Antwort auf Beitrag Nr.:
43.132.446 von Looe am 07.05.12
21:00:49Ich kenne mich in Algerien bestens aus. Habe ja
selbst mal über 3 Jahre dort gelebt, bevor die Zeit der Massaker
durch die GIA anbrach.
Schon in den frühen 80er Jahren waren die ausgedehnten sogenannten
Hauts Plateaux praktisch im wüstenähnlichem Zustand. Sehr viel
früher wurde dort teilweise noch Getreide angebaut, bis in die 70er
Jahre wenigstens noch Viehwirtschaft betrieben.
Die Bemühung der algerischen Regierung, die Benzinpreise zu
erhöhen, scheiterte grandios. Unruhen machten deutlich, dass der
Benzinpreis in Ländern wie Algerien für die Bevölkerung eine
ähnliche Bedeutung hat, wie der Brotpreis, dessen Anhebung ebenfall
für Unruhen gut ist.
Die Wasserversorgung in Städten wie Oran war schon damals
verheerend. Im Sommer hatten ganze Stadtviertel wochenweise kein
Wasser. Die Kinder mussten mit Eseln und Kanistern teils längere
Wege bis zur nächsten Wasserstelle zrücklegen. Wie gesagt - in
manchen Bereichen des Stadtgebietes. Nicht etwa nur in abgelegenen
ländlichen Gebieten.
Was ich an Bodenerosion auch im Bereich des Küstenatlas, also
selbst im Norden des Landes gesehen habe, ist unglaublich.
Und das ist wie gesagt knapp 30 Jahre her. Die Situation dürfte
jetzt deutlich schlimmer sein.
Schon damals ahnte ich, dass Algerien eine wenig erstrebenswerte
Zukunft vor sich haben dürfte.
Ein Mann zeigte mir damals voller Stolz sein "Fiche de famille",
eine Art Familienausweis.
Bei Kind Nr. 14 war dann Schluss, vorerst. Eine gute algerische
Frau kennt keine Menstruation, haben wir spaßeshalber unter uns
Europäern gesasgt. Für die Zukunft des Landes ist das allerdings
alles Andere als ein Spaß.