Antwort auf Beitrag Nr.:
42.806.989 von Kohlehalde am 25.02.12
16:07:20Hallo Lothar,
naja, die einzige Zukunftsprognose, in der ich mir sicher bin, ist
die, daß das "Europrojekt" in dieser Form mitsamt den dazugehörigen
Anleihen vor die Wand fährt. Ansonsten tue ich mich mit Voraussagen
schwer. Du weißt ja, daß ich in der Basis eher ein passiver
Rebalancierer bin.
Was allerdings meine Experimentierabteilung angeht, so bleibe ich
den Aktien zunächst noch treu. Klar, die Drückerkolonnen in den
einschlägigen Angst&Gierblättchen, DAF-Fernsehen & CO.
beginnen schon wieder verdächtig auf die Pauke zu hauen, aber es
fehlt noch an Euphorie. Ein schöner Index, der zum S&P500 sehr
sympathisch hyperaktiv ... sozusagen an der "Flexleine" läuft, ist
ja der DAX. Bei Abständen von mehr als 20% zur 200-Tageslinie
(drunter+drüber) beginnt meine Aufmerksamkeit hinsichtlich erster
Long- und Shortüberlegungen (bzw. Rebalancierung in der Basis).
Tritt das nicht ein (was ja momentan der Fall ist), markiert die
Linie selbst meinen persönlichen Handlungsbedarf.
Aber auch fundamental betrachtet sollte man m.E. ein paar Dinge
nicht vergessen: Staatsanleihen sind via hemmungsloser
Liquiditätsflutung und tlw. illegaler Aufkäufe seitens der
Notenbanken bei abnehmender Bonität immer gnadenloser überbewertet
und spannen eine immer größere Lücke zu den vergleichsweise (noch)
hohen Dividendenrenditen. "China" (also Asien) boomt z.Zt. noch
ungebremst, auch die steigenden Inflationsraten scheinen dort
momentan niemanden zu interessieren. Dieser Boom lebt von einem
ungebremsten Außenhandelsdefizit insbesondere der USA, mit der
Folge von schwindelerregenden Bergen an toxischen Dollar- und
(zunehmend auch) Euroreserven. Die will in diesen Mengen natürlich
niemand wirklich haben, also wird die halbe Welt damit aufgekauft,
und zwar außer Schlüsselindustrien insbesondere Land und Rohstoffe.
Ein sehr fragiles Gebilde, ich weiß, das kann aufgrund seines
Einbahnstraßencharakters auch jederzeit mal zusammenklappen. Ist
aber momentan nicht der Fall. Nicht zu vergessen aber auch das sehr
gefährliche Iranthema: Hieran wird (inzwischen nicht mehr nur über
die üblichen Marionettenstaaten) so ordentlich gezündelt, daß "man"
dieses geopolitische Versorgungsproblem offenbar in nächster
Zukunft allen Ernstes anzugehen gedenkt. Dies ist wohl auch der
Grund, warum sich der Ölpreis vom Durchschnitt der übrigen
Rohstoffe nochmal deutlich nach oben abkoppelt.
Der Optimal Income ist ein sehr interessantes Teil, sein Portfolio
im Jahresbericht finde ich sehr überzeugend und risikomäßig
ausgewogen, insbesondere weil Staatsanleihen gegenüber den
Untenehmensanleihen ggw. deutlichst untergewichtet sind. Um so
weniger ist mir klar, warum bspw. Fondsweb den in Risikoklasse 4
(von 5) einstuft. Die haben bestimmt das böse Wort "Derivate" im
Verkaufsprospekt gelesen.
Wie auch immer: Unternehmensanleihen der GIIPS-Länder notieren im
Euro, was beim wünschenswerten Austritt der Chroniker unter ihnen
wohl zu Bonitätsverlusten führen würde, auch wenn oder gerade weil
deren Schulden in Euro stehen bleiben. Dies ist durchaus ein
Risiko. Einen isolierten Austritt Deutschlands als letzte Notbremse
mangels rechtzeitiger und vernünftiger Kommunikation der halbwegs
zusammenpassenden Reststaaten wird man dagegen hoffentlich(!) erst
gar nicht notwendig werden lassen.
Was die EM-Bonds angeht, würde ich mich 50667 anschließen,
insbesondere weil ich mit ihnen ja gerade die Diversifikation zum
Euro suche. Größere Anteile würden mir allerdings Zahnschmerzen
bereiten, da jede Krise, die nicht gerade zum Kollaps der
heimatlichen "Hartwährung" führt, den Nachteil des dann üblichen
"Heimholeffektes" im Vgl. zu westlichen Bonds überwiegen läßt.
Hierbei ergibt sich dummerweise auch eine hohe Korrelation zum
Aktienmarkt. Bei Deinem ISI sieht man das am Bsp. der ersten
Bankenkrise ganz gut:
In Lokalwährung begebene EM-Bonds sind hier sicher noch ärger
eingestürzt, während die Absicherung gegen den Euro beim ISI noch
ganz gut abfedert --> wohlgemerkt:
solange nichts Fatales
mit dem Euro geschieht. Aber dagegen will ich ja gerade
diversifizieren.
Meine einzige Non Euro-Papiergeldwährung sind derzeit nur noch NOK
- und die steigen gegen den Euro wie blöde. Hier schwanke ich immer
zwischen Gewinnmitnahme und Nachkauf... Naja, zwischen Kaufen und
Verkaufen liegt halt ... gar nix machen. Der Diversifikationsansatz
verbietet die Gewinnmitnahme ohnehin. Sfr habe ich im letzten
Herbst u.a. wegen der Zentralbankeingriffe fallengelassen. Der
Goldport-Stabifonds hängt ja sowieso schon massiv im Franken. Aber
insgesamt ist die Fremdwährungs-Cashfrage bei mir noch nicht
endgültig gelöst, wie man sieht ... diese Ecke ist noch sehr
unaufgeräumt.
So, jetzt ist aber erstmal genug geplaudert, denn jetzt ist
Kaffeezeit
Gruß NBNP