Zitat von valueplantationkapitulation?
muss am alter liegen 
Was bedeuten die Wahlen in Frankreich und Griechenland für die
Märkte?
von Oliver Baron
Montag 07.05.2012, 11:28 Uhr
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Die Bürger Frankreichs und Griechenlands haben gewählt, und sie
stellen die ganze Eurozone vor große Herausforderungen. In
Frankreich hat der Sozialist und Merkel-Kritiker François Hollande
die Präsidentschaftswahl für sich entschieden. Er will den
europäischen Fiskalpakt neu verhandeln und um eine
Wachstumskomponente ergänzen. In Griechenland haben sich die Bürger
bei der Parlamentswahl mehrheitlich gegen die Sparauflagen von EU,
EZB und IWF ausgesprochen. Eine schallende Ohrfeige für die seit
vier Jahrzehnten die griechische Parteienlandschaft dominierenden
Konservativen und Sozialisten. Die Verfechter des umstrittenen
Sparprogramms haben die Mehrheit im Parlament wohl knapp verfehlt,
obwohl die stärkste Partei durch das griechische Wahlrecht stark
bevorzugt wird und 50 Sitze mehr erhält, als ihr nach dem
Stimmenanteil eigentlich zustünde. Die radikalen Parteien am linken
und rechten Rand lehnen die Sparauflagen überwiegend ab und fordern
eine Neuverhandlung des griechischen Bailouts, und auch die beiden
geschrumpften griechischen Volksparteien scheinen inzwischen auf
diesen Kurs umzuschwenken. Sollte sich die nächste griechische
Regierung nicht an die Sparziele halten, wird die
Wahrscheinlichkeit eines Euro-Austritts stark zunehmen. Denn der
IWF hat bereits im Vorfeld der Wahlen angedeutet, dass er eine
strikte Einhaltung der Sparauflagen fordert und andernfalls seine
Kredithilfen beendet. Auch die europäischen Partner dürften früher
oder später ihre Unterstützung beenden, denn Griechenland erweist
sich mehr und mehr als Loch ohne Boden. Ohne internationale
Unterstützung wird ein Euro-Austritt Griechenlands aber fast
unvermeidlich, denn nur durch eine eigene Währung ließen sich die
wirtschaftlichen Probleme des Landes lösen. Die Citigroup sieht die
Wahrscheinlichkeit eines Euro-Austritts Griechenlands bereits bei
50 bis 75 Prozent. Was zumindest auf lange Sicht gut für
Griechenland wäre, könnte katastrophal für den Rest Europas werden.
Denn sollte Griechenland tatsächlich den Euro verlassen, könnte
dieses Ereignis zum Startschuss für die Märkte werden, auf eine
vollständige Auflösung der Eurozone zu spekulieren. Deutschland hat
hunderte von Milliarden Euro im Feuer liegen, die potenziell
gefährdet wären.
Was bedeuten die Wahlergebnisse für die Märkte? Die Wahlen in
Frankreich und Griechenland dürften zu einer Destabilisierung der
politischen Lage in der Eurozone und einer noch größeren
wirtschaftlichen Unsicherheit führen. Auch wenn es zu einer
Ratifizierung des Fiskalpaktes kommen sollte, was in Deutschland
schon aus verfassungsrechtlichen Gründen keinesfalls sicher ist,
wird der neue französische Präsident Hollande auf eine stärkere
Förderung von Wachstum und Beschäftigung in der Eurozone pochen.
Diese Forderung ist nicht per se falsch. Falsch wäre es aber, wie
in der Vergangenheit unter Wachstumsförderung vor allem
schuldenfinanzierte Konjunkturprogramme zu verstehen. Derartige
Programme könnten zwar kurzfristig zu einem Anstieg der
Beschäftigung führen, würden mittelfristig die vorhandenen Probleme
aber nur verschärfen. Richtig und notwendig wären Strukturreformen,
insbesondere eine konsequente Deregulierung und Liberalisierung von
Märkten und Preisen und eine radikale Entbürokratisierung, um
Wachstumsimpulse zu befördern und die internationale
Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Dass die neue französische
Regierung unter François Hollande diesen Kurs verfolgen wird, ist
sehr unwahrscheinlich, hat Hollande doch vor den Wahlen
beispielsweise angekündigt, den gesetzlichen Mindestlohn in
Frankreich zu erhöhen und 60.000 neue Lehrer einzustellen. Ohne
ernsthafte Konsolidierungsbemühungen sind aber alle Rettungsschirme
und Brandmauern Makulatur.
Bereits am Freitag haben schwache US-Arbeitsmarktdaten und die
Unsicherheit vor den Wahlen in Frankreich und Griechenland die
Anleger in den sicheren Hafen der Bundesanleihen getrieben. Die
Rendite zehnjähriger Bundesanleihen rutschte erstmals unter die
Marke von 1,60 Prozent. Am Montag geht die Rekordjagd weiter - der
Bund-Future markiert erneut ein neues Allzeithoch. Die Aktienmärkte
stehen bereits seit zwei Monaten unter Druck. Der DAX hat seit
Mitte März rund zehn Prozent verloren. Die Ergebnisse der Wahlen in
Frankreich und Griechenland sind zwar nicht wirklich überraschend.
Da die Urnengänge allerdings den bisherigen Kurs in der
Euro-Rettung ernsthaft in Frage stellen und die Eurozone wohl in
einer Rezession steckt, könnte weiter Potenzial nach unten
bestehen. Die kommenden Wochen und Monate bleiben spannend.
Oliver Baron
Redakteur BoerseGo.de/Jandaya.de