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Die Krise als Normalzustand

Diskussionsstatistik
eröffnet am 11.06.10 16:16:56
von
neuster Beitrag 19.01.12 19:57:16
von

Anzahl Beiträge: 440
Aufrufe gesamt: 26.622
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Diskussionsnr.: 1.158.287

Goldpreis

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UBS Investment Bank (USD), 25.05.12 | 23:12
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PortfolioStrategie
schrieb am 11.06.10 16:16:56
Beitrag Nr.1 
(39.670.440)
Antwort
Zitat
Zufällig fand ich ein altes Buch meines Vaters aus den 80er Jahren. Thema: Der kommende Systemzusammenbruch, Staatsbankrott und Inflation. Ich schmunzle: 30 Jahre später warten wir immernoch d'rauf. Glaubt man den heutigen Inflationspredigern, dann ist immer gerade jetzt die höchste Zeit, sein Erspartes zu retten, z.B. durch Anlagen in Gold und andere Sachwerte.

Erinnern Sie sich an eine Zeit, in der gerade einmal nicht eine große Krise durch Medien suggeriert wurde? Wenn man genau darüber nachdenkt, dann fallen einem schnell Krisen ein, die sich wie eine Perlenkette aneinander reihen: Euro-Krise, Griechenland-Krise, PIIGS-Krise, Finanzkrise, Opel-Krise, Wirtschaftskrise und überhaupt: Der Wirtschaft geht’s ja gerade immer jetzt schlecht. Und vor der aktuellen Wirtschaftskrise jammerte man über den hohen Ölpreis. Also irgendwas ist immer: Winter-Chaos oder Rekord-Sommer.

Dabei entpuppt sich manche Krise im Endeffekt auch noch als das Gegenteil: So stützt der aktuell niedrige Euro-Außenwert die Wirtschaft innerhalb der Eurozone.

Also: Lassen Sie sich nicht von den Medien verrückt machen. Bei der Geldanlage heißt das: Blenden Sie das Marktgeschrei aus und legen Sie so an, dass die Anlagen vom Auf und Ab der Märkte nicht oder wenig betroffen sind.

In diesem Zusammenhang interessiert Sie der Beitrag:

<a href="http://www.wallstreet-online.de/nachrichten/nachricht/2887264-weltuntergangsprediger-inflation-und-gold.html" target="_blank">Weltuntergangsprediger, Inflation und Gold</a>
Der Staatsbankrott kommt!: Hintergründe, die man kennen muss
Der Staatsbankrott kommt!: Hintergründe, die man kennen muss

Michael Grandt
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schrieb am 11.06.10 19:47:21
Beitrag Nr.2 
(39.671.637)
Antwort
Zitat
Antwort auf Beitrag Nr.: 39.670.440 von PortfolioStrategie am 11.06.10 16:16:56Denken Sie nicht, dass es etwas kurz gesprungen ist, nach dem Motto zu argumentieren "Es gab immer schon Krisen, die wir überstanden haben, daher wird es auch diesmal nicht so schlimm"?

Ich denke, das Gegenteil ist der Fall. Jede Krise hat eine Narbe und negative Folgen hinterlassen, wie man unschwer an unserer Staatsverschuldung erkennen kann.

Wenn wir uns ausgehend vom aktuellen Zinsniveau die Frage stellen "sind die Zinsen in 5 Jahren höher als heute oder niedriger?" kommen wir vermutlich zu dem Schluß, dass sie höher sein werden.

Aktuell beträgt die jährliche Zinslast bei 1,8 Billionen Schulden offiziell 42 Milliarden Euro. Bis in 5 Jahren sind wir vermutlich bei 2 Billionen Schulden. Wenn der Zinssatz dann 2% höher ist, wird die Zinslast des Bundes bei rund 90 Milliarden Euro liegen.

Als ob das noch nicht genug wäre, haben wir noch ein riesiges Rentenproblem. Im Bundeshaushalt für 2010 sind für Zuschüsse zur Rentenversicherung und für Beamtenpensionen rund 100 Milliarden veranschlagt. Die geburtenstarken Jahrgänge werden vermehr in den nächsten 10 Jahren in Rente gehen. So dass wir auch hier mit erheblichen Mehrausgaben zu rechnen haben.

Vor diesem Hintergrund ist es meiner Meinung nach nur eine Frage der Zeit, bis der Bund seinen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen kann. Was es bedeutet, wenn der Staat seine Zinsen nicht mehr bezahlen kann, wissen wir wohl alle.

Auf die weiter Problematik, dass es der Anfang vom Ende ist, wenn Zentralbanken anfangen Anleihen zu kaufen, brauche ich wohl nicht im Detail einzugehen.

Heinz
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schrieb am 11.06.10 20:29:24
Beitrag Nr.3 
(39.671.841)
Antwort
Zitat
Was für ein Schwachsinn ... anscheinend hat PortfolioStrategie keine Ahnung davon, wie sich der Goldpreis seit 1980 entwickelt hat.
Avatar
PortfolioStrategie
schrieb am 11.06.10 23:04:59
Beitrag Nr.4 
(39.672.475)
Antwort
Zitat
Antwort auf Beitrag Nr.: 39.671.841 von smondoli am 11.06.10 20:29:24Zum Thema Goldpreis: Wer beim Goldhoch um ca. 1980 Gold gekauft hätte, der hätte in der Spitze einen Verlust von 50 % gemacht. Nur in den wenigen letzten Jahren ist der Goldpreis gerade soweit gestiegen, dass sich der Kauf von Gold damals gelohnt hätte. Nach Abzug der Inflation vermutlich nicht.

An Heinz: Sie haben Recht: Zu Argumentieren, die Reifen sind zerschlissen, haben aber bis jetzt gehalten, deshalb halten sie auch weiter, ist falsch. Ich will ausdrücken, dass manche Krise gar nicht so schlimm ist bzw. auch falsch darauf reagiert wird: Z.B. Griechen besser Pleiten gehen lassen.

Zum Thema Deutsche Staatsverschuldung: Die Regierung könnte eigentlich schnell ein Haushaltsdefizit beseitigen, wenn sie will: MWST-Satz erhöhen, Wehrpflicht abschaffen, Afganistan-Einsatz beenden, Renten kürzen, Transferleistungen kürzen. Solange sich genügend Leute über die hohe Staatsverschuldung aufregen, mache ich mir keine Sorgen.
Avatar
schrieb am 12.06.10 09:24:06
Beitrag Nr.5 
(39.672.865)
Antwort
Zitat
Zufällig fand ich ein altes Buch meines Vaters aus den 80er Jahren. Thema: Der kommende Systemzusammenbruch, Staatsbankrott und Inflation. Ich schmunzle: 30 Jahre später warten wir immernoch d'rauf

Der gute Mann weiss scheinbar nicht das jedes Zinseszinssystem ein Verfallsdatum hat. Natürlich kann man dieses Verfallsdatum strecken wenn es sein muss auch 20 Jahre noch, dann leben wir auf dem Niveau von Afrika heute. Ob Europas Bevölkerung dies mit macht?

Kleine Lektüre für den möchtegern Guru.

http://www.finanzcrash.at/derjosefspfennig.html
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schrieb am 12.06.10 10:11:27
Beitrag Nr.6 
(39.672.956)
Antwort
Zitat
Antwort auf Beitrag Nr.: 39.672.475 von PortfolioStrategie am 11.06.10 23:04:59... da ich eher die sachliche Form der Diskussion bevorzuge, möchte ich auf Ihre Punkte eingehen:

Ich glaube nicht, dass sich das Haushaltsdefizit einfach mal so auf die Schnelle beseitigen liesse. Immerhin sprechen wir hier für 2010 von 80 Milliarden Euro.

MWSt. würde sicherlich etwas bringen, aber nicht soviel, wonach es rechnerisch auf den ersten Blick aussieht. Da ja das Geld, das die Menschen ausgeben können, dadurch nicht mehr wird. Wenn man zugleich großen Bevölkerungsgruppen wie den Rentner Einkommen streichen möchte, wird der positive Effekt noch kleiner.

Damit sind wir gleich bei dem zweiten Punkt, den Rentenkürzungen. Viele würden dadurch auf HartzIV rutschen, also wieder weniger gespart, als angenommen. Zudem habe ich meine Zweife ob eine solche Maßnahme einer Überprüfung durch das Bundesverfassungsgericht standhalten würde.

Afghanistan: Man sollte auch Begriffe wie Bündnistreue usw. nicht vergessen. Ich denke nicht, dass wir uns so einseitig ausschließen können, ohne auch mit negativen Folgen für die Wirtschaft (was Steuermindereinnahmen verursacht) rechnen zu müssen.

Transferleistungen: Da unser Hauptexportmarkt in Europa liegt, hätte auch dies negative Folgen für die Wirtschaft und das Steueraufkommen.

Zudem sollten wir nicht vergessen, dass der Staat auch Bürgschaften in Billionenhöhe geleistet hat.

Sicher werden wir nie für die volle Summe in Anspruch genommen, aber bei seriöser Betrachtung muss man doch davon ausgehen, mal für 2, 3 oder 5% der Bürgschaftssumme in Anspruch genommen zu werden. Das kann dann schnell ein hoher zweistelliger oder kleiner dreistelliger Milliardenbetrag werden, der den Haushalt belastet.

Grundsätzlich würde ich Ihren Optimismus gerne teile, komme aber bei realistischer Betrachtung der Fakten zu einem gänzlich anderen Ergebnis.

Heinz

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HeWhoEnjoysGravity
schrieb am 12.06.10 10:18:49
Beitrag Nr.7 
(39.672.966)
Antwort
Zitat
Ganz einfach: wem Gold zu teuer ist, der kauft halt Silber.
Avatar
schrieb am 12.06.10 10:23:58
Beitrag Nr.8 
(39.672.973)
Antwort
Zitat
Antwort auf Beitrag Nr.: 39.671.637 von Heinz15 am 11.06.10 19:47:21"Wenn wir uns ausgehend vom aktuellen Zinsniveau die Frage stellen ´sind die Zinsen in 5 Jahren höher als heute oder niedriger?´ kommen wir vermutlich zu dem Schluß, dass sie höher sein werden."

Das ist Deuten aus dem Kaffeesatz. Die Frage hätte man auch schon vor fünf Jahren so beantworten können, und hätte damit falsch gelegen.
Mittlerweile ist die EZB zum Handlanger der Politik verkommen (andere Zentralbanken waren es schon immer). Die Zinsen werden also nicht mehr nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten festgelegt, sondern nach politischen. Und Zinserhöhungen kann derzeit keine einzige Regierung gebrauchen.
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schrieb am 12.06.10 10:30:41
Beitrag Nr.9 
(39.672.983)
Antwort
Zitat
Antwort auf Beitrag Nr.: 39.672.973 von Borealis am 12.06.10 10:23:58... ich denke Grafiken sagen hier mehr als Worte:



Heinz
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schrieb am 12.06.10 11:25:30
Beitrag Nr.10 
(39.673.111)
Antwort
Zitat
Antwort auf Beitrag Nr.: 39.672.475 von PortfolioStrategie am 11.06.10 23:04:59Es ist ein Fehler, reale Abläufe von 1980 folienhaft auf das Jahr 2010 zu ziehen zur Abbildung der derzeitigen Geschehnisse.

Es hat sich sehr Vieles verändert zu Ungunsten jener Staaten, die nun auf einem Berg von Schulden sitzen und kaum noch in der Lage sind, ihre Haushalte vernünftig zu finanzieren. Die Verwaltung,-und Sozialskosten all dieser Länder fressen die benötigten Investitionskosten völlig auf.

Ein gigantischer Investitionsstau entsteht gerade just zu diesem Zeitpunkt, aber auch für die kommenden Jahre. Lösen wird man dieses Problem unter diesem auslaufendem Geldsystem nicht mehr.

Ich meine hier wächst gerade eine neue Pflanze heran, dessen Triebspitzen dieser Investitionsstau erzeugt. So gesehen werden diese dringendst benötigten Investitionen, (die ja auch massenhaft Arbeitsplätze versprechen) das "Brot" der Zukunft nach dem Neustart.

Schönes WOE

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