Müntefering: "Früher hätte man Soldaten in die Steueroasen
geschickt"
Luxemburgs Premierminister Jean-Claude Juncker hat sich gegen die
Vorwürfe aus Deutschland zu Wehr gesetzt, sein Land sei ein
Paradies für Steuersünder. SPD-Chef Franz Müntefering hatte gesagt,
früher hätte man Soldaten in Steueroasen geschickt. "Wir waren
schon mal besetzt, wir haben unter deutscher Besatzung gelitten",
so Juncker.
Luxemburgs Premier Juncker hat von der Kritik aus Deutschland
genug
Luxemburgs Premierminister Jean-Claude Juncker hat sich mit
deutlicher Kritik an deutschen Politikern und der britischen
Regierung gegen Vorwürfe gewehrt, sein Land sei ein Paradies für
Steuerbetrüger. Im Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ verbat sich
Juncker „scheinbar humorvolle“ Angriffe wie die von Finanzminister
Peer Steinbrück (SPD).
Steinbrück hatte vor Tagen die Steueroasen Luxemburg, Österreich
und Schweiz in eine Reihe gestellt mit Ouagadougou, der Hauptstadt
des afrikanischen Staates Burkina Faso. Dies hatte vor allem in
Luxemburg, aber auch im Inland Verärgerung ausgelöst. Die
Bundesregierung ist bemüht, die Wogen zu glätten. Burkina Faso
forderte eine öffentliche Entschuldigung Steinbrücks.
Mit Blick auf Äußerungen von SPD-Chef Franz Müntefering zu
Steueroasen, wonach man früher Soldaten dorthin geschickt hätte,
sagte Juncker: „Wir waren schon mal besetzt, wir haben unter
deutscher Besatzung gelitten.“ Deutschland sei bis Juli 2005 selbst
das größte Steuerparadies Europas gewesen sei. Bis dahin habe kein
nichtansässiger Ausländer Steuern auf Zinseinkünfte zahlen
müssen.
Heute locke die britische Regierung größte Vermögen zielstrebig
nach London, wo sie nur minimal besteuert würden. Aber über dieses
„Steuerparadies für Multi-Milliardäre“ rede niemand, sagte Juncker.
Nach dem Steuerstreit rechnet sich der dienstälteste Regierungschef
der EU, der am 7. Juni Parlamentswahlen zu bestehen hat, nur noch
wenig Chancen für höhere EU-Ämter aus. Dafür gebe es nun „bei
einigen meiner EU-Kollegen keine überschäumende Begeisterung“
mehr.
Der Botschafter von Burkina Faso, Xavier Niodogo, sagte der
„Frankfurter Rundschau“, Steinbrück habe zwar ausrichten lassen, es
tue ihm leid, falsch verstanden worden zu sein. Doch die
Öffentlichkeit müsse wissen: „Wir sind kein Steuerparadies.“
Deshalb solle Steinbrück seine Entschuldigung öffentlich
wiederholen.
Die Kritik der Opposition reißt nicht ab. FDP-Chef Guido
Westerwelle warf Kanzlerin Angela Merkel (CDU) vor, Steinbrück
nicht in die Schranken gewiesen zu haben. „Stattdessen sitzt die
Kanzlerin still neben ihm auf der Regierungsbank und sieht zu, wie
Herr Steinbrück das Bild des hässlichen Deutschen in der ganzen
Welt verbreitet“, sagte er der „Welt am Sonntag“. Früher wäre der
Minister sofort entlassen worden. Bayerns Europaministerin Emilia
Müller (CSU) forderte im „Focus“, Steinbrück sollte auf EU-Ebene
aus den Verkehr gezogen werden.
Grünen-Fraktionsvize Jürgen Trittin warf Steinbrück
Unglaubwürdigkeit und Dilettantismus vor.
http://www.welt.de/politik/article3708551/Kritik-an-Steueroa…