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Verluste aus Aktiengeschäften bei der Steuererklärung

eröffnet am 18.03.16 21:14:43 von
Chris190

neuester Beitrag 28.03.16 19:26:49 von
Chris190


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Chris190
18.03.16 21:14:43
Beitrag Nr. 1
Hallo Community,

ich bin Christian, bin neu hier und habe vor einigen Monaten angefangen, relativ blauäugig mit Aktien zu handeln. Völlig zurecht wahrscheinlich bin ich daher aktuell im Minus, befasse mich aber mittlerweile sehr intensiv mit Handelsstrategien.

Meine Frage bezieht sich auf den "Verlustverrechnungstopf" bei der Steuererklärung und wie genau verrechnet wird, ich versteh es einfach bis her nicht. Welches Szenario trifft zu?

1. Ich habe in 2015 10000 € Verlust mit Aktien gemacht und daher, nach dem ich die Steuererklärung gemacht habe, einen Verlustvortrag von 10000 € in meinem Verlusttopf. Ob dieser Verlusttopf direkt bei der Bank bleibt oder ich ihn habe auf die Steuererklärung übertragen lassen, ist ja soweit ich weiß egal. Ich mache in 2016 5000 € Gewinn mit Aktien, bekomme von diesen 5000 € die Abgeltungssteuer (1250 €) mit der nächsten Steuererklärung zurück und bin dann noch bei minus 5000 € mit meinem Verlusttopf.

ODER

2. Ich habe wieder in 2015 10000 € Verlust mit Aktien gemacht und 10000 € im Verlusttopf. Ich mache in 2016 20000 € Gewinn mit Aktien und zahle auf die Aktiengewinne direkt 5000 € Abgeltungssteuer (25%). Ich habe nun minus 5000 € im Verlusttopf.


Ich hoffe, ich habe mich verständlich ausgedrückt. Könnt ihr mir das erläutern? :confused:
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Taxadvisor
18.03.16 23:05:26
Beitrag Nr. 2
Antwort auf Beitrag Nr.: 52.015.085 von Chris190 am 18.03.16 21:14:43
Zitat von Chris1901. Ich habe in 2015 10000 € Verlust mit Aktien gemacht und daher, nach dem ich die Steuererklärung gemacht habe, einen Verlustvortrag von 10000 € in meinem Verlusttopf. Ob dieser Verlusttopf direkt bei der Bank bleibt oder ich ihn habe auf die Steuererklärung übertragen lassen, ist ja soweit ich weiß egal. Ich mache in 2016 5000 € Gewinn mit Aktien, bekomme von diesen 5000 € die Abgeltungssteuer (1250 €) mit der nächsten Steuererklärung zurück und bin dann noch bei minus 5000 € mit meinem Verlusttopf.

ODER

2. Ich habe wieder in 2015 10000 € Verlust mit Aktien gemacht und 10000 € im Verlusttopf. Ich mache in 2016 20000 € Gewinn mit Aktien und zahle auf die Aktiengewinne direkt 5000 € Abgeltungssteuer (25%). Ich habe nun minus 5000 € im Verlusttopf.


Ohne Verlustbescheinigung erfolgt die Verlustverrechnung über die Bank. Dann wird bei entsprechendem Verlusttopf erst gar keine AbgSt erhoben. Gewinne und Verluste werden im Verhältnis 1:1 verrechnet. Die Steuer hat mit dem Verlsuttopf nix zu tun.

Wer 10.000 Verluste gemacht hat und diesen Betrag im Verlusttopf stehen hat, kann also bis zu 10.000 Gewinne realisieren, ohne das AbgSt anfällt.

Wenn eine Verlustbescheinigung beantragt wurde, wird bei der Bank alles auf Null gesetzt, die AbgtSt wird voll erhoben. Dann muss man mit derSteuerbescheinigung (mit den bescheinigten Aktiengewinnen) in die Veranlagung, um sich die Steuer erstatten/verrechnen zu lassen.

Gruß
Taxadvisor
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Chris190
19.03.16 00:00:45
Beitrag Nr. 3
Antwort auf Beitrag Nr.: 52.015.634 von Taxadvisor am 18.03.16 23:05:26Danke für die Antwort! Also werden Verluste direkt mit Gewinnen gegengerechnet und nicht mit der Abgeltungssteuer, die ich auf die Gewinne gezahlt hätte, die den Verlusten folgten?

Ist also mein szenario 1 zutreffend und mein szenario 2 blödsin?
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alzwo
19.03.16 04:04:55
Beitrag Nr. 4
Chris190,
so wie du fragst, hast du keine Steuerbescheinigung für 2015 von deiner Depotbank angefordert. Gut so - dann mußt du gar nichts tun. Deine Aktienverluste gibst du in deiner Steuererklärung nicht an. Sie stehen im Verlusttopf Aktien (VTA) bei deiner Bank. Ich nehme an, du bist bei einer deutschen Bank.

Wenn du mal eine Aktie mit Gewinn verkaufst, siehst du in der Abrechnung, daß die Bank keine Abgst einbehält und nur den VTA um den Gewinn verkleinert. Neue Verluste vergrößern den VTA natürlich wieder. Überwiegen die Gewinne, fällt der VTA mit der Zeit auf null. Das darf 100 Jahre dauern.

Erst wenn der VTA auf null ist, zieht die Bank Abgst auf Aktiengewinne ein. Wenn du mal Abgst gezahlt hast, könntest du hier fragen, wann es lohnt, Aktiengewinne in deiner Steuererklärung anzugeben. Mach aber erst einmal die Gewinne.
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Chris190
19.03.16 22:33:11
Beitrag Nr. 5
Ich danke euch, jetzt habe ich es denke ich verstanden. Das ist ja dann zu mindest ein kleiner Trost. Wenn ich in diesem Jahr 10000 € in Aktien verliere, habe ich ja "eigentlich" nur 7500 € verloren, vorausgesetzt, ich gewinne danach (egal ob in diesem Jahr oder in 2057) wieder 10000 € oder mehr mit Aktien. Korrekt?

Jetzt verstehe ich noch eine Sache nicht. Ich mache gerade meine Steuererklärung mit WISO zum ersten mal selber. In meinem Verlusttopf habe ich laut EST-Bescheid unter dem Punkt "Gesonderte Feststellung des verbleibenden Verlustvortrags" für 2014 satte 2650 € Verlust. Nun werde ich unter dem Punkt "Verlustvortrag" in der WISO-Software aber nicht aufgefordert, eben diesen anzugeben, sondern meine EINKÜNFTE anzugeben, siehe Bild:



Was macht das für einen Sinn?
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honigbaer
19.03.16 23:23:45
Beitrag Nr. 6
Bei den Direktbanken kann man den Verlusttopf in der Regel über die Homepage abfragen und schauen, ob da nun der richtige Wert steht.

Etwas verwirrend die Aussage "nachdem ich die Steuererklärung gemacht habe".
Das Finanzamt kann ja nur vom Verlust erfahren, wenn dieser auf der Jahressteuerbescheinigung bescheinigt wurde, was aber scheinbar nicht der Fall ist. (Und das ist gut so!)
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honigbaer
19.03.16 23:45:09
Beitrag Nr. 7
Antwort auf Beitrag Nr.: 52.018.784 von Chris190 am 19.03.16 22:33:11Korrekt, der bei der Bank im Verlusttopf geführte Verlustvortrag vermindert dann die künftige Steuerbelastung entsprechend und kann zeitlich (nach derzeitiger Regelung) unbegrenzt vorgetragen werden.

Wenn WISO nach dem Verlustvortrag vom Vorjahr laut Feststellung im Bescheid fragt, kannst Du ihn angeben. Im normalen Steuerformular ist das glaub nicht vorgesehen, denn das betrifft ja das vorausgehende Jahr. Das Finanzamt weiß ja Bescheid über die Verluste, die es selbst im Bescheid festgestellt hat und verrechnet diese dann automatisch im Folgejahr bzw sobald entsprechende Gewinne vorkommen. (Du musst natürlich aufpassen, dass es das FA nicht vergisst und dan Bescheid kontrollieren.)

Wenn der festgestellte Verlustvortrag Kapitaleinkünfte/Veräußerungen betrifft, kann er mit anderen Einkünften nicht verrechnet werden. Also wenn die Kapitaleinkünfte 2016 null waren, müssen auch auf Ende 2015 wieder die Verluste von 2650 Euro festgestellt werden. Ist eine Verrechnung möglich (mit 2.090 oder / und 1.231 Ertrag bei anderen Banken??) führt das zu einer entsprechenden Steuererstattung.
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alzwo
20.03.16 11:17:28
Beitrag Nr. 8
Chris190,
es gibt zwei Wege, seine Verluste aus dem Verkauf von Aktien nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Weg 1 (gehe ich): Meinen (kleinen) VTA lasse ich von Jahr zu Jahr bei meiner Depotbank weiterlaufen. Wenn ich Aktien mit Gewinn verkaufe, verkaufe ich im selben Jahr andere Aktien mit Verlust in ungefähr gleicher Höhe. Noch habe ich genug Verlustposten im Depot. Auf diese Weise zahle ich keine Abgst und brauche keine Anlage KAP auszufüllen.

Anscheinend gehst du Weg 2: In 2014 hast du eine Verlustbescheinigung von deiner Depotbank angefordert. Daraufhin setzt die Bank deinen VTA am 31.12.14 auf null. Du füllst Anlage KAP aus und erhältst von deinem FA einen verbleibenden Verlustvortrag. Hast du für 2015 wieder eine Verlustbescheinigung von deiner Bank angefordert? Mit dieser Bescheinigung füllst du Anlage KAP 2015 aus. Du wirst von deinem FA einen neuen (höheren) verbleibenden Verlustvortrag erhalten.

Wenn du in einem Jahr mal Gewinne mit Aktien gemacht hast, forderst du von deiner Bank eine Steuerbescheinigung an. Anschließend füllst du Anlage KAP aus. Dein FA erstattet dir die gezahlten Steuern auf die Gewinne und stellt einen neuen (niedrigeren) verbleibenden Verlustvortrag fest.

Einen VTA hast du bei der Bank, einen verbleibenden Verlustvortrag hast du beim FA. Sie sind nicht das selbe. Zu dem Wiso-Programm kann ich nichts sagen.
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Chris190
21.03.16 22:17:31
Beitrag Nr. 9
Antwort auf Beitrag Nr.: 52.018.850 von honigbaer am 19.03.16 23:45:09
Zitat von honigbaerWenn der festgestellte Verlustvortrag Kapitaleinkünfte/Veräußerungen betrifft, kann er mit anderen Einkünften nicht verrechnet werden. Also wenn die Kapitaleinkünfte 2016 null waren, müssen auch auf Ende 2015 wieder die Verluste von 2650 Euro festgestellt werden. Ist eine Verrechnung möglich (mit 2.090 oder / und 1.231 Ertrag bei anderen Banken??) führt das zu einer entsprechenden Steuererstattung.


Erstmal vielen dank für eure hilfreichen Antworten! Du hast da einen Knackpunkt angesprochen: Die von mir erwähnten 2650 € stammten aus privaten Veräußerungsgeschäften von vor ein paar Jahren, können also nicht mit Aktiengewinnen verrechnet werden. Verstanden.

Eine Sache leuchtet mir aber immernoch nicht ein: Warum möchte die Steuersoftware (siehe mein Bild obene) unter VERLUSTVORTRAG meine Erträge, also im Prinzip meine GEWINNE aus 2014 wissen? Warum interessiert 2014 jetzt überhaupt noch, und dann noch Erträge? Auf die habe ich doch schon in 2014 die Abgeltungssteuer gezahlt.

@alzwo: Ich bin auch Weg 1 gegangen und habe niemals die "Verlustbescheinigung" einer Bank angefordert. Ich konnte einfach bisher VTA und Verlustvortrag nicht unterscheiden.

Das erste mal Steuerrklärung selber machen lief eigentlich reibungslos und ich habe viel dabei gelernt. Aber dieser Punkt :mad: Wisst ihr mir das noch zu erläutern?
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honigbaer
22.03.16 00:32:40
Beitrag Nr. 10
Erstmal zu den 2650 Verlustvortrag aus Veräußerungsgeschäften, die müssten schon mit (auch Aktien-)Veräußerungsgewinnen verrechenbar sein, aber Du hast ja keine solche Gewinne im laufenden Veranlagungsjahr.

Stammen die 2650 aus der zeit vor 2009 (abgeltungssteuereinführung) war eine Verrechnung nur bis 2013 möglich, das scheint aber nicht der Fall zu sein, da der Vortrag ja auf 31.12.2014 bestätigt wurde.

Vermutlich will das Wiso-Programm die Steuer berechnen und dann braucht es ja die Information, was da an Verlustvorträgen da ist. Bei echten Verlusten (z.B. aus Gewerbe) ist auch eine Verrechnung mit den Gewinnen des Vorjahrs möglich, betrifft Dich aber nicht, aber dann braucht das Programm doch die Zahlen. Einfacher wäre es vielleicht, einfach das Formular auszufüllen.

Und was war jetzt die Frage mit VTA und Verlustvortrag?
Die Bank führt die Verlusttöpfe (Verlusttopf allgemein und Verlusttopf Aktien) immer weiter, so lange keine Verlustbescheinigung angefordert wird.
Und das Finanzamt führt den Verlustvortrag (ebenfalls getrennt nach Einkommensarten) immer weiter, es wird falls vorhanden bei der Veranlagung mit positiven Einkünften verrechnet oder ein Verlust aus Bescheinigung kommt dazu.

Nur weil eine Verrechnung der Veräußerungsverluste aus Wertpapieren mit den anderen Einkünften ausgeschlossen ist, muss es auch hier verschiedene Töpfe geben. Aber das ist ja Dein Vorteil, denn so werden die Wertpapierverluste weiter vorgetragen, statt mit positiven Einkünften aus Arbeit verrechnet zu werden. Also mit Einkünften, die vielleicht sowieso im Rahmen des Grundfreibetrags steuerfrei sind.


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