Antwort auf Beitrag Nr.:
38.787.602 von Procera am 22.01.10
07:28:26Bei Aktien und Fonds jetzt
noch rechtzeitig aussteigen, Du könntes Recht haben
Doch was mit den`Kapitalbildenden LV`s jetzt tun, Beitragsfrei
stellen oder kündigen oder weiterzahlen
Wer kennt diesen Bericht
Interview mit Crash-Prophet Leuschel
Ich erwarte Hyperinflation und einen
Anleihecrash"
Roland Leuschel gilt als notorischer Crash-Prophet. Der heute
72-Jährige begründete seinen Ruf, als er in den Jahren 1987 und
1989 die weltweiten Kursstürze an den Börsen vorhersagte. Und auch
jetzt prognostiziert er Düsteres.
Leuschel rechnet weltweit mit einer
zehnjährigen Rezession.
Foto: Börse Online/Horst Wagner
Herr Leuschel, schlafen Sie manchmal unruhig?
Seltsame Frage. Warum wollen Sie das wissen?
Manche Szenarien, die Sie in den vergangenen Jahrzehnten
entwickelt haben, wirken so düster wie Albträume.
Das mag vielleicht so erscheinen. Es handelt sich aber um alles
andere als Fantasien. Ich analysiere lediglich die Lage und ziehe
rationale Folgerungen daraus. Außerdem: Alle Crashs, die ich
vorhergesagt habe, waren letztlich schlimmer, als ich selbst
gedacht hatte. Das zeigt schon, dass es mir an negativer Fantasie
fehlt.
Wir glauben trotzdem, dass Sie ein unverbesserlicher Pessimist
sind.
Keineswegs. Ich bin ein Optimist, allerdings mit Erfahrung - also
ein Realist. Ich galt sogar lange Zeit als ausgesprochener
Haussier. Doch schon Mitte der 80er-Jahre wurde mir klar, dass es
am Aktienmarkt zu Übertreibungen gekommen war. Und dann habe ich
die Crashs von 1987 und 1989 richtig vorhergesagt, Letzteren
übrigens in BÖRSE ONLINE.
An Ihre damalige Treffsicherheit erinnern wir uns gern. Seitdem
haben Sie meist vor Aktieninvestments gewarnt, und der Dax steht
dennoch um ein Vielfaches höher als damals. Haben Sie ein
schlechtes Gewissen, wenn jemand wegen Ihnen falsch investiert
hat?
Nein. Wer sein Vermögen selbst verwaltet, muss auch die
Verantwortung dafür tragen. Und es ist auch möglich, dass man mich
falsch interpretiert hat.
Wie bitte? Sie haben beispielsweise im Jahr 2004 vorhergesagt,
dass der Dax auf 2200 Punkte fällt. Das ist nicht einmal annähernd
eingetreten.
Aber ich hatte gleichzeitig einen Einstieg in Gold empfohlen, und
wer diesem Tipp gefolgt ist, hat ein sehr gutes Geschäft gemacht.
Außerdem hatte ich im Jahr 2008 geschrieben, dass sich der Dax
halbieren wird. Und das ist tatsächlich eingetreten. Außerdem:
Warten Sie doch ab, ob der Dax nicht tatsächlich noch auf 2000
Punkte fällt.
Roland Leuschel
gilt als notorischer Crash-Prophet. Der heute 72-Jährige begründete
seinen Ruf, als er in den Jahren 1987 und 1989 die weltweiten
Kursstürze an den Börsen vorhersagte. Er war in den 60er-Jahren
Finanzanalyst bei EIR, der ersten Researchgesellschaft, die
europäische Aktien auf breiter Basis untersucht hat. Anschließend
arbeitete Leuschel jahrzehntelang als Chefstratege für die
belgische Banque Bruxelles Lambert. Nach schweren gesundheitlichen
Problemen ging er im Jahr 1995 in Pension, beschäftigt sich aber
immer noch intensiv mit den Börsen. Unter anderem schreibt er
Kolumnen für das Capital-Schwestermagazin "BÖRSE ONLINE" und ist
Autor mehrerer Bücher.
Sein neuestes Werk "Die Inflationsfalle" - gemeinsam
verfasst mit Claus Vogt, Leiter der Researchabteilung bei der
Quirin Bank schoss schnell in den Bestsellerlisten nach oben.
Leuschel ist verheiratet, hat vier Kinder und acht Enkel. Er lebt
abwechselnd an der portugiesischen Algarve, in einem Vorort von
Brüssel und im bayerischen Starnberg
Die Vorhersage von 2004 war aber doch eindeutig auf einen kurzen
Zeitraum angelegt.
Das Timing ist natürlich immer ein Problem. Mit solchen Äußerungen
will ich nur sagen: Vorsicht, es kommt noch was. Alles hat nach dem
Crash von 1987 angefangen. Die richtige Reaktion wäre gewesen, eine
Rezession zuzulassen, und der Markt hätte sich selbst bereinigt.
Der damalige Notenbankchef Alan Greenspan hat aber alles getan, um
den Crash auszubügeln. Er hat interveniert, und es wurden 20 Jahre
lang Schulden auf Schulden gehäuft. Das hat das Problem immer
größer werden lassen. Und nach dem Minicrash, den wir im Jahr 2008
hatten, haben wir wieder dasselbe getan. Deshalb steht uns der
riesengroße Megacrash noch bevor.
Ach, wirklich?
Glauben Sie mir: Mit großer Wahrscheinlichkeit gehen wir auf einen
Anleihecrash zu - also stark steigende Zinsen und damit auf einen
enormen Kursverfall der Papiere. Es kann noch ein bis zwei Jahre
dauern, aber ich befürchte, es geht schneller, als wir glauben.
Warum denn das?
Zum einen wegen der drastisch erhöhten Staatsverschuldung. In den
USA wird 2010 das Haushaltsdefizit 9,9 Prozent betragen, das ist
gigantisch. Zweitens wird der jährliche Schuldendienst drastisch
expandieren. Schon jetzt liegt er in den USA bei 650 Dollar pro
Kopf. Er wird schnell auf 1000 Dollar steigen.
Das klingt noch nicht sonderlich zwingend.
Der Hauptgrund ist die unverantwortliche Politik der Notenbanken,
die unglaublich viel Geld in den Markt gepumpt haben. Das wird die
Inflationserwartungen steigern und damit am Rentenmarkt die
Zinsen.
Wie massiv könnte der Crash ausfallen?
Ich schätze, es wird einen Aufschlag von fünf Prozent in der
Bondrendite geben. Das entspricht ungefähr dem Umfang des
Anleihecrashs von 1993, als die Kurse um ein Drittel einbrachen.
Doch wird sich die Krise nicht nur auf die Finanzmärkte
beschränken. Wir werden zusätzlich eine Hyperinflation
bekommen.
Da hätten wir gern konkrete Zahlen.
In den USA werden wir zehn Prozent Inflation überschreiten und in
Europa fünf Prozent.
Aber für solche Raten ist doch der Begriff Hyperinflation
unpassend. Deutsche denken bei diesem Wort an das Jahr 1923, als
die Geldentwertung millionenfach so hoch war.
Fünf Prozent Inflation führen aber auch schon zu einer dramatischen
Entwertung des Vermögens.
Interview mit Crash-Prophet Leuschel
"Ich erwarte Hyperinflation und einen
Anleihecrash"Sie schreiben in Ihrem Buch
"Die
Inflationsfalle", dass es zu Staatsbankrotten kommen kann. Auch
in Deutschland?
Ja, in dem Sinne, dass eine Inflation eine Art von Staatsbankrott
ist. Sie entwertet die Schulden des Staates massiv. Der Staat kauft
sich quasi von den Schulden frei.
Sie versetzen die Leute mit dem Inflationsszenario in Angst und
Schrecken. Dabei haben wir im Moment kaum Preissteigerungen.
Es kommt darauf an, wie man Inflation definiert. Wenn man
Kreditmenge plus Geldmengenzuwachs im Verhältnis zur
Wirtschaftsleistung nimmt, liegen wir in den USA derzeit bei 13,5
Prozent. Das würde bedeuten, dass wir Inflationsraten im selben
Umfang bekommen.
Es kommt aber nicht nur auf die Geldmenge an, sondern auch auf die
Umlaufgeschwindigkeit des Geldes. Und die ist derzeit extrem
niedrig, weil die Geschäftsbanken kaum Kredite ausgeben.
Das kann sich ganz schnell ändern. Sobald die Inflationsraten
anziehen, steigt auch die Umlaufgeschwindigkeit. Das ist ein
Teufelskreis, dann gerät die Sache völlig außer Kontrolle.
Was meinen Sie damit?
Da sich die Staaten dann keine weiteren Schulden leisten können,
wird dramatisch gespart. Die Leute verlieren ihre Arbeit, müssen
mit weniger Sozialleistungen auskommen und können sich ihr Essen
nicht mehr leisten. Es wird zu Massenprotesten und zu sozialen
Unruhen kommen.
Wie haben Sie sich auf den Crash vorbereitet?
Ich habe mir sehr viel Sicherheitstechnik geleistet. So gibt es in
meinem Haus in Portugal eine riesige Kameraanlage, mit der ich
jederzeit von jedem Punkt der Welt am Computer mein Haus sehen
kann.
Und in finanzieller Hinsicht?
Mit Edelmetallen. Das war für mich persönlich die beste Vorhersage,
als ich im Jahr 2004 geraten habe: Steckt 25 Prozent des liquiden
Vermögens in physisches Gold. Damit habe ich pro Jahr 100 Prozent
gemacht.
Haben Sie zwischendurch verkauft?
Nein, ich kaufe sogar bei kleineren Korrekturen nach. Ich mache
etwas, was man streng genommen in der Portfolioverwaltung nie
machen darf. Schon die 25 Prozent waren eigentlich zu viel.
Welche anderen Anlagen haben Sie momentan?
70 Prozent meines liquiden Vermögens sind in Gold und Silber
investiert. Dabei ist der Anteil von Silber etwas größer als der
von Gold, weil ich glaube, dass Silber immer noch billig ist und
der Preis stärker steigen wird. Meine Vorräte lagern in Tresoren
verschiedener Länder. Fast der komplette Rest steckt in Cash.
Einiges in Schweizer Franken, das meiste in Euro, nichts in
Dollar.
Leuschels Anlagegrundsätze
1. Misstrauen Sie Staat und Notenbanken.
2. Versuchen Sie herauszufinden, was die Mehrheit der Leute
denkt.
3. Orientieren Sie sich daran - egal ob Sie es inhaltlich für
richtig halten.
4. Crashs gehören zu den Finanzmärkten dazu - man muss sie als
Chancen für den Einstieg sehen
Sie besitzen also keine Anleihen?
Nein, allerdings Short-Papiere der Deutschen Bank auf den
Gesamtmarkt (WKN: DBX&8201;0AW).
Wie sieht es mit Aktien aus?
Da bin ich langfristig ebenfalls skeptisch. Ich rechne weltweit mit
einer Rezession von zehn Jahren, bis das wirtschaftliche
Gleichgewicht wiederhergestellt ist - ähnlich wie es zuletzt in
Japan lief. Deshalb besitze ich einige Short-Positionen in Form von
Papieren der Royal Bank of Scotland auf Dax (WKN: AA0&8201;H55)
und Dow Jones (WKN: AA0&8201;HLX). Zusätzlich habe ich einige
ETFs, etwa von Robeco auf China (WKN: A0C&8201;A01), um ein
Gefühl für den Markt zu behalten.
Sie haben also keine einzelnen Papiere?
Einzelaktien sind derzeit kein Thema für mich, weil sie wegen der
fehlenden Streuung das Risiko in meinem Portefeuille erhöhen
würden. Außerdem ist mir der Aufwand, einzelne Titel
herauszusuchen, zu groß.
Was ist Ihre Dax-Prognose zum Jahresende?
Es würde mich nicht wundern,
wenn wir bei 4000
bis 4500 Punkten landen.
Zurück zu Ihrer aktuellen Crash-Prognose. Sie machen den
amerikanischen Notenbankchef Ben Bernanke und seinen Vorgänger Alan
Greenspan für einen Gutteil der Krise verantwortlich. Was würden
Sie tun, wenn Sie ein Jahr lang an deren Stelle wären?
Ein Tag wäre genug. Ich würde sagen: Leute, den
Crash können wir nicht mehr verhindern, ich trete zurück. Es
ist das Notwendige nicht durchsetzbar, weil die Politik von der
Finanzlobby beherrscht wird. Das gilt im Großen und Ganzen auch für
die Europäische Zentralbank.
Was sollte getan werden?
Bernanke müsste die Zinsen drastisch erhöhen, um die ausgeuferte
Geldmenge zu verkleinern und die Inflationsgefahr zu bannen. So wie
es die Ausnahmeerscheinung Paul Volcker, der Vorvorgänger
Bernankes, Anfang der 80er-Jahre getan hat. So mutige Leute gibt es
aber heute nicht mehr. Wir hatten damals Zinsen von 18 Prozent. Das
würde eine Zeit lang die Wirtschaft schwächen, aber hinterher wäre
die Krise überwunden.
Bernanke war Mann des Jahres 2009 im "Time Magazine". Liegen die
Journalisten mit dieser Auszeichnung wirklich so falsch?
Hitler, Stalin, Bernanke - alle drei haben diese Auszeichnung
bekommen. Hitler im Jahr 1938, Stalin ein Jahr später. Beide haben
hinterher ein ziemliches Chaos angerichtet. Das haben die
Journalisten dann auch kapiert. Und ich glaube, dass sie irgendwann
einmal sagen:
Bernanke war verantwortlich für das
Chaos, das wir demnächst sehen werden.
05.02.2010
von Martin Reim und Erich Gerbl
http://www.capital.de/finanzen/aktien/100027877.html
http://www.capital.de/finanzen/aktien/100027877.html?p=2