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schrieb am 13.12.12 11:04:38
In der EU werden die Regierungen immer mächtiger, die Demokratie
bleibt auf der Strecke. Dagegen regt sich ebenso Widerstand wie
gegen die Serie der Rettungsgipfel
Am Schumann-Platz in Europas Hauptstadt Brüssel drehen sich die
Baukrähne, es rattern die Presslufthämmer. Dem Europäischen Rat
wird ein neuer Sitz mit zentralem Versammlungssaal gebaut. Angela
Merkel, Francois Hollande und ihre 25 Regierungschef-Kollegen
sollen es praktisch, bequem und repräsentativ haben, wenn sie über
die Zukunft der 500 Millionen Europäer entscheiden.
Man kann diesen Neubau als Sinnbild für den Entwicklungsstand der
Europäischen Union betrachten. Von der Krise der vergangenen Jahre
hat am meisten der Rat der Regierungen profitiert. Die
Rettungsgipfel in Serie, die dramatischen Verhandlungsrunden: In
der Not verschaffte sich der Rat ständig neue Machtbefugnisse. Beim
Treffen Mitte Dezember soll nun darüber geredet werden, wie das
Verhältnis zwischen den Säulen der EU neu justiert werden könnte.
Denn besonders das Parlament, für die demokratische Legitimation
der Brüsseler Politik zuständig, ist zurückgefallen.
Zur Untätigkeit verdammt
Chef bestellt vom Parlament
Das gilt auch für ein weiteres konfrontatives Vorhaben. Bei der
nächsten Wahl des Parlamentes Mitte 2014 sollen erstmals
Spitzenkandidaten die europaweiten Listen anführen – beispielsweise
der gegenwärtige Präsident des EU-Parlaments, Martin Schulz, die
Liste der Sozialdemokratischen Parteien, oder der polnische
Ministerpräsident Donald Tusk die der mitte-rechts orientierten
Europäischen Volkspartei. Damit verbunden ist der Anspruch der
Parlamentarier, dass der siegreiche Spitzenkandidat als neuer
Präsident der EU-Kommission europäischer Regierungschef werden
soll.
Gelänge dies, wäre das ein Novum, das in den EU-Verträgen nicht
vorgesehen, aber auch nicht ausgeschlossen ist. Bisher haben
die im Rat vertretenen Regierungen die Kommissionspräsidenten
ausgesucht und dem Parlament zur Bestätigung vorgeschlagen. Dass
die Parlamentarier nun versuchen, den Spieß umzudrehen, sei „ein
Kräftemessen mit dem Rat“, sagt Bullmann.
Der Kampf um die
europäische Demokratie ist in vollem Gange.
schrieb am 13.12.12 17:12:47
Santa Ben hat gestern sein Pulver verschossen ??? Weshalb ????
schrieb am 14.12.12 00:11:11
Das Ende der Fahnenstange ist bei der Kreativität noch lange nicht
erreicht:
Van Rompuy fordert Versicherung für
raue Krisentage
In Deutschland regt sich Widerstand gegen den Vorschlag von
EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy
für einen neuen permanenten
Fonds
zur Abfederung externer wirtschaftlicher Schocks. Frankreich hegt
Sympathien.
Man sollte gelegentlich die Bazooka einmal in die andere Richtung
abfeuern. Dann wär hier in Europa endlich mal wieder ein wenig mehr
Ruhe!
schrieb am 14.12.12 10:55:48
Innerhalb der EU hat man sich inzwischen auf eine "Bankenaufsicht"
geeinigt, welche direkt bei der EZB angesiedelt sein soll.
Die EZB(ank) soll also die anderen Banken überwachen und die
Einhaltung von Verträgen sicherstellen, hohoho...
Da man diese neue Riesenbehörde mit 1000 zusätzlichen
EU-Angestellten nicht bis Ende des Jahres 2012 einrichten kann
(diese Woche haben es wohl die letzten eingesehen), hat man sich
darauf geeinigt, dass sich die Banken bereits jetzt direkt am ESM
bedienen können (Einstimmigkeit vorausgetzt, haha).
Gerade dies wurde von "unserer Regierung" bei der Einführung des
"Rettungsschirmes" für notleidende EU-Staaten immer wieder
bestritten.
Jetzt ist der ESM endlich das, wofür er von Anfang an vorgesehen
war:
Ein Bankenrettungsschirm !
Hier dazu ein Artikel aus den DWN in dem auch indirekt auf die
Problematik der Schattenbanken eingegangen wird, welche Ihren Sitz
mit überwiegender Mehrheit an Offshore-Finanzplätzen eingerichtet
haben:
"Kompetenz-Chaos: Europäische Bankenaufsicht ist ein
Rohrkrepierer"
"Die neue Bankenaufsicht der EU ist ein klassisches Beispiel für
Überregulierung: Zentralistisch am Schreibtisch von Brüsseler
Technokraten entworfen und mehrmals durch den Fleischwolf der
faulen Kompromisse gedreht, ist das Konzept teuer, unbrauchbar und
intransparent. Banken werden nun noch lieber in Offshore-Märkte
ausweichen, wo es gar keine Regeln und keine Kontrolle gibt."
"Der erste Schritt in Richtung Bankenunion ist nach dem Treffen der
Eurogruppe gemacht. Doch es ist eher ein fauler Kompromiss, der die
Komplexität des EU-Kartenhauses noch verstärkt. Wie bereits lang
erwägt, wird die neue europäische Aufsichtsbehörde tatsächlich bei
der EZB angesiedelt. Inwiefern die EZB dafür aber auch entsprechend
mehr Personal erhält, ist noch nicht geklärt (1.000 neue Stellen
fordert die Zentralbank). Klar ist, ohne zusätzliche Stellen wäre
eine solche Super-Bankenaufsicht gar nicht durchführbar.
Doch das ist bei Weitem nicht der einzige fragwürdige Aspekt.
Grundsätzlich einigten sich die Finanzminister darauf, dass ein
Lenkungsausschuss die Arbeit in der neuen Behörde lenken soll.
Gleichzeitig untersteht dieser jedoch wieder dem EZB-Rat, so dass
die EZB in jedem Falle das letzte Wort haben wird. Eine wirkliche
Trennung zwischen Geldpolitik der EZB und Bankenaufsicht kann so
jedenfalls nicht garantiert werden. Außerdem wurde die deutsche
Forderung, nicht alle 6.200 europäischen Banken unter die eine
Aufsicht zu stellen, de facto nicht umgesetzt. Zunächst einmal
sollen nur die Banken, die einen Vermögenswert von mehr als 30
Milliarden Euro aufweisen oder deren Vermögenswert einem Fünftel
der Wirtschaftsleistung ihres Landes entspricht, der neuen
europäischen Aufsicht unterstehen. Treffen beide Merkmale auf keine
einzige Bank in einem spezifischen Mitgliedsland zu, dann werden
die drei größten Banken des jeweiligen Mitgliedsstaates der
Aufsicht unterstellt. Drei verschiedene Kriterien also, die
entscheiden, wer sich der neuen Aufsichtsbehörde unterordnen
muss.
Grundsätzlich würden damit die deutschen Sparkassen zunächst zwar
verschont bleiben. Doch die Sache hat einen Haken. Obwohl
beispielsweise im Falle der deutschen Sparkassen bei der deutschen
Aufsichtsbehörde die Überwachung liegen würde, kann die EZB
eingreifen, wenn sie ein Problem feststellen sollte. Für den
Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) ,
Georg Fahrenschon, ein „schwieriger Kompromiss“. „Hier drohen
Kompetenzstreitigkeiten zwischen der EZB und den nationalen
Aufsehern“, kritisiert Fahrenschon auf Nachfrage der Deutschen
Wirtschafts Nachrichten. Daher bräuchte es klare
Abgrenzungskriterien. Fraglich ist auch die Haltbarkeit der
angesetzten 30 Milliarden Euro Vermögenswerte als Untergrenze für
Banken, die der neuen Aufsicht unterstellt werden sollen. Immerhin
gibt es für diese festgesetzte Grenze keinen verbindlichen Grund,
so dass eine Herabsetzung zu späterer Zeit nicht auszuschließen
ist. Für Fahrenschon liegt die Problematik bei den 30 Milliarden
Euro zudem auch darin, dass bereits etliche Regionalbanken in
Europa diesen Wert bereits erreichen. Und bei diesen Instituten sei
die EZB zu weit weg von den „regionalen Märkten und dem jeweiligen
Geschäftsmodell“, so Fahrenschon. 70 Milliarden Euro Vermögenswerte
als Untergrenze wären sinnvoll – immerhin würde dieser Wert bereits
bei Basel III als Abgrenzungskriterium verwendet.
Der FT zufolge verwies EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier auch
darauf, dass im Rahmen der bestehenden Vorschriften –
Einstimmigkeit vorausgesetzt – schon jetzt eine direkte
Rekapitalisierung von Banken erfolgen könnte. Und zwar noch bevor
die EZB frühestens 2014 im vollem Umfang eine
Super-Aufsichtsbehörde vorzeigen kann. Lediglich eine zusätzliche
Klausel müsste eingefügt werden, die es der EZB erlaubt, einen
Kreditnehmer zu beaufsichtigen, der einen Antrag auf Hilfe vom
neuen ESM gestellt hat. Damit könnte bei Einstimmigkeit eine
Notfall-Kapitalspritze gezahlt werden.
Viele Aspekte der neuen Super-Behörde sind jedoch noch gänzlich
offen geblieben. So ist beispielsweise noch immer nicht klar, wer
später die Kosten für die eigens zur Abwicklung von europäischen
Banken aufgebaute Agentur tragen soll. Ein entsprechender Fonds,
wie der deutsche SoFFin, könnte die Kosten schultern, jedoch wehren
sich einige Kernländer wie Deutschland dagegen, später in den Fonds
einzuzahlen, um damit beispielsweise spanische Banken abzuwickeln.
Letztlich geschieht aber genau so etwas indirekt bereits über den
EFSF und den ESM.
Die neue europäische Bankenaufsicht schafft lediglich eine weitere
Ebene in der EU, die die Komplexität des ganzen Apparates
mitnichten vereinfacht oder überschaubarer macht. Vor allem, wenn
Großbritannien, Schweden und Tschechien ihre Finanzinstitute nicht
der Aufsicht unterstellen wollen – immerhin ist Großbritannien der
größte europäische Finanzmarkt. Vielmehr gelang es den drei Ländern
sogar noch, für sich selbst Vetorechte zu sichern. Damit wollten
sie erreichen, auch künftig bei der Europäischen
Bankenaufsichtsbehörde (EBA) nicht überstimmt werden zu können.
Denn neben der neuen Bankenaufsicht wird die EBA weiterhin bestehen
bleiben und Regeln für europäische Aufsichtsstandards erlassen.
Großbritannien, Schweden und Tschechien haben nun erreicht, dass
neue Regularien der EBA einerseits einer einfachen Mehrheit der
Länder, die der europäischen Bankenaufsicht unterstehen, und jener
außerhalb dieser bedürfen. Und zusätzlich auch eine qualifizierte
Mehrheit aller EU-Mitglieder diese Regularien akzeptieren muss.
Die sich durch die neue Bankenaufsicht steigernde
Undurchsichtigkeit führt letztlich zu einer Überregulierung, vor
allem in Verbindung mit Basel III, der EBA, der EZB, den
Rettungsschirmen und den nationalen Aufsichtsbehörden. Eine
Überregulierung also, die es Finanzinstituten noch leichter machen
wird, sich guten Gewissens in ruhigere Gefilde zu begeben. Cayman’s
Island oder Singapur dürften dann ganz oben auf der Liste
stehen."
Hier der Link zum Artikel:
http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2012/12/13/kompetenz-chaos-europaeische-bankenaufsicht-ist-ein-rohrkrepierer/
Schönen Tag noch
Landshark
.
12.09.2012: D's Haushaltshoheit liegt endlich bei der
Glühbirnendiktatur. Heil Euro.
.
Rettet die Banken !
Scheiss auf den Pöbel !
schrieb am 14.12.12 18:23:04
Antwort auf Beitrag Nr.:
43.927.372 von Landshark am 14.12.12
10:55:48Wann meldet die erste Bank in Europa Insolvenz
an......
schrieb am 15.12.12 23:57:31
FAZ - Feuilleton
Eine Gesellschaft stürzt ins Bodenlose
„Ich frage mich, wie viel diese Gesellschaft noch aushalten kann,
bevor sie explodiert.“ Griechenland stehe kurz vor einem
Bürgerkrieg. Es scheint lediglich noch eine Frage der Zeit zu sein,
bis sich die kollektive Verzweiflung der Menschen in Gewalt entlädt
und über das Land ausbreitet. Und davon sind wir alle
betroffen.
Krise in Griechenland
schrieb am 16.12.12 20:23:13
Hand aufs Herz, werte Pressekollegen der alten Schule, die
Frage
“Heute sterben die Zeitungen. Warum
nur?”
ist an Scheinheiligkeit kaum zu überbieten.
Die Zeiten, als Zeitungen noch der Aufklärung dienten und die
Autoren mehr im Knast sassen als in den Redaktionen, hat niemand
von uns mehr erlebt. Die literarische “Neue Zürcher” vom vorletzten
Jahrhundert oder der “Simplicissimus” aus dem Mittelalter
preussischer Pickelhauben sind längst Forschungsobjekte der
Kulturgeschichte.
Machen wir uns nichts vor. Seitdem waren Zeitungen und artverwandte
Druckerzeugnisse inklusive TV nur noch eines: Anzeigenblätter. Und
heute, obendrein, ein anachronistischer Exzess; ein Meinungskartell
der Posten- und Pfründe-Wirtschaft. Kurz: Medienkartell. Zu allem
Überfluss dummdreist und korrupt.
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