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Der doppelte Raubzug der Amerikaner

Diskussionsstatistik
eröffnet am 09.03.09 20:23:13
von
neuster Beitrag 02.06.10 23:07:42
von

Anzahl Beiträge: 318
Aufrufe gesamt: 19.330
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schrieb am 09.03.09 20:23:13
Beitrag Nr.1 
(36.732.072)
Antwort
Zitat
@alle,


bisher habe ich mich geweigert zu glauben, dass hinter der Finanzkrise nur das zufällige Zusammentreffen mehrer voneinander unabhängiger Ereignisse steckt. Jetzt erhärtet sich
für mich der Verdacht, dass nämlich mit zielgerichteter krimineller Energie die Generation
der Babyboomer um die für Ihre Altersvorsorge zurückgelegten Ersparnisse gebracht werden sollten. Und dass die Europäer, allen voran die Deutschen, ausgenommen wurden wie Weihnachtsgänse. Dass die amerikanische Regierung die Welt mit Unmengen wertloser US Dollar überschwemmt und damit ihre maßlose Verschwendung finanziert hat, ist allgemein bekannt, aber das was dieser nachfolgende Artikel aus Spiegel online beschreibt ist so unglaublich, dass einem der Atem stockt:

Wie deutsche Senioren in der Lehman-Falle landeten
Von Udo Ludwig
Zehntausende deutsche Anleger verloren mit der Pleite von Lehman Brothers ihr Erspartes. Ein Netz aus Detektiven und Anwälten recherchiert jetzt, wie es dazu kommen konnte und wie die Kunden womöglich ihr Geld zurückerhalten - und stoßen dabei auf erstaunliche Details.
Hamburg - Medard Fuchsgruber hat eine Wirtschaftsdetektei in Ottweiler bei Saabrücken. Sein Fachgebiet sind Aufträge von Deutschen, die sich von Anlageberatern betrogen fühlen. Und er hat viel zu tun: Er hat mit seinen Ermittlungen geholfen, dass Opfer von Schrottimmobilien ihr Geld wiederbekamen. Er hat Geschädigte der Bausparkasse Badenia und der Göttinger Gruppe unterstützt. Als Vorstand des Bundes der Kapitalanleger bündelt Fuchsgruber zudem die Interessen von Betrogenen.Schon seit einigen Jahren arbeitet Fuchsgruber mit einem Netzwerk von rund einem Dutzend Anwälten zusammen, die auf der Seite der Betrogenen sind. Dazu zählt etwa der ehemalige Bundesinnenminister Gerhart Baum, der nun einer Kanzlei in Düsseldorf angehört.
Die Arbeitsteilung sieht so aus: Der Detektiv besorgt die Dokumente, die Anwälte bekämpfen mit ihren Schriftsätzen Finanzdienstleister, Banken, Versicherungen oder Bausparkassen, die ihre Kunden ausgenommen haben.
Jetzt hat Fuchsgruber wahrscheinlich den Fall seines Lebens übernommen: Er betrifft Aufstieg und Niedergang der Bank Lehman Brothers. Wichtige Informationen über die Geschäfte der amerikanischen Bank und ihrer europäischen Verbündeten hat sein Netzwerk bereits zusammengetragen - und jetzt hat der Bund der Kapitalanleger die erste Strafanzeige in Deutschland auf den Weg gebracht.
Als Fuchsgruber im September 2008 vom Konkurs der Lehman Brothers Holding in New York erfuhr, wusste der Fachmann für Kapitalgeschädigte sofort, was das bedeutete: Hunderte, womöglich Tausende oder Zehntausende Anleger werden ihr Geld verlieren, viele davon leben auch in Deutschland.


ZERTIFIKATE gehören zur Anlageklasse der strukturierten Finanzprodukte. Rechtlich gesehen ähneln sie Schuldverschreibungen. Geht der Emittent pleite, droht dem Anleger der Totalverlust, so geschehen im Falle der US- Bank Lehman Brothers. Mit dem Zusammenbruch des Geldhauses sind Zertifikate der Bank für Tausende Anleger in Deutschland wertlos geworden. Die über mehrere Institute in Deutschland vertriebenen Lehman- Zertifikate sind nicht von der hiesigen Einlagensicherung geschützt. Nach Einschätzung der Verbraucherzentralen ist auch aus Insolvenzverfahren gegen die Lehman- Mutter oder Tochterfirmen nicht mit nennenswerten Rückzahlungen zu rechnen.
Fuchsgruber rief Klaus Bröker an. Der Professor für Wirtschaftsrecht gehört zu dem Anwaltsnetzwerk. Und er hat einen großen Vorteil: Er arbeitet in einer Anwaltskanzlei in Göttingen, lebt aber zwischendurch in Kalifornien - er kennt sich also aus in der US-Finanzwelt und weiß aus eigenem Erleben, wie dort der Immobilienmarkt in sich zusammengefallen ist. Fuchsgruber und Bröker verabredeten eine Strategie: Der Detektiv wollte versuchen herauszufinden, welche Geschäfte Lehman in Deutschland betrieben hat. Der Anwalt bemühte sich um Lehman-Informationen in den USA.
Fuchsgruber wurde bald überall fündig. Er recherchierte, dass Lehman Brothers allein für den deutschsprachigen Raum etwa 170 unterschiedliche Zertifikate herausgegeben hatte. Das Volumen dieser Papiere addierte sich zusammen auf rund 300 Milliarden Dollar. Die Finanzprodukte hatten Namen wie "Airbag Outperformance", "Twin Win", "Step Up Express" oder "Absolute Performer" - und sie versprachen hohe Gewinne. Die dazu gehörigen Flyer zeigten farbige Bilder mit Serpentinen, die nach oben führten, oder schnelle Züge, die vorbeirauschten. Fuchsgruber fand zudem heraus, dass die Citibank mit großem Abstand die meisten Zertifikate an deutsche Kunden verkauft hatte.
Bröker nahm sich unter anderem die Insolvenzakte 08-13555 vor, eine Art Abschlussbilanz der Lehman Brothers Holding. Zwei Fakten elektrisierten ihn sofort: Die Citigroup aus New York war nach seinen Recherchen mit 4,5 Prozent der Anteile einer der größten Einzelaktionäre von Lehman Brothers. Gleichzeitig wies der Konkursbericht allein 138 Milliarden Dollar unbesicherte Forderungen gegen die Bank aus, die die Citigroup treuhänderisch für ihre Kunden verwaltete. Es waren sogenannte Inhaberschuldverschreibungen - also Kredite, die Lehman-Kunden gegeben hatten. Fuchsgruber und Bröker arbeiteten sich weiter in die Verästelungen der internationalen Finanzwelt vor. Gleichzeitig meldeten sich bei dem Netzwerk immer mehr Deutsche, die Lehman-Zertifikate gekauft hatten. Die Rechercheure fanden heraus, wie Lehman und die Citibank vorgegangen waren, um eine gigantische Summe von Geldern einzufahren. Bereits im März 1995 hatte Lehman eine Tochtergesellschaft in Holland gegründet. Diese "Lehman Brothers Treasury Co. B.V." war, so konnten sie in den Testaten nachlesen, eine reine Briefkastenfirma: Sie hatte weder Angestellte, noch ein laufendes Geschäft. Einziger Zweck dieser Firma war es, Geld zu akquirieren, um den Bedarf an Betriebskapital verschiedener Tochtergesellschaften von Lehman zu decken. Fast zehn Jahre dümpelte diese Firma vor sich hin. Offenbar hatte Lehman zu dieser Zeit kein Interesse am europäischen Markt.
Wetten auf alles und jedes
Das änderte sich schlagartig 2005, als Lehman das "Euro Medium Term Note Program" massiv hochfuhr. Die Bank gab Zertifikate heraus und bot ihren Kunden Wetten über die Entwicklung der internationalen Finanzmärkte an. Gewettet wurde auf den Kurs des Ölpreises, auf den Kurs von Währungen, auf den Kurs deutscher oder europäischer Aktienunternehmen oder das Verhältnis verschiedener Kursentwicklungen untereinander. Gingen die Voraussagen in Erfüllung, sollte der Kunde gute Renditen bekommen. Verlor er die Wette, gab es meist überhaupt keinen Gewinn. Deutschland war das Hauptziel der Spekulationspapiere, weil Zertifikate dieser Art hier im Gegensatz zu vielen anderen Ländern wie Frankreich oder den USA erlaubt sind. Gleichzeitig ist die staatliche Aufsicht über solche
Risikogeschäfte nicht mehr als ein "Papiertiger".
Der Phantasie der amerikanischen Investmentjongleure, die stets die Bedingungen der Wetten vorgaben, waren offenbar grenzenlos - und das Vertrauen in die US-Bank ebenso. Dabei gab es überhaupt keinen Anlass zur Zuversicht. Denn Lehman war nicht nur Schuldnerin für die Zertifikate, sondern sie war gleichzeitig auch Garantin für das Kreditrisiko. "Das ist so, als wenn jemand, der Schulden macht, verspricht, das geliehene Geld auch ganz sicher zurückzugeben", sagt Bröker. In Wahrheit, so vermutet der Finanzfachmann, wurden die Euros aus Deutschland nicht angelegt, sondern landeten stets im großen Schoß der Lehman-Mutter in den USA.
Aber das störte die deutschen Banken, die diese Zertifikate herausgaben, offensichtlich wenig. Im Gegenteil: 2005 gab allein die Holland-Tochter von Lehman Schuldverschreibungen im Nominalwert von 45 Milliarden Dollar heraus - und in den Folgejahren immer mehr. Mit einem Lehman-Papier vom 24. Juli 2007 wurden im folgenden Geschäftsjahr gar Zertifikate im Wert von über 100 Milliarden Dollar angeboten. Und während das Volumen immer weiter wuchs, wurden die Lehman-Wetten immer komplizierter.
Nachdem er die Geschäftsberichte durchgearbeitet hatte, drängte sich Bröker ein Verdacht auf: Hatte es Lehman bewusst auf das Ersparte der Deutschen abgesehen, um Verluste auf dem US-Markt abzufedern?
Und war die Citibank deshalb so eifrig beim Verkauf der Zertifikate, weil ihre US-Mutter - die Citigroup - als große Anteilseignerin um den Zustand von Lehman wusste und deshalb um ihr dort angelegtes Kapital fürchten musste? Das Ersparte der Deutschen wäre somit letzter Rettungsanker einer strauchelnden Bank gewesen. Oder ist es nur Zufall, dass die Citibank und Lehman in den letzten Monaten ihres Bestehens besonders viel Geld aus Deutschland herausgesogen haben?
Die Saarbrückerin Ingrid Deutsch hatte noch im Januar 2008 die angeblich sicheren Papiere gekauft. Die Berlinerin Angela Rogalla, 66, wollte Geld für einen Platz im Seniorenheim mit Pflegestation beiseitelegen und erwarb von der Citibank am 5. Februar 2008 Lehman-Zertifikate. Wenige Tage später wurde Lehman in den USA bereits als Pleitekandidat beschrieben. Es gab sogar Deutsche, denen Banken noch freitags Lehman-Papiere andrehten, bevor Lehman montags Insolvenz anmeldete. Die deutschen Anwälte berieten nun viele Lehman-Anleger und unterstützten Stammtische Betroffener, die sich etwa in Köln, Frankfurt, Hamburg oder Berlin gebildet haben. Bröker hält die Deutschland-Geschäfte von Lehman und der Citibank inzwischen für "kriminell".
Freibrief vom Wirtschaftsprüfer
Erst recht glaubte Bröker nicht mehr an Zufall, als er den letzten Jahresabschluss der niederländischen Lehman-Tochter gelesen hatte. Das Geschäftsjahr endete im November 2007. Am 30. Mai 2008 legten die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young ihren Abschlussbericht vor. "Die Gesellschaft ist keinem materiellen Risiko ausgesetzt", heißt es zur "Risk Management Policy" des Unternehmens. Und unter dem Punkt "Geschäftsjahr und Perspektiven steht: "Der wirtschaftliche Ausblick für das gesamte Unternehmen ist positiv. Die Märkte unterstützen die gesamte Gesellschaft vollständig, da ständig neue Emissionen gezeichnet werden."
Im Auftrag des Bundes der Kapitalanleger stellte Bröker am 12. Februar 2009 Strafanzeige gegen die holländische Niederlassung von Ernst & Young. Die Wirtschaftsprüfer hätten sehen müssen, so Bröker, dass sich die holländische Lehman-Tochter "allein über Schulden finanziert" und "nichts, aber auch gar nichts" darauf schließen lasse, dass "dieses Geld jemals zurückgezahlt werden kann". Ernst & Young hätte auffallen müssen, dass es sich bei den europäischen Ablegern von Lehman um ein "gigantisches Schneeballsystem" gehandelt habe. Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE wollte sich Ernst & Young nicht äußern, das sei Sache des Kunden Lehman. Der Untergang von Lehman sei eine Folge der dramatischen Vorgänge auf den internationalen Finanzmärkten.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,612195,00.html


Gruß Windei
Das Ende der Weltwirtschaft und ihre Zukunft: Crisis Economics
Das Ende der Weltwirtschaft und ihre Zukunft: Crisis Economics

Nouriel Roubini
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schrieb am 09.03.09 20:54:14
Beitrag Nr.2 
(36.732.336)
Antwort
Zitat
die Frage sollte ja wohl lauten:

wie lange braucht der Deutschmichel eigentlich noch, um endlich mal zu realisieren, dass die Amis nicht die Guten sind?

Egal wo sich diese Schmeissfliegen auf diesem Globus festsetzen, wird intrigiert, korrumpiert und sabotiert was das Zeug hält, letztlich immer mit dem Ziel, eigene Interessen zu wahren.
Avatar
schrieb am 09.03.09 21:31:24
Beitrag Nr.3 
(36.732.638)
Antwort
Zitat
Antwort auf Beitrag Nr.: 36.732.336 von Cashlover am 09.03.09 20:54:14genau!da hilft auch kein saubermann; die amis sind wie skorpione, man sehe sich doch nur die geheimdienste an und die subtilen machenschaften kotz; und nichgt von ungefähr ist madame clinton rechtzeitig raus.
Avatar
schrieb am 09.03.09 21:34:37
Beitrag Nr.4 
(36.732.663)
Antwort
Zitat
Antwort auf Beitrag Nr.: 36.732.336 von Cashlover am 09.03.09 20:54:14
@ Cashlover,
wohl noch Ewigkeiten. Und solange die amerikanische Marionettenregierung Merkel das Sagen hat, werden wir die Besatzungstruppen auch nicht los!
Im übrigen möchte ich hier nochmals auf zwei Links hinweisen, die
Maraho bereits dankenswerter Weise in seinem Thread eingestellt hat und die klar und deutlich machen, welche menschenverachtende Denkweise die politischen Eliten in Amerika an den Tag legen.
Und,dass sich unter Obama nichts aber auch gar nichts ändern wird!
Besonders der zweite Link ist sehr empfehlenswert!!
Gruß Windei


China und die USA
Absonderlichkeiten im strategischen Verhältnis zwischen der Weltmacht Nr. 1 und dem chinesischen Drachen
Quelle: http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/regionen/China/usa.html

Die Welt als Schachbrett - Der neue Kalte Krieg des Obama-Beraters Zbigniew Brzezinski
http://hintergrund.de/index.php?option=com_content&task=view…
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schrieb am 09.03.09 22:14:45
Beitrag Nr.5 (36.732.944)
Moderiert
!
Dieser Beitrag wurde moderiert.
Avatar
schrieb am 10.03.09 05:07:05
Beitrag Nr.6 
(36.733.656)
Antwort
Zitat
ja, ja, die armen amis wurden "bedrängt"......:laugh:

sollen doch mal verraten, welche Aufgabe die "Impeccable" in diesem Seegebiet hatte?

Das Schiff verfügt über hochmoderne Sonaranlagen (aktives und passives Sonar).

Da haben die Chinesen nur massive Aufklärung nahe ihres Hoheitsgebietes unterbunden.
Es gab weit und breit keinen us-amerikanischen Flottenverband, den die "Impeccable" hätte durch ihre Sonaraktivitäten schützen müssen, reine Spionagetätigkeit.
meine Meinung.
Avatar
schrieb am 10.03.09 06:15:26
Beitrag Nr.7 
(36.733.690)
Antwort
Zitat
im Februar hatte es ja eine Kollision zwischen einem amerikanischen und einem russischen Satelliten gegeben.

Angeblich war der amerikanische Satellit für das Iridium-Netz zuständig.......:laugh:

Frage:
Was hatte der dann bitte über Nordsibirien zu suchen?

Es gibt im Netz massiv Gerüchte, dass es sich eigentlich um einen amerikanischen Aufklärungssatelliten gehandelt haben könnte, den die Ruskies ganz gezielt weggekickt haben.
Für diese Theorie spricht, dass Satellitenzusammenstösse eh sehr unwahrscheinlich sind und Kommunikationssatelliten normalerweise auf einer geostationären Bahn arbeiten.

Will keine Panik verbreiten, habe aber den Eindruck, dass im Hintergrund der Wirtschaftskrise die Militärs der Grossmächte merkwürdige Aktivitäten zeigen.
Avatar
schrieb am 10.03.09 07:51:39
Beitrag Nr.8 
(36.733.804)
Antwort
Zitat
Antwort auf Beitrag Nr.: 36.733.690 von Cashlover am 10.03.09 06:15:26
@ Cashlover,

"Will keine Panik verbreiten, habe aber den Eindruck, dass im Hintergrund der Wirtschaftskrise die Militärs der Grossmächte merkwürdige Aktivitäten zeigen."

Für die Amerikaner ist die Logik doch ganz simpel:
Wollen sie dieses gigantische Konjunkturprogramm finanzieren,
müssen sie dafür sorgen, dass trotz des Junk-Status des US $
weiterhin ausl. Kapital ins Land fließt. Also müssen sie gegenüber
der Weltöffentlichkeit dokumentieren, dass sie weiterhin die stärkste
Militärmacht der Welt sind.
Ähnliche Überlegungen hat Krugman bereits angestellt.
Maraho hat einen Artikel dazu- vielen Dank dafür- in seinem Thread
bereits heute Morgen um sechs!! in seinem Thread veröffentlicht, den ich einfach hier auch noch einmal mit einstelle.
Gruß Windei
In Bezug ...

Konjunkturprogramm Weltkrieg?
von Thomas Strobl

„Der Krieg ist der Vater aller Dinge", heißt es bei Heraklit. Und Nietzsche schreibt gar davon, dass der Krieg unentbehrlich sei, und von einer eitel dahin schwärmenden Menschheit nicht mehr viel zu erwarten, wenn sie es verlernt hätte, Kriege zu führen. Nichts anderes als der Krieg wäre geeignet, ermattete Völker wieder zu revitalisieren, so der deutsche Moralkritiker, der um direkte Worte bekanntlich nie verlegen war.

Woher kommt diese Begeisterung für die ultimative menschliche Konfrontation, für die Zerstörung und das Leid, das die Meisterdenker aller Epochen offenbar immer mit der Geburt des Neuen, des Stärkeren, des Besseren verbanden? - Und waren es Gedanken wie diese, die Max Weber dazu bewegten, den Kapitalismus als Spezifikum des europäischen Nationalstaates zu deuten, und seine Hochs und Tiefs, Booms und Busts, Inflationen und Deflationen daher als Ursache wie auch Ergebnis der wechselvollen, militärischen Geschichte des alten Kontinents? - Wenn der Krieg der Vater aller Dinge ist, ist er dann auch der Vater aller Wirtschaftswunder? - Und müsste man daraus gar den Schluss ziehen, dass der Clausewitzsche Begriff vom Krieg als „Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln", auch Anwendung auf die Konjunktur- und Beschäftigungspolitik findet? - Oder wäre das des Zynismus bereits das berühmte Quentchen zuviel?

Ganz und gar nicht zynisch, wenn auch von einer brutalen Ästhetik ist es, wenn man darauf hinweist, dass der Krieg zu allen Zeiten ausgesprochen konjunkturbelebende Wirkungen hatte; und nicht nur das, so mancher Kanonendonner kam - bei rein ökonomischer Betrachtung - zu einem ausnehmend günstigen Zeitpunkt. Ja, fast schon unglaublichen Sinn für lukratives Timing bewies der Weltgeist, als er der größten wirtschaftlichen Katastrophe der Neuzeit unmittelbar die Übertragödie des 2. Weltkrieges hinterherschickte, und dadurch - nach einer mehrjährigen Leistungsschau der menschlichen Ekelhaftigkeit - den Albtraum der Great Depression in eine Epoche der wirtschaftlichen Blüte verwandelte. Diese Kausalität mag einen vor den Kopf stoßen, aber die schlichte Wahrheit lautet: sie ist mittlerweile in etwas leichtfüßigerer Umschreibung zu einem verbalen Allgemeinplatz geworden; und das keineswegs an einem wie immer gearteten „Rand" der Debatte, sondern inmitten des mit hohen und höchsten Weihen der Konformität versehenen Mainstreams: Paul Krugman zum Beispiel, der diesjährige Ökonomie-Nobelpreisträger, hatte keinerlei Bedenken, in seiner Kolumne in der honorigen „New York Times" zu schreiben:

„Wenn Sie einmal sehen wollen, welcher Anstrengungen es tatsächlich bedarf, um die Wirtschaft aus einer Schuldenfalle zu befreien, dann betrachten Sie das massive, öffentliche Beschäftigungsprogramm, das die Große Depression beendete, besser bekannt unter dem Begriff„2. Weltkrieg". Der Krieg führte nicht nur zur Vollbeschäftigung, er bewirkte darüber hinaus rapide ansteigende Einkommen und substantielle Inflation; und das alles praktisch ohne größere Verschuldung des Privatsektors. Bis 1945 stiegen die öffentlichen Schulden der USA rasant, aber das Verhältnis der privaten Schulden zum Bruttoinlandsprodukt war nur noch halb so hoch wie 1940. Und dieses niedrige Schuldenniveau bildete die Basis für den großen Nachkriegsboom."

Was Krugman natürlich postwendend die bösesten Kommentare in den Foren und Blogs des Landes bescherte, etwa diesen hier:

"Wie werden die Leute das wohl verstehen? - ‘Sogar Krugman meint, wir brauchen einen neuen Krieg. Lasst uns also gleich einen anfangen!'"

Aber war das seine Intention? - Natürlich nicht!

Krugman ist als keynesianischer Ökonom vielmehr davon überzeugt, dass die Zentralbankpolitik ihr Pulver verschossen hat, und daher die US Wirtschaft vor dem Absturz in die Depression nicht bewahren wird können; der Staat muss daher ran und nicht nur das: er muss sein ganzes fiskalisches Gewicht in die Waagschale werfen, großangelegtes Deficit Spending betreiben, massiv in Bildung und Infrastruktur investieren. „Fiscal is the only game in town", so Krugmans Credo, und was die neue Regierung Obama an Plänen und Projekten bisher auf den Tisch gelegt hat, reicht ihm nicht aus; ja, reicht ihm sogar bei weitem nicht aus: das Paket, obwohl in absoluten Zahlen beeindruckend, wäre unfokussiert, setze zu sehr auf Steuersenkungen statt Regierungsausgaben, und wäre in den Verhandlungen mit den Republikanern auch noch verwässert worden: in Krugmans Augen ein Riesenfehler, der die USA und mit ihnen die Weltwirtschaft ins Desaster führen kann. Präsident Obama laufe Gefahr, in dieser Schicksalsfrage ähnlich zu irren, wie seinerzeit Franklin D. Roosevelt: der war selbst 1938 noch davon überzeugt, dass ein ausgeglichener Staatshaushalt das höchste der politischen Gefühle wäre; und lies sich von dieser Meinung noch nicht mal von Keynes selbst abbringen, der ihm in einem Brief im Februar 1938 schrieb:

„Zwar werden die bereits beschlossenen Maßnahmen verhindern, dass der Einbruch wieder so desaströse Ausmaße annimmt, wie letztes mal. Aber sie werden nicht ausreichen, und zwar noch nicht mal annähernd ausreichen, um ohne ein großangelegtes, zusätzliches Maßnahmenpaket die Wohlstandsentwicklung auf einem annehmbaren Niveau zu halten."

Zu dieser Zeit lag die Arbeitslosenquote in den USA noch immer bei deprimierenden 17%, aber vor allem begann die amerikanische Bevölkerung angesichts der Krise zunehmend zu resignieren. In Amity Shlaes' exzellenter New-Deal-Chronik „The Forgotten Man" lesen wir zur bedrückenden Gemütslage Anfang 1938:

„Das Land befand sich nun in einer seltsamen Stimmung. Eine neuartige Sicht der Depression als Dauerzustand setzte ein. Arm zu sein war nicht mehr länger ein vorübergehender Zustand - sondern sah zunehmend aus wie ein Lebensstil."

Somit hatte Roosevelt eigentlich allen Grund, sich Sorgen zu machen; und nicht nur er: auch sein nächster Intimus, Finanzminister Morgenthau, war angesichts der Zwischenbilanz des „New Deal" konsterniert; bei einem Mittagessen mit Roosevelt erzählt er ihm vom unbeholfenen Versuch, seinem in Princeton studierenden Sohn Henry näherzubringen, wie die Erfolgsbilanz des „New Deal" aussähe:

„So erzählte Morgenthau also Roosevelt wie er, der Finanzminister, versucht hatte, seinem Sohn Henry den New Deal näher zu bringen. Und damit tat er sich ein wenig schwer. Was genau hatte der New Deal dem daniederliegenden Land als Antwort zu bieten? Und was hatte der New Deal eigentlich bis dahin erreicht?"

Halten wir daher an dieser Stelle mal fest: anno 1938 war die Bilanz des New Deal alles andere als berauschend, selbst aus der Sicht seiner Protagonisten. Die übrige Welt hingegen steckte zu diesem Zeitpunkt bereits mitten drin in Krugmans „öffentlichem Beschäftigungsprogramm namens 2. Weltkrieg": die großen europäischen Nationen rüsteten auf, allen voran natürlich die Deutschen und die Italiener, und auf der anderen Seite der Kugel die Japaner ebenso. Zudem kam es ab 1935 bereits zu den ersten Geburtswehen des 2. Weltkriegs, mit dem italienischen Einfall in Abessinien, dem japanischen Angriff auf China, dem spanischen Bürgerkrieg und natürlich der deutschen Besetzung des Rheinlands 1936. England machte sich daraufhin energisch an die Aufrüstung des Landes. Die Franzosen hingegen begannen damit erst nach dem Münchner Abkommen 1938, was sich später bekanntlich bitter rächen sollte. Die Japaner wiederum erreichten dank ihrer militärischen Anstrengungen ab Mitte 1938 Vollbeschäftigung; aber das alles war natürlich nichts im Vergleich zu den Nazis, die ab 1936 ihre Kriegsmaschinerie auf größtmögliche Zerstörungskraft trimmten, die Ausgaben dafür vervierfachten, und bis 1939 insgesamt 40Mrd Reichsmark in ihr Erstschlagspotenzial investierten. In der Entwicklung der Industrieproduktion lag das Deutsche Reich deshalb ab 1937 auch konkurrenzlos in Führung, gefolgt von Japan und Italien sowie - mit deutlichem Abstand - Schweden und Großbritannien.

Hat Krugman also recht? Ist es der entfesselte Hund des Krieges, dessen grauenvolles Bellen die wirtschaftliche Wiederauferstehung ankündigt? - Folgt man Max Weber, dann war die symbiotische Verquickung der merkantilen Interessen des europäischen Bürgertums mit denen der kriegführenden europäischen Nationalstaaten, wie sie 1694 in der Gründung der Bank of England gipfelten, eine notwendige Bedingung für die Entwicklung des modernen Kapitalismus. Und Harvard-Historiker Niall Ferguson schreibt kurzerhand in das Vorwort seines neuesten Buches „The Ascent of Money": „Die Finanzgeschichte bildet den essentiellen Hintergrund jeglicher Geschichte", und lässt hernach mehrere Jahrhunderte europäischen Blutvergießens durch die Brille der Hochfinanz ablaufen. Am Ende des Buches ist man geneigt Jean Jaurès zuzustimmen, der meinte:

„Der Kapitalismus trägt den Krieg in sich wie die Wolke das Gewitter"

Aus unserem modernen Blickwinkel sind das natürlich alles alte Geschichten; „water under the bridge", wie die Engländer zu sagen pflegen. Aber dennoch: wo stehen wir in unserer Entwicklung wirklich, im Jahr 2009 nach Christi Geburt? - Laufen wir abermals Gefahr, die schlimmste Krise seit der Großen Depression in einer militärischen Apokalypse aufzulösen? Oder sind wir weiter? Reifer? Klüger? - Begreifen wir die globalisierte Welt als ein integriertes System, dessen Probleme unmöglich in nationalen Alleingängen gelöst werden können? - Sind die Regierungen und ihre Wähler bereits so weit, einzusehen, dass das Prinzip des „schwächsten Glieds" nun im Weltmaßstab gilt, und das Schicksal Irlands, Litauens, Polens oder irgendeines anderes x-beliebigen Staates damit zu „unserem Problem" geworden ist, ob wir das nun wollen oder nicht? - Einige der größten Denker unseres Zeitalters, exemplarisch sei Samuel Huntington und sein „Clash of Civilisations" herausgehoben, sahen die Welt der Jahrtausendwende in monströsen Konflikten versinken, und das wegen deutlich geringfügigerer Anlässe als einer globalen Depression epochalen Ausmaßes. Fügen wir den immensen Spannungen, die die Welt auch ohne Wirtschaftskrise seit Jahren und Jahrzehnten in Atem halten, die politischen Zwänge hinzu, die sich aus nationalen Notlagen ergeben könnten, dann dauert es womöglich nicht lange, bis wieder irgendwo ein „Führer" auf der Bildfläche erscheint, und für "sein" Volk „Lebensraum", Zugang zu wirtschaftlichen Ressourcen, oder was auch immer einfordert, koste es, was es wolle.

Krugmans implizite Botschaft an die Politik lautet daher: habt die Einsicht, dass ihr JETZT handeln müsst. Und zwar gemeinsam. Stimmt euch untereinander ab und agiert entschlossen. Überwindet eure Eigensinnigkeiten und eure kleinlichen Budgetdifferenzen, und wartet nicht auf den „opportunen" Moment; denn die Gefahr ist groß, dass dieser mit einer wesentlich größeren Katastrophe einhergeht, als es zusätzliche Staatsdefizite von 2 oder 3% des BIP je sein könnten, die man vielleicht riskiert, zu viel auszugeben. Gebt stattdessen Geld aus, als wäre Krieg; und sei es, um einen solchen zu verhindern!

Nietzsche bezeichnete den Krieg, wie eingangs erwähnt, als „unentbehrlich" für die nationale Revitalisierung - Ich bin zwar ein großer Fan von Nietzsche, aber in diesem Punkt halte ich es dann doch lieber mit Krugman.

Quelle: http://faz-community.faz.net/blogs/chaos/archive/2009/03/08/…

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schrieb am 10.03.09 08:58:31
Beitrag Nr.9 
(36.734.057)
Antwort
Zitat
Antwort auf Beitrag Nr.: 36.732.072 von windei am 09.03.09 20:23:13was dieser nachfolgende Artikel aus Spiegel online beschreibt

ist so unglaublich, dass einem der Atem stockt:

unglaublich ist, dass einem bei dem Artikel der Atem stockt;

der Autor ist wohl aus einem bald zehnjährigen Tiefschlaf aufgewacht
Avatar
schrieb am 10.03.09 09:20:21
Beitrag Nr.10 
(36.734.244)
Antwort
Zitat
Was das Lehmann gemacht hat war, da ihnen eigentlich bekannt war, dass sie in die Pleite rutschen, ein Verbrechen.

Allerdings sollte man sich darüber im Klaren sein, das die deutschen Senioren ihre Lehmann-Papiere nicht bei Lehmann, sondern bei deutschen Profis gekauft haben, die, zumindest die Leute in den Vorständen, genug Wissen hätten haben müssen, um zu wissen, dass die Sache eine Schneeballsystem ist.

Die Amis waren in diesme Fall der Dieb. Abe die deutschen Banker waren die Hehler, die das Diebesgut weiter verschachert haben. Augen zu und durch. Wird schon gut gehen.

[ Seite: 123303132neuster Beitrag ]

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