotivation erkennen.
30 Prozent der Türken und Türkischstämmigen haben keinen
Schulabschluss. Nur 14 Prozent haben das Abitur, nicht einmal halb
so viele wie in der deutschen Bevölkerung und auch deutlich weniger
als bei den anderen Zuwanderern. Dementsprechend schwach sind sie
in den Arbeitsmarkt integriert: Die hohe Erwerbslosigkeit unter der
zugewanderten Generation bleibt bei den Jüngeren bestehen. Viele
sind arbeitslos, die Hausfrauenquote ist extrem hoch, und viele
sind abhängig von Sozialleistungen.
Weil diese Gruppe vor allem in bestimmten Stadtvierteln lebt, fällt
es ihnen leicht, unter sich zu bleiben. Das erschwert gerade
zugewanderten Frauen die deutsche Sprache zu erlernen. Damit fehlt
auch den Kindern eine wesentliche Voraussetzung für gute
Integration. Ebenso kommt die Vermischung mit der
Mehrheitsgesellschaft, die in den anderen Gruppen stetig
voranschreitet, bei Türken kaum voran: 93 Prozent der in
Deutschland geborenen Verheirateten führen ihre Ehe mit Personen
der gleichen Herkunftsgruppe. Parallelgesellschaften, die einer
Angleichung der Lebensverhältnisse im Wege stehen, sind die
Folge.
Im Durchschnitt am besten eingegliedert sind laut der Studie des
Berlin-Instituts die rund zwei Millionen Menschen aus anderen
EU-Staaten. Ebenfalls gute Integrationswerte weisen die Aussiedler
auf, die mit knapp vier Millionen die größte aller Migrantengruppen
bilden. Beide Gruppen haben laut Berlin-Institut kaum Probleme
dabei, Anschluss an die Mehrheitsgesellschaft zu finden und sich in
die Gemeinschaft zu integrieren.
Über die Aussiedler war bisher wenig bekannt, weil sie sofort einen
Anspruch auf einen deutschen Pass haben und statistisch schwer zu
identifizieren sind. Sie werden in der aktuellen Studie erstmals
als eigene Gruppe untersucht.
Die Aussiedler sind mit einem hohen Bildungsstand nach Deutschland
gekommen. Deshalb finden sie sich gut auf dem Arbeitsmarkt zurecht.
So hat sich die Generation der in Deutschland Geborenen gegenüber
der ihrer Eltern in jeder Hinsicht deutlich verbessert. Nur drei
Prozent von ihnen sind ohne Schulabschluss, 28 Prozent der
Aussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion haben die Hochschulreife.
Auffällig ist, dass mehr Mädchen als Jungen das Gymnasium besuchen
und mehr Frauen als Männer die Schule mit dem Abitur abschließen.
Außerdem gibt es unter den Frauen in dieser Gruppe genauso viele
Akademiker wie bei den Männern. Wie bei den Einheimischen liegt die
Hausfrauenquote bei nur knapp 20 Prozent.
Im Gegensatz zu den türkischstämmigen Migranten setzen die
Aussiedler stark auf Integration. So haben zwar in der ersten
Generation nur 17 Prozent der Verheirateten einen einheimischen
Partner, denn viele Aussiedler sind im Familienverband
ausgewandert. Doch in der zweiten Generation vervierfacht sich die
Zahl der Ehen mit einheimischen Deutschen schon auf 67 Prozent.
Regional gesehen verläuft die Integration dort am besten, wo es am
meisten Arbeitsplätze gibt. Umgekehrt stößt sie dort auf Probleme,
wo viele gering qualifizierte Menschen mit einem
Migrationshintergrund leben. Auf die Bundesländer bezogen weisen
Hessen und Hamburg gute Integrationswerte auf, besonders schlechte
erreicht das Saarland.
Unter den Städten fallen München, Frankfurt, Bonn und Düsseldorf
positiv auf, während die Bedingungen für Migranten in
Ruhrgebietsstädten wie Duisburg oder Dortmund sowie in Nürnberg am
schlechtesten sind. Allerdings sind selbst in den Regionen mit den
besten Ergebnissen Migranten mehr als doppelt so häufig erwerbslos
wie einheimische Deutsche.
QUELLE :
http://nachrichten.aol.de/die-tuerken-verweigern-sich-eisern…