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Seite 10 von 32

Der doppelte Raubzug der Amerikaner ( Seite 10)

Diskussionsstatistik
eröffnet am 09.03.09 20:23:13
von
neuster Beitrag 02.06.10 23:07:42
von

Anzahl Beiträge: 318
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schrieb am 29.03.09 09:14:01
Beitrag Nr.91 
(36.873.352)
Antwort
Zitat

@ alle Interessierten:

Einhundert Jahre ist sie nun her, die große amerikanische Bankenkrise 1907. Und doch glaubt man sich in die Gegenwart ver-
setzt. Als sei das Desaster des Jahres 2008 nur ein billiger
Reprint der Zeit von damals. Die Methoden, die Leute um ihre Er-
sparnisse zu bringen, unliebsame Konkurrenten auszuschalten sind
noch immer die selben. Hierzu eine kurze Beschreibung der Krise
von 1907:

Nach einer mehrjährigen Hausse hatte sich der Aktienmarkt im Jahr 1906 heißgelaufen. Doch mehrere Faktoren führten dazu, dass sich die Hausse schließlich noch einige Monate verlängerte und erst im Oktober 1907 mit einem bis dato nicht gekannten Kurssturz in New York ein Ende nahm.

Im Jahr 1903 begann eine kräftige Hausse in Amerika. Insbesondere die Aktien des noch jungen Dow Jones Industrial Average, der vor allem Eisenbahnaktien sowie einige weitere Industrieaktien zu einem Index verband, kletterte stetig nach oben. Am 12. Januar 1906 konnte der Dow erstmals in seiner Geschichte die Marke von 100 Punkten überschreiten (beim Start am 26. Mai 1896 lag der Index bei 40,74 Zählern). Doch damit waren die Höchstkurse erreicht, die Aufwärtsbewegung kam zum Stillstand und tendierte bis zum Frühjahr sogar leicht bergab. Aber dann wurden die Aktienmärkte durch die Ereignisse des 18. April 1906 überrascht.

Am frühen Morgen des 18. April, gegen fünf Uhr, schreckte ein heftiger Erdstoß von 40 Sekunden die Bewohner der kalifornischen Stadt San Francisco aus dem Schlaf. Es folgten zehn Sekunden trügerischer Ruhe ehe ein weiteres Erdbeben, mit 8,3 auf der Richterskala noch stärker als der erste Erdstoß, die Region 25 Sekunden lang erzittern ließ. Zunächst schien es als ob die Stadt die beiden Erdstöße und ein folgendes kleines Nachbeben relativ gut überstanden hatte. Dies lag daran, dass die Region um San Francisco seit langem als eines der erdbebengefährdetsten Gebiete der Welt bekannt und die Bewohnen deswegen entsprechend vorgewarnt waren. Viele der neuen Hochhäuser im Stadtzentrum sowie die meisten viktorianischen Holzhäuser in den Außenbezirken überstanden das Beben ohne größere Schäden, die zahlreichen Backsteinhäuser waren jedoch wie Kartenhäuser in sich zusammengesunken. Doch bald lösten Kurzschlüsse an beschädigten Stromleitungen und geborstene Gasrohre kleine Brände aus, die sich rasch ausweiteten, da das Beben das gesamte Wasserleitungsnetz der Stadt zerstört hatte. Machtlos mußten die Bewohner der Stadt zusehen, wie sich die kleinen Brände zu einer Feuersbrunst ausweiteten. Erst drei Tage später erlosch das Feuer und hinterließ ein glühendes Ruinenfeld mit 30.000 zerstörten Häusern. Fast 500 Menschen fanden bei dieser Katastrophe den Tod. Der Gesamtschaden wurde später auf 600 Mio. Dollar beziffert.

Ganz Amerika und auch die Aktienmärkte zeigten sich zunächst wie gelähmt, ehe Ende April eine Panikwelle die Börse erfasste. Die zwanzig Eisenbahnwerte, die am 22. Januar 1906 noch bei 138,36 Punkten notiert hatten, büßten bis zum 3. Mai mehr als 18 Zähler ein; die damals zwölf bekanntesten Industriewerte fielen von 103 Punkten am 19. Januar auf 86,45 Punkte am 3. Mai. Besonders schlimm traf es die Versicherungsgesellschaften, die die ernorme Schadenssumme aufbringen mussten. Die Rückstellungen bei vielen Finanzinstituten schrumpften bedenklich. So meldete die Aetna Fire Insurance Company, die damals größte Brandversicherungsgesellschaft der Vereinigten Staaten, dass die Feuersbrunst in San Francisco die Ersparnisse von 40 Jahren aufgezehrt habe. Trotz des massiven Kursrutsches konnten sich die Kurse bald erholen. Am 6. Juli 1906 kündigte beispielsweise das Wall Street Journal eine breite, allgemeine Erholung der Werte des Dow Jones an. Die Aktienkurse lebten erneut auf und konnten bis Jahresende wieder deutlich Boden gut machen.

Erst Ende 1906 kam die Aufwärtsbewegung erneut zum Stillstand. Im Januar 1907 sorgten größere Aktienverkäufe an der Börse für Mißstimmung. Immerhin boomte die Industrie immer noch und die Bruttoerlöse und Gewinne der Eisenbahngesellschaften erreichten neue Rekordhöhen. Lediglich der Aktienmarkt schwächelte etwas nach drei Haussejahren.

Ohne die erwartete Abwärtsbewegung einzuläuten, erschütterten in den folgenden Monaten weitere Ereignisse die Börsen. So kam es im März 1907 zur sogenannten "Panik der Reichen" als die Aktien der Union Pacific, die vielfach als Sicherheit für Finanzierungswechsel genutzt wurden, in kurzer Zeit um 50 Punkte fielen. Am 14. März 1907 verbuchte der Dow Jones einen Einbruch um fast 8,3 Prozent auf 76,23 Punkte, doch war dies nur der Beginn der folgenden Panik. Die Börse verkraftete sogar noch einige weitere Schläge ehe es im Oktober zur allgemeinen Panik kam: Im Juni 1907 scheiterte die Begebung einer Anleihe der Stadt New York. Die Emission der 4-prozentigen Anleihe im Wert von 29 Millionen US-Dollar erreichte damals lediglich eine Zeichnung von 2 Millionen Dollar. Im Juli 1907 kollabierte der Kupfermarkt. Doch auch dieses Ereignis belastete die Börse nur kurzzeitig. Auch die Verurteilung Rockefellers Standard Oil Company zu einer Geldstrafe von 29 Millionen Dollar wegen Verstößen gegen das Antitrustgesetz im August 1907, verhallte ohne große Auswirkung auf die Kurse.

Ende Oktober zeigte sich der Markt nervös. Am Montag den 21. Oktober 1907 gab die National Bank of Commerce am späten Nachmittag bekannt, dass sie die Einlösung von Wechseln der Knickerbocker Trust Company, der damals drittgrößten Bank New Yorks, ab sofort verweigerte. Am selben Abend organisierte J.P. Morgan ein Treffen unter den Vorsitzenden der New Yorker Banken, um die drohenden Panik abwenden zu können. Nachdem Morgan aber wegen zurückgehaltener Informationen kurz darauf eine Hilfe ablehnte, entschlossen sich auch die anderen Banken nichts zur Rettung zu unternehmen. Am 22. Oktober begann der Ansturm auf Knickerbocker, die innerhalb von drei Stunden 8 Millionen Dollar in Bargeld ausgeben musste, ehe sie kurz nach Mittag die Arbeit einstellte. Am Mittwoch, 23. Oktober, geriet die zweitgrößte Bank New Yorks, die Trust Company of America, in den Strudel. In einem Artikel der New York Times wurde die Bank als "wunder Punkt" der Panik bezeichnet. Das Finanzhaus, das bereits am 22. Oktober rund 1,5 Millionen an Bargeld ausgeben musste, wurde nun zum neuen Ziel der verschreckten Anleger. Allein am Mittwoch flossen 13 Millionen Dollar aus den noch vorhandenen rund 60 Millionen Dollar-Reserven. Am Donnerstag gab es nochmal einen Abfluss in Höhe von 8 bis 9 Millionen Dollar. Insgesamt verlor die Bank während der Panik 47,5 Millionen Dollar. Auch die Lincoln Trust geriet durch Presseartikel in Bedrängnis.

Am 24. Oktober 1907 erreichte die Manie schließlich auch die New Yorker Börse. Die Panik zeigte sich zunächst vor allem bei den sogenannten Call Loans. Darunter wurden damals zeitlich begrenzte, jederzeit kündbare Kredite verstanden, die Banken den Maklerhäusern zur Verfügung stellten. Mit den Mitteln aus diesen Krediten wurden Margin-Konten finanziert, die Makler von ihren Kunden forderten. Die Call Loans wurden an der Börse am sogenannten Money Post täglich zwischen 12:00 und 14:15 Uhr abgewickelt, wenn sich die Banker an der Börse einfanden um Kredite an die Broker weiterzuleiten. Am 24. Oktober 1907 gab es aber nicht genügend Mittel, um die Nachschussforderungen der Makler zu befriedigen. Geld war - wenn überhaupt - nur noch gegen Zinsforderungen von 100 bis 150 Prozent zu bekommen. Trotzdem weigerten sich die meisten Banken selbst zu solchen horrenden Zinsen Kredite zu gewähren. Dementsprechend breitete sich bald Panik aus.
Sehr gut gibt ein Abschnitt aus dem Buch Jesse Livermore "Das Spiel der Spiele" aus dem TM Börsenverlag die Geschehnisse jenes Tages wieder: "...(ein befreundeter Broker sagte an jenem Tag zu ihm:) Hast Du jemals von dem im Unterricht durchgeführten Experiment gehört, bei dem eine Maus in der Glasglocke sitzt, aus der die Luft herausgepumpt wird. Man kann sehen, wie die arme Maus immer schneller atmet, ihre Lunge arbeitet wie ein überlasteter Blasebalg, über den sie versucht genügend Sauerstoff aus dem schwindenden Volumnen in der Glocke zu bekommen. Man sieht wie sie erstickt, ihre Augen treten aus dem Kopf hervor, sie schnappt nach Luft und ist schließlich hinüber. Daran musste ich denken, als ich die Menschenmenge am Money Post sah! Nirgendwo Geld; man kann seine Aktien nicht verkaufen, denn es gibt niemanden der sie kaufen könnte. Wall Street ist bankrott, wenn Du mich fragst!" Seine Worte gaben mir zu denken. Ich hatte zwar einen plötzlichen Kursverfall kommen sehen - nicht jedoch die schlimmste Panik in der Geschichte der Vereinigten Staaten...."

Erst das Eingreifen des Bankers J.P. Morgan konnte die Situation an der New York Stock Exchange entspannen. Durch einen schnell verfügbaren Kredit von 10 Millionen Dollar, der durch verschiedene Banken getragen wurde, sorgte Morgan dafür, dass sich die prekäre Situation an der New York Stock Exchange entspannte. Die Liquidität am Aktienmarkt konnte dadurch aufrecht erhalten werden und der Verkaufsdruck der Kunden ließ langsam nach. Auch die Bankenszene in New York kam durch ein Zusammenarbeiten verschiedener großer Banken (darunter u.a. Morgan, Baker, Stillman) und anderer Quellen (wie J.D. Rockefeller), die dringend benötige Finanzmittel zur Verfügung stellten, wieder unter Kontrolle. Dennoch ging das Jahr 1907 als eines der schlimmsten der amerikanischen Börsengeschichte in die Analen ein. Am Jahresende notierte der Dow Jones nur noch bei 58,75 Punkten - ein Minus von 37,73 Prozent im Jahresvergleich.

Eine in diesem Zusammenhang interessante Theorie des Schweizer Freiwirtschaftlers Fritz Schwarz beschuldigt übrigens die beiden Wirtschaftsgiganten Morgan und Rockefeller, die Panik des Jahres 1907 absichtlich inszeniert zu haben. Bereits im Juni 1906 sollen sich Morgan und Rockefeller demnach darauf verständigt haben, die Konkurrenz und die Regierung durch eine Deflationskrise in die Knie zu zwingen. Morgan hatte so die Möglichkeit die Konkurrenten \"billig\" zu übernehmen und Rockefeller hätte den Staat unter Druck gesetzt, der seine Standard Oil Company wegen des Verstoßes gegen das Antitrust-Gesetz* verklagen wollte. Ob diese Theorie wahr ist, kann nicht genau bewiesen werden, fest steht aber, dass beide Unternehmer sicher die nötige Finanzmacht besäßen. Zudem sollen Morgans Bedienstete wirklich nach dem Crash eine große Anzahl von Aktien aufgekauft haben - nachweisbar an einem Tag bis zu 100.000 Stück. Kurz nach der Panik im November 1907 wurde das Eigentum der Konkurrenzbank Heinze-Morse-Thomas konfisziert und der Eigentümer zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt. Auch wenn die Theorie wahr sein sollte, so zog Rockefeller selber keinen erkennbaren Nutzen aus dieser Zusammenarbeit, da sein Unternehmen im August 1907 zu einer Strafe von 29 Mio. US-Dollar wegen des Verstoßes gegen das Anti-Trust-Gesetz verurteilt wurde. 1911 wurde sein Imperium schließlich per Gerichtsbeschluß in 34 Gesellschaften zerschlagen.

*Das Antitrust-Gesetz geht auf das Jahr 1890 zurück, als Präsident Harrison den Sherman Antitrust Act unterzeichnete, der Kartellen (=Trusts) und Konzernen, die den freien Wettbewerb einschränkten, für ungesetzlich erklärte und Strafen von bis zu 5.000 Dollar oder ein Jahr Gefängnis oder beides vorsah. Am 18. November 1906 klagte die Regierung der Vereinigten Staaten in Missouri auf Zerschlagung von Standard Oil entsprechend dem Sherman Anitrust Act. Angeklagt waren neben dem den Unternehmen Standard Oil of New Jersey sowie 65 der von Standard Oil kontrollierten Unternehmen auch die gesamte Führungsebene u.a. mit John und William Rockefeller, Henry Flager oder Oliver Payne. Der sich über mehrere Jahre hinziehender Prozeß endete schließlich am 5. Mai 1911 in der Zerschlagung der Standard Oil Company.
Gruß Windei

Macht und Missbrauch: Franz Josef Strauß und seine Nachfolger.
Macht und Missbrauch: Franz Josef Strauß und seine Nachfolger.

Wilhelm Schlötterer
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schrieb am 29.03.09 09:17:25
Beitrag Nr.92 
(36.873.355)
Antwort
Zitat
Antwort auf Beitrag Nr.: 36.873.352 von windei am 29.03.09 09:14:01sorry, ich vergaß den link:

http://zeitenwende.ch/finanzgeschichte/die-schreckensjahre-d…
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schrieb am 30.03.09 10:20:54
Beitrag Nr.93 
(36.877.593)
Antwort
Zitat

@ alle Interessierten


Surreal, anders läßt sich die aktuelle Lage an den Finanzmärkten nicht beschreiben:

Der Schuldner USA sitzt am längeren Hebel und läßt den Gläubiger

China nach seiner Pfeife tanzen.

Internationale Presseschau vom 30.3.2009
China und das Dollar-Dilemma
von Peggy Pfaff


Ein Blick in die internationale Wirtschaftspresse.

In einem Interview mit dem Magazin Newsweek unterstützt Nobelpreisträger Joseph E. Stiglitz die Forderung der Poeple?s Bank of China, statt des Dollars die Special Drawing Rights (SDRs) des Internationalen Währungsfonds zur Reservewährung zu machen. "Eine Reservewährung muss stabil sein, und das ist der Dollar nun mal seit geraumer Zeit nicht: Die Bilanz der US-Notenbank ist surreal, die Fed hat sich auf unerforschtes Terrain begeben, wir müssen uns ernsthaft Sorgen machen um die Inflation und ihre Folgen für den Dollar." Die Bedenken Chinas seien somit nachvollziehbar, und letztlich sei das ganze System ungerecht: "Arme Länder leihen den USA Geld zu niedrigsten Zinssätzen." Ein neues, auf den SDRs basierendes System könne funktionieren: "Man müsste das SDR-Volumen verdoppeln und den Ländern anbieten. Statt ihr Geld in Dollarreserven zu pumpen, die nicht dazu beitragen, den Konsum anzukurbeln, könnten sie sich bei einem SDR-Fonds in Höhe von 42,8 Milliarden Dollar bedienen, ihre Einnahmen also ausgeben, statt sie irgendwo zu horten." China bezüglich der Infragestellung des Dollar aggressives Auftreten vorzuwerfen, sei nicht richtig: "China nimmt einfach eine aktivere Rolle ein. Immerhin ist das Land äußerst wettbewerbsfähig, und es hilft den weniger entwickelten Staaten."

Keine großen Erfolgschancen räumt dagegen der Economist dem Vorschlag der People?s Bank of China ein, die SDRs als internationale Reservewährung zu nutzen. Zwar werde der Vorschlag Unterstützung vor allem aus den Schwellenländern erhalten, doch er sei in nicht in naher Zukunft realisierbar. "Es würde Jahre dauern, bis SDRs weithin akzeptiert würden." Derzeit betrage der Wert der SDR-Reserven 32 Milliarden Dollar, weniger als zwei Prozent der chinesischen Devisenreserven - im Vergleich zu elf Billionen Dollar, die China in Form von Wertpapieren des US-Finanzministeriums halte. "Doch es gibt auch politische Hürden: Die USA würden sich dagegen wehren, weil der Verlust des Reservewährungsstatus des Dollars die Kosten für die Finanzierung des Haushalts und des aktuellen Defizits hochtreiben würde." Schließlich habe der Chef der People´s Bank of China selbst John Maynard Keynes´ Vorschlag für eine internationale Währung aus 1940 zitiert. "Dieser beinhaltet auch, dass Länder, die große Devisenreserven anhäufen, mit einer Steuer belegt werden, um die Binnennachfrage anzukurbeln."

Der Business Standard aus Indien wirft China vor, das "Dollar-Dilemma" selbst mit verursacht zu haben: "Asien ist ein Negativbeispiel dafür, wie Reichtum vernichtet wird. Die China Investment Corporation (CIC), die massiv in Anleihen des US-Finanzministeriums investiert hat, wird zurecht kritisiert, hat sie doch große Verluste gemacht." Doch nicht der Wert des Dollars sei das eigentliche Problem, sondern die Sicherheit der erworbenen Wertpapiere. "Chinas Exportindustrie hat bereits 20 Millionen Arbeitsplätze verloren, und das Land kann keine weitere Aufwertung des Yuan verkraften. Klar, dass sich China Sorgen macht wegen seiner Abhängigkeit von Dollar-Wertpapieren." Doch verkaufen komme nicht in Frage: Würde China seine Devisenreserven in Dollar ab- und in anderen Währungen wieder aufbauen, würde der Dollar abstürzen. "Außerdem brauchen die USA die Importe aus China und die Investitionen, um ihre Inflation und ihre Zinssätze niedrig zu halten." Die Lösung könne die Beseitigung des Ungleichgewichts beim Sparen bzw. Anlegen sein: "Die Amerikaner müssen mehr Geld sparen, und die Chinesen müssen mehr konsumieren. Nur so kann das globale Ungleichgewicht auf ein verträgliches Niveau gebracht werden. Alles andere wird unweigerlich dazu führen, dass China große Verluste bei seinen Devisenreserven macht."...

http://www.handelsblatt.com/journal/presseschau/china-und-da…
Gruß Windei
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schrieb am 30.03.09 16:32:45
Beitrag Nr.94 
(36.880.876)
Antwort
Zitat
Antwort auf Beitrag Nr.: 36.877.593 von windei am 30.03.09 10:20:54Der Schuldner USA sitzt am längeren Hebel und läßt den Gläubiger
China nach seiner Pfeife tanzen.


Tja, das war vorherzusehen. Wer an Finanz-Kriminelle Geld verleiht in so hohen Mengen, der sollte zumindestens über eine gleich starke Armee verfügen, um das "Inkasso" sicherzustellen. Daran wird`s wohl hapern, fürchte ich :cry: Die haben doch wohl nicht die USA mit Tibet verwechselt ? Wer sich in die Abhängigkeit eines einzigen Schuldners begibt, ist dumm. Wenn dieser Schuldner militärisch auch noch um ein Vielfaches stärker ist, dann ist man saudumm !
Avatar
schrieb am 30.03.09 19:26:49
Beitrag Nr.95 
(36.882.478)
Antwort
Zitat
Antwort auf Beitrag Nr.: 36.880.876 von Looe am 30.03.09 16:32:45@ Looe,

"Tja, das war vorherzusehen. Wer an Finanz-Kriminelle Geld verleiht in so hohen Mengen, der sollte zumindestens über eine gleich starke Armee verfügen, um das "Inkasso" sicherzustellen. Daran wird`s wohl hapern, fürchte ich weinen Die haben doch wohl nicht die USA mit Tibet verwechselt ? Wer sich in die Abhängigkeit eines einzigen Schuldners begibt, ist dumm. Wenn dieser Schuldner militärisch auch noch um ein Vielfaches stärker ist, dann ist man saudumm !


Damit ist die Lage, in der sich unser Land befindet, präzise beschrieben. Wir haben es in mehr als sechzig Jahren nicht
geschafft, die amerikanischen Besatzungstruppen los zu werden
und zahlen dafür auch noch Mrd. Unterhaltskosten.
Da waren die Ösis schlauer!
Gruß Windei
Avatar
schrieb am 30.03.09 20:49:58
Beitrag Nr.96 
(36.883.196)
Antwort
Zitat
Antwort auf Beitrag Nr.: 36.882.478 von windei am 30.03.09 19:26:49Merkst du garnicht, wie auf deinen Sch... nur noch wenige Gleichgesinnte eingehen? Aber das reicht dir ja sicherlich.
wilbi
Avatar
schrieb am 31.03.09 17:12:11
Beitrag Nr.97 
(36.889.571)
Antwort
Zitat
Antwort auf Beitrag Nr.: 36.883.196 von Wilbi am 30.03.09 20:49:58@ Wilbi,

auch wenn Sie noch so sehr schimpfen, rummosern, nörgeln,
an den Fakten ändert sich dadurch nichts. Nicht ein Jota!!
Und nur die Fakten werden hier in diesem Thread dargestellt!
Ob es Ihnen paßt oder nicht!
Aber vielleicht schafft Ihnen das Pöbeln, was man ja von Ihnen
auch in anderen Threads nachlesen kann, eine gewisse Erleichterung!
Dann wäre wenigstens ein positiver psychotherapeutischer
Effekt für Ihre Persönlichkeitsentwicklung damit verbunden!
Windei
Avatar
schrieb am 02.04.09 13:12:38
Beitrag Nr.98 
(36.905.431)
Antwort
Zitat
@ alle Interessierten,

Die Diebe sitzen eben nicht nur in den USA. Jetzt haben auch die
österreichischen Nachbarn mit einem veritablen Finanzskandal zu
kämpfen:

"FINANZSKANDAL IN ÖSTERREICH
Aufsichtsratschef der Meinl Bank festgenommen

Ein veritabler Finanzskandal erschüttert Österreich: Julius Meinl, Aufsichtsratschef der Meinl Bank, wurde Mittwochnacht festgenommen. Laut einem Magazinbericht werfen Ermittler ihm unter anderem Anlegerbetrug und Untreue vor.

Wien - Schock für die österreichische Bankenbranche: Die Meinl Bank hat am Donnerstag die Festnahme von Julius Meinl bestätigt. Der Aufsichtsratsvorsitzende der Bank sei Mittwochnacht im Anschluss an ein Gespräch mit der Staatsanwaltschaft Wien festgenommen worden, teilte das Institut mit.

Zu den Hintergründen wollte die Bank keine Angaben machen. Das Geldhaus betonte, dass die Festnahme keine Auswirkungen auf den laufenden Geschäftsbetrieb habe. Die Lage des Instituts sei stabil und die Einlagen sicher, hieß es.

Das Magazin "Format" berichtet unter Berufung auf die Wiener Staatsanwaltschaft, Meinl werde Anlegerbetrug, "Provisionsschinderei" und Untreue im Zusammenhang mit der Affäre um das Immobilienunternehmen Meinl European Land (MEL) vorgeworfen. Grund für die Inhaftierung sei Fluchtgefahr gewesen. Meinls Anwalt Herbert Eichenseder war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.
Die MEL firmiert heute unter dem Namen Atrium European Real Estate und wird inzwischen von der Citigroup und der israelischen Gazit Globe kontrolliert. Der auf Osteuropa spezialisierte Immobilienentwickler kam wegen eines umstrittenen Aktienrückkaufprogramms in die Schlagzeilen. Meinl-Anwalt Eichenseder hatte bisher betont, stets in vollstem Umfang mit den Behörden zu kooperieren.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,616955,00.html


Gruß windei


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schrieb am 02.04.09 18:06:56
Beitrag Nr.99 
(36.908.305)
Antwort
Zitat
@ alle Interessierten,
der Wirtschaftsnobelpreisträger Stiglitz klingt inzwischen fast wie ein Mitglied der Linkspartei. Zitat:

Stattdessen wird das Geld wahllos den Bankern hinterhergeworfen, und die zahlen sich dafür Milliarden an Boni und Dividenden aus. Wir Steuerzahler werden praktisch ausgeraubt, um die Verluste einiger sehr wohlhabender Leute zu verringern. Das muss sich dringend ändern.

Nachfolgend das vollständige Interview:

US-ÖKONOM STIGLITZ
"Deutschland muss mehr tun"

Die Industriestaaten geben Billionen aus, um die Krise zu bekämpfen. Zu wenig, kritisiert US-Nobelpreisträger Joseph Stiglitz: Im SPIEGEL-ONLINE-Interview spricht er über Fehler bei der Bankenrettung, zaghafte Politiker - und erklärt, warum wir trotzdem glimpflicher davonkommen als in der Großen Depression.

SPIEGEL ONLINE: Herr Stiglitz, viele Ökonomen vergleichen die Finanz- und Wirtschaftskrise mit der Großen Depression. Wird es wirklich so schlimm?

Stiglitz: Es wird schlimm, sehr schlimm. Wir erleben den tiefsten Wirtschaftseinbruch nach dem Krieg, und wir haben die Talsohle noch nicht erreicht. Ich bin sehr pessimistisch. Zwar reagieren die Regierungen heute besser als während der Weltwirtschaftskrise im vergangenen Jahrhundert. Sie senken die Zinsen und kurbeln die Wirtschaft mit Konjunkturprogrammen an. Das geht in die richtige Richtung, aber es reicht nicht aus.

SPIEGEL ONLINE: Die US-Regierung hat mehr als eine Billion Dollar für die Bankenrettung und 789 Milliarden Dollar als Konjunkturspritze eingesetzt. Wollen Sie behaupten, das ist zu wenig?

Stiglitz: In der Tat. Mehr als 700 Milliarden klingt viel, ist es aber nicht. Zum einen wird ein Großteil des Geldes erst im kommenden Jahr ausgegeben und kommt damit zu spät. Zum anderen versickert ein Drittel in Steuersenkungen. Die bringen den Konsum nicht richtig in Schwung, weil die Leute einen Großteil des Geldes sparen. Ich befürchte, dass die Wirkung des US-Konjunkturprogramms nicht einmal halb so groß ausfallen wird wie erwartet.

SPIEGEL ONLINE: Immerhin stemmen sich die Regierungen weltweit der Rezession entgegen, anders als in der Weltwirtschaftskrise, in der sie mit ihrer Sparpolitik den Abschwung noch beschleunigten.

Stiglitz: Das stimmt, und deshalb bin ich auch zuversichtlich, dass wir glimpflicher davonkommen als in der Großen Depression. Auf der anderen Seite gibt es eine Reihe von Entwicklungen, die mich sehr besorgt stimmen. Der Zustand unseres Finanzsystems zum Beispiel ist heute schlechter als vor knapp 80 Jahren.

SPIEGEL ONLINE: Damals sind in den USA Hunderte von Banken zusammengebrochen. Heute werden die großen von der Regierung gerettet. Was ist daran schlecht?

Stiglitz: Vor 80 Jahren haben die Banken, die überlebt haben, weiter Geld verliehen. Heute verleihen viele Banken kein Geld mehr, vor allem nicht die großen Häuser. Dadurch wird die Krise verschärft.

SPIEGEL ONLINE: Das soll der Rettungsschirm der US-Regierung doch verhindern. Die Banken erhalten Geld vom Staat, damit sie weiter Kredite vergeben.

Stiglitz: So ist es gedacht, aber so funktioniert es nicht. Stattdessen wird das Geld wahllos den Bankern hinterhergeworfen, und die zahlen sich dafür Milliarden an Boni und Dividenden aus. Wir Steuerzahler werden praktisch ausgeraubt, um die Verluste einiger sehr wohlhabender Leute zu verringern. Das muss sich dringend ändern.

SPIEGEL ONLINE: Was schlagen Sie vor?

Stiglitz: Wir müssen unser Rettungsprogramm für den Finanzsektor neu ausrichten. Zum einen sollten vor allem jene Banken Geld von Regierung bekommen, die es tatsächlich verleihen, also eher die kleinen und mittleren Geldhäuser aus der Provinz und weniger die großen Wall-Street-Institute. Zum anderen muss die Regierung die Konsequenzen ziehen, wenn Banken zahlungsunfähig werden...

SPIEGEL ONLINE: ...und sie pleitegehen lassen?

Stiglitz: Nein, sie muss sie retten, weil die Folgen für das Finanzsystem sonst unkalkulierbar wären. Aber im Gegenzug müssen diese Institute verstaatlicht werden, so wie es inzwischen sogar der ehemalige US-Notenbank-Chef Alan Greenspan fordert. Dann kann die Regierung jene Geschäftsfelder schließen, die mit der Kreditvergabe nichts zu tun haben, und in den übrigen sicherstellen, dass die Banken keine esoterischen Wertpapier-Wetten mehr veranstalten, die sie selber nicht verstehen.

SPIEGEL ONLINE: Die Welt ist heute wirtschaftlich viel verflochtener als in den zwanziger oder dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Macht das den Kampf gegen die Wirtschaftskrise leichter?
Stiglitz: Im Gegenteil, er wird schwerer. Wenn ein Land heute ein Konjunkturprogramm auflegt, geht ein Großteil des konjunkturellen Impulses ins Ausland. Eine US-Firma beispielsweise, die einen Staatsauftrag zum Straßenbau erhält, kauft Maschinen in Deutschland, Betonteile in Mexiko oder Ingenieurleistungen in Großbritannien. Entsprechend groß ist der Anreiz, vom Konjunkturpaket des Nachbarn zu profitieren, aber möglichst wenig selbst zu tun. Dafür gibt es nur eine Lösung: Die Konjunkturpolitik muss international koordiniert werden, schon um die gefährlichen weltweiten Ungleichgewichte abzubauen.

SPIEGEL ONLINE: Wie meinen Sie das?

2. Teil: "Die Amerikaner sind total überschuldet"

Stiglitz: Die USA waren jahrelang die Konjunkturlokomotive der Welt. Sie haben mehr Güter aus dem Ausland importiert, als sie dorthin ausgeführt haben, zur Freude der Produzenten in Asien oder Europa. Doch dieses Modell funktioniert nicht mehr. Die Amerikaner sind total überschuldet, sie können ihren Verbrauch nicht steigern, sondern müssen sparen. Deshalb ist es erforderlich, dass nun andere das weltweite Wachstum stärken.

SPIEGEL ONLINE: So sieht das auch die Regierung in Washington. Sie fordert insbesondere von exportstarken Ländern wie Deutschland, weitere Konjunkturpakete zu schnüren. Halten Sie das für gerechtfertigt?

Stiglitz: Unbedingt. Exportüberschüsse sind in Zeiten der Wirtschaftskrise kontraproduktiv. Sie müssen abgebaut werden, zum Beispiel durch Konjunkturprogramme. Der Ökonom John Maynard Keynes war sogar der Auffassung, dass Überschuss-Länder in Krisenzeiten besteuert werden müssten.

SPIEGEL ONLINE: Die werden sich bedanken.
Stiglitz: Deshalb würde ich auch so weit nicht gehen. Mein Vorschlag lautet, dass Länder mit einem positiven Leistungsbilanz-Saldo einen Teil ihrer Überschüsse an den Weltwährungsfonds abführen sollten. Dieser kann dann damit die Konjunktur in Entwicklungsländern ankurbeln oder verhindern, dass in Osteuropa die Wirtschaft kollabiert.

SPIEGEL ONLINE: Die Weltwirtschaftskrise nach 1929 kam erst richtig in Fahrt, als die Regierungen ihre jeweiligen Länder vom internationalen Handel abgeschottet haben. Ist diese Gefahr gebannt?

Stiglitz: Ich halte es für unwahrscheinlich, dass die Länder wieder zu offenem Protektionismus übergehen. Was ich befürchte, sind indirekte Abschottungsmaßnahmen wie Kredithilfen oder Subventionen. Die Folgen wären allerdings nicht weniger gravierend. Es droht eine Welle heimlicher Handelshemmnisse, die den globalen Austausch ähnlich stark hemmen könnten wie Zollerhöhungen.

SPIEGEL ONLINE: Jetzt treffen sich die Staats- und Regierungschefs der 20 größten Industrienationen in London, um über die Regulierung der Finanzmärkte zu sprechen. Wird das Treffen ein Erfolg?

Stiglitz: Ich bin skeptisch. Die amerikanische Regierung spricht zwar viel von stärkerer Regulierung der Finanzmärkte. Aber ich habe Zweifel, dass sie es ernst meint. Die USA waren schon immer Meister darin, eine vermeintliche Regulierungsmaßnahme in eine weitere Deregulierung umzumünzen.

SPIEGEL ONLINE: Erwarten Sie das auch von der neuen Regierung Barack Obamas?

Stiglitz: Obama selbst hat in vielen Reden deutlich gemacht, dass er die Casinogeschäfte der US-Finanzindustrie wirksam unterbinden will. Aber Obama steht unter dem Druck der Wall Street. Und auch in seinem eigenen Regierungsteam gibt es viele Beamte, die höchstens für kosmetische Korrekturen zu haben sind.

SPIEGEL ONLINE: Die USA wenden sich gegen zu viele Auflagen für die Finanzmärkte, Deutschland will möglichst keine weiteren Konjunkturpakete. Kann beim G-20-Gipfel überhaupt viel herauskommen?

Stiglitz: Die Regierungen werden Worte finden, um ihre Konferenz als Erfolg zu verkaufen. Wenn sie etwas können, dann das. Alle werden sagen, dass mehr Regulierung nötig sei und dass man eine Balance zwischen nationaler Souveränität und einem gemeinsamen Vorgehen in der globalisierten Welt benötige. Aber wie viel Substanz wird hinter den Worten stecken? Da bin ich skeptisch.

SPIEGEL ONLINE: Die Finanzkrise hat das Wirtschaftsmodell des finanzgetriebenen Turbokapitalismus schwer beschädigt. Wird es nun zu einer Renaissance der Staatswirtschaft kommen?

Stiglitz: Das glaube ich nicht. Der Fall der Berliner Mauer enthielt die klare Botschaft, dass der Kommunismus als ökonomisches System nicht funktioniert. Der Zusammenbruch der Lehman-Bank am 15. September 2008 wiederum hat gezeigt, dass der ungezügelte Kapitalismus ebenfalls nicht funktioniert.

SPIEGEL ONLINE: Gehört möglicherweise autoritären Systemen wie dem chinesischen die Zukunft?

Stiglitz: Neben den beiden Extremen Kommunismus und Kapitalismus gibt es noch Alternativen, zum Beispiel den skandinavischen oder den deutschen Weg. Das chinesische System hat der Bevölkerung durchaus Wohlstand gebracht, allerdings um den Preis grober Verstöße gegen die Menschenrechte. Das deutsche Sozialstaatsmodell hingegen hat sehr gut funktioniert. Es könnte auch ein Vorbild für die neue US-Regierung sein.

SPIEGEL ONLINE: Die Krise begann in Amerika, griff auf die anderen Industriestaaten über und bedroht jetzt massiv die Schwellen- und Entwicklungsländer. Ist das Ziel der Uno-Mitgliedstaaten, bis 2015 die Armut weltweit zu halbieren, noch erreichbar?

Stiglitz: Da wir nicht wissen, wie lange die Krise noch dauert, wird es sehr viel schwieriger werden, das Versprechen einzuhalten. Pessimistisch stimmt mich auch, dass zum Beispiel in den USA jetzt darüber diskutiert wird, ob wir uns in der Krise die Entwicklungshilfe noch leisten können. Aber es gibt auch Länder wie Japan und Deutschland, die ihre Zahlungen an IWF und Weltbank erhöhen, um der Dritten Welt zu helfen.

SPIEGEL OLINE: Wird Afrika der große Verlierer der Krise?

Stiglitz: Das befürchte ich, denn schon das hohe Wachstum von sechs Prozent in den vergangenen Jahren in Afrika hat nicht ausgereicht, um die Armut nachhaltig zu bekämpfen. Viele Länder des Kontinents, deren koloniales Erbe vor allem eine schlechte Infrastruktur und niedriger Bildungsstandard ist, haben einseitig auf steigende Rohstoffpreise gesetzt. Das war eine riskante Strategie. Zudem hat die Politik des IWF teilweise zur Deindustrialisierung beigetragen. Wir haben es nicht geschafft, eine tragfähige Basis für die afrikanischen Volkswirtschaften aufzubauen.

SPIEGEL ONLINE: Weltbankpräsident Robert Zoellick hat gefordert, die Industriestaaten sollten 0,7 Prozent ihrer Rettungsprogramme in die Entwicklungsländer lenken. Ein guter Vorschlag?

Stiglitz: Das ist viel zu wenig. Nehmen Sie das US-Beispiel: Vom 789-Milliarden-Dollar-Programm würden alle Länder rund 5,5 Milliarden Dollar erhalten. Das ist mehr als nichts, aber nur ein Tropfen verglichen mit dem, was die Länder brauchen, nämlich eine zusätzliche Finanzierung von bis zu 700 Milliarden Dollar allein in diesem Jahr.

SPIEGEL ONLINE: In Deutschland beschwert sich die Opposition jetzt schon, dass die Regierung Konjunkturgelder für die Infrastruktur in Entwicklungsländern bereitstellt.

Stiglitz: Umso mehr müssen die Regierungen die Bevölkerung überzeugen, dass es in unserem eigenen Interesse liegt, dass alle Volkswirtschaften wachsen. Wenn im Osten Banken pleitegehen, schwächt das die westeuropäischen Banken und entsprechend US-Geldinstitute. Wenn wir etwas aus der Finanzkrise lernen können, dann dies: Die Globalisierung ist nicht zu stoppen, sie muss gemanagt werden, sonst funktioniert die Weltwirtschaft nicht.

Das Interview führte Michael Sauga


ZUR PERSON
REUTERS
Joseph Stiglitz, Jahrgang 1943, zählt zu den großen Ökonomen der Gegenwart. Er lehrt an der New Yorker Columbia- Universität. In den neunziger Jahren war er Wirtschaftsberater von US- Präsident Clinton. Von 1997 bis 2000 arbeitete Stiglitz als Chefökonom der Weltbank, die er im Streit um den richtigen Weg im Kampf gegen Armut verließ. Sein wissenschaftliches Spezialgebiet ist die Theorie des Marktversagens. Für die Analyse von Märkten mit ungleicher Verteilung von Informationen erhielt er im Jahr 2001 gemeinsam mit George Akerlof und Michael Spence den Wirtschaftsnobelpreis.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,616745-2,00.html


Das ist viel Stoff zum Nachdenken, insbesondere für die Marktradikalen!

Gruß Windei
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schrieb am 03.04.09 10:17:02
Beitrag Nr.100 
(36.912.546)
Antwort
Zitat
@ alle Interessierten,

nun ist der G-20 Gipfel zu Ende und es wird Zeit, ein erstes Fazit zu
ziehen. Auch für uns, die wir uns in diesem und anderen Threads um eine seriöse Analyse der aktuellen Situation/Lage/Ursachen der aktuellen Wirtschaftskrise bemüht haben, sollte nun der Zeitpunkt
gekommen sein, einmal inne zu halten und den eigenen Standpunkt/die
eigenen Einschätzungen zu überprüfen. Dies kann immer nur eine subjektive Sichtweise sein, die sicher dem Einen oder der Anderen nicht gefallen wird, aber sei es drum, man kann es eh´niemals allen
Recht machen. Also hier meine persönliche Analyse:

Das Fazit vorne weg: Mit wohlfeilen Worten wurde die schwärende Wunde des quasi kollabierten Finanzsystems zugepflastert, die Pestbeule aber nicht aufgeschnitten, der Eiter nicht entfernt, die Ursachen dafür nicht ansatzweise beseitigt.
Dazu die Beispiele:

1. Leerverkäufe sind weiterhin erlaubt.(Nach der ersten
Weltwirtschaftskrise waren sie sogar in den USA zeitweise
verboten!!) Also dürfen die A. Merckles dieser Welt weiter
die Kurse auch solidester Aktien manipulieren!

2. Die finanzpolitischen Massenvernichtungswaffen, bleiben
weiterhin in der Hand der Spieler und Zocker. Über
Swap-Geschäfte können weiterhin Termine/Laufzeiten/Zinssätze
u.ä. getauscht und Wetten auf die Zukunft abgeschlossen werden.
Was soll´s, die Insolvenz der AIG trägt doch sowieso der
amerikanische und europäische Steuerzahler!!

3.Und dass die meisten Rechenmodelle der Hedgefonds nur bedingt
funktionieren, weil die Risokowahrscheinlichkeiten nur
unzureichend mathematisch beschrieben werden können, weil
das Herdenverhalten der Marktteilnehmer und ihr komplexes
Beziehungsgeflecht untereinander auch die besten IT-
Programme überfordern, ist überhaupt kein Grund, über ein
Verbot der Hedgefonds nachzudenken.

4.Dass Privat- Equity Firmen mit riesigem Fremdkapitaleinsatz
solide Firmen aufkaufen und sie aussaugen, indem sie mittels
völlig überhöhter Dividendenzahlungen die Eigenkapitalbasis
ruinieren(s. Boss), macht doch nichts. Die Sozialsyteme in
Deutschland und den anderen EU- Ländern mildern doch die Folgen
der notwendig werdenden Massenentlassungen!

5.Und die Ratingagenturen Moodys, Fitch u.a. die mit ihren
Gefälligkeitsratings maßgeblich zu diesem Finanzschlamassel
beigetragen haben. Verstaatlichen? Pfui Deibel, das ist
doch Kommunismus pur!! Kontrolle reicht doch völlig aus!!
Nur woher die dafür qualifizierten Experten nehmen?
Ach das wird schon irgendwie!

6.Ach ja, das riesige Leistungsbilanzdefizit der USA!
Unwichtig, bedarf keiner Diskussion, geschweige denn
einer gründlichen Beratung und Analyse der Lösungs-
möglichkeiten. Wir inflationieren den Dollar,
zwingen die solide wirtschaftenden Chinesen, Deutschen
Franzosen höhere Anteile an den IWF zu zahlen, dessen
Chef der Jude Dominic Straus- Kahn ist.
Das ganze erinnert wieder so frappierend an die Zeit der
römischen Kaiser Titus, Hadrian u.a. 70- ca. 130 n.Chr. Wenn die
Gold für ihre Bauprojekte in Rom brauchten, war mal wieder
ein Feldzug fällig. Die damals recht wohlhabenden Daker
wurden so tributpflichtig.
Ein lästernder Kaberettist würde formulieren:
Das war der Anfang für die Finanzprobleme der Bulgaren und
Rumänen.
Aber Spaß beiseite: heute müssen die Iraker und Afghanen daran
glauben, es geht nicht mehr um Gold, sondern Öl und Gas und
sichere Pipeline- Routen.

Nun aber genug der pessimistischen Worte. Habe mir selbst bis
Zum 20. des Monats eine Schreib-Lese- und Börsenpause verordnet.
Muss nach den Turbulenzen der letzten Monate meinen eigenen
Standpunkt überprüfen. Vor allem die Frage überprüfen, ob ich
in meinem Alter noch bereit bin, die notwendige Disziplin
aufzubringen, mich so intensiv wie bisher mit Politik und
Wirtschaft auseinander zu setzen. Denn ohne diese
Disziplin braucht man gegen die großen
Spieler an der Börse erst gar nicht anzutreten. Und die G-20
haben ja beschlossen, diesen Akteuren auch weiterhin keine Zügel
anzulegen.
Also werde ich mich intensiv meiner Familie widmen, die Osterzeit
genießen, in der Natur ein Stückchen des anbrechenden Frühlings
zu erleben.
Deswegen allen Mitlesern/-diskutanten eine schöne Osterzeit!

Gruß Windei

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