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Was passiert, wenn die Euro-Zone auseinanderbricht? ( Seite 4)
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schrieb am 21.02.12 15:43:00
Antwort auf Beitrag Nr.:
42.754.065 von kenkennard am 15.02.12
13:44:11Nur dem Gedanken der undemokratischn
Unterordnung der Schuldenländer unter Geberländer oder
Finanzinvestoren wie Banken vermag ich nicht zuzustimmen.
Das ist kein "irgendwie" Gedanke
das ist die Realität, der ZWECK den die "Macher"-Staaten
verfolgen
und es fragt sich haltz, ob man die Sprachregelungen dieser macher
zu seinem eigenen Anliegen machen möchte
schrieb am 22.02.12 00:47:09
Ich bedauere es sehr, dass die Wähler der Geber-Länder nicht
ausreichende Möglichkeiten hatten, über die Rettungsprogramme
abzustimmen. Bei Vornahme entsprechender Volksabstimmungen würde es
die Programme - so wie sie jetzt konzipiert wurden - wohl nicht
geben.
Das griechische Volk wird - ich hoffe dies sehr - dann im April
2012 die Möglichkeit zur Abstimmung über das Programm in einer
freien demokratischen Wahl haben.
Nach vorliegenden Umfragen werden sowohl die sozialdemokratische
Pasok als auch die konservative ND nur noch einen Bruchteil der
Stimmen aus er letzten Wahl von 2009 erzielen
In diesen Umfragen liegen die drei Linksparteien unter Führung der
Kommunistischen Partei Griechenlands deutlich vorne. Diese Partei
hat ein klares Wahlprogramm, dass den Austritt Griechenlands aus
dem Euro und die Nichtzahlung der griechischen Schulden
vorsieht.
Eigentlich bin ich eher ein Wähler konservativer Parteien. Aber in
diesem besonderen Falle, wünsche ich mir einen Wahlerfolg der
griechischen Kommunisten.
Auch in Ungarn haben wir vor ca. zwei Jahren gesehen, dass die
Regierungspartei auf eine Restgröße schrumpfte, wogegen die
Konservativen mehr als 64 Prozent der Stimmen erzielten. Eine
solche erdrutschartige Veränderung der Kräfteverhältnisse könnte es
nun auch in Griechenland geben. Die Stimmung dort ist ja genug
aufgeheitzt.
schrieb am 27.02.12 15:50:31
Es könnte sich in der mittleren Zukunft tatsächlich ein Szenario
ergeben, in dem Deutschland und andere Geber-Länder den Euro-Raum
verlassen und entweder einen "Nord-Euro" gründen oder zu ihren
jeweiligen nationalen Währungen zurückkehren werden.
Ich halte die Möglichkeit für einen Nordeuro für eine Möglichkeit
mit sehr geringer Wahrscheinlichkeit. Die Mentalität der anderen
Länder spricht dagegen. Ich kann es mir nicht vorstellen, dass es
die Niederländer oder gar die Österreicher es für erstrebenswert
halten, als Juniorpartner in einem von den Deutschen dominierten
Währungsraum einzutreten.
Somit ist in diesem Fall die Wiedereinführung der DM die
wahrscheinlichere Lösung.
Auch viele ausländische Anleger scheinen ja mit einer solchen
Möglichkeit zu rechnen. Anders sind wohl die gigantischen Käufe aus
dem Euro-Raum von Bundesanleihen nicht zu erklären. Diese Anleger
hoffen wohl auf Währungskursgewinne der DM gegenüber dem Euro,
falls die DM wirklich wieder eingeführt wird.
Diese Spekulation könnte aber möglicherweise nicht aufgehen. In der
dann vorzunehmenden Währungsumstellung wäre die jeweilige
Bundesregierung ja frei. Ich habe im Internet ein folgendes
zukünftiges Szenario hierzu gefunden.
Eine Umstellung von 1 zu 1 erfolgt nur für sogenannte "Stromgrößen"
wie z. B. Gehälter, Renten und Mieten.
Bestandsgrößen wie z. B. Girokonten, Sparkonten, Bundesanleihen und
auch Schulden werden nur 2 zu 1 umgestellt.
Eine Ausnahme gibt es dann für Girokonten. Von dem Guthaben auf
diesem Konto erhielte jeder Kontoinhaber eine Grundsumme von z. B.
5000 Euro im Verhältnis 1 zu 1 umgestellt. Darüber hinaus gehende
Guthaben werden im Verhältnis 2 zu 1 umgestellt.
Durch ein solches Verfahren würde die Bundesrepublik einen riesigen
Gewinn an der Umstellung der Staatschulden machen. Die
Staatsschulden werden also nur zur Hälfte ihres Nominalwertes auf
die neue DM umgestellt. So würde Deutschland die Hälfte seiner
Schulden los werden.
schrieb am 29.02.12 06:00:46
Zitat von kenkennardEs
könnte sich in der mittleren Zukunft tatsächlich ein Szenario
ergeben, in dem Deutschland und andere Geber-Länder den Euro-Raum
verlassen und entweder einen "Nord-Euro" gründen oder zu ihren
jeweiligen nationalen Währungen zurückkehren werden.
Weder noch. Das ist Quatsch mit Soße.
Die dt. Staatsanleihen werden wegen der überdurchschnittlichen
Sicherheit im Euroraum gekauft, einen Euro-Austritt wird es nicht
geben. Da sprechen ca. 1000 gute Gründe dagegen, und ca 2-3
Nationen, die das keinesfalls tollerieren dürften...
schrieb am 29.02.12 14:25:17
Gratuliere !
Du scheinst die Zukunft zu kennen.
In der Regel scheitert hieran allerdings sehr oft schon die
Wettervorhersage.
schrieb am 29.02.12 15:11:45
Natürlich kann man als "Nichtprophet" die Zukunft eigentlich nicht
kennen.
Man kann lediglich versuchen, die gegenwärtigen Trends zu erkennen
und versuchen, diese in die überschaubare Zukunft
fortzuschreiben.
Die Geberländer werden von verschiedenen Seiten unter Druck
gesetzt, ihre Garantiesummen für die Krisenländer ständig zu
erhöhen.
In den Krisenländern kämpft die dortige Bevölkerung mit den
schweren Sparmaßnahmen.
Vor diesem Hintergrund klingen die Parolen der Euro-Retter, "wir
werden den Euro mit allen Mitteln verteidigen", so wie die
Durchhalteparolen des Reichspropagandaministers am Ende des Zweiten
Weltkrieges in Deutschland.
Werden die Krisenländer weiter in untragbare Sparprogramme
getrieben, werden die dortigen Wähler in Wahlen dies beenden.
Zunächst könnte dies in Griechenland geschehen. Auch in Irland wird
nunmehr eine Volksabstimmung zum geplanten Fiskalpakt stattfinden.
Die Irländer sind für ihre "Ablehnungsmentalität" bekannt.
Die Geberländer werden durch eine unbegrenzte Erhöhung der
Garantien für Krisenländer - wegen der erhöten Risiken - zunächst
von den Rating-Agenturen weiter abgestuft. Dies führt in den
Geberländern zu höheren Zinskosten. Am Ende könnte sogar der
Staatsbankrott der Geberländer stehen.
Am Anfang der Krise habe ich auch noch den Euro-Rettungsmaßnahmen
positiv gegenüber gestanden. Wenn ich nun aber in der Presse von
der Möglichkeit eines dritten Griechenlandhilfsprogrammes gelesen
habe, sowie zur Kenntnis nehmen muss, dass Portugal und Spanien
offenbar die geplanten Defizite nicht einhalten können, muss man ja
wohl seine bisherige Meinung überprüfen.
Nach Pressemeldungen haben nach dem griechischen Teilschuldenerlass
wohl Irland und Portugal ebenfalls nach Schuldenerleichterungen
gefragt.
schrieb am 29.02.12 15:25:06
Dies alles erhöht die Wahrscheinlichkeit für eine krisenhafte
Zuspitzung der gegenwärtigen Situation.
Die griechischen Strukturprogleme können allein durch die Hingabe
neuer Darlehn nicht beseitigt werden. Deren Problem im Tourismus
ist z. B. im Vergleich zu dem Konkurrenzland Türkei, dass sie ca.
50 Prozent zu teuer sind. Diese fünfzig Prozent durch Lohnsenkungen
"herein zu holen" wird sich nicht machen lassen. Dies werden die
griechischen Gewerkschaften und Wähler auf Dauer nicht
zulassen.
Andere Krisenländer werden - auch mit Recht - die Frage aufwerfen,
warum bekommt Griechenland von den Privatanlegern einen
Schuldenerlass von fünfzig Prozent und warum nicht wir auch ?
Dies wiederum könnte in den Geberländern die Bereitschaft zur
Gewährung weiterer Hilfen deutlich senken. Schon jetzt werden die
Hilfen ja nicht mit "Begeisterung" gegeben.
Auch der sozialistische Präsidentschaftskandidat in Frankreich hat
ja erklärt, dass er den angestrebten Fiskalpakt "neu verhandeln"
wird. In Meinungsumfragen sieht es ja nun wohl so aus, dass dieser
die Wahl im kommenden Frühjahr gewinnen wird.
Die politische Zukunft der Euro-Rettung ist aus heutiger Sicht also
in wichtigen Partnerländern sehr fraglich.
Wenn aber wichtige Partnerländer bei der Euro-Rettung ausfallen ist
die Situation auch in Deutschland neu zu bewerten.
Natürlich kann ich nicht sagen, wie sich die einzelnen Länder in
einer solchen Situation verhalten werden.
Dennoch ist die oben von mir gemachte Aussage nicht vollkommen
unwahrscheinlich.
schrieb am 01.03.12 05:58:49
Antwort auf Beitrag Nr.:
42.826.328 von kenkennard am 29.02.12
15:25:06@kenkennard
Also, JA, das was Du schreibst stimmt wohl alles.
Aber die Schlussfolgerung scheint mir nicht plausibel.
Wenn die "Geberländer" keine weiteren Risiken eingehen wollen oder
können (weil das Volk aufbegehrt), heißt das noch ganz lange
nicht,
daß irgendein Land den Euro verläßt. Das ist wohl eher ein
Wunschtraum einiger Gestriger...
Die Politiker der einzelnen Staaten haben de facto gar nichts mehr
zu sagen was die Währung anbelangt, die Macht liegt einzig und
allein bei der EZB. Und die hat mit den 2 letzten Tendern doch
deutlichst gezeigt, wo es lang geht!
Wir werden unsere Schulden mit Geld der EZB finanzieren, was eine
Abwertung des Euros nach sich ziehen wird (mit Verzögerung), aber
den Euro verlassen? Niemals wird sich das ein Staat antun.
schrieb am 01.03.12 13:14:42
Wenn in Griechenland die dortige Kommunistische Partei mit
Unterstützung des von weiteren Parteien gebildeten "Linksblocks"
die Wahlen gewinnt, ist meines Erachtens die Wahrscheinlichkeit
sehr groß, dass Griechenand die Euro-Zone verlassen wird. Denn
schließlich hat das Parteiprogramm der griechischen Kommunisten
eine entsprechende klare Aussage.
Sollte dies eintreffen, wäre dies für die restliche Eurozone wohl
ein Glücksfall und würde die Wahrscheinlichkeit des Weiterbestehens
der Eurozone erhöhen.
Die übrigen Krisenstaaten halte ich grundsätzlich für stark genug,
die Krise in einem Jahrzehnt zu überwinden, wenn sie die bereits in
der Vergangenheit gezeigte Fiskaldisziplin noch einmal aufbringen.
Aber gerade das griechische Beispiel wird dies den dortigen
Regierungen vor ihren Wählern sehr schwer machen. Die Wähler dort
werden den Regierungen doch die Frage stellen, warum sollen wir uns
so stark mit Sparen anstrengen. Die Eurozone soll uns doch
gefälligst ebenfalls wie Griechenland zu einem Schuldenschnitt
verhelfen.
Dies macht es dann weit weniger wahrscheinlich, dass diese
Krisenländer die nötigen Anstrengungen zur Lösung der Krise
unternehmen werden.
Dies wird in der mittleren Zunkunft auch die Bereitschaft der
Geberländer zu weiteren Hilfen erlahmen lassen. Schon heute gibt es
in Finnland, Holland und auch Österreich starke Rechtsparteien, die
dem ganzen Rettungsprojekt sehr reserviert gegenüber stehen. Auch
in kleineren Ländern - wie der Slowakei - ist dies schon heute der
Fall.
Wenn nur einige dieser Länder aus dem Kreis der Geberländer
ausscheiden wird dies auch nicht ohne Auswirkungen auf die
Meinungsbildung in Deutschland bleiben.
Die größte Gefahr bildet aber die weitere Entwicklung in
Frankreich. Wenn der sozialistische Kandidat die Wahl gewinnt und
seine Ankündigungen zur "Neuverhandlung" der bisherigen
Vereinbarungen zu realisieren versucht, sind alle bisherigen
Vereinbarungen ohne Grundlage. Eine Eurorettung ohne Frankreich ist
schlicht nicht möglich.
So sind die Risiken für die mittlere Zukunft recht groß. Das wir in
einigen Jahren eine Euro-Zone mit anderer Zusammensetzung sehen
werden ist ziemlich wahrscheinlich.
Ob dann schwächere Länder oder Geberländer die Eurozone verlassen
werden kann ich natürlich nicht sagen. Die Möglichkeit, dass man
sich noch einige Zeit so weiterschleppt wie bisher, ist natürlich
auch gegeben.
Zugegebenermaßen kann man zum gegenwärtigen Zeitpunkt nur
Wahrscheinlichkeiten gegeneinander abwägen. Dies muss dann jeder
für sich selbst tun.
schrieb am 01.03.12 13:31:50
Im Grundsatz würde ich ein "Weiter so" mit dem oben beschriebenen
Szenario mit Finanzierung über die EZB und Abwertung des Euro auch
für die positivere weil "schonendere" Lösung halten.
Dieses Szenario würde genau dem Wunsch der deutschen
Exportindustrie entsprechen. Eine Abwertung des Euro würde den
Export der deutschen Industrie z. B. nach Asien deutlich
unterstützen.
Auch für die Südländer wäre mit einer Abwertung des Euro gegenüber
anderen Konkurrenzländern - z. B. der Türkei - sicherlich geholfen.
Dies ist darauf zurück zu führen, dass eine Abwertung des Euro z.
B. für deutsche Touristen den Urlaub außerhalb des Euroraumes
grundsätzlich verteuern kann. Dies wiederum könnte die Touristen
des Euroraumes dazu veranlassen, wieder mehr Urlaub im Euroraum zu
machen. Dies kann helfen die Probleme der Südländer zu
erleichtern.
Auch macht die Abwertung des Euro Importwaren teurer. So könnten
die Verbraucher mehr auf in der Eurozone produzierte Waren
ausweichen. Dies wiederum kann unter Umständen auch der
Binnenkonjunktur der Eurozone helfen.
Dies alles steigert natürlich auch die Inflation im Euroraum. Dies
ist aber gewollt, weil dies den Leuten das Sparen verleidet und sie
dann mehr für den Konsum ausgeben werden.
Auch wirkt dieser Teil der Inflation den deflationären Tendenzen
entgegen, die sich durch die in den Krisenländern vorgenommenen
Sparmaßnahmen einstellen.
Dies alles würde den Schock eines Verlassens der Eurozone mildern
und auf mittlere Sicht zu einer Lösung der Krise führen.
Auch soll man ja nicht verschweigen, dass Deutschland ja gerade
durch den Kauf von Bundesanleihen durch verängstigte Anleger auch
aus den Krisenländern in Form von niedrigen Zinsen für die
Staatsschulden an der Krise nicht schlecht verdient. Schätzungen
gehen von Zinsersparnissen von 25 Milliarden Euro pro Jahr für den
Deutschen Staatshaushalt aus.
Somit gehe ich davon aus - da wir ja für die Euro-Rettung bisher
weit überwiegend nur Garantien und keine Barzahlungen geleistet
haben -, dass zur Zeit für Deutschland die Rechnung aus der Krise
noch positiv ist.
Dies kann sich aber durch die Auflegung von immer neuen
"Rettungsprogrammen" ändern.
An diesem Punkt heißt es dann für die Geberländer "neu nachdenken".
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