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Asset Allocation - Meinungen ( Seite 110)

Diskussionsstatistik
eröffnet am 29.09.10 11:15:17
von
neuster Beitrag 08.05.12 20:27:36
von

Anzahl Beiträge: 1.841
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schrieb am 26.07.11 23:55:37
Beitrag Nr.1091 
(41.849.277)
Antwort
Zitat
ich halte das Risiko derzeit für schwer abschätzbar.

Anders sah die Sache aus, als Merkel & Co. damals eine Garantie gab für auslaufende Hellas-Bonds, da habe ich zugegriffen und dies auch hier geschrieben, allerdings bin ich nach kräftigem Kursanstieg auch ausgestiegen, wie ich zeitnah berichtete, weil ich das tatsächliche Auslaufen nicht abwarten wollte und das Risiko für zu groß hielt, dass doch noch was passiert. Und tatsächlich sind die Kurse ja wieder gefallen ("dank" Abstufungen der Ratingagenturen).

Wie es jetzt aussieht? Ich fürchte das weitere Abstrafen der Märkte mehr als ich mit der "Konsequenz" der Politiker rechnen kann.

Wie gesagt - Spekulation - kann gut gehen, aber man sollte nicht zuviel investieren, und ich selbst lasse die Finger davon

Gruß
50667
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schrieb am 27.07.11 01:15:43
Beitrag Nr.1092 
(41.849.359)
Antwort
Zitat
hier eine Übersicht über Griechenland-Bonds

http://www.onvista.de/anleihen/suche-vergleich/staat.html

die jetzt bald fällige Anleihe notiert zu 98,4%, also kein Gewinn

die am 20.3.2012 (das ist schon relativ lang in dieser unruhigen Zeit) notiert bei 81,25%. Hier ist evt. eine Spekulation drin.

der Chart lässt den augenblicklichen Einstiegszeitpunkt aber nicht als den günstigsten erscheinen:



für die im Artikel genannten 30% muss man schon ein gehöriges Risiko eingehen (Laufzeit bis 20.5.2013):

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schrieb am 27.07.11 18:19:16
Beitrag Nr.1093 
(41.854.021)
Antwort
Zitat
spanische und italienische Staatsanleihen brechen mit ihren Kursen aus:






Haase und Ewert schreiben:

Also: Vergessen Sie Griechenland! Ob die Euro-Zone eine Zukunft hat und wenn ja, welcher Art diese sein wird, entscheidet sich in den kommenden Wochen und zwar in Italien und Spanien. Den wenigsten Politikern und noch weniger Normalbürgern scheint klar zu sein, welches Ausmaß die Schuldenkrise gerade annimmt. Allein Spanien hat mehr Schulden (639 Mrd. Euro) als Griechenland, Irland und Portugal zusammen (637 Mrd. Euro). Italien sprengt mit über 1.840 Mrd. Euro endgültig jeden Rettungsrahmen. Portugal gab bei Zinssätzen von etwas über 7% für zehnjährige Papiere auf und begab sich unter den Rettungsfonds. Wenn die aktuelle Kapitalflucht aus Südeuropa inkl. Zinsanstieg noch ein paar Wochen anhält, könnte die Eurozone daher noch vor dem Ende der Sommerferien Geschichte sein. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit für dieses Szenario gering sein mag, so ist sie dennoch hoch genug, damit sie nicht mehr ignoriert werden darf.


Der dänische Weg:

Den alternativen Weg geht derzeit das dänische Königreich. Dort wurden seit Jahresanfang bereits mehrere Institute zwangsweise abgewickelt. Kunden mit Gesamtguthaben von bis zu 100.000 Euro erhielten ihre vollen Einlagen zurück. Darüber hinausgehende Ansprüche wurden nur quotal bedient. Bei Amagerbanken betrug die Quote laut Medienberichten nur 41%, bei der in Nordjütland beheimateten Fjordbank Mors 74%. (Quellen: NZZ, Wirtschaftsblatt, FTD). Dass von dem Einschnitt (Neudeutsch: Haircut) nur etwa 450 der 73.000 Fjordbank-Kunden betroffen wurden, dürfte diese kaum trösten.

ein mögliches Beispiel für die €urozone?

Sollten sich die europäischen Regierungen nicht darauf verständigen, dass deutsche und französische Steuerzahler für ganz Südeuropa einstehen, dann ist der dänische Weg die sinnvolle Alternative zum chaotischen Bankrott. Angesichts der Tatsache, dass deutsche Lebensversicherungen erhebliche Beträge in Spanien und Italien investiert haben (z.B. Allianz-Anleiheportfolio laut FuW zu 4% in Spanien und 20% in Italien), sollten alljene Sparer, die bisher die Kündigung ihrer Verträge verschlafen haben, jetzt ernsthaft über einen Ausstieg nachdenken. Die Zeit läuft ab. Wer über Bankguthaben von mehr als 100.000 Euro verfügt, sollte sich ebenfalls jetzt schnellstmöglich über eine Aufteilung auf mehrere Institute und Alternativen bemühen.


http://www.goldseitenblog.com/daniel_haase/index.php/2011/07…
Avatar
schrieb am 28.07.11 09:27:10
Beitrag Nr.1094 
(41.856.757)
Antwort
Zitat
Wenn man sich an der Eröffnungsrunde durch GR, Irl und P orientiert, könnte ab 7% in der Tat die Lawine abgehen. Falls ja, dann gute Nacht.

Anlässlich dieser Zahl fällt mir noch ein recht interessanter Artikel von Prof. Berger ein, auf den ich im benachbarten "Crash-Thread" gestoßen bin. Dieser fokussiert auf die amerikanische Perspektive des Desasters - insbesondere die Rolle angelsächsischer Banken und deren faktisch hauseigenen Ratingagenturen in einem Kriminalstück, welches der gesellschaftlichen und demokratischen Ordnung, wie wir sie kennen, ein nachhaltiges Ende zu setzen droht.

Diese treffende Zusammenfassung der weithin bekannten Fakten sollte freilich niemanden veranlassen, die Protagonisten einer ideologisch verbrämten, völlig übereilten wie auch mangelhaft durchdachten Euro-Union als opferhafte „Unschuld vom Lande“ zu identifizieren, welche rein gar nichts zu verantworten haben - und nicht etwa sehenden Auges dieser katastrophalen Entwicklung einen fundamental außerordentlich fruchtbaren Nährboden geschaffen sowie auch in manch anderer Hinsicht Tür und Tor geöffnet haben...

Nicht nur "pikant" finde ich in diesem Zusammenhang übrigens die Tatsache, daß der neue, heiß gefeierte EZB-Präsident ausgerechnet und unglaublicherweise niemand geringerem als dem Hause Goldman Sachs entstammt.

Doch bei aller Aufmerksamkeit auf die Eurokrise darf nach wie vor auch nicht vergessen werden, daß das Epizentrum der drohenden Kettenreaktion im USD-Raum liegt. Dagegen, daß dieser ggw. nicht im zentralen Fokus der Weltöffentlichkeit liegt, wehrt man sich dort nicht unbedingt mit Händen und Füssen...

+++++++


Die ehrenwerten Mafiabosse

von Wolfgang Berger


Am 30. Juni 2011 ist in Brüssel die internationale Organisation „Finance Watch“ gegründet worden – als Gegengewicht zu 700 Lobbyisten, die mit einem Budget von € 400 Mio im Jahr den Interessen des Finanzsektors vertreten. In Washington D. C. arbeiten 3.000 Lobbyisten für den Finanzsektors – mehr als fünf für jeden Kongressabgeordneten. Ihr Jahresbudget übersteigt US$ fünf Milliarden. Solche Kräfteverhältnisse legen nahe, dass die Staaten – wohl mit Ausnahme Chinas – nicht von ihren Hauptstädten aus regiert werden, sondern von den Finanzplätzen in der Londoner City of Westminster und der New Yorker Wall Street.

Die Zinsen in den Ländern der Eurozone waren jahrelang ähnlich. Im November 2009 haben es „die Märkte“ geschafft, aus Bonitätsdifferenzen Zinsdifferenzen zu erzwingen. „Die Märkte“ – das sind die Seismografen von Ratingagenturen, die aus diesen Differenzen ein Geschäft machen. Diese Agenturen werden von den Investmentbanken bezahlt, deren Papiere sie bewerten. AAA-Bewertungen generieren mehr Geschäft. Die Gewinne der Ratingagenturen Fitch und Standard & Poor haben sich von 2000 bis 2007 verdoppelt, der Gewinn von Moody’s hat sich auf US$ 2,2 Milliarden verdreifacht.

Die Ratingagenturen haben die Bonität einzelner Euroländer herabgestuft. Das hat Kreditausfallversicherungen (CDS) gegen diese Länder lukrativ gemacht. Die reichen Euroländer wussten, dass die Entgleisung eines ersten Landes aus den Euroschienen in Zeitlupe die Entgleisung des ganzen Zuges auslösen würde. Schweden hatte auf Betreiben einer Ratingagentur schon die kostenlose Kinderbetreuung abschaffen und Kanada sein Schienennetz vom Atlantik bis zum Pazifik gegen CAN$ 2 Milliarden privatisieren müssen.

Die Hinrichtung der Griechen

Die Neue Züricher Zeitung berichtet am 14. Juni 2011, dass „Gläubiger, welche in griechische Staatsanleihen mit noch zweijähriger Laufzeit investieren, EU-weit garantierte Renditen von um die 25 % einstreichen“. Als die deutsche Bundesregierung diese privaten Gläubiger aufgefordert hat, sich an der Rettung Griechenlands zu beteiligen, fand Bankensprecher Josef Ackermann die Diskussion „ganz unglücklich“ und drohte zunächst, die Märkte würden das negativ aufnehmen.

Am 30. Juni 2011 hat er dann einer Beteiligung im Umfang von 1 % der griechischen Schuldenlast doch zugestimmt – gemessen am Gesamtpaket „Peanuts“, wie einer seiner Vorgänger gesagt hätte. Die Banken würden auf dieses 1 % auch nicht verzichten, sondern es in griechische Staatsanleihen reinvestieren. Damit wäre das Arrangement auf Kosten der Steuerzahler politisch durchsetzbar. Die Milliarden fließen ohnehin nicht nach Griechenland, sondern zum größten Teil direkt an die Gläubiger.

Die Ratingagenturen haben dann aber sogar diesen bescheidenen Beitrag privater Gläubiger mit der Drohung verhindert, den Euro dann zu zerschießen. „Wenn es den US-Ratingagenturen und Finanzalchemiebanken gelingt, einen Anstieg der Zinsen spanischer und italienischer Staatspapiere gegen 7 % zu erreichen“, schreibt Stephan Schulmeister aus Wien, „hat das Endspiel um den Euro begonnen. Denn Spanien und Italien passen unter keinen Rettungsschirm“.

Dann ist – dank europäischer Dummheit – die Position des Dollars als Weltleitwährung gewahrt. Südeuropäische Staaten sinken auf Prekariatsstatus und die Europäische Union unterwirft sich mit ihren Mitgliedern der hoheitlichen Gewalt US-amerikanischer Ratingagenturen. Auch US-Behörden sind machtlos. Die effiziente Lobbyarbeit der Finanzbranche hat erreicht, dass das Personal der US-Bankenaufsicht (Securities and Exchange Commission) systematisch abgebaut worden ist, so dass eine wirksame Überprüfung ihres Geschäftsgebarens nicht mehr möglich ist.

Für die Griechen wäre ein Schuldenschnitt ein Befreiungsschlag, aber sie haben nicht die Macht, das durchzusetzen. Die Sparauflagen zerren das Land immer tiefer in den Strudel.

Mit Griechenland hat das Bankhaus Goldman Sachs beizeiten und heimlich einen Sprengsatz in die Eurozone eingeschleust und dadurch den Fortbestand des Dollars als Weltleitwährung vorerst gesichert:

Die damalige griechische Regierung wurde 2001 gegen ein Honorar von 300.000 Dollar und einen Kredit von mehreren Milliarden Dollar darin unterstützt, die Statistiken so geschickt zu fälschen, dass die Kriterien für den Eintritt in die Eurozone erfüllt schienen. Die Bürokraten in Brüssel haben dieses perfide Spiel nicht durchschaut.

Als jeder amerikanische Staatsbürger mit siebenfach höherer öffentlicher Schuld belastet war als ein griechischer Staatsbürger und der Euro den Dollar als Weltleitwährung hätte ablösen können, haben die US-Ratingagenturen Griechenland wegen zu hoher Verschuldung, Spanien dagegen wegen zu niedriger Verschuldung herabgestuft. Pensionsfonds und institutionelle Investoren konnten in Anleihen dieser Staaten jetzt nicht mehr investieren. Die USA behielten ihr AAA-Rating, der Kurs amerikanischer Staatsanleihen stieg, die Zinsen sanken. Portugal musste für zehnjährige Anleihen 11 % Prozent zahlen, die USA nur 3 %.

„Die Märkte“ unterhöhlen die Demokratie

Wer sind diese „Märkte“, vor denen alle zittern? Sie treiben viele Regierungen dazu, ihre Völker in Elend und Verzweiflung zu stoßen. Sie lösen weltweit Hungersnöte aus – Jean Ziegler spricht von hundert Millionen „Morden“. Sie zwingen Regierungen dazu, die Parlamente zu übergehen, Gesetze zu brechen und in wenigen Tagen Rettungsschirme in Milliardenhöhe auf Kosten der Steuerzahler aufzuspannen – „alternativlos“, wie die deutsche Kanzlerin zu sagen pflegt. In den USA haben sie die Zahl der Zwangsvollstreckungen von Wohnhäusern auf sechs Millionen pro Jahr vervielfacht.

Sind „die Märkte“ eine abstrakte, unsichtbare Kraft, die über aller politischen Macht thront? Über dem Selbstbestimmungsrecht und dem Willen der Völker? Über der unantastbaren Würde des Menschen, welche das deutsche Grundgesetz zu garantieren meint? Über den „unveräußerlichen Rechten wie Leben, Freiheit und dem Streben nach Glück“ in der großartigen Vision der amerikanischen Verfassungsväter? Sind diese „Märkte“ stärker als alle militärische Gewalt? Wirkungsvoller als alle Aktionen von Selbstmordattentätern?

Vor dem Gesetz mögen alle Menschen gleich sein. Die Gesetze aber werden im Interesse derer gemacht und umgesetzt, die die Gleichheit der Menschen vor dem Gesetz durch die Gleichheit der Dollars und Euros vor dem Gesetz ersetzt haben. Wall Street Börsenmakler haben Regierungsbeamte bestochen, Bücher gefälscht, Kunden betrogen, Geldwäsche betrieben, Scheinverluste gedeckt, bei der Steuerflucht geholfen, Betrug begangen und vieles mehr. Dafür haben sie eine Strafe von $ 1 Milliarde akzeptiert.

Credit Suisse hat eine Strafe von $ ½ Milliarde angenommen, die Deutsche Bank $ 554 Mio, die UBS $ 780 Mio, Citibank, JP Morgan und Merrill Lynch je $ 385 Mio, die weltweit größte Versicherungsgesellschaft AIG $ 1,6 Milliarden und die Bank of America gar $ 8,5 Milliarden – immer in Verbindung mit einer „Nichtverfolgungsvereinbarung“ mit der amerikanischen Staatsanwaltschaft und der Steuerbehörde IRS. Auch in London wollten die Behörden durchgreifen: £ 840.000 Strafe und £ 1,5 Mio Entschädigung wurden der Deutschen Bank auferlegt. In Südkorea, musste sie € 642.000 Strafe zahlen und ihre Wertpapiergeschäfte für sechs Monate teilweise aussetzen.

Im Gegensatz zu Mafiabossen sind die hierfür Verantwortlichen strafrechtlich nirgendwo belangt worden. Vielleicht weil sie – wie Marcus Antonius über Marcus Iunius Brutus gesagt haben soll – zwar korrupt sind, morden und die Welt zerstören, es sich aber um ehrenwerte Leute handelt. Wer sind denn diejenigen, die die ganze Welt in ihrem Bann halten?

Korrupte Männer beherrschen die Märkte

Henry M. Paulson begann seine Karriere als stellvertretender US-Verteidigungsminister. Als Chef des Bankhauses Goldman Sachs war sein Jahresverdienst $ 37 Mio. Als er in 2006 Finanzminister wurde, musste er Goldman Sachs Aktien im Wert von $ 485 Mio verkaufen. Der Verkaufserlös war nach einem vom Bush-Vater durchgebrachten Gesetz steuerfrei.

Der Chef des Bankhauses Merrill Lynch hat 2006 und 2007 $ 90 Mio verdient und bei seinem Ausscheiden Aktien im Wert von $ 131 Mio und eine Barabfindung von $ 30 Mio erhalten. Sein Nachfolger bekam für 2007 noch $ 87 Mio. Merrill Lynch ist im Dezember 2008 vom Staat gerettet und von der Bank of America übernommen worden. Zuvor haben sich deren vier höchste Manager Erfolgsbeteiligungen in Höhe von $ 121 Mio gezahlt. Nach der Rettung mit Steuergeldern kassierte das Management insgesamt Boni $ 3,6 Milliarden.

Am 16. September 2008 ist Lehman Brothers in Konkurs gegangen. Ein späterer Prüfbericht hat aufgedeckt, dass die Investmentbank Bilanzen geschönt hatte und schon Wochen vor dem Zusammenbruch insolvent war. Fünf Männer an der Spitze, die ihre eigene Bank zerstört und die ganze Welt in eine Finanzkrise gestürzt haben, haben sich für die Jahre 2000 bis 2007 eine Erfolgsbeteiligung von $ 1,1 Milliarden gezahlt, die sie nach der Pleite behalten durften. Der Vorstand der Bank hatte sechs Firmenjets und zahlreiche Hubschrauber und der Vorsitzende Richard Fuld einen persönlichen Aufzug, der ihn direkt in das 31. Stockwerk brachte. Für sein Ausscheiden erhielt er eine Prämie von $ ½ Milliarde.

Martin J. Sullivan hat mit Finanzprodukten der weltgrößten Versicherungsgesellschaft AIG in 2008 einen Verlust von $ 11 Milliarden produziert. Die AIG ist danach verstaatlicht worden. Der heutige Finanzminister Timothy F. Geithner hat dafür $ 150 Milliarden Steuergelder eingesetzt, private Gläubiger aber nicht beteiligt. „Sie behalten alle Zahlungsansprüche aus dem AIG-Incentiveplan für Finanzprodukte und erhalten zusätzlich ein monatliches Beratungshonorar von $ 1 Mio“, wird Sullivan bei seiner Entlassung bestätigt.

Die AIG-Zweigstelle in London hatte 400 Mitarbeiter, denen bis 2007 jährlich $ 3,5 Milliarden gezahlt wurden – also im Durchschnitt für jeden fast $ 9 Mio pro Jahr. Der Chef der Londoner Niederlassung erhielt jährlich $ 35 Mio. Joseph St. Denis, der aus Protest gegen solche Geschäftspraktiken gekündigt hatte, wurde in der Jahresversammlung voller Häme nachgerufen, Versagern wie ihm, die vom Geschäft nichts verstünden, könnte selbstverständlich nichts gezahlt werden.

2008 hat Henry Paulson mit einem Rettungspaket von $ 700 Milliarden aus öffentlichen Geldern das Überleben der US-Finanz-„industrie“ gesichert. In 2009 und 2010 haben Morgan Stanley und Goldman Sachs ihren Managern wieder Erfolgsprämien im zweistelligen Milliardenbereich gezahlt. Goldman-Sachs-Chef Lloyd D. Blankfein, der mit seinem berühmten Spruch „Ich bin ein Banker, der Gottes Werk verrichtet“ Aufsehen erregt hatte, hat nach Berechnungen der Frankfurter Allgemeinen in 2010 ca. $ 20 Mio verdient und hält Goldman Sachs Aktien im Wert von $ ½ Milliarde.

In Deutschland sind die Maßstäbe etwas verschoben: Die HRE ist mit € 10 Milliarden Steuergeldern verstaatlicht worden und musste mit Garantien von € 150 Milliarden gestützt werden. Die Vorstände Axel Wieandt, Kai Wilhelm Franzmeyer und Frank Krings, die nur ca. zwei Jahre bei der Bank tätig waren, erhalten nach Erreichen der Altersgrenze eine jährliche Betriebsrente von 240.000 bzw. 192.000 Euro.

Im Vergleich mit dem Einkommen des New Yorker Hedgefondsmanagers John Paulson sind solche Summen lächerlich. In 2007 verdiente er $ 3,7 Milliarden. In 2010 konnte er sein Einkommen auf $ 5 Milliarden steigern – an jedem einzelnen Tag mehr als das Jahreseinkommen des armen Deutsche-Bank-Chefs Josef Ackermann. Ermittlungen der US-Wertpapierbehörde wegen gemeinschaftlichen Betrugs von John Paulson mit dem Bankhaus Goldman Sachs sind gegen Zahlung von mehr als einer $ ½ Milliarde eingestellt worden.

Die Nach-uns-die-Sintflut-Mentalität

Ein richtiger Ingenieur entwickelt und produziert technischen Fortschritt. Ein „financial engineer“, wie es im Fachjargon heißt (also ein Finanzingenieur – vielleicht besser Finanzjongleur) entwickelt oder produziert nichts, was irgendjemandem das Leben erleichtert. Im Gegenteil – er vernichtet Arbeitsplätze, Ersparnisse, Altersversorgungen, Ausbildungshoffnungen, Lebenschancen, ja Leben und vermehrt Not, Verzweiflung und Hunger auf der Welt. Aber er verdient bis zu hundert Mal mehr als ein richtiger Ingenieur.

Die Erfolgsprämien der Wall Street Banker stiegen von $ 9 Milliarden in 2002 auf $ 33 Milliarden in 2006. Das durchschnittliche Jahresgehalt eines Angestellten im öffentlichen Dienst ist in vielen US-Bundesstaaten um $ 20.000. Das durchschnittliche Jahresgehalt eines Mitarbeiters von Goldman Sachs beträgt $ 600.000. Die durchschnittliche private Verschuldung eines amerikanischen Haushalts ist von $ 18.000 in 1980 auf $ 47.000 in 2008 gestiegen. „Wenn du keine Augen zum Sehen hast, wirst du sie brauchen, um zu weinen", hat Jean-Paul Sartre das erbärmliche Los dieser Ausgebeuteten beschrieben.

Das Bankhaus Goldman Sachs – „Gottes Stellvertreter auf Erden“ – hat für $ 40 Milliarden nicht werthaltige Hypothekenpapiere verkauft, davon $ 22 an die AIG und heimlich auf den Zusammenbruch des US-Hypothekenmarktes gewettet. Gleichzeitig haben sie sich gegen eine Prämie von $ 150 Mio gegen einen Bankrott von AIG versichert.

Neue Papiere sind speziell auf einen maximalen Verlust bei den Käufern hin konstruiert worden. Kongressabgeordnete haben das Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein später als verbrecherisch vorgehalten. Der meinte dazu: „Im Zusammenhang mit Marketingoptimierung ist das kein Verbrechen“. Sein Kollege von der Citibank kommentierte diese Bemerkung mit Bezug auf den Titanic-Untergang: „Wir müssen tanzen, solange die Musik spielt“.

Der weltweite Handel mit diesen seltsamen, für die Realwirtschaft nutzlosen Wertpapieren hat inzwischen ein Volumen von mehr als $ 600.000 Milliarden erreicht – das Zehnfache des Bruttoinlandsprodukts der ganzen Erde. Solange die Regeln dieses Spiels bleiben wie sie sind, haben die Finanzinstitutionen, die diese Papiere herausgeben und mit ihnen handeln die Macht, die Welt jederzeit in den Abgrund zu stürzen – oder zumindest damit zu drohen und so zu erzwingen, was immer ihnen in den Sinn kommt.

Der amerikanische Finanzjournalist Max Keiser nennt die Finanzmogule „Papier-Terroristen“ und Präsident Abraham Lincoln (1809 – 1865) erkannte: „Der Finanzsektor ist despotischer als eine Monarchie, unverschämter als eine Diktatur, selbstsüchtiger als die Bürokratie. Sie wird ihre Herrschaft ausdehnen, bis aller Reichtum in wenigen Händen und die Republik zerstört ist“. Lincoln ist ermordet worden. Der New Yorker Finanzkolumnist John Cassidy meint, Wall Street und das Finanzzentrum in London könnten einfach abgeschafft werden, ohne irgendeinen Nachteil für die reale Wirtschaft.


Ihr Wolfgang Berger, Juli 2011





Prof. Berger ist Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der Wissensmanufaktur. Er leitet das Business Reframing Institut Karlsruhe (www.business-reframing.de), das mit einer schnellen und wirksamen Methode artgerechte Menschenführung in mittelständischen Unternehmen einführt. Sein Interesse an Fragen der Finanzordnung hat sich aus dem Leiden des Mittelstands an den Machenschaften der Finanz-„industrie“ ergeben.

http://www.wissensmanufaktur.net/die-ehrenwerten-mafiabosse
Avatar
schrieb am 28.07.11 21:10:26
Beitrag Nr.1095 
(41.861.579)
Antwort
Zitat
Avatar
schrieb am 29.07.11 08:14:34
Beitrag Nr.1096 
(41.862.653)
Antwort
Zitat
Erklären lässt sich diese Entwicklung vermutlich primär mit der allgemein vorsichtigen Haltung, welche die Marktteilnehmer derzeit gegenüber den Aktienmärkten einnehmen. ;)


Wenn Großanleger oder auch Fondsanleger ihre Anlagen verkaufen bzw. ihren Aktienanteil im Portefeuille reduzieren, dann eher mit Rundumschlägen als differenziert. Beim Kauf dagegen schauen die meisten genauer hin und gewichten ...

Wenn die Aussichten an den Aktienmärkten wieder besser erscheinen und die Käufer wieder überwiegen, und gleichzeitig der Goldpreis sich weiter steigend oder zumindest stabil zeigen sollte, dann sollten die Goldminenwerte gute Chancen haben, die Märkte outzuperformen, aber eben erst dann und unter den genannten Bedingungen. Ansonsten gilt: der Haupttrend der Märkte ist von einzelnen Branchen auch mit besten fundamentalen Unterfütterungen kaum zu brechen, seltenst entwickeln sich einzelne Branchen entgegengesetzt zu den allgemeinen Markttrends.
Avatar
schrieb am 29.07.11 13:25:26
Beitrag Nr.1097 
(41.864.714)
Antwort
Zitat
Zitat von 50667ich halte das Risiko derzeit für schwer abschätzbar.

Anders sah die Sache aus, als Merkel & Co. damals eine Garantie gab für auslaufende Hellas-Bonds, da habe ich zugegriffen und dies auch hier geschrieben, allerdings bin ich nach kräftigem Kursanstieg auch ausgestiegen, wie ich zeitnah berichtete, weil ich das tatsächliche Auslaufen nicht abwarten wollte und das Risiko für zu groß hielt, dass doch noch was passiert. Und tatsächlich sind die Kurse ja wieder gefallen ("dank" Abstufungen der Ratingagenturen).

Wie es jetzt aussieht? Ich fürchte das weitere Abstrafen der Märkte mehr als ich mit der "Konsequenz" der Politiker rechnen kann.

Wie gesagt - Spekulation - kann gut gehen, aber man sollte nicht zuviel investieren, und ich selbst lasse die Finger davon

Gruß
50667


Hallo 50667,

Danke für die Antwort! Mir geht es ähnlich, ich halte eine solche Geldanlage auch für unkalkulierbar. Politische Zusagen sind heute viel zu unsicher, als das man darauf Anlageentscheidungen aufbauen sollte. Selbst wenn der politische Wille da wäre, Griechenland weiter finanziell zu unterstützen, könnten die Märkte radikalere Lösungen erzwingen. Ich habe bis jetzt auch noch keine griechischen Aktien gekauft - ich hatte vor ein paar Wochen hier die Aussage von Folker Hellmeyer zu einer solchen Anklage eingestellt. Im griechischen Aktienmarkt haben Banken ein sehr hohes Gewicht und diese Banken stecken voller griechischer Staatsanleihen. Bei einer echten und wirksamen Lösung des griechischen Schuldenproblems eines Tages - Haircut, Ausstieg aus dem Euro u.s.w. - könnten die Bankaktien erheblich an Wert verlieren. Attraktiv dürfte der griechische Aktienmarkt erst nach einer solchen Lösung des griechischen Schuldenproblems werden. Auch in Argentinien erholte sich der Aktienmarkt nach dem Haircut 2002 deutlich.
Avatar
schrieb am 29.07.11 14:45:51
Beitrag Nr.1098 
(41.865.181)
Antwort
Zitat
Über der Euro-Zone braut sich nur eine Woche nach den weitreichenden Beschlüssen zur Rettung Griechenlands neues Ungemach zusammen. Mit Italien und Spanien stehen an den Finanzmärkten nun zwei volkswirtschaftliche Schwergewichte der Währungsgemeinschaft unter dem Druck steigender Zinsen.

(...)Im hoch verschuldeten Italien zeichneten sich unterdessen Probleme bei der Beteiligung an der nächsten Hilfszahlung für Griechenland ab. Italien könne sich an der im September fälligen Tranche möglicherweise nicht beteiligen, falls es selber höhere Zinsen für seine Schulden zahlen müsse als es für die Kredite an Griechenland erhalte, erfuhr Reuters von Vertretern der Euro-Zone.

Noch habe die drittgrößte Volkswirtschaft der Währungsgemeinschaft in dieser Frage jedoch keine endgültige Entscheidung getroffen. Ein Land darf gemäß der Vereinbarung eine Teilnahme an Hilfszahlungen ablehnen, wenn ihm selbst ein Verlust durch die Zinsdifferenz droht. Die anderen Länder müssen dann ihren Beitrag aufstocken oder aber dem betroffenen Land eine Entschädigung zahlen.

(...)Ein Berater der Euro-Staaten sagte, er habe empfohlen, die Garantien beim EFSF auf 1,5 Billionen Euro zu verdoppeln oder sie sogar zu verdreifachen, um eine Ansteckung Spaniens und Italiens mit dem Schuldenvirus zu verhindern.

http://www.welt.de/wirtschaft/article13514881/Investoren-fue…

Wie soll man das nennen? Dominoeffekt, einstürzendes Schuldenkartenhaus? Jetzt ist sogar schon von einer Verdreifachung des Rettungsfonds die Rede - das wären über 2 Billionen Euro und das bei möglicherweise weniger haftenden Ländern. Wenn Italien aus der Beteiligung an den Hilfszahlungen für Griechenland aussteigt, dürfte Spanien auch bald aussteigen. Ja, das schafft Vertrauen.;) Beteiligen sich eigentlich Portugal und Irland noch an den Hilfszahlungen für Griechenland? Die sind doch selber schon Empfänger irgendeiner Hilfe. Man verliert hier leicht den Überblick.
Avatar
schrieb am 29.07.11 15:18:54
Beitrag Nr.1099 
(41.865.398)
Antwort
Zitat
Zitat von frank05ich hatte vor ein paar Wochen hier die Aussage von Folker Hellmeyer zu einer solchen Anklage eingestellt. Im griechischen Aktienmarkt haben Banken ein sehr hohes Gewicht und diese Banken stecken voller griechischer Staatsanleihen. Bei einer echten und wirksamen Lösung des griechischen Schuldenproblems eines Tages - Haircut, Ausstieg aus dem Euro u.s.w. - könnten die Bankaktien erheblich an Wert verlieren. Attraktiv dürfte der griechische Aktienmarkt erst nach einer solchen Lösung des griechischen Schuldenproblems werden. Auch in Argentinien erholte sich der Aktienmarkt nach dem Haircut 2002 deutlich.


Das soll natürlich Anlage heißen, nicht Anklage.

Noch eine Anmerkung zum argentinischen Aktienmarkt. Der argentinische Aktienindex Merval stieg in den sechs Jahren nach dem Tiefpunkt Ende 2001 um über 940 %! Auch der russische Aktienmarkt hatte in der letzten Dekade eine ähnliche Entwicklung, nachdem eine Währungskrise Ende der neunziger Jahre die Währung zerrüttet hatte. In Russland wurde das inländische Schuldenproblem damals durch eine Hyperinflation gelöst. Eine wichtigere Erklärung für den boomenden russischen Aktienmarkt könnten aber die stark steigenden Rohstoffpreise gewesen sein.
Avatar
schrieb am 29.07.11 16:28:07
Beitrag Nr.1100 
(41.865.913)
Antwort
Zitat
Antwort auf Beitrag Nr.: 41.865.181 von frank05 am 29.07.11 14:45:51Der Dominoeffekt fängt mit Spanien und Italien erst an.

GR, Irl und P sind dagegen mangels Masse leicht zu schultern. Das ganze "alternativ- und kompromisslose" Rettungsgezacke um den Wurmfortsatz Gr wurde ja nur betrieben, um ein "entschlossenes" Exempel zu statuieren - damit bloß niemand auf die Idee kommt, Anleihen von Ländern abzustoßen (bzw. deren Bonität anzuzweifeln), bei denen es wirklich ernst wird.

Von dieser Brüsseler Ente läßt sich der Markt natürlich nicht blenden, vielmehr wird er die Tragfähigkeit des genialen Münchhausen-Plans mit gutem Recht in Frage stellen.

Italien und Spanien werden sich bald an der "Rettung" Eurolands ebenso wenig beteiligen (können), wie dies bei GR, Irl und P jetzt schon der Fall ist.

Der Unterschied liegt darin, daß ab diesem Punkt im Vgl. zu vorher nicht nur die benötigten "Rettungs"summen explodieren werden, sondern auch die Beteiligungsquoten der noch nicht bankrotten Restländer.

Damit wiederum ist auch deren Bonität sturmreif geschossen - und deren in der Folge steigenden Renditen geben nochmals Gas, wenn sich das Fluchtkapital der bereits gefallenen Helden plötzlich wieder aus deren Anleihen verabschiedet.

Die in den Orbit geschossenen Renditen wiederum entheben die Bedienbarkeit allein der bereits bestehenden Schulden endgültig jeder realistischen Grundlage.

Eine Schraube par exellence. Ab Spanien und Italien fliegen ohne Zweifel die Brocken.

Und wieder lautet die Frage, ob sich das Ganze inflationär oder eher deflationär auswirken wird...

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