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    Eurobonds so gut wie beschlossen - Deutschland knickt ein - Die letzten 30 Beiträge

    eröffnet am 14.08.11 23:58:39 von
    50667

    neuester Beitrag 29.12.11 19:24:23 von
    xylophon
    Beiträge: 444
    ID: 1.168.334
    Aufrufe heute: 0
    Gesamt: 59.343

    Der Tag im Überblick


    Beitrag schreiben Ansicht: Die letzten 30 Beiträge
    Avatar
    xylophon
    schrieb am 29.12.11 19:24:23
    Beitrag Nr. 444 (42.531.128)
    sehr schöne Zusammenfassung!
    Avatar
    kenkennard
    schrieb am 29.12.11 02:34:44
    Beitrag Nr. 443 (42.528.238)
    Ich denke nicht, dass es die hier diskutierten Eurobonds in der erwarteten Form geben wird.

    Einmal wird die angestrebte Fiskalunion - die ja wohl für die Bundesregierung Voraussetzung hierfür ist - wohl nicht kommen. Der sozialistische Kandidat für die Präsidentenwahlen in Frankreich hat ja bereits angekündigt, dass er die bisherigen Vorschläge nach seiner Wahl nicht akzeptieren und neu verhandeln wird. Für die Einführung einer Schuldenbremse in der französischen Verfassung benötigt Sarkozy ja wohl auch die Stimmen der Sozialisten, die dies aber bereits abgelehnt haben. Damit sind wichtige Grundsätze der Fiskalunion in Frankreich wohl nicht durchsetzbar. Eine Fiskalunion ohne Frankreich macht aber wohl keinen Sinn.

    Auch die übrigen "Geberstaaten" wie Finnland, Österreich, Niederlande etc. können sich wohl kaum für Eurobonds begeistern.

    Nicht zuletzt ist auch das Bundesverfassungsgericht, das in seinem letzten Urteil zu den Rettungsschirmen, Eurobonds doch wohl eine deutliche Absage erteilt hat, nicht zu vergessen. Es werden sich wohl einige Bundestagsabgeordnete finden, die ein solches Vorhaben vor diesem Gericht stoppen würden.

    Eigentlich bin ich kein absoluter Gegner von Eurobonds und auch der Fiskalunion. Die gegenwärtig in der Diskussion befindlichen Vorschläge lehne ich völlig ab.

    Eurobonds können nur am Ende eines langwierigen Prozesses von Reformen in den Schuldenstaaten stehen. Wenn diese Reformen aber durchgeführt sind, sind Eurobonds aber wiederum unnötig, weil so reformierte Staaten sicherlich auch wieder normal Investoren für ihre Anleihen finden können.

    Es ist also ähnlich wie mit dem Beitritt der Türkei zur EU. Dies kann nur in einem langwierigen Reformprozess von vielleicht weiteren fünfzig Jahren zur Diskussion stehen. Sollte die Türkei diesen Reformprozess wirklich durchlaufen, wäre sie am Ende ein solch moderner Staat, dass ein Beitrit für sie nur eine Belastung wäre. In dieser fernen Zukunft wird die Türkei sicherlich wie die Schweiz und auch Norwegen der EU im eigenen Interesse nicht beitreten.
    Avatar
    50667
    schrieb am 28.12.11 22:33:08
    Beitrag Nr. 442 (42.527.908)
    treffend bemerkt ;)
    Avatar
    Ermanarich
    schrieb am 28.12.11 16:33:57
    Beitrag Nr. 441 (42.526.536)
    Zitat von 50667treffend bemerkt!

    aber welchen Zweck verfolgt Deiner Ansicht nach die stattdessen verfolgte Fiskalunion innerhalb von 24 Monaten (Schäuble, Merkel), wenn nicht €urobonds?
    Das ist irrelevant. Deine Prognose vom August ist in die Hose gegangen, nur das zählt.
    Avatar
    50667
    schrieb am 28.12.11 06:36:24
    Beitrag Nr. 440 (42.524.665)
    Moin, Nannsen,

    trivial war ernst gemeint und zwar positiv besetzt, im Sinne von offensichtlich für Jeden, der Augen hat zu sehen. Keinesfalls abwertend, keinesfalls im Sinne Deiner als Synonyme oder Analogien gesetzten Begriffe wie "banal" oder "kitschig" ;)


    wikipedia:

    Als trivial (von lateinisch trivialis, „jedermann zugänglich“, „altbekannt“; enthält die Begriffe tres, „drei“ und via, „der Weg“) gilt ein Umstand, der als naheliegend, für jedermann ersichtlich oder leicht zu erfassen angesehen wird.

    banal: die Plattheit, das leere, inhaltslose Gerede, die oberflächliche Aussage

    kitschig: na ja, auf jeden Fall negativ besetzt



    nur, das wir uns richtig verstehen ;)
    Avatar
    Nannsen
    schrieb am 28.12.11 01:07:12
    Beitrag Nr. 439 (42.524.591)
    wenn auch triviale Analyse, Nannsen.


    danke,nur so gezeichnet wie sich die realität für mich darstellt: kurz,trivial,banal und kitschig.....

    Es gibt noch die möglichkeit, es wie dein freund sloterdijk darzustellen, nur, auch dann wirst leider in einem noch schlimmeren ellenlangen schwulst von nonsens enden.
    Avatar
    50667
    schrieb am 27.12.11 22:28:52
    Beitrag Nr. 438 (42.524.441)
    hervorragende, wenn auch triviale Analyse, Nannsen.

    Trivial deshalb, weil für Jeden, der sehenden Auges die Entwicklungen beobachtet und der den Homo Sapiens realistischerweise als egozentrischen Wettkämpfer (Darwin) und nicht als kommunikatives soziales Wesen (Illusion der sog. Gutmenschen, was für eine Wortschöpfung!) begreift, absehbar ist, dass das Projekt zum Scheitern verurteilt ist.

    Dazu passt, dass Deutschland in vorauseilendem Gehorsam (Deutschland geht's einfach noch zu gut, um wettbewerbskämpfend ums Überleben kämpfen zu müssen) Gelder zum ESM vorzeitig(!) zahlen will.

    CDU und CSU im Bundestag bremsen Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) bei der beschleunigten Aufstockung des Euro-Rettungsschirms ESM. Die CSU-Landesgruppe will einen Alleingang der Bundesregierung nicht akzeptieren. "Es kann nicht sein, dass nur die Deutschen schneller einzahlen", sagte CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt der FTD. "Wir sind zu schnelleren Einzahlungen bereit, aber nur, wenn das für alle Länder gleichermaßen gilt." Dazu müssten noch einige Verhandlungen auf europäischer Ebene geführt werden.
    Auch Norbert Barthle (CDU), haushaltspolitischer Sprecher der Unionsfraktion, sagte: "Es darf keinen deutschen Alleingang geben." Schäubles Vorschlag, die fünf jährlichen Tranchen schon früher zu überweisen, sei eine Überlegung wert. "Aber dann müssten auch alle anderen Euro-Länder das schaffen", sagte Barthle. Frankreich sei dazu "vielleicht noch in der Lage. Aber bei Italien und Spanien habe ich schon meine Zweifel."


    http://www.ftd.de/politik/deutschland/:euro-rettungsschirm-u…
    Avatar
    Nannsen
    schrieb am 27.12.11 11:46:17
    Beitrag Nr. 437 (42.522.816)
    Die fiskalunion kann, wenn sie denn richtig im sinne des lebensinteresses aller funktionieren soll,m.e.nur nach den bewährten naturgesetzen nach dem recht des stärkeren erfolgen,denn nur wenn der notwendige sanktionsmechanismus der starken und letztendlich haftenden staaten zwangsweise sehr tief in die finanzhoheit der schwachen einzelstaaten eingreift,können deren marode haushalte im selbsterhaltungsinteresse der einzelnen starken staaten so saniert werden,das ein gemeinsames weiter existieren zum gegenseitigen nutzen so unterschiedlicher gemeinwesen überhaupt erst möglich ist. (darwin läßt an dieser stelle herzlich grüßen)

    Brutal, aber offen ausgesprochen, bedeutet eine funktionierende gemeinschaft als fiskalunion nichts anderes, als das sowohl die finanzminister und die parlamente der maroden und nur noch von den starken schmarotzenden mitgliedsländer ihre zuständigkeiten für ihre nationalen haushalte verlieren.
    Im klartext, der aber verklauseliert diplomatischer und vornehmer ausgedrückt werden wird, kann es sich bei einer fiskalunion nur um eine zwangsadministration der starken und die wirkliche und alleinige haftung tragenden über die unverantwortlichen bisher schmarotzenden schwachen nach dem kategorischen imperativ der reinen vernunft handeln.

    Weil die funktion der von mir skizierten natürlichen und fiskalunion so niemals aufgrund der nationalen eitelkeiten und des zu erwartenden widerstandes möglich sein wird, bleibt als alternative das übliche gerechte wischiwaschi, bei dem sozial gerecht alle staaten jeweils mit einer hand in der tasche des anderen so weiter wursteln wie bisher, damit die privilegien und damit einzelinteressen
    der auf zeit gewählten tätigen politiker in form von lebenslangen fetten pensionen und dienstwagen gesichert bleiben.

    Das zu beobachtende scheitern einer fiskalunion liegt im wesen unserer demokratischen strukturen und ist der preis für unsere gefühlte freiheit.
    Avatar
    50667
    schrieb am 27.12.11 10:24:53
    Beitrag Nr. 436 (42.522.614)
    treffend bemerkt!

    aber welchen Zweck verfolgt Deiner Ansicht nach die stattdessen verfolgte Fiskalunion innerhalb von 24 Monaten (Schäuble, Merkel), wenn nicht €urobonds?
    Avatar
    Ermanarich
    schrieb am 27.12.11 10:10:09
    Beitrag Nr. 435 (42.522.575)
    Zitat von 50667jetzt ist ein weiterer Damm gebrochen: D schließt Eurobonds nicht mehr aus, d.h.: die €urobonds sind beschlossene Sache!
    Bis jetzt ist diese Prognose nicht eingetroffen.
    Avatar
    50667
    schrieb am 27.12.11 09:58:42
    Beitrag Nr. 434 (42.522.543)
    Gerade hat die EZB beschlossen, den Banken unbegrenzt Liquidität für nur 1% Zinsen über 3 Jahre bereitstellen zu wollen und für Februar wird Nachschlag in Aussicht gestellt. Prompt wurden am 21.12. schon satte 489 Mrd. Euro abgerufen!!

    Ein weiterer Schritt im sagenhaften Krisenmanagement der EU.

    EU-Beamte sind nicht mehr als kleine Schneckchen, die sich an der Haut der Raubfische festsaugen, die (rendite-)hungrig in den Schwärmen der Mittelklassefische ungeniert räubern. Sollten sie nicht satt werden, fressen die Finanz-Raubfische sich gegenseitig, nach Darwinschem Prinzip gewinnt immer der Größere und Stärkere.

    In panischer Angst davor, dass noch einmal ein großer Raubfisch (Lehman) gefressen werden sollte, kappt man vorübergehend den Fischschwärmen die Nahrungsgrundlage und füttert die Raubfische weiter an.

    Um beim Beispiel zu bleiben:

    Die EZB stellt ca. 500 Mrd €uro zu 1% für drei Jahre bereit, ohne Bedingungen, in der HOFFNUNG, dass die Banken und Versicherungen mit ihrer dann gestärkten Kapitalgrundlage Staatsanleihen von strauchelnden Eurostaaten kaufen (wie krank ist das denn, würde so manch ein Jugendlicher sagen). Das werden sie natürlich nicht tun, da kaufen sie lieber andere Junk-Bonds mit niedrigerer Ausfallwahrscheinlichkeit, z.B. 9% Zins bei 30%iger Ausfallwahrscheinlichkeit, machen also 6% Gewinn und lachen über die 1% Schuldzinsen, denn es bleiben 5% übrig. Sind zwar nicht die 25% von Ackermann, auch nicht die angestrebten 15% seines Nachfolgers, aber man muss ja überleben!

    Daher, wenns ums Überleben der "systemrelevanten" (was ist das eigentlich genau?) Finanzbranche geht, und daran zweifelt (leider) keiner mehr, dann war's der richtige Schritt.

    Wenn's um die Lösung der Krise gehen sollte, dann war's ein gigantischer Schritt in die falsche, weil entgegengesetzte Richtung.

    Denn, es ist so simpel wie einleuchtend, es gibt kein perpetuo mobile, es gibt keinen free lunch, auch nicht in der Finanzpolitik, alle Ausgaben müssen mittelfristig (nicht langfristig!) erwirtschaftet werden (sic!, im wahrsten Sinne des Wortes), Ausgaben können nicht gedruckt, gezaubert, erfunden werden.

    Für Dienstleistungen und Produkte folgt die Rechnung auf dem Fuße. Wer seine Glaubwürdigkeit (sprich Kreditwürdigkeit) dauerhaft verliert, weil er immer mehr anschreiben lässt, als er zahlt, bekommt ganz einfach eines Tages keine Dienstleistungen und Produkte mehr.

    Der revolutionäre Appell Jean Mesliers "Behaltet die Reichtümer und Güter, die Ihr im Schweiße Eures Angesichts erarbeitet für Euch. Gebt nichts davon an diese prächtigen und unnützen Faulenzer, die unnütz auf der Erde wohnen, nichts an diese hochmütigen Tyrannen, die Euch verachten..." hat an seiner Sprengkraft nichts verloren.

    Hierzu passt heute Morgen der Anstieg der 10-jährigen Italienbonds auf deutlich über die kritischen 7%. (same procedure as already known) (zurzeit 7,121 %, siehe pigbonds.info)
    Avatar
    50667
    schrieb am 25.12.11 13:26:07
    Beitrag Nr. 433 (42.521.111)
    HWWI: Euro-Bonds nicht verteufeln

    Straubhaar mahnte jedoch, man sollte "in Deutschland Euro-Bonds nicht aus ideologischen Gründen verteufeln". Denn es werde "auch in einer Fiskalunion eine gemeinsame Kasse geben, um schwächeren und überschuldeten Ländern Notkredite finanzieren zu können". Ob die gemeinsame Kasse "Rettungsfonds" oder "Euro-Bond" genannt werde, sei "dabei dann nur eine nebensächliche und eher technische Frage".


    http://de.nachrichten.yahoo.com/wirtschaftsforschungsinstitu…

    das ist auch meine Ansicht: die angestrebte Fiskalunion innerhalb der nächsten 24 Monate (Zitat von Schäuble) ist defacto nicht anderes als €urobonds.
    Avatar
    xylophon
    schrieb am 21.12.11 19:59:31
    Beitrag Nr. 432 (42.510.839)
    Antwort auf Beitrag Nr.: 42.499.703 von 50667 am 19.12.11 17:40:59interessant, dass Du fast die gleichen Passagen ausgewählt hast wie ich heute....
    Avatar
    50667
    schrieb am 19.12.11 17:40:59
    Beitrag Nr. 431 (42.499.703)
    Gedanken des Philosophen Peter Sloterdijk:

    Die Regierungen verpfänden die Luft über ihrem Staatsgebiet, und Banken atmen tief durch. Wenn man es sich recht überlegt, ist das haarsträubend. Das wird möglicherweise europaweit eine Desorientierung von historischen Größenordnungen auslösen, möglicherweise vergleichbar mit dem moralisch-ökonomischen Super-GAU der Jahre 1922/23, der Hyperinflationszeit.



    Früher hat man unter Sparen verstanden, dass etwas beiseitegelegt wird. Heute benutzen die Finanzminister das Wort, um sich selbst dafür zu gratulieren, wenn sie weniger neue Schulden aufnehmen.



    Tilgungsillusion ist ein schöner Name für ein vom Staat geschütztes moralisches Konstrukt – vorausgesetzt, der Staat selber bleibt als Schuldner glaubwürdig. Davon kann heute kaum noch die Rede sein.



    Die Illusion wird dadurch bedient, dass die Schulden immer wieder umgewälzt werden. Alle Schuldenstaaten zahlen alle paar Monate ihre Schulden mit neuen Schulden zurück.

    Das ist eine Idee, die selbst Dante nicht hätte einfallen können. Man müsste jetzt zu seiner Göttlichen Komödie einen vierten Teil hinzuschreiben. Bekanntlich hat Dante das Purgatorium als Reinigungsanlage für lässliche, sagen wir tilgbare Sünden konzipiert. Die sind mit sieben „P“ auf der Stirn der Sünder notiert – auch in der Reinigungshölle geht alles Wichtige nur schriftlich. Nach jeder Etappe wird ein P (für peccatum) gelöscht, bis der ehemalige Sünder mit einer reinen Stirn dasteht. Kein Mensch des Mittelalters konnte ahnen, dass man Belastungen aus der Vergangenheit umschulden könnte. Im Anbau zum Purgatorium würde aber genau dies passieren. Der Nachteil ist, man käme nie mehr ganz von der Vergangenheit los und von der Übernahme in die Sphäre der himmlischen Freuden ist nicht mehr die Rede.

    Die meisten Menschen bekommen ihr Maß durch ihre Einkünfte gezeigt. Gut, man kann Einkünfte durch den Privatkredit auch hochstaplerisch steigern, aber die Maßgabe liegt im Einkommen, und das ist bei den allermeisten Menschen bescheiden genug, um dafür zu sorgen, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen.
    „Staatsschulden sind ein Indikator für ein Sozialismusdefizit“

    Der Bürger, das Ich, hält Maß. Aber sein Staat, das „Wir“, kann es nicht

    Die Staatsschulden sind zu einem wesentlichen Teil ein Indikator für ein strukturelles Sozialismusdefizit in der Gemeinschaftskasse. Was man sich nicht in Form von Besteuerung holen kann, lässt man sich durch leichtsinnige Gläubiger kreditieren. Das Sozialismusdefizit drückt sich präzise aus im Ausmaß der Staatsverschuldung. In der Zeit des blühenden Rheinischen Kapitalismus war die Staatsverschuldungsquote niedrig, weil unter konservativen Regierungen der Semi-Sozialismus besser funktioniert. Die Soziale Marktwirtschaft von Ludwig Erhard umschreibt dieses Konzept auf so sonore Weise, dass auch Konservative es sich gefallen lassen. In Wahrheit leben wir längst in einem massenmedial integrierten, fiskalisierten Semi-Sozialismus auf der Grundlage einer zinsgetriebenen Ökonomie, die viele Leute Kapitalismus nennen.

    Man muss die Möglichkeit der Realwirtschaft, an Kredite zu kommen, abkoppeln von der spekulativen Zwischenwelt der Geschäftsbanken, der Fonds und ähnlicher Einrichtungen. Das heißt also: Wenn schon der Staat sich als „lender of last resort“ nützlich machen will, dann soll er im Notfall Abkürzungen für die echten Kreditsucher in der Wirtschaft anbieten, statt acht Zehntel des klugen Geldes zu Niedrigstzinsen den Spekulanten nachzuwerfen. Einen solchen Shortcut zwischen der Bank höchster Instanz und der Realwirtschaft müsste man mal ausprobieren, dafür haben wir ja schlaue Institutionendesigner, die von solchen Dingen etwas verstehen. Das wäre eine einfache Maßnahme, um die zu mächtig gewordene Finanzmarktbranche systemimmanent in ihre Grenzen zu weisen.
    Avatar
    50667
    schrieb am 01.12.11 01:37:14
    Beitrag Nr. 430 (42.422.927)
    Auch mich hat die heutige konzertierte Aktion von Notenbanken der ganzen Welt überrascht.

    Warum?

    Erstens: sie war nicht vorherzusehen. Punkt. Aus. Aha.

    Zweitens: sie dokumentiert gemeinschaftliches Handeln hinter den Kulissen; an den Nähten zur Weltpresse vorbei. Das ist extrem beunruhigend.

    Drittens: was uns präsentiert wird als Krisenmanagement von D, FR, EZB, EFSF etc. und der zugehörigen Holprigkeiten, sind doch nur Kindergartenspiele gegenüber den Vorgängen, die anscheinend hinter den bereits genannten Kulissen abgehen und uns vollkommen unvorbereitet präsentiert werden.

    Viertens: es bleibt nur Ohnmacht. Schwindel. Demut. Bescheidenheit.

    Ganz klar: man muss als Deutscher über jeden Monat froh sein, den man sich weiter oder noch wie im ruhigen Auge des Orkan bewegen darf, denn am eigentlichen Krisenmanagement nehmen weder die Völker Europas teil noch deren vermeintlich demokratisch gewählte Vertreter.

    Das Ganze hat zweifellos kosmopolitische Züge angenommen. Die letzten Zweifel sind bei mir spätestens seit Schäubles Rede vor dem EBC ausgeräumt.

    Ich schlupfe jetzt unter meine Decke und mache Winterschlaf.
    Avatar
    50667
    schrieb am 28.11.11 18:45:56
    Beitrag Nr. 429 (42.410.147)
    die wirtschaftswoche zum neuen Thema EliteBonds:

    Das letzte Gefecht der Euro-Ritter

    Offiziell will von dem Szenario niemand etwas wissen. „Es gibt keine Planungen für Triple-A-Bonds oder Elite-Bonds“, erklärte ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums am Montag in Berlin. Das Instrument sei auch nicht für Notfälle geplant, hieß es in Regierungskreisen. Vielmehr werde an einer „Stabilitätsunion“ und den entsprechenden Vertragsänderungen dafür gearbeitet. „Das ist der Weg, um das Vertrauen der Märkte zu gewinnen“.

    Doch wer die Eskalation der Euro-Krise in den vergangenen Monaten verfolgt hat, weiß, dass die Haltbarkeit solcher Dementis oft kurz ist.

    Denn den Euro-Ländern bleibt wahrscheinlich keine Zeit mehr für einen großen Wurf. Laut Medienberichten werkeln EU-Diplomaten bereits am Notfallplan. Demnach will die Eurozone eine Art Brandmauer errichten, einen Schutzwall, hinter den sich die letzten soliden Staaten der Gemeinschaftswährung flüchten können, wenn die Märkte die Oberhand gewinnen. Es wäre Merkels geheimer Plan zur Euro-Rettung, falls alle anderen Schutzmassnahmen versagen.

    Die EU wechselt in den Belagerungsmodus

    Für die Planspiele spricht, dass sich die Eurozone schon seit Monaten in einem akuten Belagerungszustand befindet - ein Rückzug in die rettende Burg wäre also nur folgerichtig. Das Zeitfenster für die Rettung der Euro-Zone wird täglich kleiner, weil auch die Kernstaaten der Gemeinschaftswährung längst ins Visier der Märkte geraten sind - nicht nur Italien, sondern vor allem Frankreich. Gemeinsame Anleihen der sechs verbliebenen AAA-Länder wären wohl vor allem eine verborgene Maßnahme, um die Grande Nation vor dem Abgrund zu retten.

    Denn sollten die Franzosen ihr Top-Rating verlieren, wäre die Politik der Euro-Rettung faktisch gescheitert


    Dass Frankreich ausfällt, ist relativ wahrscheinlich. Die Ratingagenturen haben Frankreich bereits angezählt

    chließlich wäre es nicht das erste Mal, dass die EU in Kerne mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten zerfällt: Von 27 EU-Mitgliedern sind nur 17 Euro-Mitglieder. Auch bei der gemeinsamen Grenzpolitik im Rahmen des Schengen-Abkommens machen Zypern, Rumänien und Bulgarien bislang gar nicht und Großbritannien nur unvollständig mit. Laut EU-Vertrag ist eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen EU-Mitgliedern in bestimmten Bereichen sogar ausdrücklich möglich

    Die entscheidendere Frage für den Euro ist also nicht, ob es Elite-Bonds wirklich geben dürfte, sondern wer mit Deutschland in die Burg flüchten darf - und wem das Tor vor der Nase zugeknallt wird.

    http://www.wiwo.de/politik/ausland/schuldenkrise-das-letzte-…


    ES GEHT UM FRANKREICH!

    Aber es kann auch so sein, wie Dorfrichter vermutet: Deutschland ist kein souveräner Staat (wie unsouverän :laugh: ), Italien ist tot, Großbritannien ist angelsächsisch (sic!), es gilt jetzt nur noch Frankreich zu schwächen, will man den €uro in etwas Größeres "Ganzes" eingehen lassen ...


    Meine Synthese: der €uro in der jetzigen Form ist unrettbar verloren (bewusst zerstört worden?), es bleit die Perspektive: entweder ein Kern-€uro oder eine neue "größere" "Gemeinschaftswährung", in der der US-Dollar seine Weltleitfunktion nicht verliertén muss und weiter dominieren darf.
    Avatar
    Doppelvize
    schrieb am 28.11.11 13:59:32
    Beitrag Nr. 428 (42.408.201)
    Zitat von AHEOFrankreich lebt auf unsere Kosten.


    Wenn es denn nur Frankreich wäre...:cry:
    Avatar
    AHEO
    schrieb am 28.11.11 13:52:28
    Beitrag Nr. 427 (42.408.160)
    Frankreich lebt auf unsere Kosten.
    Avatar
    raceglider
    schrieb am 28.11.11 12:34:49
    Beitrag Nr. 426 (42.407.751)
    Antwort auf Beitrag Nr.: 42.406.439 von 50667 am 28.11.11 08:31:52"wäre nicht Frankreich mit im Boot"

    Genau.

    Letztendlich sollen wir für die Schulden der Ecole-National-Patrone
    haften und noch dazu den sich dann immer noch ergebenden höheren Zinsaufwand tragen.

    EU? Nein, Danke.
    Avatar
    50667
    schrieb am 28.11.11 09:00:11
    Beitrag Nr. 425 (42.406.579)
    entschuldigung, es fehlt noch die Quelle.

    ich gebe hier mal das Handelsblatt an:

    http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/deutschland-…



    Die Bundesregierung erwägt einem Zeitungsbericht zufolge gemeinsame Anleihen mit fünf besonders kreditwürdigen Euro-Ländern. Dabei handele es sich um Frankreich, Finnland, die Niederlande, Luxemburg und Österreich, die wie Deutschland über die höchste Kreditwürdigkeit verfügen, berichtete die Zeitung „Die Welt“ (Montagsausgabe) vorab unter Berufung auf ranghohe EU-Diplomaten, die mit den Verhandlungen zur Lösung der Währungskrise vertraut sind.

    (...)

    Beim Kauf der neuen Bonds solle die Finanzagentur des Bundes mit Sitz in Frankfurt eine zentrale Rolle spielen. Der Zinssatz der neuen Anleihen solle zwischen zwei und 2,5 Prozent liegen.
    Avatar
    50667
    schrieb am 28.11.11 08:31:52
    Beitrag Nr. 424 (42.406.439)
    was heute morgen durch die Ticker geht ("EliteBonds"), ist ein interessanter Gedanke:

    Man "tut sich zusammen", hält in der Krise zusammen, um den €uro wenigstens in den Kernländern zu halten und zu etablieren, indem man einen neuen großen Bond-Markt (vermeintlich) stabiler €urobonds der Kern-Eurozone schafft, um die Investoren, die zurzeit fluchtartig der €urozone den Rücken kehren, wieder zurückzugewinnen.

    Ich halte nach ersten Überlegungen diese Idee nicht für sooo abwegig, wäre nicht Frankreich mit im Boot.

    Zunächst will man damit den überschuldeten Staaten helfen. Ob das gelingt, bleibt abzuwarten. Ich denke natürlich: eher nicht. Und das ist auch nicht richtig.

    Der Prozess wird wohl dann mittelfristig eher in Richtung Kern-€urozone gehen, da den überschuldeten Staaten nicht dauerhaft mit Geldtransfers "geholfen" werden kann. Man verlängert nur den Sterbeprozess (Insolvenzverschleppung).

    Fakt ist für mich, dass dies ein erster deutlicher Schritt mit Signalwirkung ist, ein Schritt in Richtung Reduzierung der €urozone auf einen Kern-€uro. Dieser Schritt ist für mich nachvollziehbar (wie gesagt, wenn Frankreich nicht wäre).
    Avatar
    ralfho
    schrieb am 26.11.11 11:51:11
    Beitrag Nr. 423 (42.402.877)
    Der Euro hat die EU um 50 Jahre zurückgeworfen, hat alles kaputt gemacht was vorher über Jahrzehnte aufgebaut wurde, die Einführung von Eoro Bonds wurde alles nur um 10 Jahre verzögern und die Probleme würden sich wiederholen !
    Avatar
    bushy
    schrieb am 25.11.11 18:33:05
    Beitrag Nr. 422 (42.401.058)
    Alles wird gut, schließlich haben wir jetzt mit den neuen Führungspersönlichkeiten in Griechenland (Papademos), Italien (Draghi) und unseren Freund bei der EZB (Monti) gestandene Fachleute aus dem Dunstkreis von Morgan Stanley,Goldman Sachs und Co, welche sich ihr Know How jetzt prima zu Nutze machen können, um Europa den finalen Stoß im Sinne der verarmten Großmacht auf der anderen Seite des Atlantik zu geben. Es gibt immer noch Leute, welche glauben, das ein politischer bzw finanzieller/wirtschaftlicher Supergau in der Welt ein paar Gewinner haben würde. Da kann man nur sagen, das unser Marsprogramm noch nicht so weit gediegen ist, diese kranke Erde ohne Schaden zu verlassen.

    Wer jedenfalls sein Leben lang hart gearbeitet hat und nun wie damals unsere Großeltern einen Tribut zur Rettung der Politik/Finanzelite
    zu zahlen verpflichtet werden soll, der wird sich letztendlich die Frage stellen;

    Lohnt sich arbeiten noch, wenn stehlen so viel leichter ist:cool:

    schönes WE

    bushy
    Avatar
    Teufelsturm
    schrieb am 25.11.11 17:29:22
    Beitrag Nr. 421 (42.400.730)
    Es ist ein großes Schachspiel. Und im Hintergrund bauen die "Angelsachsen" wohl ihren Erfüllungsgehilfen für seinen zweiten Versuch auf. Oder irre ich mich da ? Es dürfen Vorschläge abgegeben werden, wer gemeint ist. Kleine Hilfestellung: Gysi und der Neue von Sarah Wagenknecht sind es nicht.
    Avatar
    schamiddi
    schrieb am 24.11.11 15:52:37
    Beitrag Nr. 420 (42.394.859)
    Antwort auf Beitrag Nr.: 42.393.877 von 50667 am 24.11.11 12:56:14Völlig richtig.
    Die Transferunion haben wir ja bereits.
    Und genau die ist nicht dazu geeignet, bei den Zahlernationen Begeisterung zu erwecken.
    Bei einem Dauerzustand können sehr rasch wieder nationalistische Gedanken hochkommen.
    Und wohl auch nicht ganz zu Unrecht..
    Avatar
    50667
    schrieb am 24.11.11 12:56:14
    Beitrag Nr. 419 (42.393.877)
    Die Vision eines friedlichen Europas ist realistisch! Aber nur als pluralistisches Europa souveräner Staaten mit gemeinsamem kulturellen Hintergrund, aber differenzierten nationalen Mentalitäten, verschiedenen wirtschaftlichen Geschwindigkeiten, verschieden stabilen Währungen und trotzdem gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen und Harmonisierungen.

    Wann geht es endlich in die Köpfe der Politiker, dass die Völker Europas keine zentralistische Europadiktatur haben wollen, sondern eine europäische Wirtschaftsunion der national souveränen Pluralitäten und gleichzeitig weitestmöglichen Harmonisierungen und Erleichterungen!

    Trennt das Gute Europas von dem Schadhaften, verwirklicht eine hilfreiche Europäische Union und schafft die Transfer- Schulden- und Zentralitäts-Union ab!

    Genau das fordern mindestens 4/5 der Europäer. Fragt die Leute auf der Strasse! In Griechenland, Spanien, Frankreich, Italien genauso wie in den Niederlanden, Österreich oder Deutschland.

    Eurobonds führen direkt in die Sackgasse und sämtliche positiven Entwicklungen eines gemeinsamen Europas werden aus lediglich monetären Gründen um Jahrzehnte zurückgeworfen, weil der positive Europäische Gedanke ins unerträglich Negative pervertiert wird. Europa ist eine Gemeinschaft von Gleichgesinnten, es darf nicht zu einer Schicksalsgemeinschaft werden!
    Avatar
    Dorfrichter
    schrieb am 24.11.11 11:40:10
    Beitrag Nr. 418 (42.393.489)
    Zusammenfassend:

    Es liegt im elementaren Interesse von GB/USA daß Deutschland herausgelöst wird aus Europa und Frankreich isoliert dasteht, daß es seine Souveränität verliert. Da kommt es dann schon mal vor, daß auch Fistelstimmen sich erheben und von einem Weltbild schwadronieren, das die Menschen ansprechen soll.

    ______________________________________________________________________________________

    http://www.youtube.com/watch?v=h0ViKBQDYu0
    ______________________________________________________________________________________

    Der fromme Wunsch vom Frieden und heile heile Welt findet rührenden Niederschlag. Lügende Minister gehen klappern, daß es einem schlecht werden könnte. Eine Metapher wird aufgebaut, ja eine potemkische Kulisse über die Bühne geschoben, die die Kleinkinder schon bewegen.
    Avatar
    50667
    schrieb am 24.11.11 11:32:42
    Beitrag Nr. 417 (42.393.440)
    ZDF-Sendung: Angst ums Geld

    Und jetzt mit den Eurobonds geht's noch beschleunigter in den Orkus


    http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/live/1321472/ZDFzoom-…
    Avatar
    curacanne
    schrieb am 24.11.11 10:38:29
    Beitrag Nr. 416 (42.393.074)
    Antwort auf Beitrag Nr.: 42.387.671 von schamiddi am 23.11.11 10:56:48Auf die Straße gehen und demonstrieren

    auch das brächte nix, und das volk weiß das
    wir dürfen zwar demonstrieren nach dem GG, aber den politikern geht das am a... vorbei, nur wenn zu viele leute eine partei wählten, die etwas ändern würde, kriegen sie angst, daher versuchen sie im vorfeld, parteien zu verbieten indem sie ihnen etwas unterschieben

    iü die debatten im bundestg sind doch nur show, entschieden ist doch längst alles nd wer sich nicht fügt in der partei bekommt ärger
    Avatar
    Instant_Wealth
    schrieb am 24.11.11 10:02:07
    Beitrag Nr. 415 (42.392.847)
    Heute passt die Thread-Überschrift richtig gut.
    Auf bestem Weg in die Transfer-Union.
    Ich glaube, ich werde besser bald Portugiese.

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,799618,00.h…




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