Neuste Beiträge aus: Was machen die Börsen, wenn die Griechen offiziell Insolvenz anmelden?
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Frankfurt (EUR), 25.05.12 | 19:25
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schrieb am 04.03.12 02:05:57
Man kann beobachten, dass die griechische Regierung an vielen
Punkten de Haushaltes spart.
Eines der wenigen Haushaltsteile, wo offenbar nicht gespart wird,
ist der Militärhaushalt.
Dies zeigt, dass die Militärs in Griechenland hinter den Kulissen
noch über ein politisches Machtpotential verfügen, das höher als in
anderen Staaten der EU ist. In anderen Staaten wäre es wohl nicht
möglich, dass bei einer solchen Notlage des Landes der
Militärhaushalt kaum gekürzt wird.
Die Meinungsumfragen für die im April bevorstehenden Wahlen deuten
eine Machtübernahme des Linksblocks - gebildet von Kommunisten und
einigen anderen Linksparteien - an.
Diese Situation hatten wir bereits schon einmal in den 1960er
Jahren. Die Antwort des griechischen Militärs damals war ein
Militärputsch und die Machtübernahme durch eine
Militärregierung.
Dies halte ich auch grundsätzlich heute noch für möglich. Es sollte
mich also nicht wundern, wenn wir in den nächsten Wochen - also
kurz vor der Wahl im April - in Griechenland einen Militärputsch
sehen werden.
Eine solche Militärregierung hätte dann wohl die Kraft
durchzusetzen, dass Griechenland den Euro verläßt und die Drachme
wieder einführt. Zusätzlich würde diese Militärregierung dann wohl
auch die Zahlungen auf griechische Schulden einstellen.
schrieb am 26.02.12 14:40:15
Eine große Gefahr für die Börsen sehe ich nicht in der
Griechenland-Krise.
Eine wirkliche Gefahr besteht in dem seit einiger Zeit wieder stark
ansteigenden Ölpreis. Die Gefahr liegt nicht im Anstieg der Preise
an sich, sondern in der Geschwindigkeit des Anstiegs.
Ab einem gewissen Punkt kann sich dieser Preisanstieg dann wieder
zu einer Krise mit einem schnellen Zusammenbruch führen.
Dies konnten wir ja im Jahre 2008 beobachten. Der Zusammenbruch des
Bankhauses Lehmann Brothers war wohl der Anlaß für den
Zusammenbruch der Börsen - aber eben nicht der alleinige Grund. Ein
wichtiger Grund war wohl auch der starke Anstieg der Ölpreise und
der damit verbundene Anstieg weiterer wichtiger Preise.
Dies führte dann dazu, dass viele Verbraucher - wegen der hohen
Benzinpreise - insbesondere in den USA ihre Ausgaben für andere
Dinge des täglichen Lebens einschränken mußten. Dies führte dann in
weiten Teilen der Wirtschaft zum Ausfall von Nachfrage. Dieser
Nachfrageausfall führte dann in vielen Ländern zum Abbau von
Arbeitsplätzen usw.
Diese Kettenreaktion führte dann auf breiter Front zu einer
schweren Rezession und auch zum Zusammenbruch der Ölpreise in
kurzer Zeit von ca. 145 US-Dollar je Barrel auf ca. 40 US-Dollar je
Barrel.
Auch die Preise von Industriemetallen fielen stark zurück. Die
Nachfrage nach Autos stockte sofort.
Die Regierungen in den USA und in China reagierten mit riesigen
Konjunkturprogrammen. Das deutsche Programm war dagegen
vergleichsweise klein. Dennoch waren diese Programme kurzfristig
wirksam.
Wenn es wegen des schnellen Ölpreisanstieges wiederum zu einer
ähnlichen Krise kommen sollte, sind - wegen der nunmehr hohen
Staatsverschuldung - ähnliche Konjunkturprogramme - wie in 2008 -
wohl nicht mehr möglich.
Dies könnte sich dann zu einem ernsten Problem der Realwirtschaft
und damit auch an den Weltbörsen entwickeln.
Alle gemachten Aussagen zu einer positiven Börsenentwicklung stehen
natürlich unter dem Vorbehalt, dass sich die Entwicklung der
Ölpreise nicht weiter zuspitzt.
schrieb am 25.02.12 11:22:26
Der Presse kann entnommen werden, dass die Regierung Italiens
nunmehr auch die Steuerprivilegien der Katholischen Kirchen
streichen will.
Nach der Pressemeldung verspricht sich die Regierung durch die
Streichung von Steuervorteilen der Kirche und den von ihr
betriebenen Unternehmen Steuermehreinnahmen von 600 Millionen Euro
pro Jahr.
Auch in Deutschland zahlen Kirchen und Gewerkschaften auf ihre
Einnahmen zur Zeit keine Steuern. Solche Privilegien sind in der
gegenwärtigen Krisenzeit nicht mehr zu rechtfertigen.
Von der gegenwärtigen deutschen Regierung kann man wohl eine
Streichung dieser Privilegien nicht erwarten.
Möglicherweise zwingt aber nach der nächsten Wahl die
Schuldenbremse und auch die dann vorliegende Haushaltslage eine
neue Regierung zur Änderung dieser Haltung.
Wir können sehr sicher sein, dass nach der Wahl 2013 die
entsprechenden Zahlen auf den Tisch kommen.
schrieb am 25.02.12 01:25:57
Immerhin scheint die griechische Regierung ja jetzt einige -
eigentlich schon mehr als überfällige - Maßnahmen gegen
Steuersünder, die ihr Geld ins Ausland verbracht haben, zu
treffen.
Der Presse ist heute zu entnehmen, dass die griechische Regierung
in Zusammenarbeit mit den Behörden der Schweiz drei Konten von
wohlhabenden Griechen über insgesamt 158 Millionen Euro vorläufig
beschlagnahmt hat.
So ist es nun einmal. Häufig werden notwendige Maßnahmen erst in
einer schweren Krise durchgeführt.
Offenbar scheinen die Behörden der Schweiz zu einer Zusammenarbeit
mit Griechenland bereit zu sein. Wenn auch die Regierungen der EU
bereit sind, mit Griechenland auf diesem Gebiet zu kooperieren, so
könnten durchaus größere Summen wieder dem griechischen
Staatshaushalt zugeführt werden.
Der Presse konnte auch entnommen werden, dass die griechische
Regierung vermutet, dass die griechischen Bürger ca. 49 Milliarden
Euro von den Banken abgehoben haben und dieses Geld nunmehr
irgendwo versteckt aufbewahren.
Dieses Problem könnte man vielleicht mit dem oben beschriebenen
Modell einer Zwangsanleihe aus dem Jahre 1922 durch Halbierung der
umlaufenden Banknoten in den Griff bekommen. Wenn man auf
umlaufendes
Bargeld z. B. eine Zwangsanleihe von fünfzig Prozent erhebt, auf
bestehende Bankkonten vielleicht lediglich von 25 Prozent, könnte
dies vielleicht die Leute wieder zu einer Einlage bei den Banken
bewegen.
Die größte Hoffnung, die ich für Griechenland langfristig hege, ist
aber die kommende Wahl im April 2012. Die Wahl wird mit einiger
Sicherheit zu einer totalen Veränderung des bestehenden
Parteiensystems führen. Dies führt dann zu der Entmachtung der
beiden bisherigen Parteien, die sich seit 1974 stets die
Regierungsmacht geteilt haben.
Vielleicht finden neue Regierungsparteien dann die politische
Kraft, die sehr notwendigen Reformen in Griechenland
anzupacken.
Dies alles in Verbindung mit der Einführung der Drachme und der
dann notwendigen Abwertung, wird Griechenland wieder
konkurrenzfähig machen.
Man stelle sich nur einmal den Run ausländischer Anleger auf
griechische Immobilien vor, wenn diese durch Krise und Abwertung
vielleicht zu einem Drittel des heutigen Wertes erhältlich sind.
Auch als Industriestandort könnte Griechenland durch die so
"verbilligten" Löhne wieder interessant sein.
Wie dies klappt kann man sehr gut am Beispiel Argentinien sehen.
Dort hatte man 2001 eine große Krise. Die Bevölkerung mußte sehr
schwere zeiten durchleben. Heute steht das Land aber wieder besser
da.
schrieb am 23.02.12 02:03:25
Eine Möglichkeit zur Finanzierung eines Staates ist die Auflegung
von Zwangsanleihen.
Eine besonders originelle Zwangsanleihe führte Griechenland im
Jahre 1922 unter dem Finanzminister Petros Protopapadakis
durch.
Angeblich um die Inflation zu bekämpfen wurde gesetzlich
angeordnet, dass die umlaufenden Banknoten in der Mitte
zerschnitten werden sollten.Die rechte Hälfte der Banknote blieb
Zahlungsmittel zum halben Wert, wodurch die Geldmenge halbiert
wurde. Die linke Hälfte der Banknote mußte vom Eigentümer der
Banknote zwangsweise in Staatsanleihen umgetauscht werden.
Quelle: Wikipedia
Vielleicht ist dies ja auch ein probates Mittel für das heutige
Griechenland. Wenn sie wieder die Drachme einführen und diese ca.
um die Hälfte gegenüber dem Euro abwerten müßten, könnte diese
halbe Banknote für eine Übergangszeit bis zum Druck der neuen
Drachme-Banknoten dann die Funktion des Bargeldes übernehmen.
Dies wäre dann eine schnelle Lösung.
schrieb am 22.02.12 16:58:46
Natürlich wird es in der mittleren Zukunft nicht so weitergehen wie
bisher.
Die Krisenstaaten in der Eurozone werden gewaltige Anstrengungen
unternehmen müssen, um ihre Verschuldung in Prozent des BIP zu
senken.
Die Anleger werden ihnen - anders als in der Vergangenheit - keine
Mittel mehr zu so geringen Zinsen wie vorher zur Verfügung
stellen.
Dies ist aber nichts Neues. Wenn man die Presse verfolgt, so
gewinnt man leicht den Eindruck, dass die Staatsverschuldung
gemessen in Prozent des BIP bei allen Staaten stets nur den Weg
nach oben gekannt habe. Dies ist aber nicht richtig. So haben
einige Staaten vor dem Ausbruch der Finanzkrise 2007/2008 ihre
Verschuldung gemessen in Prozent des BIP deutlich gesenkt.
So wies z. B. Irland im Jahre 1994 eine Verschuldung von 94,10
Prozent des BIP aus. Ende 2006 war die Verschuldung auf 24,90
Prozent des BIP gesunken.
Spanien wies 1997 eine Verschuldung von 66,80 Prozent des BIP aus.
Im Jahre 2007 wies Spanien nur noch eine Verschuldung von 36,20
Prozent des BIP aus.
Italien wies Ende 1996 eine Verschuldung von 121,50 Prozent des BIP
aus. Im Jahre 2003 wies Italien nur noch eine Verschuldung von
104,40 Prozent des BIP aus.
Belgien wies 1994 eine Verschuldung von 134,20 Prozent des BIP aus.
Im Jahre 2007 wies Belgien nur noch eine Verschuldung 84,00 Prozent
des BIP aus.
Quelle :
www.oekonomenstimme.org/wege aus der Schuldenkrise.
Diese Zahlen zeigen, dass die heutigen Krisenländer es in früheren
Jahren bereits einmal geschafft haben, ihre Verschuldung in Prozent
des BIP deutlich bis sehr deutlich auf ein tragbares bis zu einem
sehr niedrigen Niveau zurück zu führen.
Diese Leistungen erbrachten diese Länder ohne einen Währungs-Reset,
ja sogar ohne einen Europäischen Rettungsschirm.
Ich vermag nicht zu erkennen, warum diese Länder dies auch heute
nicht schaffen könnten.
Die oben genannten Länder können es also schaffen. Dies bedeutet
aber eisernes Sparen. Dieses eiserne Sparen verursacht in diesen
Ländern aber eine deflationäre Entwicklung. Dagegen steht dann die
Politik der Zentralbanken, die durch die Hinnahme von negativen
Zinsen die Inflation fördern. Solange dies dann zu überschaubaren
Inflationsraten führt, ist dies sogar willkommen.
Zusammenfassend kann man sagen, dass die Lage zwar ernst aber nicht
hoffnungslos ist. Die Politik scheint sie sogar noch als weniger
ernst einzuschätzen.
Dies kann man daran messen, dass die Politik bisher noch nicht zu
den ihr zur Verügung stehenden "Notmaßnahmen" gegriffen hat. Diese
wären z. B. Goldbesitzverbot der Privaten mit Ablieferungspflicht
aller privaten Goldbestände an die Regierung (so geschehen in USA
und auch Deutschland in wirklichen Notzeiten), Zwangsanleihen aller
Bürger (hierbei werden bestimmte Teile des Brutto-Einkommens
zwangsweise vom Staat in Form von Zwangsanleihen einbehalten),
ergänzend könnte man die Bürger, Banken und Versicherungen per
Gesetz verpflichten bestimmte Anteile der Depots in langlaufenden
und niedrigverzinslichen Staatsanleihen zu halten, oder Einführung
von Kapitalverkehrskontrollen mit der Folge, dass der Umtausch von
Euroguthaben in andere Währungen unter Strafandrohung verboten
wird.
Dies alles ist in der Vergangenheit bereits geschehen und würde die
Handlungsspielräume der Krisenstaaten erheblich vergrößern. Bevor
es zu einem "Reset" kommen würde, rechne ich damit, dass die
Staaten erst diese Möglichkeiten ausschöpfen würden.
Erst kürzlich konnte man dem Handelsblatt entnehmen, dass die
Vermögen der deutschen Bürger bestehend aus Kontoguthaben,
Versicherungsguthaben, Immobilien, Aktien und
Unternehmensbeteiligungen nach einer Schätzung des Bundesverbandes
Deutscher Banken sich auf ca. 10.000 Milliarden Euro belaufen
würden.
Diese Summe alleine würde also schon ausreichen, die Schulden der
gesamten Eurozone zu decken. Aber auch die Bürger anderer
Eurostaaten sind unermeßlich - teilweise sogar bedeutend reicher
als die Deutschen Bürger - reich. In den Staaten Belgien, Italien
und Portugal soll es nach im Internet zugänglichen Quellen uralte
Familien geben, die über riesige Vermögen - zum Teil aus der
Kolonialvergangenheit dieser Länder stammend - verfügen.
In wirklichen Notzeiten - dies zeigt insbesondere die Deutsche
Vergangenheit - würden die Staaten auf diese Mittel zugreifen. Dies
ist auch möglich. So kann man ja Immobilien, Aktienvermögen,
Unternehmensbeteiligungen und Lebensversicherungen nicht einfach
verschwinden lassen.
schrieb am 22.02.12 16:13:02
Währungs-Resets in einzelnen Ländern hat es schon immer
gegeben.
Wer allerdings in Deutschland während der Hyper-Inflation oder auch
während der Währungsreform 1948 sein Geld in Dollar oder Schweizer
Franken angelegt hatte, konnte die Krise bequem überstehen.
Wenn nun beispielsweise der Euro zusammenbricht, wird dies zwar
Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben. Dennoch kann ich nicht
einsehen, warum eine Währung in Asien, deren Land vorzugsweise
Wirtschaftsbeziehungen mit anderen asiatischen Ländern hat und dazu
einen vergleichsweise niedrigen Schuldenstand hat, im Falle des
Eurozusammenbruchs ebenfalls einen Währungs-Reset erleben
sollte.
Andere Länder haben so gut wie gar keine Außenbeziehungen zum Euro
und haben überwiegend Binnenwährungen. Ich denke hier an Vietnam
und Nordkorea. Diese Länder würden einen solchen Fall kaum
bemerken.
Ein Zusammenbruch des US-Dollar hätte hier ganz andere
Auswirkungen, da der US-Dollar noch immer eine überragende
Wirtschaftsrolle spielt.
So soll ja alleine China Währungsreserven von 3.200 Milliarden
US-Dollar - davon etwa siebzig Prozent in US-Dollar - angehäuft
haben.
Auch die anderen Länder in Asien haben nach vorliegenden Zahlen
auch Währungsreserven von mehreren Tausend Milliarden US-Dollar
angehäuft.
Diese Länder werden allein aus Eigennutz - nämlich um ihre eigenen
Reserven nicht wertlos werden zu lassen - den US-Dollar in der
mittleren Zukunft weiter stützen. Dies tun sie zwar mit einem
gewissen Bauchgrimmen, dennoch haben sie keine Wahl. Stützen sie
nämlich den US-Dollar nicht mehr, so würden ihre eigenen Währungen
plötzlich sehr stark aufwerten und folglich ihr eigener Export
zusammenbrechen.
Dies ist das Geheimnis der verhältnismäßig stabilen
Dollarsituation. Die USA haben also für ihre Währung gewaltige
Rettungsschirme. Diese Rettungsschirme heißen China, Thailand,
Indonesien, Indien, Malaysia, Philippinen, Hongkong, Singapur usw.
und nicht zuletzt Federal-Reserve-System.
Die Spekulanten kennen die unermeßlichen Reserven dieser
Rettungsschirme und legen sich deshalb nicht übermäßig mit dem
Dollar an. Dies bedeutet nicht, dass diese Länder nicht in der
Vergangenheit und auch in der Zukunft eine kontrollierte Aufwertung
ihrer Währungen zugelassen haben bzw. zulassen werden. Nur an einer
schockhaften Entwicklung, die nur im Interesse der Spekulanten
wäre, sind diese Länder nicht interessiert.
Dies bedeutet andererseits nicht, dass einzelne Länder die Eurozone
verlassen müßte. Dies würde den Staatsbankrott z. B. Griechenlands
bedeuten und hätte auch Auswirkungen auf andere Staaten. Dennoch
führt dies nicht automatisch zu einem weltweiten Zusammenbruch.
Der letzte große Staatsbankrott war Argentinien ca. 2001. Hier in
Europa haben wir ziemlich wenig davon bemerkt. Den argentinischen
Fall kenne ich recht gut, da meine Tochter dort seit mehr als
zwanzig Jahren wohnt und auch verheiratet ist. Da ich zuweilen
gerne meine Enkelkinder besuche, bin ich manchmal in diesem Land.
Wir alle wissen, dass die Welt den argentinischen Zusammenbruch
recht gut überstanden hat.
Dies wird auch beim vergleichsweise kleinen Griechenland nicht
anders sein. Die anderen Problemstaaten der Eurozone halte ich
eigentlich für stark genug, im Laufe von z. B. einem Jahrzehnt die
gegewärtige Krise zu überwinden.
Wir hier in Europa machen noch immer den Fehler, Europa für den
Nabel der Welt zu halten. Dies ist schon lange vorbei. Europa und
die USA haben zwar immer noch einen Anteil von 40 Prozent des Welt
BIP, aber schon lange nicht mehr 75 Prozent des Welt-BIP, wie vor
einigen Jahrzehnten.
In den USA sind schon längere Zeit einige Bundesstaaten
zahlungsunfähig. Dies hat aber erkennbar keine Auswirkungen auf die
Position der USA.
schrieb am 22.02.12 07:46:21
Im Großen und Ganzen glaubst Du also nicht an einen Währungs-Reset?
Es klingt so, als sei das Alles gar nicht so dramatisch - Inflation
und Deflation gleichen es immer aus. Eigentlich kann man ja weiter
gemütlich die Trends reiten. Die Börsen werden schon zeigen, wo die
Reise hingeht. Griechenland ist erstmal aus der Schusslinie. Mal
sehen, wie lange diesmal. Am Ende wird Griechenland Europas neuer
Emerging Market...
schrieb am 13.02.12 02:33:27
Der Presse ist zu entnehmen, dass das griechische Parlament nunmehr
dem Sparpaket zugestimmt hat. Deshalb ist wohl davon auszugehen,
dass die Länder der Eurozone in der nahen Zukunft wohl weitere
Zahlungen an Griechenland leisten werden. Der Bankrott
Griechenlands findet zunächst also nicht statt. Trotzdem bleibt die
Lage weiter fragil. Die Probleme des Landes sind mit Geld allein
nicht zu lösen.
Wir können uns also zunächst wieder den Fragen zuwenden, die wir in
diesem Forum diskutieren wollten. Zu den Aktien wurden ja bereits
einige Erwartungen mitgeteilt. Deshalb möchte ich einmal meine
Erwartungen zu den Edelmetallen mitteilen.
Weiter oben hatte ich gesagt, dass Gold in einer wirklichen Krise
bedingt als Wertaufbewahrungsmittel in Form von Münzen oder Barren
geeignet erscheint. Zur Zeit scheinen die Märkte aber nicht der
Meinung zu sein, dass wir auf eine Krise im Ausmaß der
Hyperinflation in Deutschland des Jahres 1922 oder der Depression
in den USA in den 1930er Jahren zusteuern.
Was bedeutet denn dies nun für Gold. Wir konnten in der letzten
Zeit bemerken, dass Gold seine Funktion als sicherer Hafen zur Zeit
eingebüßt zu haben scheint. Vor einiger Zeit lief Gold immer dann
aufwärts wenn an den Aktienmärkten Krise gespielt wurde und die
Kurse deutlich fielen. Nunmehr scheint Gold gemeinsam mit den
Aktienmärkten zu steigen und auch zu fallen. Als Absicherung gegen
fallende Aktienkurse ist es damit zur Zeit wohl nicht geeignet.
Neben der abklingenden aktuten Furcht vor einem nahen Zusammenbruch
spielt hier wohl auch die Euroschwäche bzw. die Stärke des Dollars
gegenüber dem Euro aber auch anderen Währungen eine Rolle. In
Zeiten einer Dollarstärke hatte es der Goldpreis in der
Vergangenheit immer schwer. Da ich in der näheren Zukunft nicht von
einer ausgeprägten Schwäche des Dollar gegenüber dem Euro ausgehe,
bin ich für den Goldpreis nur verhalten optimistisch. Der Goldpreis
wird wohl mit dem Aktienmarkt steigen aber eben nicht so stark wie
der Aktienmarkt.
Als Ersatz für eine Absicherung des Eurokurses könnte an Stelle des
Erwerbs von Gold teilweise auch ein Erwerb von Anleihen von
Emerging Markets in lokaler Währung treten. Wenn man an weiter
steigende Rohstoffpreise glaubt, können hier auch Länder mit
starken Rohstoffvorkommen berücksichtigt werden.
Nach meiner Einschätzung stehen insbesondere die Währungen von
Ländern in Asien erst am Anfang einer Neubewertung gegenüber dem
Euro und auch dem US-Dollar. Diese Länder haben hohe
Exportüberschüsse und eine im Vergleich mit den westlichen Ländern
niedrige Verschuldung.
Eine Ahnung über das Ausmaß einer möglichen Aufwertung der
Währungen dieser Länder erhält man, wenn man sich einmal die
Kursentwicklung der DM und des japanischen Yen gegenüber dem
US-Dollar anschaut. Deutschland und Japan waren die Emerging
Markets von den 1950er Jahren bis zum Ende der 1980er Jahre.
Nunmehr gibt es eben neue Emerging Markets.
schrieb am 10.02.12 11:32:43
Auch ich habe die Bücher von Dirk Müller gelesen. Er definiert ja
z. B. die Depression in den USA in den 1930er Jahren als einen
solchen Reset.
In dieser Zeit war den US-Amerikanern allerdings der private
Goldbesitz verboten und der Goldpreis war staatlich festgelegt. Mit
Gold konnte man in dieser Zeit legal keine Geschäfte machen.
Insgesamt verfielen alle Preise und auch die Aktienkurse des
Dow-Jones Index in einer gewaltigen deflationären Spirale auf etwa
15 Prozent ihres Wertes von vor der Krise im Jahre 1929.
Bankenzusammenbrüche führten auch zur Vernichtung von
Ersparnissen.
Die einzige Anlage aus dieser Zeit mit der man einen deutlichen
Gewinn erzielen konnte, waren nach meiner Kenntnis Goldminenaktien.
Dies resutliert wohl daraus, dass von der Erlösseite der Goldpreis
staatlich fixiert war. Dies gab den Goldminen feste Einkünfte. Auf
der anderen Seite sanken die Kosten der Goldproduktion in der
Deflation ständig. Dies resultiert daraus, dass in der Deflation
Löhne und Sachkosten ja stark sinken. Im Ergebnis führten stabile
Erlöse und sinkende Kosten bei diesen Unternehmen zu stark
steigenden Gewinnen. Diese wiederum führten zu stark steigenden
Kursen von Goldminenaktien.
Im Internet ist ein Chart der Goldmine Homestake Mining aus dieser
Zeit erhältlich. An die Internetadresse kann ich mich gerade nicht
erinnern. Über Google ist es sicherlich kein Problem diesen Chart
im Internet zu finden.
Auch in Deutschland gab es in den oben genannten schweren Zeiten
ein Goldbesitz- und Goldhandelsverbot. Somit war für kleinere
Beträge Gold nicht eben das ideale Wertaufbewahrungsmittel. In
solchen Zeiten sind wertbeständige Waren des täglichen Bedarfs
meines Erachtens hierzu viel besser geeignet. Hierzu zählen
Dosennahrung, Zigaretten und auch Spiritousen. Der Besitz dieser
Waren war auch in der Vergangenheit niemals illegal. Sie haben in
Krisenzeiten den Vorteil, dass man sie selbst konsumieren kann.
Darüber hinaus haben sie auch in jeder Zeit einen gewissen
Tauschwert, so dass man diese Waren jederzeit auch gegen andere
benötigte Waren eintauschen kann.
Verfügt man natürlich über vergleichsweise große Beträge können
Gold oder Diamanten hierfür ein Wertaufbewahrungsmittel sein.
Dagegen steht aber wieder die Gefahr, dass in solchen Zeiten häufig
das Rechtssystem zusammenbricht. Es besteht also die Gefahr, dass
z. B. die bisherigen Sicherheitskräfte, die dann ja vom Staat kein
werthaltiges Gehalt mehr bekommen, sich mit ihren Dienstwaffen von
den Besitzenden dasjenige holen, was sie auf legalem Weg nicht mehr
bekommen können. Hinzu kommen natürlich "normale Kriminelle".
Wenn also die Banken nicht mehr der Ort der sicheren Aufbewahrung
von Vermögen sind, muss man dies an einem anderen Ort tun. Dies
führt dann für die Bürger zu einem enormen Sicherheitsproblem. Es
ist nun einmal nicht jedermanns Sache, die zu Hause lagernden
Wertgegenstände mit der Waffe in der Hand zu verteidigen. Außerdem
kann die Herausgabe dieser Gegenstände ja durch Kidnapping von
Familenangehörigen oder durch Folter erzwungen werden.
Deshalb stehe ich Ratschlägen - wie z. B. das Vergraben von eigenem
Gold im eigenen Garten - in wirklichen Notzeiten sehr zurückhaltend
gegenüber. Die meisten dieser Ratgeber sind zu jung, um wirkliche
Notzeiten in Deutschland erlebt zu haben. Dennoch hatte ich in Form
meiner Großeltern, die beide Kriege persönlich erlebt haben,
Ratgeber, die wirklich praxistaugliche Tips für solche Zeiten
hatten und die dann auch wirklich funktioniert haben. Ob dies in
der heutigen Zeit mit teilweise anderen Problem dann auch noch
funktionieren würde, ist eine ganz andere Frage.
schrieb am 10.02.12 10:55:21
Es ist - wie in der Medizin - eben alles eine Frage der Dosis. Wenn
es in Japan der Notenbank gelingen würde, die Deflation in eine
milde Inflation umzukehren, wäre dies ja ein großer Erfolg.
Aus dieser erwünschten milden Inflation muss nicht zwangsläufig
eine Hyperinflation resultieren. Die Inflationshöhe läßt sich mit
den Mitteln der Zentralbank - wenn der politische Wille hierzu
vorliegt - ja weit besser bekämpfen als die Deflation. Mit hohen
bis sehr hohen Zinsen läßt sich in einem gewissen Zeitraum jede
noch so hohe Inflation bekämpfen. Dies zeigen ja die 1980er Jahre.
In diesem Zeitraum trat die Wirtschaft - auf Grund der hohen
Ölpreissteigerungen - mit einer sehr hohen Inflation ein. Die
Regierungsübernahme von Präsident Reagan führte zusammen mit dem
Fed-Vorsitzenden Volcker zu einer vorher nie gesehenen Erhöhung der
Zinsen auf bis zu 20 Prozent. Auch in Deutschland gab es
Bundesanleihen, die bis zu 12 Prozent Zinsen boten. Dies führte die
Wirtschaft in eine Rezession, die wiederum zu einem deutlichen
Rückgang der Ölnachfrage und in der Folge zu deutlich sinkenden
Ölpreisen führten. Auf Grund dieser Faktoren ging die Inflation in
einigen Jahren deutlich zurück.
Da heutzutage die Zinsen mehr als nur niedrig sind, steht den
Notenbanken zu einer Bekämpfung der Inflation jede Menge Munition
zur Erhöhung der Zinsen und damit der Bekämpfung der Inflation zur
Verfügung.
schrieb am 10.02.12 09:28:30
Aktuelle Daten:
Die Einlagen der Banken bei der Europäischen Zentralbank (EZB)
haben sich geringfügig erhöht. Wie die EZB mitteilte, hinterlegten
die Banken des Euroraums per 9. Februar 496,108 Milliarden Euro bei
der EZB als eintägige Einlagen mit einer Verzinsung von 0,25
Prozent. Am Vortag hatten die Kreditinstitute 494,726 Milliarden
Euro hinterlegt. Die Höhe der Einlagen der Geschäftsbanken bei der
EZB gilt als Indiz für das Misstrauen der Institute
untereinander.
Vor dem Jahreswechsel hatte die EZB den Geschäftsbanken über einen
Dreijahrestender 489 Milliarden Euro zur Überbrückung von
Liquiditätsengpässen zugeführt. Beobachtern zufolge legen die
Banken zumindest vorerst einen großen Teil dieser Mittel bei der
EZB an.
Die Ausleihungen aus der zu 1,75 Prozent zu verzinsenden
Spitzenrefinanzierungsfazilität sanken auf 1,602 Milliarden Euro
von 1,826 Milliarden Euro tags zuvor.
DJG/sgs
Copyright (c) 2012 Dow Jones & Company, Inc.
schrieb am 10.02.12 09:05:37
Dass es aber auch im modernen Paradebeispiel Japan nicht doch noch
zu einer gallopierenden Inflation kommt, wird die Zukunft zeigen.
Japan hat eine hochmoderne, effiziente Industrie, die weltweit
beliebte Produkte erzeugt, was, ähnlich wie in Deutschland, zu
Exportüberschüssen geführt hat. Betonung liegt auf "geführt hat",
Perfekt. Erstmals seit langer Zeit gibt es in Japan diesen
Exportüberschuss nicht mehr. Fukushima hat dies vielleicht nur
kurzzeitig verhagelt, ich fürchte aber, das Ganze könnte aber auch
zum Dauerzustand verkommen. Schließlich gibt es eine aufstrebende
Konkurrenz, die es Japan schwer macht. Toyota wird beispielsweise
demnächst wohl seine Weltmarktführerschaft an VW verlieren. Sony
hat bereits schon gehörig gegenüber asiatischen Konkurrenten wie LG
oder SAMSUNG verloren. Kurzum, der Innovationsvorteil, der Japan
lange Zeit stark gemacht hat, schwindet, Exporte werden durch die
Yen-Aufwertung immer teurer und finden keine Abnehmer, die
japanische Notenbank hält mit Geldmengenausweitung dagegen. Die
Deflation könnte demnächst doch von einer Inflation abgelöst
werden. Was die weltweiten Notenbanken aufhorchen lassen wird und
vielleicht den finalen Währungskrieg auslösen wird, der uns im
großen Zinseszinsspiel bevorsteht. Das System GELD OHNE
GOLDSTANDARD führt über Zins und Zinseszins zwangsläufig zu Zyklen,
die mit einem Reset enden. Sagen viele Experten, was dann Strategen
wie Dirk Müller gebetsmühlenartig und populistisch wiederholen, um
dann ihre Kauft-Gold-Endzeitszenarien-Börsenbriefe zu verkaufen,
womit sie, oh Ironie, Geld machen, dass sie selbst schlecht machen.
schrieb am 10.02.12 05:21:44
Zur Klarstellung muss hinzugefügt werden, dass sowohl in der Zeit
des Ersten Weltkrieges als auch im Zweiten Weltkrieg, die
jeweiligen Regierungen ihre Ausgaben nur zu einem ziemlich kleinen
Teil über Steuern und Anleiheverkäufe an Investoren gedeckt haben.
Der weitaus überwiegende Teil der Staatsausgaben wurde durch
Kreditaufnahme bei der Zentralbank - also durch direktes
Gelddrucken - gedeckt.
Heute ist dies anders. Die EZB hat bisher Staatsanleihen von etwa
250 Milliarden Euro gekauft. Dies ist gemessen an den
Staatsverschuldungen von heute nur ein sehr kleiner Teil. So hat
Deutschland eine Staatsverschuldung von 2.000 Milliarden Euro.
Italien hat eine Staatsverschuldung von ca. 1.900 Milliarden Euro.
Auch die übrigen Staaten der Euro-Zone haben eine sehr hohe
Staatsverschuldung aufzuweisen.
Dies ist natürlich nicht schön. Niedrigere Verschuldungsraten wären
zu begrüßen. Dennoch ist die positive Nachricht, dass diese
Schulden eben nicht durch Gelddrucken entstanden sind, sondern
durch den Verkauf von Anleihen an Investoren. Somit handelt es sich
eben nicht um von den Zentralbanken zur Staatsfinanzierung
zusätzlich gedrucktes Geld.
Dies macht den Unterschied von heute zur damaligen Zeit aus.
Natürlich werden durch Anleihenaufkäufe der EZB auch die Geldmengen
erhöht. Diese waren aber vorher durch die Krise auch deutlich
reduziert worden.
Im Idealfall ist die Geldwirtschaft wie eine Waage mit zwei
Wagschalen zu erklären. Auf der einen Seite der Waage befindet sich
die Menge der erzeugten Güter und Dienstleistungen. Auf der anderen
Seite der Waage befindet sich die von der Zentralbank für diese
Gütermenge zur Verfügung gestellte Geldmenge. Ergeben sich nun bei
der Gütermenge oder bei der Geldmenge Veränderungen, so hat dies
unmittelbare Auswirkungen auf die jeweils andere Seite der
Waage.
Erhöht sich nun die Geldmenge, ohne dass die Menge der Güter sich
erhöht haben wir Inflation. Verringert sich nun die Geldmenge, ohne
dass die Anzahl der Güter sich ebenfalls verringern, haben wir
Deflation. Im Idealfall müßte die Zentralbank die Geldmenge stets
nur um das Wachstum der erzeugten Güter erhöhen. Dann hätten wir
ein inflationsfreies Wachstum - also keine Inflation. Dies ist aber
nur in der Theorie möglich, denn das Wachstum der Gütermenge ist ja
erst am Ende eines Jahres bekannt. Die Geldmengenversorgung muss
durch die Zentralbank ja bereits am Anfang des
Betrachtungszeitraumes festgelegt werden.
Nebenbei. Das obige einfache Beispiel zeigt, warum in einer
modernen Industriegesellschaft der Goldstandard nicht eingeführt
werden kann. Beim Goldstandard ist die Geldmenge stets durch die
vorhandene Goldmenge definiert. Dies bedeutet, dass eine jegliche
Mehrproduktion unter dem Goldstandard stets zu fallenden Preisen
führen muss. Mit anderen Worten, eine Gesellschaft mit Goldstandard
und steigender Güterproduktion lebt permanent in der Deflation.
Dies aber kann keine Gesellschaft auf Dauer aushalten.
schrieb am 10.02.12 04:38:12
Von einer Hyperinflation sprechen die Volkswirte erst ab einer
Inflationsrate von fünfzig Prozent pro Monat. Eine solche
Hyperinflation gab es nur 1922 aber nicht zum Ende des Zweiten
Weltkrieges.
Man kann dies an einigen Zahlen sehr schnell zeigen. Weiter oben
hatte ich geschildert, dass sich die Staatsverschuldung von 1933
bis 1945 ca. um den Faktor 33 erhöht hat. In den 1920er Jahren lag
die Zunahme der Verschuldung weit höher. So lag die
Staatsverschuldung 1921 bei ca. 350 Milliarden Reichsmark. Ein Jahr
später lag die Staatsverschuldung im Jahre 1922 bereits bei ca.
6.560 Miliarden Reichsmark. Die Staatsverschuldung hatte sich also
in einem Jahr um den Faktor 18 erhöht.
Dies lag wohl daran, dass die Siegermächte des Ersten Weltkrieges
vom Deutschen Reich gewaltige Reparationszahlungen forderten. Diese
Forderungen mußten vorzugsweise in den Fremdwährungen Dollar und
Pfund erbracht werden. Die Reichsregierung mußte also über die
Reichsbank Geld drucken lassen, welches zum Ankauf von
Fremdwährungen benutzt werden mußte. Dies führte zu einem
gewaltigen Kursverfall der Reichsmark an den Devisenmärkten. So
mußte z. B. 1913 für den Kauf eines Dollars ein Betrag von 4,21
Reichsmark bezahlt werden. Ende des Jahres 1922 mußte man für einen
Dollar bereits ca. 125.000 Milliarden Reichsmark aufwenden, anders
ausgedrück also 125 Billionen Mark.
Am Ende des Zweiten Weltkrieges brauchte Deutschland keine
Reparationen in Fremdwährung bezahlen. Dies hielt nach diesem Krieg
die Inflation in Grenzen. Aufgrund dieser Vorkommnisse sind
namhafte Volkswirte der Auffassung, dass eine noch so hohe
Staatsverschuldung nicht zur Hyperinflation führt, wenn die
Verschuldung in der eigenen Währung besteht.
Dies ist auch in Japan der Fall. Die Staatsverschuldung in Japan
besteht fast ausschließlich bei den eigenen Bürgern. Deshalb ist
man von ausländischen Anlegern weitgehend unabhängig. Auch ist zu
berücksichtigen, dass die japanische Währung Yen in den letzten
Jahren gegen fast alle anderen Währungen ständig aufgewertet hat.
Dies verbilligt die Importe sehr stark und verhindert nicht nur
Inflation, sondern führt in Japan sogar zur Deflation.
Zusammenfassend kann man sagen, dass in der gegenwärtigen Lage sehr
viele - auch gegenläufige Faktoren - wirken, die sich teilweise
auch dem direkten Zugriff der Akteure entziehen. Deshalb halte ich
es auch nicht für vorhersehbar, ob wir nun in eine Inflation oder
in eine Deflation kommen werden.
Zur Zeit scheinen die Märkte ja eher optimistisch zu sein, dass
eine Deflation vermieden werden kann. Sicher ist dies aber noch
nicht.
schrieb am 10.02.12 04:10:14
Überwiegend durch die Stützung ihrer heimischen Banken kam es im
Anschluß an die Finanz- und Bankenkrise zu der gegenwärtigen
Staatsschuldenkrise. Die bisherigen Käufer von Staatsanleihen
bemerkten erst jetzt mit einiger Verspätung, dass die
Schuldentragfähigkeit einiger Staaten bei den gegenwärtigen
Schuldenständen nicht mehr gegeben ist.
Zudem mußte Griechenland Anfang 2010 einräumen, dass die bisher
vorgelegten Statistiken über die Schuldenhöhe des Landes wohl seit
einigen Jahren falsch waren. Das Ergebnis war, dass einige Staaten
sich nicht mehr zu bisherigen Zinsen finanzieren konnten. Dies
bedeutete für diese Länder steigende Zinsen.
Steigende Zinsen bedeuten bei Anleihen aber fallende Kurse. Mit
anderen Worten, mit den fallenden Kursen für Anleihen wurden
wiederum Werte in Milliardenhöhe vernichtet. Die Banken mußten auf
ihre Bestände erhebliche Abschreibungen vornehmen. So soll
Griechenland mit etwa 350 Milliarden Euro verschuldet sein. Wenn
man davon ausgeht, dass griechische Anleihen zur Zeit nur mit
durchschnittlich 40 Prozent ihres Nennwertes am Markt gehandelt
werden, haben die Investoren allein im Falle Griechenlands zur Zeit
60 Prozent von 350 Milliarden Euro, also 210 Milliarden Euro
verloren. Dieser Verlust verringert natürlich die Menge an
umlaufendem Zentralbankgeld.
Wenn man nun die Kursverluste bei Anleihen von den anderen
Problemländern Irland, Italien, Spanien und Portugal in die
Betrachtung einbezieht kommt man insgesamt auf eine gigantische
Verringerung der Geldmenge. Eine solche Verringerung der Geldmenge
würde ohne ein Gegensteuern der Regierungen und der Zentralbanken
unweigerlich in eine tiefe Rezession und auch in die Deflation
führen.
Unter diesen Umständen muss zunächst einmal abgewartet werden, um
eine Aussage darüber treffen zu können, ob die bisherigen Maßnahmen
der Zentralbanken überhaupt zu einer Erhöhung der Geldmenge geführt
haben oder ob sie vielleicht noch nicht einmal ausgereicht haben,
die durch die verschiedenen Krisen verursachte Verringerung der
Geldmenge auszugleichen.
So konnte man ja vor einigen Wochen beobachten, dass die
Privatbanken zwar das von der EZB angebotene Geld in Höhe von 500
Milliarden Euro angenommen haben. Gleichzeitig konnte man der
Presse entnehmen, dass die Privatbanken dieses Geld im Gegenzug
wieder bei der EZB auf Tagesgeldkonten geparkt haben. Also hat
diese Aktion im ersten Schritt überhaupt nicht zu einer Erhöhung
der Geldmenge geführt. Dies soll sich zwar ändern, indem die Banken
die von der Zentralbank erhaltenen Gelder in Staatsanleihen und
Aktien investieren. Der Umfang dieser Investitionen bleibt aber
abzuwarten.
schrieb am 10.02.12 03:42:47
Zunächst einmal muss festgehalten werden, dass durch die
Finanzkrise des Jahres 2009 die Geldmengen um etliche Taussend
Milliarden Euro reduziert wurde.
In den USA ist dies besonders deutlich durch den radikalen
Preisverfall der Grundstückspreise. Hierdurch waren die an die
Grundstückseigentümer gegebenen Kredite in vielen Fällen nur noch
"Null" wert und mußten von den Banken abgeschrieben werden.
Gleichzeitig brachen die Aktienkurse ein. Hierdurch wurden auch
Werte von erheblichem Umfang vernichtet.
Da die amerikanischen Hypothekenkredite auch in bedeutendem Umfang
in verbriefter Form nach Europa verkauft worden waren, schwappte
die Krise auch nach Europa über. Auch diese Papiere verloren in den
Bilanzen europäischer Banken an Wert, so dass die Banken diese
Papiere abschreiben mußten. Hierdurch wurden die Geldmengen auch in
Europa zunächst einmal deutlich reduziert.
Durch die notwendigen Abschreibungen gerieten die Banken in
Schieflage und mußten durch ihre jeweiligen nationalen Regierungen
gestützt werden. Dies geschah zum Teil durch Garantien und zu einem
anderen Teil durch Kapitaleinzahlungen. Die Staaten finanzierten
dies durch die vermehrte Ausgabe von Staatsanleihen.
Wenn ein Staat vermehrt Staatsanleihen ausgibt erhöht sich zwar die
Staatsverschuldung. Die Geldmenge erhöht sich hierdurch aber
zunächst nicht. Denn der Staat verkauft die Anleihen ja an
Investoren, die bereits bestehendes Geld für diese Anleihen an den
Staat geben. Das vorhandene Geld geht also von den Investoren an
den Staat.
Anders verhält es sich wenn die Notenbank - also hier die EZB bzw.
die noch bestehenden nationalen Zentralbanken - Staatsanleihen
erwerben. Die EZB hat sich aber im zu Anfang des
Anleiheaufkaufprogrammes bemüht, die zusätzliche Geldmenge, die
durch den Aufkauf der Staatsanleihen geschaffen wurde, an anderer
Stelle wieder einzusammeln. Dies geschieht durch die sogenannte
"Offenmarktpolitik". Die Notenbank ist berechtigt kurzlaufende
Geldmarktpapieren auszugeben und an Investoren zu verkaufen. Wenn
dies geschieht wird die Geldmenge wiederum reduziert, da die
Notenbanken ja Wertpapiere an die Investoren verkaufen und von
denen dafür Geld erhält. Dieses Geld wird von den Investoren also
quasi an die Notenbank zurück gegeben und vermindert so die
Geldmenge.
schrieb am 09.02.12 18:35:30
Was die Frage aufwirft, wie lange man dieses Verschuldungs-Spiel
noch hätte spielen können (ohne die Sondersituation Weltkrieg!),
ohne dass die Hyperinflation schließlich das Geld vernichtet hätte.
Ein Jahrzehnt ist ja auch nicht so eine lange Zeit. Gibt es
historische Beispiele für längere Zeiträume? Wie lange kann man so
einen Status aufrecht erhalten? Wie ist die Perspektive für Japan,
die wohl zurzeit das Paradebeispiel für Ausweitung der Geldmenge
ohne Inflation sind.
Im Übrigen gibt es neben der EZB noch europäische staatliche
Notenbanken, die massiv Geld drucken. Ich weiß nicht, ob man das
vernachlässigen kann, wenn man das gegenüber den gigantischen
Zahlenspielen der EZB gewichtet. Es klingt aber weniger lustig,
wenn man sich vor Augen führt, dass die griechische Notenbank
überhaupt in der Lage ist Fiat Money zu spielen...
http://www.welt.de/wirtschaft/article13857888/Athens-Risiko-Spiel-mit-der-Gelddruckmaschine.html
schrieb am 09.02.12 13:06:02
Die Hoffnung ist eben, dass man mit den durchgeführten Maßnahmen -
z. B. Rettungsschirme, Anleihenaufkauf durch die EZB, gigantische
Geldversorgung der Banken durch die EZB in Verbindung mit
Sparmaßnahmen in den Krisenländern - Zeit gekauft wird. Diese
gewonnene Zeit - so ist wohl die Hoffnung der Wirtschaftsteilnehmer
- kann zu Reformen genutzt werden, um die Verschuldung in den
Krisenstaaten wieder auf einen tragbaren Stand zu führen.
Hierbei kann flankierend eine gewisse Inflation und notfalls auch
ein begrenzter Schuldenschnitt in einigen Problemländern helfen.
Ergänzend kann man auch die teilweise in Krisenländern vorhandenen
gigantischen Vermögen in Form von Verkäufen von Staatsvermögen oder
von Vermögensabgaben auf die Privatvermögen zur Sarnierung der
Staatsschulden heranziehen.
Nicht zuletzt die Geschichte des dritten Reiches zeigt ja, dass man
als Staat mit einer gigantischen Verschuldung bei strengen
Preiskontrollen ja auch ohne Inflation mehr als ein Jahrzehnt -
sogar in schlimmen Kriegszeiten - überleben kann.
Als Hitler 1933 die Macht übernahm lag die Staatsverschuldung bei
ca. 11 Milliarden Reichsmark. Am Ende des letzten vollständigen
Rechnungsjahres des dritten Reiches - nämlich vom 01.10.1943 bis
30.09.1944 - lag die Verschuldung des Deutschen Reiches bei ca. 371
Milliarden Reichsmark. Mit dieser gigantischen Verschuldung bei der
Deutschen Reichsbank - hier lag also echtes Gelddrucken vor - hat
die Hitler-Regierung zunächst Bauprojekte, wie die Autobahnen und
die Olympischen Spiele, und dann schließlich den Krieg
finanziert.
Diese Zahlen stammen aus einem Buch von Graf Schwerin von Krosigk,
der von 1933 bis 1945 der Finanzmininster in der Regierung Hitler
war. Der Graf hat im Jahre 1970 ein entsprechendes Buch geschrieben
und verstarb im Jahre 1977. Von daher kann man den genannten Zahlen
wohl als zutreffend ausgehen.
Jedenfalls zeigt dieses Beispiel, dass man über einen längeren
Zeitraum eine gewaltige Verschuldung betreiben und gleichzeitig
eine schwere Krise - nämlich den Weltkrieg - durchstehen kann, ohne
den finanziellen Kollaps zu erleiden. Es ist ja bekannt, dass die
Hitler-Regierung nicht wegen eines finanziellen Zusammenbruches,
sondern wegen einer militärischen Niederlage von der Macht entfernt
wurde.
schrieb am 09.02.12 04:48:30
bisher gab es kein "nach unten". auch nicht als Amazon schlechte
Zahlen kürzlich lieferte. Das billige Geld treibt die Kurse.
daher....Abwarten,
und safe mit sicherem stop-buy gehen.
Irgendwann kommt der Zeitpunkt, da ist selbst das billige Geld
keine Lösung mehr....aber solange die Wahl läuft, wird erst mal das
meiste geschönigt.
(obama möchte doch gewinnen, oder?...der scherbenhaufen wird
übergeben,
wenn er verliert)
schrieb am 09.02.12 02:10:49
Ich gebe ja zu, dass der gegenwärtige Kurs auch seine Risiken
hat.
Aber es gibt ja keinen anderen Weg. Wenn z. B. Spanien den Sparkurs
aufgeben würde, könnte es sich bald am freien Markt nur noch zu
griechischen Zinsen - also gar nicht - refinanzieren.
Auch die Geberländer könnten weitere Kredithilfen an Länder, die
nicht sparen wollen, politisch zu Hause nicht mehr durchsetzen.
Bliebe nur die EZB. Ob aber ein unbegrenzter Aufkauf von
Staatsanleihen auf Dauer von den Geberländern hingenommen würde,
ist eine offene Frage.
Wenn der gegenwärtige Kurs nicht klappt, fallen eben alle
Krisenländer in die Insolvenz. Dann aber geht es nicht mehr um
Ersparnisse um ca. fünf Prozent des BIP pro Jahr. Wenn diese Länder
keine Anleihen mehr unterbringen können, werden sie - mangels
Einnahmen aus Krediten - eben dreißig Prozent des BIP im Jahr
"sparen" müssen.
In diesem Fall wäre wohl wirklich das finanzielle Ende der
Weltwirtschaft gekommen. Einem totalen finanziellen Zusammenbruch
Europas könnte sich wohl keine Region dieser Welt entziehen, ohne
selbst großen Schaden zu nehmen. Dann wird wohl auch der Kauf von
Puts nicht weiterhelfen, da dann die Banken, die die Puts
geschrieben haben, wohl selbst in die Insolvenz fallen würden.
Damit wären dann auch alle Puts wertlos.
Einen solchen Fall sehe ich aber zunächst nicht kommen. Am
29.02.2012 wird die EZB die Banken wiederum mit einer unbegrenzten
Menge Geld zu einem Zinssatz von 1 % pro Jahr und mit einer
Laufzeit von drei Jahren versorgen. Die Banken werden dann mit
einem großen Teil dieser Mittel Staatsanleihen - auch der
Krisenländer - erwerben. Die Krisenländer zahlen den Banken
deutlich höhere Zinsen als diese selbst bei der EZB zu zahlen
haben. Dies wird die Ertragslage der Banken steigern und sie können
mit den Erträgen auch ihre Rücklagen stärken.
Dieses Manöver kann die EZB notfalls auch mehrfach wiederholen, so
daß eine Zahlungsunfähigkeit von Staaten oder Banken auf absehbare
Zeit nicht eintreten wird. Das Risiko ist natürlich, dass nach
einiger Zeit das Inflationsrisiko steigen kann. Genau dies ist aber
ja erwünscht. Denn durch den Zusammenbruch eines Staates würden ja
die Anleihen dieses Staates einen großen Teil ihres Wertes
verlieren. Dies wiederum würde die Geldmenge enorm schrumpfen
lassen und den sicheren Weg in die Deflation bedeuten.
Solange die Sparmaßnahmen der Krisenstaaten durch Geldschöpfung der
EZB ausgeglichen wird ist die Gefahr einer Deflation wohl
gebannt.
Auch muss das von der EZB geschaffene Geld ja von den Banken und
anderen Wirtschaftsteilnehmern angelegt werden. Dieses Geld fließt
neben den Staatsanleihen zum Teil auch in die Aktienmärkte, was
diese in der Tendenz steigen läßt. Diese Entwicklung sehen wir
offenbar zur Zeit.
schrieb am 08.02.12 19:00:24
Zitat von Karla_MarxEinzige
Möglichkeit, die von beiden Szenarien profitiert: Puts auf
Finanzaktien.
Das Problem dabei ist, daß sich das Sterben noch ein Weile
hinziehen könnte.
Die EZB hat gerade das Bankensystem mit Geld geflutet und die
Banken kaufen mit diesem Geld wieder Staatsanleihen ihrer Staaten.
Das ist übrigens der einzige Grund, warum die Renditen spanischer
und italienischer Anleihen gefallen sind. Das Problem wird dadurch
von den maroden Staaten weg in deren (marodes) Bankensystem
verschoben. Irgendwann kommt es von dort wieder hoch. Aber das kann
noch lange dauern.
Die besten Strategie ist m. E., erstmal gar nix zu tun.
Aktienbestände würde ich mit SL absichern, außer
abgeltungssteuerfreie Altbestände exzellenter und krisenfester
Gesellschaften. Die würde ich mit durch den Crash nehmen.
schrieb am 08.02.12 18:50:36
Zitat von kenkennardDie
Vergangenheit zeigt aber auch, dass die gegenwärtige Lage bei
weitem nicht so schlecht einzuschätzen ist, wie man dies in der
öffentlichen Meinung findet. [...] Spanien wies 1997 eine
Verschuldung von 66,8 Prozent des BIP aus. Ende des Jahres 2007 war
die Verschuldung auf 36,2 Prozent des BIP gesunken.
Zu Spanien lies mal dies hier:
"Die dritte Bedrohung rührt von den Konsequenzen einer möglichen
Schuldenfalle in Spanien. Der japanische Ökonom Richard Koo hat in
seinen Untersuchungen über die die japanische Depression der
neunziger Jahre das Konzept einer Bilanz-Rezession entwickelt, das
man eins zu eins auf Spanien übertragen kann. Bilanzrezessionen
sind selten. Wenn sie auftreten, sind sie grausam. Sie entstehen
dadurch, dass der Privatsektor nach einer geplatzten
Spekulationsblase über Jahre hinweg nicht mehr seine Profite
maximiert - eine Grundannahme allen ökonomischen Denkens - sondern
unabhängig vom Zinsniveau seine Schulden abbaut. Sicherheit geht
plötzlich vor Gewinnstreben. Wenn der Staat dann nicht massiv mit
höheren Staatsausgaben gegensteuert, fällt das Land in eine
dramatische Schuldenfalle. Ein Fehler, den der japanische Staat
vermieden hat. Laut Koo hätte Japan mit einer restriktiven
Haushaltspolitik 60 Prozent seiner Wirtschaftsleistung
eingebüßt.
Spanien macht jetzt genau den Fehler, vor dem Koo Japan mit Erfolg
gewarnt hat. In Spanien entschulden sich Privatsektor und Staat
zeitgleich. Wenn man Spanien nicht aus den Zwängen des
Stabilitätspakts entlässt, dann kommt es dort zu einem Einschnitt
ähnlich oder schlimmer als bei uns während der Großen Depression.
Die Vorgabe der europäischen Haushaltspolitik führt Spanien direkt
in diese Katastrophe."
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,813992,00.h…
schrieb am 08.02.12 18:48:36
Zitat von Karla_MarxIn
meinen Augen gibt es nach aktuellem Stand zwei Möglichkeiten, die
leider gegensätzliche Anlegerstrategien erfordern.
1. Die Insolvenz ist bereits komplett bilanziert, die Banken und
Versicherer hatten lange genug Zeit, sich auf einen Ausfall
vorzubereiten...
Das ist nicht der Fall, die griechischen Banken z. B. sind randvoll
mit Anleihen ihres Staates und daher sofort tot, wenn die Insolvenz
kommt. Zudem haben die europäischen Geschäftsbanken noch genug von
diesen Papieren, die unzureichend wertberichtigt sind. Und nicht
vergessen: Die EZB schwimmt in griechischen Staatsanleihen,
allesamt nicht wertberichtigt.
schrieb am 08.02.12 14:30:14
Starbucks habe ich als ein exemplarisches Fallbeispiel willkürlich
herausgegriffen. Somit hat der Thread auch einen Indikator, wie
sich der Markt seit Threadbeginn entwickelt hat.
In meinen Augen gibt es nach aktuellem Stand zwei Möglichkeiten,
die leider gegensätzliche Anlegerstrategien erfordern.
1. Die Insolvenz ist bereits komplett bilanziert, die Banken und
Versicherer hatten lange genug Zeit, sich auf einen Ausfall
vorzubereiten und haben Anlagen in Griechenland faktisch
abgeschrieben. Kommt die offizielle Meldung, geht es an den Börsen
steil aufwärts. Der Finanzsektor wird natürlich zunächst in
Sippenhaft genommen und abverkauft werden, ob man betroffen ist
oder nicht. Nach kurzer Zeit gibt es aber auch in diesem Sektor
einen Rebound, weil klar ist, dass der Ausfall kaum Auswirkungen
mehr hat.
Strategie: Man kauft jetzt schon kräftig Aktien, um den Anstieg
optimal zu nutzen. In Finanztiteln geht man short.
2. Der Finanzsektor hat es nicht geschafft, sich auf den Ausfall
vorzubereiten und es gibt einen systemischen Effekt. Es gibt einen
Crash in allen Assetklassen. Hier profitiert man mit Shorts auf
Aktien und Rohstoffen.
Einzige Möglichkeit, die von beiden Szenarien profitiert: Puts auf
Finanzaktien.
Was meint ihr?
Und: Ist die Insolvenz im €uroraum möglich oder muss Griechenland
im Fall X raus aus dem €uro?
schrieb am 08.02.12 13:30:13
Nach Griechenland wendet sich der Blick einfach auf die nächste
Baustelle.
schrieb am 08.02.12 12:52:49
Die Vergangenheit zeigt aber auch, dass die gegenwärtige Lage bei
weitem nicht so schlecht einzuschätzen ist, wie man dies in der
öffentlichen Meinung findet.
So konnten in der Vergangenheit einige Länder ihre Verschuldungen
gemessen in Prozent des BIP deutlich zurückführen.
Irland wies im Jahre 1994 eine Verschuldung in Höhe von 94,1
Prozent des BIP aus. Ende 2006 war die Verschuldung auf 24,9 % des
BIP zurück geführt worden.
Spanien wies 1997 eine Verschuldung von 66,8 Prozent des BIP aus.
Ende des Jahres 2007 war die Verschuldung auf 36,2 Prozent des BIP
gesunken.
Italien wies Ende 1996 eine Verschuldung von 121,5 Prozent des BIP
aus. Ende 2003 war die Verschuldung auf 104,4 Prozent des BIP
gesunken.
Eine wahrhaft griechenlandähnliche Verschuldung wies Belgien zum
Ende des Jahres 1994 mit 134,2 Prozent des BIP aus. Bis Ende des
Jahres 2007 konnte das Land die Verschuldung auf tragbare 84,0
Prozent des BIP zurückführen.
Quelle :
www.oekonomenstimme.org/wege aus der Staatsverschuldung
Wenn man die Medien studiert bekommt der unbedarfte Leser den
Eindruck, dass es mit der Staatsverschuldung ununterbrochen nach
oben geht. Die obigen Zahlen zeigen, dass dies nicht immer richtig
ist.
Vielleicht haben die Märkte dies ja im Blick. Der Prozess des
Schuldenabbaues in den obigen Staaten wurde ja vornehmlich durch
die Finanzkrise des Jahres 2008 unterbrochen. Da dann die Banken
gerettet wurden, wurde aus der Finanzkrise dann eine
Staatsschuldenkrise. Dies zeigt besonders das Beispiel Irland.
Dieses Land hat ja mit seinen Mitteln in den Vorjahren eine
besonders sparsame Politik betrieben und eine wahrhaft gigantische
Rückführung seiner Verschuldung in Prozent des BIP geschafft. Auch
Spanien und Italien haben ja in der Vergangenheit gezeigt, dass sie
hierzu in der Lage sind.
Das Positive an der gegenwärtigen Krise ist ja, dass die Staaten
nunmehr verstärkte Anstrengungen auf Druck der Märkte vornehmen
müssen.
Die obigen Zahlen zeigen aber auch, dass in der Vergangenheit dies
ja bereits auch ohne Druck der Märkte in verschiedenen Fällen
gelungen ist.
Bei Griechenland hingegen sind die Aussichten düster. In den
vorgenannten Ländern sind die politischen Parteien weitgehend einig
darüber, dass nunmehr die Probleme angepackt werden müssen. Anders
in Griechenland. Dort hat man den Eindruck, dass sich die Parteien
bei nächster Gelegenheit von den getroffenen Vereinbarungen wieder
distanzieren werden und den Wählern unhaltbare Versprechungen
machen werden.
So wird Griechenland in die Insolvenz fallen. Die Marktteilnehmer
snd aber hierauf bereits vorbereitet. Eine Krise, die bekannt ist,
hat der Markt aber bereits eingepreist. Nur unerwartete Krisen
können den Markt schockieren. Dies bedeutet natürlich nicht, dass
die Aktienmärkte nicht noch gewisse Rücksetzer sehen werden. Dafür
sind die Aktienkurse in den letzten Wochen einfach zu stark
gestiegen.
Insgesamt erwarte ich zum Jahresende einen Dax-Stand von leicht
oberhalb dem heutigen Niveau. Dies ist nicht übermäßig optimistisch
aber eben auch nicht pessimistisch.
schrieb am 08.02.12 12:14:59
Aktienanlagen waren in der Vergangenheit ein gutes Anlagemedium
sowohl in Zeiten einer aufstrebenden Wirtschaft als auch in einer
Zeit wo der deutsche Staat zusammengbrochen ist.
So konnte man in der Zeit der Hyperinflation von 1922 als auch der
Währungsreform von 1948 mit Sachanlagen einen Teil seines Geldes in
Sicherheit bringen. Aktien sind hier als liquide Sachanlage eine
der besten Wege dies zu tun. Andere Sachanlagen haben ihre
Probleme. So war der Goldbesitz und auch der Goldhandel in der oben
genannten Zeit in der einen oder anderen Zeit verboten. Man konnte
hier also legal keinen Käufer finden, wenn man sein Gold in z. B.
Lebensmittel umtauschen wollte. Dies führte für den Goldbesitzer -
wenn er z. B. bei einem Bauern sein Gold in Lebensmittel umtauschen
wollte - dazu, dass er sein Gold weit unter Wert weggeben mußte.
Immobilien wurden in dieser Zeit vom Staat mit Zwangshypotheken
belegt.
Auch Aktien erfüllten in dieser Zeit nicht die vollen Anforderungen
an eine Sicherung des Kapitals während der Krise, da ja in dieser
Zeit der Aktienhandel auch weitgehend nicht möglich war. Nach dem
Ende der Krise und der Einführung einer neuen Währung allerdings -
so 1923 die
Rentenmark und 1948 die DM - konnten die Aktien ihre Vorteile als
Wertaufbewahrungsmedium voll ausspielen.
Je nachdem - wie man das Ausmaß der Krise in der Zukunft einschätzt
- macht nach den Erfahrungen der Vergangenheit eine Kombination aus
physischem Gold - mit Aufbewahrung an einem geheimen Ort -
zuzüglich Aktien für die Zeit nach der Krise Sinn. Man muss sich
allerdings darüber im klaren sein, dass man bei einer wirklichen
Krise im Ausmaß der oben genannten Krise für sein Gold bei weitem
nicht den vollen Marktwert erhalten wird. Aber ein Wenig ist
natürlich immer noch weit besser als ein Nichts.
So vermag ich nicht zu sagen, warum die Aktien zur Zeit steigen.
Sind die Kursgewinne ein Zeichen dafür, dass die Anleger eine
Besserung der Situation erwarten, oder sind die Kursgewinne ein
Zeichen dafür, dass die Zeiten nach Ansicht der Anleger noch
schlimmer werden und sie ihr Geld in Form von Sachwerten in
Sicherheit bringen wollen.
schrieb am 08.02.12 11:33:45
Im März läuft eine Anleihe aus. Jetzt zu 38% einsteigen u. im März
100% kassieren...
schrieb am 08.02.12 09:00:06
PS: Starbucks wäre wie jedes andere börsennotierte Unternehmen
betroffen. Freilich würden solche defensiven Titel nicht so stark
leiden wie z. B. Titel aus dem Bankensektor. Den Bankensektor würde
die kommenden Krise vollständig zerlegen.
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