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Was machen die Börsen, wenn die Griechen offiziell Insolvenz anmelden? ( Seite 4)

Diskussionsstatistik
eröffnet am 08.02.12 02:44:44
von
neuster Beitrag 04.03.12 02:05:57
von

Anzahl Beiträge: 40
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schrieb am 10.02.12 11:32:43
Beitrag Nr.31 
(42.731.192)
Antwort
Zitat
Auch ich habe die Bücher von Dirk Müller gelesen. Er definiert ja z. B. die Depression in den USA in den 1930er Jahren als einen solchen Reset.

In dieser Zeit war den US-Amerikanern allerdings der private Goldbesitz verboten und der Goldpreis war staatlich festgelegt. Mit Gold konnte man in dieser Zeit legal keine Geschäfte machen.

Insgesamt verfielen alle Preise und auch die Aktienkurse des Dow-Jones Index in einer gewaltigen deflationären Spirale auf etwa 15 Prozent ihres Wertes von vor der Krise im Jahre 1929. Bankenzusammenbrüche führten auch zur Vernichtung von Ersparnissen.

Die einzige Anlage aus dieser Zeit mit der man einen deutlichen Gewinn erzielen konnte, waren nach meiner Kenntnis Goldminenaktien. Dies resutliert wohl daraus, dass von der Erlösseite der Goldpreis staatlich fixiert war. Dies gab den Goldminen feste Einkünfte. Auf der anderen Seite sanken die Kosten der Goldproduktion in der Deflation ständig. Dies resultiert daraus, dass in der Deflation Löhne und Sachkosten ja stark sinken. Im Ergebnis führten stabile Erlöse und sinkende Kosten bei diesen Unternehmen zu stark steigenden Gewinnen. Diese wiederum führten zu stark steigenden Kursen von Goldminenaktien.

Im Internet ist ein Chart der Goldmine Homestake Mining aus dieser Zeit erhältlich. An die Internetadresse kann ich mich gerade nicht erinnern. Über Google ist es sicherlich kein Problem diesen Chart im Internet zu finden.

Auch in Deutschland gab es in den oben genannten schweren Zeiten ein Goldbesitz- und Goldhandelsverbot. Somit war für kleinere Beträge Gold nicht eben das ideale Wertaufbewahrungsmittel. In solchen Zeiten sind wertbeständige Waren des täglichen Bedarfs meines Erachtens hierzu viel besser geeignet. Hierzu zählen Dosennahrung, Zigaretten und auch Spiritousen. Der Besitz dieser Waren war auch in der Vergangenheit niemals illegal. Sie haben in Krisenzeiten den Vorteil, dass man sie selbst konsumieren kann. Darüber hinaus haben sie auch in jeder Zeit einen gewissen Tauschwert, so dass man diese Waren jederzeit auch gegen andere benötigte Waren eintauschen kann.

Verfügt man natürlich über vergleichsweise große Beträge können Gold oder Diamanten hierfür ein Wertaufbewahrungsmittel sein. Dagegen steht aber wieder die Gefahr, dass in solchen Zeiten häufig das Rechtssystem zusammenbricht. Es besteht also die Gefahr, dass z. B. die bisherigen Sicherheitskräfte, die dann ja vom Staat kein werthaltiges Gehalt mehr bekommen, sich mit ihren Dienstwaffen von den Besitzenden dasjenige holen, was sie auf legalem Weg nicht mehr bekommen können. Hinzu kommen natürlich "normale Kriminelle".

Wenn also die Banken nicht mehr der Ort der sicheren Aufbewahrung von Vermögen sind, muss man dies an einem anderen Ort tun. Dies führt dann für die Bürger zu einem enormen Sicherheitsproblem. Es ist nun einmal nicht jedermanns Sache, die zu Hause lagernden Wertgegenstände mit der Waffe in der Hand zu verteidigen. Außerdem kann die Herausgabe dieser Gegenstände ja durch Kidnapping von Familenangehörigen oder durch Folter erzwungen werden.

Deshalb stehe ich Ratschlägen - wie z. B. das Vergraben von eigenem Gold im eigenen Garten - in wirklichen Notzeiten sehr zurückhaltend gegenüber. Die meisten dieser Ratgeber sind zu jung, um wirkliche Notzeiten in Deutschland erlebt zu haben. Dennoch hatte ich in Form meiner Großeltern, die beide Kriege persönlich erlebt haben, Ratgeber, die wirklich praxistaugliche Tips für solche Zeiten hatten und die dann auch wirklich funktioniert haben. Ob dies in der heutigen Zeit mit teilweise anderen Problem dann auch noch funktionieren würde, ist eine ganz andere Frage.
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schrieb am 13.02.12 02:33:27
Beitrag Nr.32 
(42.740.148)
Antwort
Zitat
Der Presse ist zu entnehmen, dass das griechische Parlament nunmehr dem Sparpaket zugestimmt hat. Deshalb ist wohl davon auszugehen, dass die Länder der Eurozone in der nahen Zukunft wohl weitere Zahlungen an Griechenland leisten werden. Der Bankrott Griechenlands findet zunächst also nicht statt. Trotzdem bleibt die Lage weiter fragil. Die Probleme des Landes sind mit Geld allein nicht zu lösen.

Wir können uns also zunächst wieder den Fragen zuwenden, die wir in diesem Forum diskutieren wollten. Zu den Aktien wurden ja bereits einige Erwartungen mitgeteilt. Deshalb möchte ich einmal meine Erwartungen zu den Edelmetallen mitteilen.

Weiter oben hatte ich gesagt, dass Gold in einer wirklichen Krise bedingt als Wertaufbewahrungsmittel in Form von Münzen oder Barren geeignet erscheint. Zur Zeit scheinen die Märkte aber nicht der Meinung zu sein, dass wir auf eine Krise im Ausmaß der Hyperinflation in Deutschland des Jahres 1922 oder der Depression in den USA in den 1930er Jahren zusteuern.

Was bedeutet denn dies nun für Gold. Wir konnten in der letzten Zeit bemerken, dass Gold seine Funktion als sicherer Hafen zur Zeit eingebüßt zu haben scheint. Vor einiger Zeit lief Gold immer dann aufwärts wenn an den Aktienmärkten Krise gespielt wurde und die Kurse deutlich fielen. Nunmehr scheint Gold gemeinsam mit den Aktienmärkten zu steigen und auch zu fallen. Als Absicherung gegen fallende Aktienkurse ist es damit zur Zeit wohl nicht geeignet.

Neben der abklingenden aktuten Furcht vor einem nahen Zusammenbruch spielt hier wohl auch die Euroschwäche bzw. die Stärke des Dollars gegenüber dem Euro aber auch anderen Währungen eine Rolle. In Zeiten einer Dollarstärke hatte es der Goldpreis in der Vergangenheit immer schwer. Da ich in der näheren Zukunft nicht von einer ausgeprägten Schwäche des Dollar gegenüber dem Euro ausgehe, bin ich für den Goldpreis nur verhalten optimistisch. Der Goldpreis wird wohl mit dem Aktienmarkt steigen aber eben nicht so stark wie der Aktienmarkt.

Als Ersatz für eine Absicherung des Eurokurses könnte an Stelle des Erwerbs von Gold teilweise auch ein Erwerb von Anleihen von Emerging Markets in lokaler Währung treten. Wenn man an weiter steigende Rohstoffpreise glaubt, können hier auch Länder mit starken Rohstoffvorkommen berücksichtigt werden.

Nach meiner Einschätzung stehen insbesondere die Währungen von Ländern in Asien erst am Anfang einer Neubewertung gegenüber dem Euro und auch dem US-Dollar. Diese Länder haben hohe Exportüberschüsse und eine im Vergleich mit den westlichen Ländern niedrige Verschuldung.

Eine Ahnung über das Ausmaß einer möglichen Aufwertung der Währungen dieser Länder erhält man, wenn man sich einmal die Kursentwicklung der DM und des japanischen Yen gegenüber dem US-Dollar anschaut. Deutschland und Japan waren die Emerging Markets von den 1950er Jahren bis zum Ende der 1980er Jahre. Nunmehr gibt es eben neue Emerging Markets.
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schrieb am 22.02.12 07:46:21
Beitrag Nr.33 
(42.786.272)
Antwort
Zitat
Im Großen und Ganzen glaubst Du also nicht an einen Währungs-Reset? Es klingt so, als sei das Alles gar nicht so dramatisch - Inflation und Deflation gleichen es immer aus. Eigentlich kann man ja weiter gemütlich die Trends reiten. Die Börsen werden schon zeigen, wo die Reise hingeht. Griechenland ist erstmal aus der Schusslinie. Mal sehen, wie lange diesmal. Am Ende wird Griechenland Europas neuer Emerging Market...
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schrieb am 22.02.12 16:13:02
Beitrag Nr.34 
(42.789.445)
Antwort
Zitat
Währungs-Resets in einzelnen Ländern hat es schon immer gegeben.

Wer allerdings in Deutschland während der Hyper-Inflation oder auch während der Währungsreform 1948 sein Geld in Dollar oder Schweizer Franken angelegt hatte, konnte die Krise bequem überstehen.

Wenn nun beispielsweise der Euro zusammenbricht, wird dies zwar Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben. Dennoch kann ich nicht einsehen, warum eine Währung in Asien, deren Land vorzugsweise Wirtschaftsbeziehungen mit anderen asiatischen Ländern hat und dazu einen vergleichsweise niedrigen Schuldenstand hat, im Falle des Eurozusammenbruchs ebenfalls einen Währungs-Reset erleben sollte.

Andere Länder haben so gut wie gar keine Außenbeziehungen zum Euro und haben überwiegend Binnenwährungen. Ich denke hier an Vietnam und Nordkorea. Diese Länder würden einen solchen Fall kaum bemerken.

Ein Zusammenbruch des US-Dollar hätte hier ganz andere Auswirkungen, da der US-Dollar noch immer eine überragende Wirtschaftsrolle spielt.
So soll ja alleine China Währungsreserven von 3.200 Milliarden US-Dollar - davon etwa siebzig Prozent in US-Dollar - angehäuft haben.
Auch die anderen Länder in Asien haben nach vorliegenden Zahlen auch Währungsreserven von mehreren Tausend Milliarden US-Dollar angehäuft.

Diese Länder werden allein aus Eigennutz - nämlich um ihre eigenen Reserven nicht wertlos werden zu lassen - den US-Dollar in der mittleren Zukunft weiter stützen. Dies tun sie zwar mit einem gewissen Bauchgrimmen, dennoch haben sie keine Wahl. Stützen sie nämlich den US-Dollar nicht mehr, so würden ihre eigenen Währungen plötzlich sehr stark aufwerten und folglich ihr eigener Export zusammenbrechen.

Dies ist das Geheimnis der verhältnismäßig stabilen Dollarsituation. Die USA haben also für ihre Währung gewaltige Rettungsschirme. Diese Rettungsschirme heißen China, Thailand, Indonesien, Indien, Malaysia, Philippinen, Hongkong, Singapur usw. und nicht zuletzt Federal-Reserve-System.

Die Spekulanten kennen die unermeßlichen Reserven dieser Rettungsschirme und legen sich deshalb nicht übermäßig mit dem Dollar an. Dies bedeutet nicht, dass diese Länder nicht in der Vergangenheit und auch in der Zukunft eine kontrollierte Aufwertung ihrer Währungen zugelassen haben bzw. zulassen werden. Nur an einer schockhaften Entwicklung, die nur im Interesse der Spekulanten wäre, sind diese Länder nicht interessiert.

Dies bedeutet andererseits nicht, dass einzelne Länder die Eurozone verlassen müßte. Dies würde den Staatsbankrott z. B. Griechenlands bedeuten und hätte auch Auswirkungen auf andere Staaten. Dennoch führt dies nicht automatisch zu einem weltweiten Zusammenbruch.

Der letzte große Staatsbankrott war Argentinien ca. 2001. Hier in Europa haben wir ziemlich wenig davon bemerkt. Den argentinischen Fall kenne ich recht gut, da meine Tochter dort seit mehr als zwanzig Jahren wohnt und auch verheiratet ist. Da ich zuweilen gerne meine Enkelkinder besuche, bin ich manchmal in diesem Land. Wir alle wissen, dass die Welt den argentinischen Zusammenbruch recht gut überstanden hat.

Dies wird auch beim vergleichsweise kleinen Griechenland nicht anders sein. Die anderen Problemstaaten der Eurozone halte ich eigentlich für stark genug, im Laufe von z. B. einem Jahrzehnt die gegewärtige Krise zu überwinden.

Wir hier in Europa machen noch immer den Fehler, Europa für den Nabel der Welt zu halten. Dies ist schon lange vorbei. Europa und die USA haben zwar immer noch einen Anteil von 40 Prozent des Welt BIP, aber schon lange nicht mehr 75 Prozent des Welt-BIP, wie vor einigen Jahrzehnten.

In den USA sind schon längere Zeit einige Bundesstaaten zahlungsunfähig. Dies hat aber erkennbar keine Auswirkungen auf die Position der USA.
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schrieb am 22.02.12 16:58:46
Beitrag Nr.35 
(42.789.844)
Antwort
Zitat
Natürlich wird es in der mittleren Zukunft nicht so weitergehen wie bisher.

Die Krisenstaaten in der Eurozone werden gewaltige Anstrengungen unternehmen müssen, um ihre Verschuldung in Prozent des BIP zu senken.
Die Anleger werden ihnen - anders als in der Vergangenheit - keine Mittel mehr zu so geringen Zinsen wie vorher zur Verfügung stellen.

Dies ist aber nichts Neues. Wenn man die Presse verfolgt, so gewinnt man leicht den Eindruck, dass die Staatsverschuldung gemessen in Prozent des BIP bei allen Staaten stets nur den Weg nach oben gekannt habe. Dies ist aber nicht richtig. So haben einige Staaten vor dem Ausbruch der Finanzkrise 2007/2008 ihre Verschuldung gemessen in Prozent des BIP deutlich gesenkt.

So wies z. B. Irland im Jahre 1994 eine Verschuldung von 94,10 Prozent des BIP aus. Ende 2006 war die Verschuldung auf 24,90 Prozent des BIP gesunken.

Spanien wies 1997 eine Verschuldung von 66,80 Prozent des BIP aus. Im Jahre 2007 wies Spanien nur noch eine Verschuldung von 36,20 Prozent des BIP aus.

Italien wies Ende 1996 eine Verschuldung von 121,50 Prozent des BIP aus. Im Jahre 2003 wies Italien nur noch eine Verschuldung von 104,40 Prozent des BIP aus.

Belgien wies 1994 eine Verschuldung von 134,20 Prozent des BIP aus. Im Jahre 2007 wies Belgien nur noch eine Verschuldung 84,00 Prozent des BIP aus.

Quelle :

www.oekonomenstimme.org/wege aus der Schuldenkrise.

Diese Zahlen zeigen, dass die heutigen Krisenländer es in früheren Jahren bereits einmal geschafft haben, ihre Verschuldung in Prozent des BIP deutlich bis sehr deutlich auf ein tragbares bis zu einem sehr niedrigen Niveau zurück zu führen.

Diese Leistungen erbrachten diese Länder ohne einen Währungs-Reset, ja sogar ohne einen Europäischen Rettungsschirm.

Ich vermag nicht zu erkennen, warum diese Länder dies auch heute nicht schaffen könnten.

Die oben genannten Länder können es also schaffen. Dies bedeutet aber eisernes Sparen. Dieses eiserne Sparen verursacht in diesen Ländern aber eine deflationäre Entwicklung. Dagegen steht dann die Politik der Zentralbanken, die durch die Hinnahme von negativen Zinsen die Inflation fördern. Solange dies dann zu überschaubaren Inflationsraten führt, ist dies sogar willkommen.

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Lage zwar ernst aber nicht hoffnungslos ist. Die Politik scheint sie sogar noch als weniger ernst einzuschätzen.

Dies kann man daran messen, dass die Politik bisher noch nicht zu den ihr zur Verügung stehenden "Notmaßnahmen" gegriffen hat. Diese wären z. B. Goldbesitzverbot der Privaten mit Ablieferungspflicht aller privaten Goldbestände an die Regierung (so geschehen in USA und auch Deutschland in wirklichen Notzeiten), Zwangsanleihen aller Bürger (hierbei werden bestimmte Teile des Brutto-Einkommens zwangsweise vom Staat in Form von Zwangsanleihen einbehalten), ergänzend könnte man die Bürger, Banken und Versicherungen per Gesetz verpflichten bestimmte Anteile der Depots in langlaufenden und niedrigverzinslichen Staatsanleihen zu halten, oder Einführung von Kapitalverkehrskontrollen mit der Folge, dass der Umtausch von Euroguthaben in andere Währungen unter Strafandrohung verboten wird.

Dies alles ist in der Vergangenheit bereits geschehen und würde die Handlungsspielräume der Krisenstaaten erheblich vergrößern. Bevor es zu einem "Reset" kommen würde, rechne ich damit, dass die Staaten erst diese Möglichkeiten ausschöpfen würden.

Erst kürzlich konnte man dem Handelsblatt entnehmen, dass die Vermögen der deutschen Bürger bestehend aus Kontoguthaben, Versicherungsguthaben, Immobilien, Aktien und Unternehmensbeteiligungen nach einer Schätzung des Bundesverbandes Deutscher Banken sich auf ca. 10.000 Milliarden Euro belaufen würden.

Diese Summe alleine würde also schon ausreichen, die Schulden der gesamten Eurozone zu decken. Aber auch die Bürger anderer Eurostaaten sind unermeßlich - teilweise sogar bedeutend reicher als die Deutschen Bürger - reich. In den Staaten Belgien, Italien und Portugal soll es nach im Internet zugänglichen Quellen uralte Familien geben, die über riesige Vermögen - zum Teil aus der Kolonialvergangenheit dieser Länder stammend - verfügen.

In wirklichen Notzeiten - dies zeigt insbesondere die Deutsche Vergangenheit - würden die Staaten auf diese Mittel zugreifen. Dies ist auch möglich. So kann man ja Immobilien, Aktienvermögen, Unternehmensbeteiligungen und Lebensversicherungen nicht einfach verschwinden lassen.
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schrieb am 23.02.12 02:03:25
Beitrag Nr.36 
(42.792.897)
Antwort
Zitat
Eine Möglichkeit zur Finanzierung eines Staates ist die Auflegung von Zwangsanleihen.

Eine besonders originelle Zwangsanleihe führte Griechenland im Jahre 1922 unter dem Finanzminister Petros Protopapadakis durch.

Angeblich um die Inflation zu bekämpfen wurde gesetzlich angeordnet, dass die umlaufenden Banknoten in der Mitte zerschnitten werden sollten.Die rechte Hälfte der Banknote blieb Zahlungsmittel zum halben Wert, wodurch die Geldmenge halbiert wurde. Die linke Hälfte der Banknote mußte vom Eigentümer der Banknote zwangsweise in Staatsanleihen umgetauscht werden.

Quelle: Wikipedia

Vielleicht ist dies ja auch ein probates Mittel für das heutige Griechenland. Wenn sie wieder die Drachme einführen und diese ca. um die Hälfte gegenüber dem Euro abwerten müßten, könnte diese halbe Banknote für eine Übergangszeit bis zum Druck der neuen Drachme-Banknoten dann die Funktion des Bargeldes übernehmen.

Dies wäre dann eine schnelle Lösung.

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schrieb am 25.02.12 01:25:57
Beitrag Nr.37 
(42.805.777)
Antwort
Zitat
Immerhin scheint die griechische Regierung ja jetzt einige - eigentlich schon mehr als überfällige - Maßnahmen gegen Steuersünder, die ihr Geld ins Ausland verbracht haben, zu treffen.

Der Presse ist heute zu entnehmen, dass die griechische Regierung in Zusammenarbeit mit den Behörden der Schweiz drei Konten von wohlhabenden Griechen über insgesamt 158 Millionen Euro vorläufig beschlagnahmt hat.

So ist es nun einmal. Häufig werden notwendige Maßnahmen erst in einer schweren Krise durchgeführt.

Offenbar scheinen die Behörden der Schweiz zu einer Zusammenarbeit mit Griechenland bereit zu sein. Wenn auch die Regierungen der EU bereit sind, mit Griechenland auf diesem Gebiet zu kooperieren, so könnten durchaus größere Summen wieder dem griechischen Staatshaushalt zugeführt werden.

Der Presse konnte auch entnommen werden, dass die griechische Regierung vermutet, dass die griechischen Bürger ca. 49 Milliarden Euro von den Banken abgehoben haben und dieses Geld nunmehr irgendwo versteckt aufbewahren.

Dieses Problem könnte man vielleicht mit dem oben beschriebenen Modell einer Zwangsanleihe aus dem Jahre 1922 durch Halbierung der umlaufenden Banknoten in den Griff bekommen. Wenn man auf umlaufendes
Bargeld z. B. eine Zwangsanleihe von fünfzig Prozent erhebt, auf bestehende Bankkonten vielleicht lediglich von 25 Prozent, könnte dies vielleicht die Leute wieder zu einer Einlage bei den Banken bewegen.

Die größte Hoffnung, die ich für Griechenland langfristig hege, ist aber die kommende Wahl im April 2012. Die Wahl wird mit einiger Sicherheit zu einer totalen Veränderung des bestehenden Parteiensystems führen. Dies führt dann zu der Entmachtung der beiden bisherigen Parteien, die sich seit 1974 stets die Regierungsmacht geteilt haben.

Vielleicht finden neue Regierungsparteien dann die politische Kraft, die sehr notwendigen Reformen in Griechenland anzupacken.

Dies alles in Verbindung mit der Einführung der Drachme und der dann notwendigen Abwertung, wird Griechenland wieder konkurrenzfähig machen.

Man stelle sich nur einmal den Run ausländischer Anleger auf griechische Immobilien vor, wenn diese durch Krise und Abwertung vielleicht zu einem Drittel des heutigen Wertes erhältlich sind. Auch als Industriestandort könnte Griechenland durch die so "verbilligten" Löhne wieder interessant sein.

Wie dies klappt kann man sehr gut am Beispiel Argentinien sehen. Dort hatte man 2001 eine große Krise. Die Bevölkerung mußte sehr schwere zeiten durchleben. Heute steht das Land aber wieder besser da.
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schrieb am 25.02.12 11:22:26
Beitrag Nr.38 
(42.806.286)
Antwort
Zitat
Der Presse kann entnommen werden, dass die Regierung Italiens nunmehr auch die Steuerprivilegien der Katholischen Kirchen streichen will.

Nach der Pressemeldung verspricht sich die Regierung durch die Streichung von Steuervorteilen der Kirche und den von ihr betriebenen Unternehmen Steuermehreinnahmen von 600 Millionen Euro pro Jahr.

Auch in Deutschland zahlen Kirchen und Gewerkschaften auf ihre Einnahmen zur Zeit keine Steuern. Solche Privilegien sind in der gegenwärtigen Krisenzeit nicht mehr zu rechtfertigen.

Von der gegenwärtigen deutschen Regierung kann man wohl eine Streichung dieser Privilegien nicht erwarten.

Möglicherweise zwingt aber nach der nächsten Wahl die Schuldenbremse und auch die dann vorliegende Haushaltslage eine neue Regierung zur Änderung dieser Haltung.

Wir können sehr sicher sein, dass nach der Wahl 2013 die entsprechenden Zahlen auf den Tisch kommen.
Avatar
schrieb am 26.02.12 14:40:15
Beitrag Nr.39 
(42.808.612)
Antwort
Zitat
Eine große Gefahr für die Börsen sehe ich nicht in der Griechenland-Krise.

Eine wirkliche Gefahr besteht in dem seit einiger Zeit wieder stark ansteigenden Ölpreis. Die Gefahr liegt nicht im Anstieg der Preise an sich, sondern in der Geschwindigkeit des Anstiegs.

Ab einem gewissen Punkt kann sich dieser Preisanstieg dann wieder zu einer Krise mit einem schnellen Zusammenbruch führen.

Dies konnten wir ja im Jahre 2008 beobachten. Der Zusammenbruch des Bankhauses Lehmann Brothers war wohl der Anlaß für den Zusammenbruch der Börsen - aber eben nicht der alleinige Grund. Ein wichtiger Grund war wohl auch der starke Anstieg der Ölpreise und der damit verbundene Anstieg weiterer wichtiger Preise.

Dies führte dann dazu, dass viele Verbraucher - wegen der hohen Benzinpreise - insbesondere in den USA ihre Ausgaben für andere Dinge des täglichen Lebens einschränken mußten. Dies führte dann in weiten Teilen der Wirtschaft zum Ausfall von Nachfrage. Dieser Nachfrageausfall führte dann in vielen Ländern zum Abbau von Arbeitsplätzen usw.

Diese Kettenreaktion führte dann auf breiter Front zu einer schweren Rezession und auch zum Zusammenbruch der Ölpreise in kurzer Zeit von ca. 145 US-Dollar je Barrel auf ca. 40 US-Dollar je Barrel.

Auch die Preise von Industriemetallen fielen stark zurück. Die Nachfrage nach Autos stockte sofort.

Die Regierungen in den USA und in China reagierten mit riesigen Konjunkturprogrammen. Das deutsche Programm war dagegen vergleichsweise klein. Dennoch waren diese Programme kurzfristig wirksam.

Wenn es wegen des schnellen Ölpreisanstieges wiederum zu einer ähnlichen Krise kommen sollte, sind - wegen der nunmehr hohen Staatsverschuldung - ähnliche Konjunkturprogramme - wie in 2008 - wohl nicht mehr möglich.

Dies könnte sich dann zu einem ernsten Problem der Realwirtschaft und damit auch an den Weltbörsen entwickeln.

Alle gemachten Aussagen zu einer positiven Börsenentwicklung stehen natürlich unter dem Vorbehalt, dass sich die Entwicklung der Ölpreise nicht weiter zuspitzt.
Avatar
schrieb am 04.03.12 02:05:57
Beitrag Nr.40 
(42.846.470)
Antwort
Zitat
Man kann beobachten, dass die griechische Regierung an vielen Punkten de Haushaltes spart.

Eines der wenigen Haushaltsteile, wo offenbar nicht gespart wird, ist der Militärhaushalt.

Dies zeigt, dass die Militärs in Griechenland hinter den Kulissen noch über ein politisches Machtpotential verfügen, das höher als in anderen Staaten der EU ist. In anderen Staaten wäre es wohl nicht möglich, dass bei einer solchen Notlage des Landes der Militärhaushalt kaum gekürzt wird.

Die Meinungsumfragen für die im April bevorstehenden Wahlen deuten eine Machtübernahme des Linksblocks - gebildet von Kommunisten und einigen anderen Linksparteien - an.

Diese Situation hatten wir bereits schon einmal in den 1960er Jahren. Die Antwort des griechischen Militärs damals war ein Militärputsch und die Machtübernahme durch eine Militärregierung.

Dies halte ich auch grundsätzlich heute noch für möglich. Es sollte mich also nicht wundern, wenn wir in den nächsten Wochen - also kurz vor der Wahl im April - in Griechenland einen Militärputsch sehen werden.

Eine solche Militärregierung hätte dann wohl die Kraft durchzusetzen, dass Griechenland den Euro verläßt und die Drachme wieder einführt. Zusätzlich würde diese Militärregierung dann wohl auch die Zahlungen auf griechische Schulden einstellen.

[ Seite: 1234neuster Beitrag ]

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