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    Warum Die Finanzkrise nicht gelöst werden kann (oder soll)

    eröffnet am 23.04.12 23:56:23 von
    mpckoeln

    neuester Beitrag 26.10.12 22:10:02 von
    Schliemann
    Beiträge: 27
    ID: 1.173.871
    Aufrufe heute: 0
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    mpckoeln
    schrieb am 23.04.12 23:56:23
    Beitrag Nr. 1 (43.078.342)
    Zunächst einmal muß man klarstellen, das es sich nicht um eine sog. Schuldenkrise sondern um eine Finanzkrise handelt.

    Diese hatte ihren Anfang nicht erst 2008 mit den ersten Turbulenzen auf den Finanzmärkten. Dies waren nur die ersten Anzeichen einer über Jahre hinweg verfehlten Wirtschaftspolitik an der auch Deutschland einen großen Anteil hat.

    1. Währungsunion ( Einführung des Euro)

    Was ist eigentlich eine Währungsunion ? Verschiedene Staaten führen eine gemeinsame Währung ein, verzichten auf eigene Notenbanken und legen ein gemeinsames Inflationsziel fest. Im Falle des Euro 1,9 %. Soweit die Theorie. Was passierte aber in der Praxis. Die Inflation in den Euroländern driftete über viele Jahre weit auseinander. 10 jahre später feierte die EZB die Einhaltung des Inflationsziels in Europa mit ca 1,9 %. Dies ist jedoch ein unwahrer Durchschnitt. Stellen Sie sich vor sie verbrennen sich die eine Hand an der Herdplatte und legen die andere in Eiswasser. Die Durchschnittstemperatur wird wohl stimmen, aber es geht ihnen nicht sehr gut dabei, wie man sich sicher vorstellen kann.

    Was ist passiert ?

    Inflation 1999 = 100 geplant 2010 = 125

    Reale Entwicklung

    Deutschland 110
    Frankreich 122
    Südeuropa 134

    Während die Durchschnittliche Preissteigerung in Deutschland 0,9 % betrug, betrug sie in Südeuropa 2,8 %. Dies stellt die Gemeinschaft vor große Probleme. Dies führt zu großen Ungleichheiten im Handel. Während in Deutschland der Außenhandelsüberschuß neue Rekordhöhen erreichte, erreichten die südeuropäischen Länder neue Rekorddefizite.

    2. Lohnstückkostendivergenz

    Das dauerhafte Auseinanderlaufen der Lohnstückkosten in der Eurozone kann langfristig zu Wachstumseinbußen führen und birgt Risiken für das Fortbestehen der Währungsunion. Ursache der Divergenz sind vor allem starke Veränderungen in der Wettbewerbsposition einzelner Länder seit Beginn der Währungsunion. So hat sich die Position der südeuropäischen Länder um rund ein Zehntel verschlechtert, während sich diejenige Deutschlands fast im gleichen Ausmaß verbessert hat. Dass der Lohnstückkostenanstieg in einzelnen Ländern auch strukturell deutlich vom Durchschnitt abweicht, deutet auf eine dauerhafte Divergenz hin. Außerdem wirken Abweichungen im Euroraum länger nach als entsprechende regionale Divergenzen in den USA oder in Westdeutschland.

    3. Entwicklung Masseneinkommen, privater Konsum und Unternehmensgewinne in Deutschland

    Index 1991 = 100

    Werte 1999

    Masseneinkommen 108
    Privater Konsum 112
    Unternehmensgewinne 115

    Werte 2010 Index 2000 = 100

    Masseneinkommen 103
    Privater Konsum 106
    Unternehmensgewinne 118

    Während das Einkommen der Bevölkerung und der Konsum fast stagnierten explodierten die Unternehmensgewinne. Jahrelange Lohnzurückhaltung in Deutschland hat den Binnenmarkt völlig stagnieren lassen. Einzig die Exporte schnellten in nie genannte Höhen und waren Garant für Beschäftigung. Die Gegenbuchaung dafür bekommen wir nun in Südeuropa.

    4. Verfehlte Geldpolitik der EZB durch Fehler im Maastrichtvertrag.


    Die EZB flutet die europäischen Banken mit Geld. 1000 Milliarden in 3 Jahren. Zinssatz 1 %. Die Banken kaufen dafür Staatsanleihen der Eurostaaten um die Zinssätze einigermaßen erträglich zu halten. Zinssätze zwischen 1,5 und 6 %. Money for Nothing. Dies spült ca 150 Milliarden Gewinne in die Kassen der Banken. Aber Warum ? Hätte man den Maastrichtvertrag so geändert, dass die EZB in unbeschränkter Höhe direkt Staatsanleihen der Euro-Länder hätte kaufen können, wären die 150 Milliarden als Gewinn bei der EZB verblieben. Und wem gehört die EZB ? Den Staaten natürlich. Sie hätte die so erwirtschafteten Gewinne an die Staaten zurückgeführt, so das die Finanzierung der Staaten fast zum Nulltarif erfolgt. Eigentlich kann es manchmal so einfach sein. In den USA hat die FED kürzlich 79 MRD US Dollar an den Staat zurückgeführt. Also es geht doch !

    Wie können wir dieses Problem lösen ?

    1. Änderung des Maastrichtvertrages und Änderung der Geldpolitik der EZB.

    2. Deutliche Anhebung der Löhne in Deutschland in den nächten 15 Jahren von je 4,5 % jährlich.

    3. Dadurch leichter Anstieg der Inflation um ca 0,5 %

    4. Stärkere Besteuerung von Unternehmensgewinnen die nicht wieder Investiert werden. Wir brauchen wieder mehr Investitionen in der deutschen Wirtschaft und müssen Arbeitsplätze schaffen über eine deutliche Steigerung der Binnennachfrage in Deutschland. Es darf nicht sein das Unternehmesgewinne an den Kapitalmärkten zum Zocken und für immer höhere Dividendenzahlungen ausgegeben werden.

    5. Verwendung dieser Steuermehreinnahmen durch den Staat für dringend benötigte Bereiche wie Bildung, Integration, Ausbildung, Infrastrukturverbesserungen.

    6. Gleichzeitiger, langsamer Abbau des Außenhandelsüberschusses über 25 Jahre.

    7. Langsames Herstellen einer Lohnstückkostenkonvergenz in Europa

    Eine grosse Lücke klafft in der Wettbewerbsfähigkeit zwischen den Mitgliedsstaaten der Eurozone, einerseits wegen der Lohndumping-Politik Deutschlands und andererseits wegen des Lohnwachstums in Südeuropa, welches über dem Wachstum der Produktivität plus dem Inflationszielwert von 2% liegt.

    Eine europaweite Koordinierung der Lohnpolitik ist der einzige Weg, um diese Lücke zu schliessen. Da jedoch die Löhne und die Wettbewerbsfähigkeit nicht ganz auf der Tagesordnung der verantwortlichen Politiker und ihrer Berater stehen, läuft die Zeit davon, den Euro zu retten.
    Avatar
    aekschonaer
    schrieb am 24.04.12 00:44:56
    Beitrag Nr. 2 (43.078.413)
    Vielleicht ist dieser Link für dich interessant

    www.rottmeyer.de
    Avatar
    InEx
    schrieb am 24.04.12 03:46:13
    Beitrag Nr. 3 (43.078.492)
    Stellen Sie sich vor, sie verbrennen sich die eine Hand an der Herdplatte und legen die andere in Eiswasser. Die Durchschnittstemperatur wird wohl stimmen, aber es geht ihnen nicht sehr gut dabei, wie man sich sicher vorstellen kann.

    :laugh:
    Avatar
    Minor
    schrieb am 24.04.12 08:41:35
    Beitrag Nr. 4 (43.078.835)
    Nur kurz als Zeilantowrt:

    Europa ist keine abgeschlossene Kapsel in der man dem Deutschen nur das an Lohn nachzahlen muß, was die Südländer in ihrer gelernten Inflationskultur schon voraus genommen haben.
    Wir stehen im Wettbewerb mit der ganzen Welt und hier in D hat man sich etwas darauf eingestellt konkurrenzfähig zu sein.

    Dazu noch die EZB offiziell zur politisch einsetzbaren Druckerei zu machen zeugt auch nur von einer naiven Vorstellung der Einhaltung von Grenzen, die man den Begehrlichkeiten der Politräuber vorher bestimmt und ganz sicher setzen wird. Die lügen doch niemals:laugh:

    Halbwegs interessante Unternehmensgewinne und Ausschüttungen bringen doch erst Auslandsinvestoren, schau mal auf die Besitzverteilung in den DAX-Werten etc. Wird bestimmt lustig, wenn die ihr Geld abziehen.
    Avatar
    Preisboxer
    schrieb am 24.04.12 12:08:49
    Beitrag Nr. 5 (43.079.930)
    Zitat von mpckoeln...
    Deine Lösungsvorschläge sind ungeeignet. Wenn Deutschland jetzt auf den Pfad Südeuropas einschwenkt, also die Löhne erhöht/die Leistungsbilanzüberschüsse herunterfährt, geht Europa das Geld aus. Das würde die Krise nicht ent- sondern verschärfen.
    Avatar
    oscarello
    schrieb am 24.04.12 13:13:55
    Beitrag Nr. 6 (43.080.265)
    theoretisch müssten sich die Lohnkosten der
    Südländer drastisch reduzieren,da eine Abwertung über die Währungen
    nicht mehr möglich ist.Niedrige Lohnkosten = höhere Investitionen
    in dem jeweiligen Land.
    Avatar
    borazon
    schrieb am 24.04.12 13:18:11
    Beitrag Nr. 7 (43.080.297)
    "3. Entwicklung Masseneinkommen, privater Konsum und Unternehmensgewinne in Deutschland

    Index 1991 = 100

    Werte 1999

    Masseneinkommen 108
    Privater Konsum 112
    Unternehmensgewinne 115

    Werte 2010 Index 2000 = 100

    Masseneinkommen 103
    Privater Konsum 106
    Unternehmensgewinne 118

    Während das Einkommen der Bevölkerung und der Konsum fast stagnierten explodierten die Unternehmensgewinne. [...]"







    Ein Anstieg um 18% in 10 Jahren ist eine "Explosion"?

    Sind dabei überhaupt die "Unternehmensgewinne" der steigenden Zahl von Scheinunternehmern/Scheinselbständigen rausgerechnet?

    Die Vermögensverluste seit 2000 sind vermutlich ebenso wenig berücksichtigt!?

    Sind das a) nur reine Unternehmensgewinne oder b) sind auch Kapitaleinkünfte, v.a. aus Lebensversicherungen und Zinseinkünften dabei? Falls b), sind die Inflationsverluste dabei berücksichtigt? Immerhin ist die reale Rendite z.Z. negativ.
    Daß bei einer Sparquote von ca. 10% des Einkommens die Kapitalbasis steigt und entsprechend auch die nominalen (!) Einkünfte steigen, sollte klar sein. Oder sollen die Sparer bei 1-2% Zins aufs Festgeld und 3% Inflation noch stärker geschädigt werden?

    Grundsätzlich wäre eine Quellenangabe dringend geboten!




    "Die EZB flutet die europäischen Banken mit Geld. 1000 Milliarden in 3 Jahren. Zinssatz 1 %. Die Banken kaufen dafür Staatsanleihen der Eurostaaten um die Zinssätze einigermaßen erträglich zu halten. Zinssätze zwischen 1,5 und 6 %. Money for Nothing. Dies spült ca 150 Milliarden Gewinne in die Kassen der Banken."


    Setzen wir also gleich mal volle 6% Durchschnittsverzinsung an, damit wir mit 1000 Mrd und 5% Zinsdifferenz auf 50 Mrd für 3 Jahre, also die 150 Mrd kommen. Ich wußte gar nicht, daß "zwischen 1,5 und 6%" genau 6% ist :laugh:
    Nehmen wir 2% Zinsdifferenz an, wären es ja nur 60 Mrd.
    Da hat die Abzocke durch den griechischen Staat bereits mehr gekostet.
    Avatar
    borazon
    schrieb am 24.04.12 13:30:22
    Beitrag Nr. 8 (43.080.361)
    "Lohndumping-Politik Deutschlands" ??????

    Avatar
    borazon
    schrieb am 24.04.12 13:35:40
    Beitrag Nr. 9 (43.080.402)
    Avatar
    derdieschnautzelangsamvollhat
    schrieb am 24.04.12 13:57:24
    Beitrag Nr. 10 (43.080.517)
    Zitat von oscarellotheoretisch müssten sich die Lohnkosten der
    Südländer drastisch reduzieren,da eine Abwertung über die Währungen
    nicht mehr möglich ist.Niedrige Lohnkosten = höhere Investitionen
    in dem jeweiligen Land.


    Das sieht Sinn und seine Anhängerschar als Lösung und irrt zu diesem Punkt, imho. Eine Investition ist nicht nur von der Höhe der Löhne abhängig, sondern vor allem von der Nachfrage nach dem output. Die Nachfrage ist nicht alleine vom Preis abhängig, der Preis nicht nur von den Lohnkosten. Genau das unterstellt Sinn & Co.aber.

    wird ein Output zu niedrigeren Löhnen für den Export produziert, und die Lebenshaltungskosten verharren auf Ursprungsniveau oder verteuern sich, wird die Binnenwirtschaft leiden, der private Kreditbedarf steigen und/oder die Menschen über kurz oder lang in Armut landen... die öffentliche Verschuldung weiter steigen. Sowohl über niedrigere Einkommensteuern, als auch durch die fehlenden Einnahmen aus Mwst.Pleiten durch Nachfrageschwäche im Binnenmarkt, und führt zusätzlich zu höheren Sozialausgaben (die man eigentlich vermeiden wollte).

    Ohne Frage aber ein shareholder profit Konzept... auf Kosten der öff. Haushalte, lohnabhängiger Bürger, und binnenmarktabhängigen Wirtschaftstreibenden.




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