Antwort auf Beitrag Nr.:
40.200.607 von ichweissauchnix am 23.09.10
18:58:13Na das passt ja prima zu Thema...diesen Artikel
habe ich gerade auf der Seite der Berbraucherzentrale NRW
gefunden:
Grauer Kapitalmarkt: Gutgläubige Anleger erleiden jedes Jahr
Milliardenverluste
Immobilienfonds
Anteile an geschlossenen Immobilienfonds werden verkauft wie warme
Semmeln. Spektakuläre Pleiten und die Verurteilung einzelner
Initiatoren wegen Kapitalanlagebetrugs zeigen jedoch, dass Sie sich
als Anleger bei diesen meist als risikolos angebotenen Produkten
(„Immobilien sind immer sicher“) heftig die Finger verbrennen
können.
Was ist ein geschlossener Immobilienfonds?
Immobilienfonds werden in zwei verschiedenen Formen angeboten: als
„offene“ und „geschlossene“ Immobilienfonds. Dieser Unterschied ist
entscheidend. Denn während bei geschlossenen Fonds alles mit einem
bestimmten Immobilienprojekt steht und fällt, also ein sehr hohes
Risiko besteht, können offene Fonds ständig Objekte kaufen und
verkaufen und damit das Risiko viel besser steuern. Durch
Finanzberater an der Haustür werden aber meist die riskanten
geschlossenen Fonds angeboten. Der Anleger wird mit der
Vertragsunterzeichnung Miteigentümer des finanzierten Objekts, das
ein Bürogebäude, ein Gewerbepark, aber auch eine Seniorenresidenz
sein kann. Lässt sich das Objekt nicht wie geplant vermieten,
wackelt das gesamte Anlagekonzept.
Wo liegen die Risiken der Anlage?
Der wirtschaftliche Erfolg von geschlossenen Fonds steht und fällt
damit, wie erfolgreich das Investitionsobjekt vermietet werden
kann. Auf keinen Fall sollten Sie sich aber auf die Sicherheit der
gern als Verkaufsargument gepriesenen „Mietgarantien“ verlassen.
Dahinter stehen regelmäßig kapitalschwache Firmen, die allenfalls
für wenige Jahre eine bestimmte Mieteinnahme garantieren können.
Wird die kalkulierte Miete nicht auf Dauer am Markt erwirtschaftet,
ist der „Garant“ schnell pleite.
Etwas mehr Sicherheit bieten schon in der Planungsphase
geschlossene langfristige Mietverträge mit bekannten Firmen, z.B.
aus der Lebensmittelbranche. Ob diese Verträge nach Ablauf des
Mietvertrags wieder verlängert werden, ist allerdings schwer
abzuschätzen. Sehr riskant wird es, wenn der Fonds komplett auf den
freien Vermietungsmarkt setzt – und sich dabei verkalkuliert. Ein
Überangebot an Büros und Wohnungen führt zum Preisverfall, eine
Tatsache, die vielen geschlossenen Immobilienfonds und damit den
Anlegern schon herbe Verluste eingebracht hat.
Steht das Fondsobjekt länger leer, droht im schlimmsten Fall sogar
der Konkurs des Fonds und der Totalverlust der Anlagegelder. Ist
die Beteiligung dann noch fremdfinanziert, kann sich die
Kapitalanlage als existenzgefährdend erweisen, denn Ihre
Kreditraten laufen weiter.
Bei Fondsobjekten im Ausland, z.B. in den USA, besteht darüber
hinaus ein Währungsrisiko. Durch die Währungsschwankungen kann die
Rendite sowohl steigen als auch fallen.
Ein Ausstieg aus dem Vertrag ist oft erst nach 15 oder 20 Jahren
möglich. Doch auch dann wird nicht das eingesetzte Kapital, sondern
nur der aktuelle Wert der Beteiligung ersetzt. Dieser fällt meist
deutlich niedriger aus als das eingesetzte Kapital, weil gerade in
der Anfangsphase lang laufender Fonds überwiegend Verluste
produziert werden. Die Richtigkeit des Betrags kann der Anleger
zudem nicht selbst prüfen, da das eine Aufgabe für Profis ist.
Auch wenn die Verkäufer solcher Fonds oft etwas anderes behaupten:
Es gibt keinen nennenswerten Verkaufsmarkt („Zweitmarkt“) für die
Anteile. Und selbst einen Käufer zu finden, ist meist aussichtslos.
Soll das angelegte Geld schnell „abrufbar“ sein, ist ein
geschlossener Immobilienfonds die völlig falsche Anlage.
Gibt es Steuervorteile?
Nur wer viele Steuern zahlt, kann Steuern sparen. Für den
Normalverdiener gilt dieses Verkaufsargument fast nie. Außerdem
sollten Sie bedenken, dass sich Steuergesetze und persönliche
Besteuerungsgrundlagen ändern können. Ohne „grünes Licht“ Ihres
eigenen Steuerberaters sollten Sie die bei geschlossenen
Immobilienfonds versprochenen Steuervorteile deshalb nicht für bare
Münze nehmen.
Welche Kosten entstehen?
Beim Kauf von Anteilen an geschlossenen Immobilienfonds wird auf
den Anlagebetrag immer ein „Agio“ – oft 5 Prozent und mehr –
aufgeschlagen. Das kassiert der Vertrieb. Das restliche Geld wird
keineswegs vollständig investiert. Im Prospekt versteckt finden
sich Hinweise, dass Treuhänder, Steuerberater, Initiatoren und
Kreditvermittler weitere hohe Beträge, zum Teil sogar fortlaufend,
aus der Fondsanlage ziehen. Dieses Abkassieren gefährdet die
Renditeversprechen. Je stärker die Initiatoren in den Topf der
Anlegergelder greifen, desto schwieriger wird es, diese Lücken am
Markt durch Gewinne zu schließen. Denn Fondsbetreiber sind
keineswegs wirtschaftliche Zauberer, auch wenn sie sich dieses
Image gern geben.
Fazit
Die Beteiligung an einem geschlossenen Immobilienfonds ist mit
erheblichen finanziellen Risiken bis hin zur existenzgefährdenden
Verschuldung verbunden. „Normalanleger“ ohne Spezialkenntnisse
sollten deshalb die Finger davon lassen!
http://www.vz-nrw.de/UNIQ128533697016533/link197895A.html