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Eurobonds so gut wie beschlossen - Deutschland knickt ein ( Seite 44)
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schrieb am 19.12.11 17:40:59
Gedanken des Philosophen Peter Sloterdijk:
Die Regierungen verpfänden die Luft über ihrem Staatsgebiet, und
Banken atmen tief durch. Wenn man es sich recht überlegt, ist das
haarsträubend. Das wird möglicherweise europaweit eine
Desorientierung von historischen Größenordnungen auslösen,
möglicherweise vergleichbar mit dem moralisch-ökonomischen
Super-GAU der Jahre 1922/23, der Hyperinflationszeit.
Früher hat man unter Sparen verstanden, dass etwas beiseitegelegt
wird. Heute benutzen die Finanzminister das Wort, um sich selbst
dafür zu gratulieren, wenn sie weniger neue Schulden aufnehmen.
Tilgungsillusion ist ein schöner Name für ein vom Staat geschütztes
moralisches Konstrukt – vorausgesetzt, der Staat selber bleibt als
Schuldner glaubwürdig. Davon kann heute kaum noch die Rede
sein.
Die Illusion wird dadurch bedient, dass die Schulden immer wieder
umgewälzt werden. Alle Schuldenstaaten zahlen alle paar Monate ihre
Schulden mit neuen Schulden zurück.
Das ist eine Idee, die selbst Dante nicht hätte einfallen können.
Man müsste jetzt zu seiner Göttlichen Komödie einen vierten Teil
hinzuschreiben. Bekanntlich hat Dante das Purgatorium als
Reinigungsanlage für lässliche, sagen wir tilgbare Sünden
konzipiert. Die sind mit sieben „P“ auf der Stirn der Sünder
notiert – auch in der Reinigungshölle geht alles Wichtige nur
schriftlich. Nach jeder Etappe wird ein P (für peccatum) gelöscht,
bis der ehemalige Sünder mit einer reinen Stirn dasteht. Kein
Mensch des Mittelalters konnte ahnen, dass man Belastungen aus der
Vergangenheit umschulden könnte. Im Anbau zum Purgatorium würde
aber genau dies passieren. Der Nachteil ist, man käme nie mehr ganz
von der Vergangenheit los und von der Übernahme in die Sphäre der
himmlischen Freuden ist nicht mehr die Rede.
Die meisten Menschen bekommen ihr Maß durch ihre Einkünfte gezeigt.
Gut, man kann Einkünfte durch den Privatkredit auch hochstaplerisch
steigern, aber die Maßgabe liegt im Einkommen, und das ist bei den
allermeisten Menschen bescheiden genug, um dafür zu sorgen, dass
die Bäume nicht in den Himmel wachsen.
„Staatsschulden sind ein Indikator für ein Sozialismusdefizit“
Der Bürger, das Ich, hält Maß. Aber sein Staat, das „Wir“, kann es
nicht
Die Staatsschulden sind zu einem wesentlichen Teil ein Indikator
für ein strukturelles Sozialismusdefizit in der Gemeinschaftskasse.
Was man sich nicht in Form von Besteuerung holen kann, lässt man
sich durch leichtsinnige Gläubiger kreditieren. Das
Sozialismusdefizit drückt sich präzise aus im Ausmaß der
Staatsverschuldung. In der Zeit des blühenden Rheinischen
Kapitalismus war die Staatsverschuldungsquote niedrig, weil unter
konservativen Regierungen der Semi-Sozialismus besser funktioniert.
Die Soziale Marktwirtschaft von Ludwig Erhard umschreibt dieses
Konzept auf so sonore Weise, dass auch Konservative es sich
gefallen lassen. In Wahrheit leben wir längst in einem massenmedial
integrierten, fiskalisierten Semi-Sozialismus auf der Grundlage
einer zinsgetriebenen Ökonomie, die viele Leute Kapitalismus
nennen.
Man muss die Möglichkeit der Realwirtschaft, an Kredite zu
kommen, abkoppeln von der spekulativen Zwischenwelt der
Geschäftsbanken, der Fonds und ähnlicher Einrichtungen. Das heißt
also: Wenn schon der Staat sich als „lender of last resort“
nützlich machen will, dann soll er im Notfall Abkürzungen für die
echten Kreditsucher in der Wirtschaft anbieten, statt acht Zehntel
des klugen Geldes zu Niedrigstzinsen den Spekulanten nachzuwerfen.
Einen solchen Shortcut zwischen der Bank höchster Instanz und der
Realwirtschaft müsste man mal ausprobieren, dafür haben wir ja
schlaue Institutionendesigner, die von solchen Dingen etwas
verstehen. Das wäre eine einfache Maßnahme, um die zu mächtig
gewordene Finanzmarktbranche systemimmanent in ihre Grenzen zu
weisen.

schrieb am 21.12.11 19:59:31
Antwort auf Beitrag Nr.:
42.499.703 von 50667 am 19.12.11
17:40:59interessant, dass Du fast die gleichen Passagen
ausgewählt hast wie ich heute....
schrieb am 25.12.11 13:26:07
HWWI: Euro-Bonds nicht verteufeln
Straubhaar mahnte jedoch, man sollte "in Deutschland Euro-Bonds
nicht aus ideologischen Gründen verteufeln". Denn es werde "auch in
einer Fiskalunion eine gemeinsame Kasse geben, um schwächeren und
überschuldeten Ländern Notkredite finanzieren zu können". Ob die
gemeinsame Kasse "Rettungsfonds" oder "Euro-Bond" genannt werde,
sei "dabei dann nur eine nebensächliche und eher technische
Frage".
http://de.nachrichten.yahoo.com/wirtschaftsforschungsinstitu…
das ist auch meine Ansicht: die angestrebte Fiskalunion innerhalb
der nächsten 24 Monate (Zitat von Schäuble) ist defacto nicht
anderes als €urobonds.
schrieb am 27.12.11 09:58:42
Gerade hat die EZB beschlossen, den Banken unbegrenzt Liquidität
für nur 1% Zinsen über 3 Jahre bereitstellen zu wollen und für
Februar wird Nachschlag in Aussicht gestellt. Prompt wurden am
21.12. schon satte 489 Mrd. Euro abgerufen!!
Ein weiterer Schritt im sagenhaften Krisenmanagement der EU.
EU-Beamte sind nicht mehr als kleine Schneckchen, die sich an der
Haut der Raubfische festsaugen, die (rendite-)hungrig in den
Schwärmen der Mittelklassefische ungeniert räubern. Sollten sie
nicht satt werden, fressen die Finanz-Raubfische sich gegenseitig,
nach Darwinschem Prinzip gewinnt immer der Größere und
Stärkere.
In panischer Angst davor, dass noch einmal ein großer Raubfisch
(Lehman) gefressen werden sollte, kappt man vorübergehend den
Fischschwärmen die Nahrungsgrundlage und füttert die Raubfische
weiter an.
Um beim Beispiel zu bleiben:
Die EZB stellt ca. 500 Mrd €uro zu 1% für drei Jahre bereit, ohne
Bedingungen, in der HOFFNUNG, dass die Banken und Versicherungen
mit ihrer dann gestärkten Kapitalgrundlage Staatsanleihen von
strauchelnden Eurostaaten kaufen (wie krank ist das denn, würde so
manch ein Jugendlicher sagen). Das werden sie natürlich nicht tun,
da kaufen sie lieber andere Junk-Bonds mit niedrigerer
Ausfallwahrscheinlichkeit, z.B. 9% Zins bei 30%iger
Ausfallwahrscheinlichkeit, machen also 6% Gewinn und lachen über
die 1% Schuldzinsen, denn es bleiben 5% übrig. Sind zwar nicht die
25% von Ackermann, auch nicht die angestrebten 15% seines
Nachfolgers, aber man muss ja überleben!
Daher, wenns ums Überleben der "systemrelevanten" (was ist das
eigentlich genau?) Finanzbranche geht, und daran zweifelt (leider)
keiner mehr, dann war's der richtige Schritt.
Wenn's um die Lösung der Krise gehen sollte, dann war's ein
gigantischer Schritt in die falsche, weil entgegengesetzte
Richtung.
Denn, es ist so simpel wie einleuchtend, es gibt kein perpetuo
mobile, es gibt keinen free lunch, auch nicht in der Finanzpolitik,
alle Ausgaben müssen mittelfristig (nicht langfristig!)
erwirtschaftet werden (sic!, im wahrsten Sinne des Wortes),
Ausgaben können nicht gedruckt, gezaubert, erfunden werden.
Für Dienstleistungen und Produkte folgt die Rechnung auf dem Fuße.
Wer seine Glaubwürdigkeit (sprich Kreditwürdigkeit) dauerhaft
verliert, weil er immer mehr anschreiben lässt, als er zahlt,
bekommt ganz einfach eines Tages keine Dienstleistungen und
Produkte mehr.
Der revolutionäre Appell Jean Mesliers "Behaltet die Reichtümer
und Güter, die Ihr im Schweiße Eures Angesichts erarbeitet für
Euch. Gebt nichts davon an diese prächtigen und unnützen Faulenzer,
die unnütz auf der Erde wohnen, nichts an diese hochmütigen
Tyrannen, die Euch verachten..." hat an seiner Sprengkraft
nichts verloren.
Hierzu passt heute Morgen der Anstieg der 10-jährigen Italienbonds
auf deutlich über die kritischen 7%. (same procedure as already
known) (zurzeit 7,121 %, siehe pigbonds.info)
schrieb am 27.12.11 10:10:09
Zitat von 50667jetzt
ist ein weiterer Damm gebrochen: D schließt Eurobonds nicht mehr
aus, d.h.: die €urobonds sind beschlossene Sache!
Bis jetzt ist diese Prognose nicht eingetroffen.
schrieb am 27.12.11 10:24:53
treffend bemerkt!
aber welchen Zweck verfolgt Deiner Ansicht nach die stattdessen
verfolgte Fiskalunion innerhalb von 24 Monaten (Schäuble, Merkel),
wenn nicht €urobonds?
schrieb am 27.12.11 11:46:17
Die fiskalunion kann, wenn sie denn richtig im sinne des
lebensinteresses aller funktionieren soll,m.e.nur nach den
bewährten naturgesetzen nach dem recht des stärkeren erfolgen,denn
nur wenn der notwendige sanktionsmechanismus der starken und
letztendlich haftenden staaten zwangsweise sehr tief in die
finanzhoheit der schwachen einzelstaaten eingreift,können deren
marode haushalte im selbsterhaltungsinteresse der einzelnen starken
staaten so saniert werden,das ein gemeinsames weiter existieren zum
gegenseitigen nutzen so unterschiedlicher gemeinwesen überhaupt
erst möglich ist. (darwin läßt an dieser stelle herzlich
grüßen)
Brutal, aber offen ausgesprochen, bedeutet eine funktionierende
gemeinschaft als fiskalunion nichts anderes, als das sowohl die
finanzminister und die parlamente der maroden und nur noch von den
starken schmarotzenden mitgliedsländer ihre zuständigkeiten für
ihre nationalen haushalte verlieren.
Im klartext, der aber verklauseliert diplomatischer und vornehmer
ausgedrückt werden wird, kann es sich bei einer fiskalunion nur um
eine zwangsadministration der starken und die wirkliche und
alleinige haftung tragenden über die unverantwortlichen bisher
schmarotzenden schwachen nach dem kategorischen imperativ der
reinen vernunft handeln.
Weil die funktion der von mir skizierten natürlichen und
fiskalunion so niemals aufgrund der nationalen eitelkeiten und des
zu erwartenden widerstandes möglich sein wird, bleibt als
alternative das übliche gerechte wischiwaschi, bei dem sozial
gerecht alle staaten jeweils mit einer hand in der tasche des
anderen so weiter wursteln wie bisher, damit die privilegien und
damit einzelinteressen
der auf zeit gewählten tätigen politiker in form von lebenslangen
fetten pensionen und dienstwagen gesichert bleiben.
Das zu beobachtende scheitern einer fiskalunion liegt im wesen
unserer demokratischen strukturen und ist der preis für unsere
gefühlte freiheit.
schrieb am 27.12.11 22:28:52
hervorragende, wenn auch triviale Analyse, Nannsen.
Trivial deshalb, weil für Jeden, der sehenden Auges die
Entwicklungen beobachtet und der den Homo Sapiens
realistischerweise als egozentrischen Wettkämpfer (Darwin) und
nicht als kommunikatives soziales Wesen (Illusion der sog.
Gutmenschen, was für eine Wortschöpfung!) begreift, absehbar ist,
dass das Projekt zum Scheitern verurteilt ist.
Dazu passt, dass Deutschland in vorauseilendem Gehorsam
(Deutschland geht's einfach noch zu gut, um wettbewerbskämpfend ums
Überleben kämpfen zu müssen) Gelder zum ESM vorzeitig(!) zahlen
will.
CDU und CSU im Bundestag bremsen Finanzminister Wolfgang
Schäuble (CDU) bei der beschleunigten Aufstockung des
Euro-Rettungsschirms ESM. Die CSU-Landesgruppe will einen
Alleingang der Bundesregierung nicht akzeptieren. "Es kann nicht
sein, dass nur die Deutschen schneller einzahlen", sagte
CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt der FTD. "Wir sind zu
schnelleren Einzahlungen bereit, aber nur, wenn das für alle Länder
gleichermaßen gilt." Dazu müssten noch einige Verhandlungen auf
europäischer Ebene geführt werden.
Auch Norbert Barthle (CDU), haushaltspolitischer Sprecher der
Unionsfraktion, sagte: "Es darf keinen deutschen Alleingang geben."
Schäubles Vorschlag, die fünf jährlichen Tranchen schon früher zu
überweisen, sei eine Überlegung wert. "Aber dann müssten auch alle
anderen Euro-Länder das schaffen", sagte Barthle. Frankreich sei
dazu "vielleicht noch in der Lage. Aber bei Italien und Spanien
habe ich schon meine Zweifel."
http://www.ftd.de/politik/deutschland/:euro-rettungsschirm-u…
schrieb am 28.12.11 01:07:12
wenn auch triviale Analyse, Nannsen.
danke,nur so gezeichnet wie sich die realität für mich darstellt:
kurz,trivial,banal und kitschig.....
Es gibt noch die möglichkeit, es wie dein freund sloterdijk
darzustellen, nur, auch dann wirst leider in einem noch schlimmeren
ellenlangen schwulst von nonsens enden.
schrieb am 28.12.11 06:36:24
Moin, Nannsen,
trivial war ernst gemeint und zwar positiv besetzt, im Sinne von
offensichtlich für Jeden, der Augen hat zu sehen. Keinesfalls
abwertend, keinesfalls im Sinne Deiner als Synonyme oder Analogien
gesetzten Begriffe wie "banal" oder "kitschig"
wikipedia:
Als trivial (von lateinisch trivialis, „jedermann zugänglich“,
„altbekannt“; enthält die Begriffe tres, „drei“ und via, „der Weg“)
gilt ein Umstand, der als naheliegend, für jedermann ersichtlich
oder leicht zu erfassen angesehen wird.
banal:
die Plattheit, das leere, inhaltslose Gerede, die
oberflächliche Aussage
kitschig: na ja, auf jeden Fall negativ besetzt
nur, das wir uns richtig verstehen
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