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Seite 44 von 45

Eurobonds so gut wie beschlossen - Deutschland knickt ein ( Seite 44)

Diskussionsstatistik
eröffnet am 14.08.11 23:58:39
von
neuster Beitrag 29.12.11 19:24:23
von

Anzahl Beiträge: 444
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schrieb am 19.12.11 17:40:59
Beitrag Nr.431 
(42.499.703)
Antwort
Zitat
Gedanken des Philosophen Peter Sloterdijk:

Die Regierungen verpfänden die Luft über ihrem Staatsgebiet, und Banken atmen tief durch. Wenn man es sich recht überlegt, ist das haarsträubend. Das wird möglicherweise europaweit eine Desorientierung von historischen Größenordnungen auslösen, möglicherweise vergleichbar mit dem moralisch-ökonomischen Super-GAU der Jahre 1922/23, der Hyperinflationszeit.



Früher hat man unter Sparen verstanden, dass etwas beiseitegelegt wird. Heute benutzen die Finanzminister das Wort, um sich selbst dafür zu gratulieren, wenn sie weniger neue Schulden aufnehmen.



Tilgungsillusion ist ein schöner Name für ein vom Staat geschütztes moralisches Konstrukt – vorausgesetzt, der Staat selber bleibt als Schuldner glaubwürdig. Davon kann heute kaum noch die Rede sein.



Die Illusion wird dadurch bedient, dass die Schulden immer wieder umgewälzt werden. Alle Schuldenstaaten zahlen alle paar Monate ihre Schulden mit neuen Schulden zurück.

Das ist eine Idee, die selbst Dante nicht hätte einfallen können. Man müsste jetzt zu seiner Göttlichen Komödie einen vierten Teil hinzuschreiben. Bekanntlich hat Dante das Purgatorium als Reinigungsanlage für lässliche, sagen wir tilgbare Sünden konzipiert. Die sind mit sieben „P“ auf der Stirn der Sünder notiert – auch in der Reinigungshölle geht alles Wichtige nur schriftlich. Nach jeder Etappe wird ein P (für peccatum) gelöscht, bis der ehemalige Sünder mit einer reinen Stirn dasteht. Kein Mensch des Mittelalters konnte ahnen, dass man Belastungen aus der Vergangenheit umschulden könnte. Im Anbau zum Purgatorium würde aber genau dies passieren. Der Nachteil ist, man käme nie mehr ganz von der Vergangenheit los und von der Übernahme in die Sphäre der himmlischen Freuden ist nicht mehr die Rede.

Die meisten Menschen bekommen ihr Maß durch ihre Einkünfte gezeigt. Gut, man kann Einkünfte durch den Privatkredit auch hochstaplerisch steigern, aber die Maßgabe liegt im Einkommen, und das ist bei den allermeisten Menschen bescheiden genug, um dafür zu sorgen, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen.
„Staatsschulden sind ein Indikator für ein Sozialismusdefizit“

Der Bürger, das Ich, hält Maß. Aber sein Staat, das „Wir“, kann es nicht

Die Staatsschulden sind zu einem wesentlichen Teil ein Indikator für ein strukturelles Sozialismusdefizit in der Gemeinschaftskasse. Was man sich nicht in Form von Besteuerung holen kann, lässt man sich durch leichtsinnige Gläubiger kreditieren. Das Sozialismusdefizit drückt sich präzise aus im Ausmaß der Staatsverschuldung. In der Zeit des blühenden Rheinischen Kapitalismus war die Staatsverschuldungsquote niedrig, weil unter konservativen Regierungen der Semi-Sozialismus besser funktioniert. Die Soziale Marktwirtschaft von Ludwig Erhard umschreibt dieses Konzept auf so sonore Weise, dass auch Konservative es sich gefallen lassen. In Wahrheit leben wir längst in einem massenmedial integrierten, fiskalisierten Semi-Sozialismus auf der Grundlage einer zinsgetriebenen Ökonomie, die viele Leute Kapitalismus nennen.

Man muss die Möglichkeit der Realwirtschaft, an Kredite zu kommen, abkoppeln von der spekulativen Zwischenwelt der Geschäftsbanken, der Fonds und ähnlicher Einrichtungen. Das heißt also: Wenn schon der Staat sich als „lender of last resort“ nützlich machen will, dann soll er im Notfall Abkürzungen für die echten Kreditsucher in der Wirtschaft anbieten, statt acht Zehntel des klugen Geldes zu Niedrigstzinsen den Spekulanten nachzuwerfen. Einen solchen Shortcut zwischen der Bank höchster Instanz und der Realwirtschaft müsste man mal ausprobieren, dafür haben wir ja schlaue Institutionendesigner, die von solchen Dingen etwas verstehen. Das wäre eine einfache Maßnahme, um die zu mächtig gewordene Finanzmarktbranche systemimmanent in ihre Grenzen zu weisen.






Eine kurze Geschichte der Spekulation
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John Kenneth Galbraith
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schrieb am 21.12.11 19:59:31
Beitrag Nr.432 
(42.510.839)
Antwort
Zitat
Antwort auf Beitrag Nr.: 42.499.703 von 50667 am 19.12.11 17:40:59interessant, dass Du fast die gleichen Passagen ausgewählt hast wie ich heute....
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schrieb am 25.12.11 13:26:07
Beitrag Nr.433 
(42.521.111)
Antwort
Zitat
HWWI: Euro-Bonds nicht verteufeln

Straubhaar mahnte jedoch, man sollte "in Deutschland Euro-Bonds nicht aus ideologischen Gründen verteufeln". Denn es werde "auch in einer Fiskalunion eine gemeinsame Kasse geben, um schwächeren und überschuldeten Ländern Notkredite finanzieren zu können". Ob die gemeinsame Kasse "Rettungsfonds" oder "Euro-Bond" genannt werde, sei "dabei dann nur eine nebensächliche und eher technische Frage".


http://de.nachrichten.yahoo.com/wirtschaftsforschungsinstitu…

das ist auch meine Ansicht: die angestrebte Fiskalunion innerhalb der nächsten 24 Monate (Zitat von Schäuble) ist defacto nicht anderes als €urobonds.
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schrieb am 27.12.11 09:58:42
Beitrag Nr.434 
(42.522.543)
Antwort
Zitat
Gerade hat die EZB beschlossen, den Banken unbegrenzt Liquidität für nur 1% Zinsen über 3 Jahre bereitstellen zu wollen und für Februar wird Nachschlag in Aussicht gestellt. Prompt wurden am 21.12. schon satte 489 Mrd. Euro abgerufen!!

Ein weiterer Schritt im sagenhaften Krisenmanagement der EU.

EU-Beamte sind nicht mehr als kleine Schneckchen, die sich an der Haut der Raubfische festsaugen, die (rendite-)hungrig in den Schwärmen der Mittelklassefische ungeniert räubern. Sollten sie nicht satt werden, fressen die Finanz-Raubfische sich gegenseitig, nach Darwinschem Prinzip gewinnt immer der Größere und Stärkere.

In panischer Angst davor, dass noch einmal ein großer Raubfisch (Lehman) gefressen werden sollte, kappt man vorübergehend den Fischschwärmen die Nahrungsgrundlage und füttert die Raubfische weiter an.

Um beim Beispiel zu bleiben:

Die EZB stellt ca. 500 Mrd €uro zu 1% für drei Jahre bereit, ohne Bedingungen, in der HOFFNUNG, dass die Banken und Versicherungen mit ihrer dann gestärkten Kapitalgrundlage Staatsanleihen von strauchelnden Eurostaaten kaufen (wie krank ist das denn, würde so manch ein Jugendlicher sagen). Das werden sie natürlich nicht tun, da kaufen sie lieber andere Junk-Bonds mit niedrigerer Ausfallwahrscheinlichkeit, z.B. 9% Zins bei 30%iger Ausfallwahrscheinlichkeit, machen also 6% Gewinn und lachen über die 1% Schuldzinsen, denn es bleiben 5% übrig. Sind zwar nicht die 25% von Ackermann, auch nicht die angestrebten 15% seines Nachfolgers, aber man muss ja überleben!

Daher, wenns ums Überleben der "systemrelevanten" (was ist das eigentlich genau?) Finanzbranche geht, und daran zweifelt (leider) keiner mehr, dann war's der richtige Schritt.

Wenn's um die Lösung der Krise gehen sollte, dann war's ein gigantischer Schritt in die falsche, weil entgegengesetzte Richtung.

Denn, es ist so simpel wie einleuchtend, es gibt kein perpetuo mobile, es gibt keinen free lunch, auch nicht in der Finanzpolitik, alle Ausgaben müssen mittelfristig (nicht langfristig!) erwirtschaftet werden (sic!, im wahrsten Sinne des Wortes), Ausgaben können nicht gedruckt, gezaubert, erfunden werden.

Für Dienstleistungen und Produkte folgt die Rechnung auf dem Fuße. Wer seine Glaubwürdigkeit (sprich Kreditwürdigkeit) dauerhaft verliert, weil er immer mehr anschreiben lässt, als er zahlt, bekommt ganz einfach eines Tages keine Dienstleistungen und Produkte mehr.

Der revolutionäre Appell Jean Mesliers "Behaltet die Reichtümer und Güter, die Ihr im Schweiße Eures Angesichts erarbeitet für Euch. Gebt nichts davon an diese prächtigen und unnützen Faulenzer, die unnütz auf der Erde wohnen, nichts an diese hochmütigen Tyrannen, die Euch verachten..." hat an seiner Sprengkraft nichts verloren.

Hierzu passt heute Morgen der Anstieg der 10-jährigen Italienbonds auf deutlich über die kritischen 7%. (same procedure as already known) (zurzeit 7,121 %, siehe pigbonds.info)
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schrieb am 27.12.11 10:10:09
Beitrag Nr.435 
(42.522.575)
Antwort
Zitat
Zitat von 50667jetzt ist ein weiterer Damm gebrochen: D schließt Eurobonds nicht mehr aus, d.h.: die €urobonds sind beschlossene Sache!
Bis jetzt ist diese Prognose nicht eingetroffen.

Avatar
schrieb am 27.12.11 10:24:53
Beitrag Nr.436 
(42.522.614)
Antwort
Zitat
treffend bemerkt!

aber welchen Zweck verfolgt Deiner Ansicht nach die stattdessen verfolgte Fiskalunion innerhalb von 24 Monaten (Schäuble, Merkel), wenn nicht €urobonds?
Avatar
schrieb am 27.12.11 11:46:17
Beitrag Nr.437 
(42.522.816)
Antwort
Zitat


Die fiskalunion kann, wenn sie denn richtig im sinne des lebensinteresses aller funktionieren soll,m.e.nur nach den bewährten naturgesetzen nach dem recht des stärkeren erfolgen,denn nur wenn der notwendige sanktionsmechanismus der starken und letztendlich haftenden staaten zwangsweise sehr tief in die finanzhoheit der schwachen einzelstaaten eingreift,können deren marode haushalte im selbsterhaltungsinteresse der einzelnen starken staaten so saniert werden,das ein gemeinsames weiter existieren zum gegenseitigen nutzen so unterschiedlicher gemeinwesen überhaupt erst möglich ist. (darwin läßt an dieser stelle herzlich grüßen)

Brutal, aber offen ausgesprochen, bedeutet eine funktionierende gemeinschaft als fiskalunion nichts anderes, als das sowohl die finanzminister und die parlamente der maroden und nur noch von den starken schmarotzenden mitgliedsländer ihre zuständigkeiten für ihre nationalen haushalte verlieren.
Im klartext, der aber verklauseliert diplomatischer und vornehmer ausgedrückt werden wird, kann es sich bei einer fiskalunion nur um eine zwangsadministration der starken und die wirkliche und alleinige haftung tragenden über die unverantwortlichen bisher schmarotzenden schwachen nach dem kategorischen imperativ der reinen vernunft handeln.

Weil die funktion der von mir skizierten natürlichen und fiskalunion so niemals aufgrund der nationalen eitelkeiten und des zu erwartenden widerstandes möglich sein wird, bleibt als alternative das übliche gerechte wischiwaschi, bei dem sozial gerecht alle staaten jeweils mit einer hand in der tasche des anderen so weiter wursteln wie bisher, damit die privilegien und damit einzelinteressen
der auf zeit gewählten tätigen politiker in form von lebenslangen fetten pensionen und dienstwagen gesichert bleiben.

Das zu beobachtende scheitern einer fiskalunion liegt im wesen unserer demokratischen strukturen und ist der preis für unsere gefühlte freiheit.
Avatar
schrieb am 27.12.11 22:28:52
Beitrag Nr.438 
(42.524.441)
Antwort
Zitat
hervorragende, wenn auch triviale Analyse, Nannsen.

Trivial deshalb, weil für Jeden, der sehenden Auges die Entwicklungen beobachtet und der den Homo Sapiens realistischerweise als egozentrischen Wettkämpfer (Darwin) und nicht als kommunikatives soziales Wesen (Illusion der sog. Gutmenschen, was für eine Wortschöpfung!) begreift, absehbar ist, dass das Projekt zum Scheitern verurteilt ist.

Dazu passt, dass Deutschland in vorauseilendem Gehorsam (Deutschland geht's einfach noch zu gut, um wettbewerbskämpfend ums Überleben kämpfen zu müssen) Gelder zum ESM vorzeitig(!) zahlen will.

CDU und CSU im Bundestag bremsen Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) bei der beschleunigten Aufstockung des Euro-Rettungsschirms ESM. Die CSU-Landesgruppe will einen Alleingang der Bundesregierung nicht akzeptieren. "Es kann nicht sein, dass nur die Deutschen schneller einzahlen", sagte CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt der FTD. "Wir sind zu schnelleren Einzahlungen bereit, aber nur, wenn das für alle Länder gleichermaßen gilt." Dazu müssten noch einige Verhandlungen auf europäischer Ebene geführt werden.
Auch Norbert Barthle (CDU), haushaltspolitischer Sprecher der Unionsfraktion, sagte: "Es darf keinen deutschen Alleingang geben." Schäubles Vorschlag, die fünf jährlichen Tranchen schon früher zu überweisen, sei eine Überlegung wert. "Aber dann müssten auch alle anderen Euro-Länder das schaffen", sagte Barthle. Frankreich sei dazu "vielleicht noch in der Lage. Aber bei Italien und Spanien habe ich schon meine Zweifel."


http://www.ftd.de/politik/deutschland/:euro-rettungsschirm-u…
Avatar
schrieb am 28.12.11 01:07:12
Beitrag Nr.439 
(42.524.591)
Antwort
Zitat
wenn auch triviale Analyse, Nannsen.


danke,nur so gezeichnet wie sich die realität für mich darstellt: kurz,trivial,banal und kitschig.....

Es gibt noch die möglichkeit, es wie dein freund sloterdijk darzustellen, nur, auch dann wirst leider in einem noch schlimmeren ellenlangen schwulst von nonsens enden.
Avatar
schrieb am 28.12.11 06:36:24
Beitrag Nr.440 
(42.524.665)
Antwort
Zitat
Moin, Nannsen,

trivial war ernst gemeint und zwar positiv besetzt, im Sinne von offensichtlich für Jeden, der Augen hat zu sehen. Keinesfalls abwertend, keinesfalls im Sinne Deiner als Synonyme oder Analogien gesetzten Begriffe wie "banal" oder "kitschig" ;)


wikipedia:

Als trivial (von lateinisch trivialis, „jedermann zugänglich“, „altbekannt“; enthält die Begriffe tres, „drei“ und via, „der Weg“) gilt ein Umstand, der als naheliegend, für jedermann ersichtlich oder leicht zu erfassen angesehen wird.

banal: die Plattheit, das leere, inhaltslose Gerede, die oberflächliche Aussage

kitschig: na ja, auf jeden Fall negativ besetzt



nur, das wir uns richtig verstehen ;)

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