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AGFA Gevaert Turnaround? (Seite 11)


Einige Anmerkungen zu den Zahlen und den Bemerkungen des CEO im heutigen Conference Call, gerade die Bemerkungen und Erklärungen finde ich immer sehr interessant:

EPS 2015 mit 0.37€ (Vorjahr 0.30€) unter meinen Erwartungen, Gründe dafür im a) einmaligen Abbau der Bestände bei Distributoren im Segment Health Care in Q4 und b) Realisierung von Fremdwährungsverlusten aus der Schliessung der beiden Factories in der GuV. -> Negativ, aber Einmaleffekt.
Pro Aktie wurde ein Operational Cash Flow von 0.85€ erzielt nach 0.9€ in 2014 und 0.64€ in 2013 -> Stabile Entwicklung, sehe ich positiv.
Die Nettoschulden wurden weiter abgebaut und stehen per Ende 2015 bei 58m€(Vorjahr 126m€) -> Weniger Zinslast, Spielraum für Akquisitionen ausgebaut.
Keine weiteren Pensionsbelastungen mehr (das war Ende 2014 ja ein großes Thema), sondern eine Verringerung der rechnerischen Lasten durch eine leicht erhöhte Abzinsungsrate. Pension Cash OUtflow wurde von 86m€ in 2014 auf 80m€ in 2015 reduziert, die Aussicht 2016 liegt bei 74m€. -> Weitere Verbesserung in 2016 erwartet, sehe ich positiv.

Ziele 2016: In 2016 will man ein (recurring) EBITDA von 10% erreichen (2015 9.1%) und im Umsatz wachsen. In 2016 wird höchstwahrscheinlich ein schwacher Euro nicht mehr helfen wie in 2015 (2015 Umsatzwachstum währungsbereinigt -5.7%) und trotzdem legt man ein Umsatzwachstum als Ziel raus. Man hat diese Ziele auch in die Pressemeldung reingeschrieben und im call war der CEO relativ stark "committed". Ich halte die Aktie bereits seit 2 Jahren und war in vielen der Calls dabei, so klar hat er sich bezüglich der Ziele und der Zielerreichung noch nicht aufgestellt.

Mittelfristig (keine Zeitangabe, auch nicht nach Nachfrage im Call) peilt man 3mrd€ Umsatz an, aktuell 2.65mrd€. Wie will man das erreichen? Antwort CEO:
- Health Care (1.1mrd€ Umsatz) ist auf Wachstumspfad in 2 Bereichen (CR und IT), die zusammen mehr als 60% des Umsatz ausmachen. Hier will man zulegen.
- Im Bereich Print ist man mit Inkjet sehr gut unterwegs und hat hervorragende Produkte im Markt (3 Produktpreise alleine in 2015), dieser Bereich ist aber noch zu klein, um einen merklichen Wachstumsbeitrag zu liefern (macht zusammen mit Software Services nur 21% des Graphics Umsatzes aus).
- Im Bereich Print macht Digital Prepress 2/3 des 1.4 mrd€ Geschäftes aus. Hier ist die Konkurrenz und der Preisdruck hart. Man hält seinen Marktanteil, hat nun R&D verstärkt und will sich in diesem Bereich besser differenzieren. Q4 muss in diesem Bereich vielversprechend gelaufen sein, der Preisdruck habe nachgelassen, alle Marktteilnehmer seien genervt von der beinharten Konkurrenz ohne Not (Kosten der Platten sind für die Kunden nur ein kleiner Teil ihrer Ausgaben). Dies ist neu, das wurde bisher noch nicht so gesagt. Man is aber noch vorsichtig, eventuell war Q4 nur eine "Eintagsfliege".
- Man setzt weiter auf Akquisitionen: Typ 1: Reine Technologieakquisitionen, kleine Firmen mit komplementärer Technologie aus dem Health Care Umfeld, erste Schritte wurden hier gemacht, Umsatzbeitrag dieser Akquisitionen vernachlässigbar. Typ 2: Größere Akquistionen aus angestammten Geschäftsfelder von Agfa, die Effizienzgewinne versprechen und helfen, die Industrie zu konsolidieren. Ziel liegt hier auf einer sehr gründlichen Due Diligence und dem Anspruch einer nachhaltigen Steigerung des EBITDA, nicht nur dem kurzfristigen Zukauf von Umsatz. Zitat CEO: Er habe schon so viele Akquisitionen erlebt, die alle keine Werte geschafft haben, so etwas will er auf jeden Fall vermeiden. Zu den Details der Akquisitionstypen war der CEO deutlich spezifischer als in früheren Calls.

Meine Einschätzung: Gerade das Thema Digital Prepress und das Thema einer größeren Akquisition aus einem angestammten Geschäftsfeld der Firma könnte interessantes Überraschungspotential bringen. Könnte, muss nicht. Aus meiner Sicht sollte man ein hier in den nächsten Quartalen jemand genauer hinschauen. Auch wenn der Kurs seit Jahresanfang stark zurückgekommen ist, ist aktuell nicht zu erkennen, warum die Story nicht weitergehen soll (meine Meinung, keine Anlageempfehlung).
Vielen Dank für Deine Zusammenfassung @BlauKlaus.


Die 20 Mio. Finanz- Einmalaufwand aus der Schließung der beiden Werke macht 0,12 Euro / Aktie aus. Bereinigt also ein EPS von 0,49 Euro / Aktie. Die Bereinigungsmaßnahme im Segment HC in Q4/2015 würde ich nicht bereinigen.

Für 2016 10% Margensteigerung ergäbe ein EPS Ziel von 0,54 Euro / Aktie.

Das Netdebt sollte ohne Berücksichtigung von Akquisitonen Ende 2016 gegen 0 tendieren.

Die Pensionsrückstellungen dürften in den nächsten Jahren bezüglich des gebuchten Aufwands leicht sinken und bei den Cashabflüssen deutlicher sinken. Dieses Problem sehe ich als erledigt an. Die Bewertung müsste sich üblichen Multiples anpassen. Diese wären ein KGV für Graphics / Speciality Products ca. 10 und für HC ca. 15/16, da sich darin auch weniger attraktive Geschäftsfelder befinden. Als Durchschnitt ergäbe sich ein KGV von 12,5.

Als Zielkurs für 2016 errechnet sich daraus 6,75 Euro.

Verbesserungspotential sehe ich über 2016 hinaus:
- Verbesserung des Finanzergebnisses
- Dividendenfähigkeit
- Abschmelzen der Geschäftsfelder mit "alter Technik" und Wachstum in denen mit guten Margen
- weniger Restrukturierungskosten
- leichtes Umsatz- und Margenwachstum 2017 ff.
- Akquisitionen, die die Wettbewerbsfähigkeit verbessern und sich allgemein lohnen
- weitere deutlichere Entlastung seitens der Pensionsrückstellungen
- besseres Image der Agfa Aktie

Man sollte berücksichtigen, dass Agfa weiter mit lediglich einer MarketCap von 670 Mio. bewertet wird (Kurs 3,99 Euro) bei 2,646 Mrd. Euro Umsatz 2015, eine Umsatzbewertung von 25,3% - 2016 vermutlich unter 25%, trotz bald erreichter Netto-Schuldenfreiheit.

Aktuell ein KGV 2016e von 7,4. Vergleichbar niedrige Bewertungen von Aktien mit Mrd. Umsatz und weltweit guter Marktstellung sind mir nicht bekannt.
Antwort auf Beitrag Nr.: 51.953.769 von Merger-one am 10.03.16 19:21:04
Zitat von Merger-oneDie 20 Mio. Finanz- Einmalaufwand aus der Schließung der beiden Werke macht 0,12 Euro / Aktie aus. Bereinigt also ein EPS von 0,49 Euro / Aktie.


Das Netdebt sollte ohne Berücksichtigung von Akquisitonen Ende 2016 gegen 0 tendieren.




Sollte sich der Aufwand für die Werksschließung nicht steuerlich (entlastend) auswirken, so dass man die 0,12 € noch um eine entsprechende Steuerersparnis bereinigen müßte?

Was man den Finanzschulden zurechnet, ist natürlich eine Definitionsfrage. Ich subsumiere dort gewöhnlich alle verzinslichen Schulden, mithin auch die Pensionsrückstellungen. In diesem Fall stellt sich die Bewertung natürlich weniger günstig dar.

Etwas unklar ist mir, wieso hinsichtl. der PSR im abgelaufenen GJ ein höherer Zinssatz gewählt worden ist, wo doch die Renditen im gesamten Anleihenbereich 2015 deutlich gefallen sind (erst 2016 waren im - für die Berechnung der PRS irrelevanten - Ramschsektor steigende Zinsen zu beobachten).

Die hohen PRS und die ungewöhnlichen EK-Relationen (Kurs-Buchwert-Verhältnis -1,8, wenn man das EK um Firmenwerte bereinigt, bzw. -1,1 bei zusätzlicher Bereinigung um IVG) sind wesentliche Gründe, die - jedenfalls aus meiner eher konservativen Sicht - einen deutlichen Bewertungsabschlag rechtfertigen.
AGFA und ich...
..geht irgendwie nicht.

Mein SL bei 3,65 gerissen, ..und tschüss.:eek:

Gibt halt nur den Tipp, wenn ich irgenwo ´rausfliege, könnt ihr einsteigen. Meistens steigt der Wert dann nämlich :laugh:

Vie Erfolg

Gruß

up


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