Antwort auf Beitrag Nr.:
42.707.136 von Hotrenortaak am 06.02.12
17:31:59Guten Tag!
Hotrenortaak:
Nicht ganz. Meiner Logik nach darf es grundsätzlich sehr wohl
Provisionen geben. Ich stelle nur das Mißverhältnis in der Höhe
dar!
Aus meiner persönlichen Sicht aber sind Provisionen tatsächlich
falsch. Ich und für mich möchte gern Nettoverträge und eine
Beratung auf Honorarbasis. Stundenabhängig bei Beratung, vielleicht
120€ pro Stunde für komplexe Tätigkeiten eines Beraters (also eben
die Beratung), in sehr komplexen Ausnahmefällen auch für weitere
Hintergrundrecherche, und die Hälfte für administrative
Tätigkeiten, die das Sekretariat macht. Vermögensverwaltung dagegen
kann auf Erfolgsbasis laufen, also z.b. 20% aller Rendite, die (bei
leidlich sicherer Anlage) über dem Tagesgeldzinssatz der RBS liegt.
Analog wäre auch eine Teilung des Risikos. Und für kritische Fälle,
also z.B. Ärger mit der Versicherung, halte ich nach wie vor einen
echten Rechtsbeistand für unverzichtbar, einerseits aus
Kompetenzgründen, andererseits wegen des Interessenskonflikts.
Nur: Das bietet so gut wie niemand. Die Branchenteilnehmer hier
sagen immer, das läge daran, daß das kein Kunde will, aber das
glaube ich nicht. Es ist einfach bei gleicher Arbeit so viel
weniger Kohle als man mit dem Provisionsmodell der KLV verdient ...
und streuen wir uns doch keinen Sand in die Augen: Die zentrale und
Hauptmotivation, in dieser Branche zu arbeiten, ist das Geld und
weder der Spaß an der Arbeit noch irgend etwas altruistisches.
Interna: Ich denke, wir nähern uns dem eigentlichen Knackpunkt.
Zu den Zahlen:
-Die deutlich über 100K basieren auf den Summen, die Du selbst
geliefert hast ...
-Bürokosten: Stimmt, die kommen obendrauf.
-Zeitaufwand: Machen wir halt eine 3/4-Stelle daraus; das ändert
substantiell nicht die Welt.
Bevor wir uns aber in Details verlieren: Zahlst Du bei den
aktuellen BePro-Sätzen einer KLV drauf? Denn das ist ja der
wesentliche Punkt.
(Angemerkt sei an dieser Stelle noch, daß Du beim Thema
Abschlußprovision augenscheinlich keinen Anlaß zur Richtigstellung
hattest ...)
Arbeitsteilung: Ich habe schon verstanden, was Du meinst und
kritisierst respektive für Dich in Anspruch nimmst. Meine Anmerkung
in dieser Richtung bezog sich auf etwas anderes: "Das nennt man
Arbeitsteilung" ist ein Satz, dessen Formulierung ich als durchaus
von oben herab empfunden habe, was insbesondere deswegen störend
ist, weil es falsch ist. Das nennt man nicht Arbeitsteilung (dieser
Begriff ist in der BWL nun einmal anders definiert), sondern
schlicht Dienstleistung.
Der Kernpunkt ist aber in meinen Augen in der Tat der Untschied
zwischen "Betreuen" und "Verwalten". Ja, Du hast Recht: Meine
Darstellung bezieht sich von der einen Ausnahme der kritischen
Situationen tatsächlich auf administrative Tätigkeiten. Alleine:
das basiert einzig und allein auf Deiner Darstellung dessen, was Du
als 5-Sterne-Betreuung dargestellt hast! Ich bin nun mal nicht in
der Branche tätig und habe als Kunde keine einzige Situation
erlebt, wo ich Betreuung erhalten hätte. Dementsprechend kann ich
nur beurteilen, was Du für Dich und Deine Kollegen forderst und in
Anspruch nimmst. Das habe ich bewertet, und bisher habe ich dabei
vor allem bezogen auf KLV (von denen reden wir hier) einfach keinen
echten Mehrwert gefunden, sondern eben nur Verwaltung.
Zum Diskontieren: Was meinst Du mit fallendem Netto-Beitrag?
Grundsätzlich aber gilt: Diskontiert wird der Wert einer Zahlung zu
einem abweichenden Zeitpunkt. Bei der BePro aber gibt es das
einfach nicht: Die Zahlung erfolgt annähernd (also jahresgenau,
vermute ich) zum Zeitpunkt der Leistungserbringung. Was Du
vielleicht meinst, ist schlichtweg Inflation, aber das hat mir
Diskontierung nichts zu tun. Aber wo wir gerade dabei sind:
Rechnest Du, wenn Du eine KLV verkaufst, Deinen Kunden die
Kaufkraft ihrer Anlage zum Auszahlungszeitpunkt vor? DAS wäre
nämlich konsequent.
Grundsätzlich aber bleibt es bei der Feststellung, daß die
Provisionen einer KLV, unabhängig von ihrer zeitlichen Verteilung,
nichts mit dem Arbeitsaufwand des Verkäufer/Verwalters/Betreuers zu
tun haben und erst recht nichts mit dem Nutzen für den Kunden. Es
handelt sich um ein klassisches und lupenreines Instrument der
Konditionenpolitik: Die Dinger sind toll für die Gesellschaft, in
der überwältigenden Mehrheit das Gegenteil für den Kunden, und
dementsprechend werden hohe Provisionen gezahlt, damit sie verkauft
werden. Nein, ich habe kein Mitleid mit den Kunden, denn in der
Regel sind diese ja (leidlich) mündig und könnten sich in kurzer
Zeit darüber informieren. Ich empfinde es jedoch als unangemessen,
diese absurden Beträge ex post mit Aufwand oder Nutzensstiftung zu
rechtfertigen. Wer die Dinger verkloppt, macht es um des eigenen
Profits willen und möge bitte auch dazu stehen.
Gruß
Quixote