Madeleine Schickedanz Darum stürzte die
Quelle-Erbin ab
Buch-Enthüllung wirft neues Licht auf den Fall
Madeleine SchickedanzVerlor ihr Erbe: Madeleine
Schickedanz (66)
Madeleine Schickedanz als kleines Mädchen mit
ihren Eltern Gustav und Grete
Kaum ein Gesicht ist so symbolisch für die Finanzkrise: Madeleine
Schickedanz verlor im vergangenen Jahr alles. Statt einem
Ehrenplatz auf der Forbes-Liste und Bewunderung erntet sie heute
mitleidige Blicke und Spott.
Jetzt werfen zwei Buch-Enthüllungen ein neues Licht auf den tiefen
Fall der Milliardärin.
Ihre Türmchenvilla im fränkischen Hersbruck ist ihr geblieben,
noch. Die Villa in Sankt Moritz, das Ferienhaus am Tegernsee,
Bürokomplexe und Grundstücke musste sie verkaufen, um die Last der
Schulden zu schmälern. 500 bis 600 Euro bleiben der ehemaligen
Milliardärin monatlich zum Leben. Sie kaufe beim Discounter und
ernte das Gemüse aus dem Garten, sagte sie selbst
Aussagen, für die sie viel Spott einstecken musste. Vor allem aus
den Kreisen des illustren Geld-Adels, zu dem sie selbst einmal
zählte.
NEUE DETAILS
Hat Firmen-Patriarch Gustav Schickedanz das Unheil kommen
sehen?
„Meine Tochter hat kein richtiges Verhältnis zu Geld! Wenn Sie
Madeleine mit 10 Mark zum Bäcker schicken, um ein paar Brötchen zu
holen, und der sagt 'Stimmt so', glaubt sie ihm das und verlangt
kein Wechselgeld zurück.“
So zitiert WELT-Autor Hagen Seidel Vater Schickedanz in seinem
seinem Buch „Arcandors Absturz“.
Madeleine wuchs als reiches Schlüsselkind auf. Viel Geld,
materieller Reichtum – aber die elterliche Liebe, die Unterstützung
fehlte.
Das Vertrauen der Kaufhaus-Könige in den Sprössling war gering. Von
Unternehmensentscheidungen hielt man sie fern, ist in dem Buch von
Anja Kummerow „Madeleine Schickedanz“ zu lesen.
Offenbar zu sehr!
Statt sich in den eigenen Konzern einzumischen, überließ sie nach
dem Tod ihrer Eltern anderen das Feld. Allen voran ihren drei
Ehemännern. Alle fungierten als Aufsichtsräte, zuletzt auch Leo
Herl. In einem Interview mit der BILD am SONNTAG erklärte sie im
Sommer 2009: „Ich habe viel zu spät gemerkt, dass ich die Kontrolle
verloren hatte.“
DER VERHÄNGNISVOLLE SCHRITT
Mit dem Entschluss, Quelle und Karstadt zu fusionieren begann der
Abstieg.
Madeleine Schickedanz selbst muss an diesen Schritt geglaubt haben.
Sie hoffte, den Konzern ihrer Eltern endlich ausbauen zu können
...
Für 20 Prozent der Karstadt-Anteile legte Madeleine Schickedanz
Ende der 1990er-Jahre 1,5 Milliarden Euro auf den Tisch. Die
Kredite kamen vom Kölner Bankhaus Sal. Oppenheim. Als Sicherheit
hinterlegte sie die erstandenen Aktien, Immobilien und
Grundstücke.
„Das hat ihr später das Genick gebrochen, als die Aktien immer mehr
an Wert verloren“, erklärte eine ehemalige
Schickedanz-Führungskraft der WELT am SONNTAG.
Immer wieder unterstützte Schickedanz mit Millionen den Konzern –
ebenfalls finanziert durch Kredite. Sie stockte ihre Anteile auf.
In der Branche schüttelte man den Kopf. Offensichtlich war, das
Bekenntnis von Madeleine Schickedanz zum Familienerbe hatte nichts
mehr mit der Realität zu tun.
BERATEN HABEN WILL SIE KEINER
Bank und Vermögensverwalter Josef Esch weisen jede Schuld von sich.
Die Entscheidungen habe die Quelle-Erbin ganz allein getroffen. Das
zu glauben fällt schwer. Ob Ehemann Leo verantwortlich mitmischte?
Keiner weiß es.
Madeleine Schickedanz muss sich sicher den Vorwurf gefallen lassen,
nicht eingeschritten zu sein, als beim Zusammenschluss mit Karstadt
stümperhaft gearbeitet wurde. Als immer neue Manager sich an dem
Konzern ausprobierten, Entwicklungen verschliefen und die Marke
verstauben ließen.
Fakt ist: Sie hätte mit ihrem Einfluss eingreifen müssen. Die Macht
dazu hätte sie gehabt.
Fakt ist aber auch: Der Draht zum Unternehmen war vor allem eines –
emotional. Nicht unternehmerisch entschied sie, sondern mit dem
Herzen.
„In der Öffentlichkeit gelte ich leider als Milliardärin. Aber
das ist falsch, ich bin eine Mittelständlerin, die wie viele
Unternehmer privates Geld und Vermögen in die Firma investiert
hat“, erklärte Madeleine Schickedanz im Interview. Über das Wie
verliert sie kein Wort.
Von der Forbes-Liste der Reichen ist sie längst verschwunden. Was
ihr noch bleibt, ist nicht viel. In ihrer Heimat Hersbruck
jedenfalls dürfte sie immer noch die bekannteste von 12 000
Einwohnern sein. Eine allerdings, der heute ein kleiner Makel
anhaftet.
http://www.bild.de/BILD/politik/wirtschaft/2010/09/13/madele…