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schrieb am 08.02.12 02:44:44
Hiermit eröffne ich den Was-Wäre-Wenn-Thread zum Thema
Griechenland. Seit Tagen geht das Gezerre um den Schuldenschnitt
und die Erfüllung der Auflagen usw. usf.
Fakt ist: wenn Griechenland bis März kein Geld von der EU bekommt,
ist die Pleite da.
Ob die Pleite kommt oder nicht soll nicht das Thema sein, sondern:
Wie werden die Börsen reagieren, wenn der Fall X eintritt?
Ich habe langsam das Gefühl, dass man an den Börsen resistent gegen
die Griechen-Pleite geworden ist. Was meint ihr? Wird es überhaupt
eine Reaktion geben? Und was passiert in den einzelnen
Assetklassen?
Ist es vielleicht sinnvoll bis März zu 100% in Cash zu gehen und
Aktien und Anleihen zu verkaufen? Der Markt ist ja in diesem Jahr
schon sehr gut gelaufen.
Wie reagiert der Bund-Future?
Wie reagiert der Euro?
Wie reagieren die Edelmetalle?
Könnte man über Puts profitieren?
Was für Auswirkungen hat die Insolvenz Griechenlands für ein
globales Unternehmen wie STARBUCKS oder VW oder FRESENIUS?
Der Finanz- und Versicherungssektor wird wohl eher abschmieren. Mit
ihm alle finanzabhängigen Unternehmen? Sind Unternehmen mit hoher
Eigenkapitalquote Trumpf? Sind Unternehmen ohne Schulden
sicher?
Wie geht es mit Europa und dem Euro weiter? Wird Portugal das
nächste Zockeropfer?
Was passiert in Griechenland? Was passiert mit den Gläubigern? Wird
das Eigentum des Staates zur Insolvenzmasse? Kann Griechenland auch
mit dem Euro in die Insolvenz gehen oder ist das unweigerlich mit
dem Euro-Austritt verbunden?
So weit ein kleines Pottburi an Fragen und Anregungen für die
Diskussion. Da das Thema mindestens bis März heiß und fundamental
bedeutsam sein wird, haben wir sicherlich jede Menge Newsflow.
Bitte im Topic bleiben! Hier geht es nicht darum, ob Griechenland
gerettet wird oder nicht, sondern nur was die Folgen einer
endgültigen Zahlungsunfähigkeit hat und wie man sich als Anleger
auf den Fall vorbereiten kann.
schrieb am 08.02.12 02:57:36
sie springen noch oben!
Nichts lähmt die Börse mehr als Unsicherheit.
schrieb am 08.02.12 03:04:47
Antwort auf Beitrag Nr.:
42.716.178 von Karla_Marx am 08.02.12
02:44:44einen Potpourri wird es zweifelsfrei geben, aber
ich glaube, dass Griechenland viel viel viel zu klein ist, als
selbst die Weltbörsen zu beeinflussen zu können.
Der "Umgang" Europas mit Griechenland ist viel entscheidender.
Und da habe ich eine dezidierte Ansicht: Sollte Griechenland der
Austritt aus der €urozone "gestattet" werden, ist das ein
POSITIVES(!) Signal für die Börsen.
schrieb am 08.02.12 03:41:24
Aber ist die Insolvenz unbedingt an einen Austritt aus der €urozone
gekoppelt? Theoretisch könnte Griechenland ja insolvent sein und
trotzdem im €uro bleiben...
schrieb am 08.02.12 03:43:47
Zitat von 50667sie
springen noch oben!
Nichts lähmt die Börse mehr als Unsicherheit.
Mittlerweile sind sie ganz und gar nicht gelähmt, im Gegenteil, es
geht zügig aufwärts an den Aktienmärkten. So weit, dass viele von
einer überkauften Situation sprechen. Aber nur weil sie es verpasst
haben, dabei zu sein...
schrieb am 08.02.12 04:09:34
das sehe ich genauso wie Du,
"überkauft" sind die europäischen Märkte keineswegs! Die
währungspolitische Unsicherheit bleibt allerdings. Und da hast Du
aus meiner Sicht ganz richtigerweise den Finger auf die Wunde
Griechenland gelegt. Ich bin zuversichtlich, dass sich dieses
eigentlich periphere Problem bald von selbst erledigt.
schrieb am 08.02.12 04:16:38
Börsen hassen Unsicherheit. Bei Unsicherheit gehen Kurse
tendenziell nach unten.
Wenn eine Entscheidung gefallen ist - hier die Insolvenz
Griechenlands - ist die Unsicherheit vorüber und die Märkte können
wieder steigen. Auch der Euro würde nach meiner Meinung stärker
werden, weil die angelsächsischen Anleger an die europäischen
Börsen zurückkehren, um europäische Aktien zu kaufen. Hierzu müssen
sie ja vorher ihre Dollars und Pfunde in Euro umtauschen.
Nach fast zwei Jahren Griechenlandkrise sind die wichtigsten
Marktteilnehmer auf den finanziellen Zusammenbruch Griechenlands
vorbereitet. Banken und Versicherungen sind durch die vorhandenen
Rettungsschirme und die reichliche Geldausstattung der EZB nicht in
Gefahr.
Auch Portugal ist nach meiner Meinung nicht gefährdet. Im
Unterschied zu Griechenland sind hier Regierung und Opposition
einig in der vollen politischen Unterstützung der notwendigen
Sparprogramme.
Die griechische Bevölkerung wird in den nächsten zehn Jahren in
sehr schwierigen Zeiten leben. Ob Griechenland im Euro verbleibt,
wird wohl durch die kommenden Wahlen im April 2012 entschieden. In
Ungarn haben wir gesehen, dass in den dortigen Wahlen die
Konservativen auf ca. 64 Prozent der Stimmen kamen und eine
rechtsradikale Partei sich sehr stark auf ca. 17 Prozent
verbesserte. Die vorher regierende sozialistische Partei schrumpfte
auf eine Restgröße zusammen.
Einen solchen erdrutschartigen Sieg einer Partei in Griechenland,
die dem Land einen Euroaustritt verordnen möchte, halte ich nicht
für unmöglich. Dies sind im Falle Griechenlands die lokalen
Kommunisten.
Portugal wird in keinem Fall ein Zockeropfer. Egal wie es ausgeht.
Denn die Turbulenzen an den Staatsanleihen der betroffenen Staaten
sind ja nicht von Zockern verursacht worden. Wenn der besorgte
portugiesische Kleinunternehmer, der bisher für seine
Altersvorsorge in portugiesischen Anleihen gespart hat, sich aus
Angst vor einem Zusammenbruch Portugals nunmehr deutsche
Bundesanleihen kauft, so ist er ja kein Zocker, sondern vielmehr
ein vorsorglicher Hausvater.
Ähnlich einzuschätzen sind Banken und Versicherungen, die in
Zukunft das Geld ihrer Sparer und Versicherungsnehmer, die ja
ebenfalls eine risikolose Altersversorgung aufbauen möchten, nicht
mehr in gefährdete Staaten anlegen wollen.
Hier müssen die Staaten Vertrauen aufbauen, dass sie ihre
Verschuldung wieder auf einen tragbaren Level zurückführen möchten.
Dies werden sie wohl auch tun. Im übrigen scheinen die
Staatenlenker die gegenwärtige Krise nicht als wirklich bedrohlich
zu empfinden, sonst hätten sie bereits zu einigen der ihnen zur
Verfügung stehenden "außerordentlichen Mittel" gegriffen.
Solche außerordentlichen Mittel wurden in einigen Staaten bei
Vorliegen von sehr hohen Verschuldungen z. B. nach dem Zweiten
Weltkrieg durchgeührt. Hierzu gehörten z. B. Verbot des
Goldbesitzes und Goldhandels, Zwangsabgabe von vorhandenem Gold zu
einem weit unter dem Marktpreis liegenden Festpreis,
Einführung von Zwangsanleihen und Zwangshypotheken und eine
Besteuerung von bis zu neunzig Prozent des Einkommens, Einführung
von Kapitalverkehrskontrollen, Einfrieren aller Bankkonten und
Beschränkung der monatlichen Abhebungen von diesen Konten auf eine
bestimmte Summe.
All solche Maßnahmen hat es im letzten Jahrhundert in Deutschland
aber auch in demokratischen Staaten schon gegeben. Offenbar sieht
man die gegenwärtige Situation wohl nicht als so bedrohlich an,
sonst hätte man schon zu diesen harten Maßnahmen gegriffen.
schrieb am 08.02.12 04:54:25
"In Athen setzen die Koalitionspolitiker die Beratungen über die
Sparmaßnahmen fort. Die Troika aus EU, IWF und EZB fordert
weitreichende Reformen, die über Lohnkürzungen, eine Reform des
Arbeitsmarktes bis hin zur Reduzierung der Zahl der
Staatsbediensteten reichen. "Die Märkte rechnen weiterhin damit,
dass letztlich ein Deal zustande kommt", sagt Gavan Nolan von
Markit Credit Research. Innerhalb der griechischen
Regierungskoalition sträubten sich jedoch einige Akteure gegen
harte Einschnitte, um so in der Bevölkerung Sympathien zu
sammeln."
http://www.n-tv.de/wirtschaft/marktberichte/Dax-Endspurt-reicht-nicht-ganz-article5428941.html
schrieb am 08.02.12 07:53:10
Was hat das mit Starbucks zu tun?
Aber zurück zur Frage, wie wollen die Griechen das denn NOCH
offizieller machen, als bereits die letzten Monate.
Für mich gibt es da KEINEN Überraschungseffekt mehr.
schrieb am 08.02.12 08:56:22
Zitat von Karla_MarxOb
die Pleite kommt oder nicht soll nicht das Thema sein, sondern: Wie
werden die Börsen reagieren, wenn der Fall X eintritt?
M. M. n. wird es wie 2008/2009 einen Kurssturz an den Börsen
geben.
Wenn Griechenland kein Geld mehr bekommt und seine Zahlungen
einstellt, ist neben dem Staat Griechenland erstmal der gesamte
Bankensektor in Griechenland pleite. Über die üblichen
Ausbreitungseffekte wären zunächst griechische Unternehmen sowie
andere europäische Banken und Versicherer betroffen, später auch
der Finanzsektor in Übersee und Asien. Es würde so laufen wie
2008/2009m nur diesmal ausgehend von Europa in die USA und nicht
umgekehrt.
Die Frage ist m. E. nicht, ob es passiert sondern
wann es
passiert
und wie tief es gehen wird. Schulden mit immer
neuen Schulden zu bezahlen funktioniert nämlich auf Dauer
nicht.
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