Antwort auf Beitrag Nr.:
36.740.559 von windei am 10.03.09
20:03:33Diesen Kommentar hatte ich gestern
eingestellt:
"Diese windige E-mail eines US- Bankers sorgt für einen
Anstieg des Daxes um 5%. Sollte die Spiegel-Meldung so
stimmen wie sie da steht, dann stellt sich die Frage
wie hoch sind denn die Sonderfaktoren und die zu zahlenden
Steuern?
Das erinnert an den EbIT - Unfug der neuen Markt-Blase 2001"
dazu passt wie "die Faust auf´s Auge" der heutige Kommentar der
FTD:
"Banken spielen weiter verrückt
Einige Banker arbeiten weiter hartnäckig daran, für nicht mehr ganz
voll genommen zu werden. Manche Anleger auch.
Die tollen Tage der Finanzgilde gehen weiter. Immer wenn man glaubt
die Jungs, die uns diesen ganzen Mist hier beschert haben, müssten
endlich Ruhe geben, in Sack und Asche gehen und tunlichst darauf
bedacht sein, auf der Straße möglichst nicht als Banker erkannt zu
werden, setzen sie noch einen drauf.
In einer Woche, in der das dominierende Medienthema schon nicht
mehr der Untergang, die (un-)vermeintliche Zukunft und die
Gestaltung des Bankwesens sind, sondern gleich die Systemfrage
unseres Wirtschafts- und Gesellschaftsmodells gestellt wird,
überbieten sich die Bankiers wieder mit ihren Tollereien: Bei
Merrill Lynch - Jahresverlust 2008 27,6 Mrd. $ - wird angeblich die
misslungene Wette eines Mitarbeiters in Höhe von 400 Mio. $ so
lange von seinem Vorgesetzten vertuscht, bis dieser seinen Bonus in
Höhe von 10 Mio. $ in der Tasche hat.
Deutsche-Bank-Chef Joseph Ackermann wiederum faselt schon wieder
irgendwas von einer mittelfristig erreichbaren Eigenkapitalrendite
von 25 Prozent im Bankensektor.
Und am Dienstag schließlich krönt der Verwahrer der Citigroup,
Vikram Pandit, die erst junge Woche mit der Aussage, sein
quasiverstaatlichtes Institut, für das die US-Regierung aktuell
wieder einmal ein Rettungspaket schnürt, habe das stärkste Quartal
seit September 2007 aufs Parkett gelegt - man sei 2009 bis dato
profitabel.
Kleine Zwischenfrage, Herr Pandit: profitabel nach
US-GAAP-Rechnungslegung oder profitabel nach der von US-Firmen so
beliebten Pro-formaRechnungslegung? In der der Gewinn geschönt vor
sogenannten Certain Items ausgewiesen wird? Diese Certain Items
umfassen Restrukturierungskosten, Übernahmekosten, Gerichtskosten
und überhaupt jede Art unliebsamer Kosten, die das rosa Bild
stören. Dazu gehören dann bestimmt bald auch jene Kosten, die
dadurch verursacht wurden, dass man durch den Staat gerettet wurde.
Dass der US-GAAP-Gewinn durch Certain Items nach unten revidiert
wird, passiert übrigens seltener, als dass ein Banker
Entschuldigung sagt.
Doch den größten Vogel haben die Anleger abgeschossen, die aufgrund
von Pandits Aussagen die Finanztitel in die Höhe trieben. Arme
Irre. Die Branche, von der behauptet wird, sie bräuchte weitere
1000 Mrd. $ zur vollständigen Rekapitalisierung, macht samt
Versicherern und sonstigen Finanzdienstleistern immer noch 16,5
Prozent vom Stoxx aus. Immerhin runter von 30,7 Prozent vor zwei
Jahren, aber immer noch zu viel. In den USA ist das Gewicht des
Sektors am S&P 500 von 21,8 auf 9,7 Prozent runter. Die
Richtung stimmt.
Gruß Windei