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Der «britische Ausflug» von BMW - Stationen eines Debakels

Diskussionsstatistik
eröffnet am 16.05.00 12:40:14
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neuster Beitrag 16.05.00 12:40:14
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schrieb am 16.05.00 12:40:14
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Unternehmen/BMW/Rover-Engagement/HIG/
(ddp-Infokasten)

Berlin (ADX). Der sechsjährige verlustreiche «britsche Ausflug»
von BMW zu Rover beginnt 1994: Im Januar erwirbt BMW unter Führung
von Vorstandschef Bernd Pischetsrieder und dessen Amtsvorgänger
Eberhard von Kuenheim als damaligem Aufsichtsratsvorsitzenden
zunächst 80 Prozent der Anteile an der britische Gruppe Rover Cars.
Dort hatte zuvor der japanische Hersteller Honda das Sagen. Im Mai
werden die restlichen 20 Prozent übernommen: Gesamtkaufpreis 2,1
Milliarden Mark. Mit der schon unter dem Vorstandsvorsitz von
Kuenheims geplanten Mehrmarkenstrategie soll das Oberklasse-Angebot
von BMW durch ein Massenauto ergänzt werden. Der gefeierte
Pischetsrieder beziffert die Sanierungskosten für den britischen
Hersteller, der 1993 die Gewinnschwelle wieder erreicht hatte, auf
1,5 Milliarden Mark. Zudem setzt er weitere 1,5 bis zwei Milliarden
Mark für die Entwicklung neuer Rover-Modelle an.

1995: Nach der Übernahme bricht das Rover-Ergebnis ein und rutscht
in die Verlustzone. BMW, offenbar ohne eigene Turn-around-Strategie,
lässt jedoch das Management unter John Towers weiter frei gewähren.

1996: Im Mai müssen Towers und Rover-Vertriebschef John Russel
gehen. BMW-Manager Walter Hasselkuss übernimmt den Chefsessel in
England. Der Pfund-Kurs, zur Rover-Übernahme noch bei 2,40 Mark
liegend, klettert unaufhaltsam und lässt alle Bemühungen um
Kostensenkung weitestgehend ins Leere laufen.

1998: Im November einigen sich Pischetsrieder und die britischen
Gewerkschaften auf ein drastisches Sparprogramm. 8.000 der 39.000
Arbeitsplätze bei Rover sollen wegfallen. Dezember 1998: Die Verluste
bei Rover haben inzwischen 1,9 Milliarden Mark für 1998 erreicht. Der
Absatz sinkt weiter. Hasselkuss muss gehen und wird durch den
damaligen Fertigungschef Werner Sämann ersetzt. Zu diesem Zeitpunkt
hat BMW bereits sechs Milliarden Mark in die britische Tochter
investiert. Dennoch muss Pischetsrieder das Ziel aufgeben, Rover bis
zum Jahr 2000 in die schwarzen Zahlen zu bringen. Der Streit um die
richtige Rover-Konzeption mit BMW-Entwicklungschef Wolfgang Reitzle
spitzt sich zu. Reitzle, Hauptkonkurrent von Pischetsrieder, hatte
von Anfang nur für die Übernahme der profitablen Rover-Marken wie
Land Rover und eventuell Mini plädiert.

1999: Der Machtkampf kulminiert zur bislang schwersten
Führungskrise bei BMW. Am 5. Februar nehmen der seit 1993 amtierende
Pischetsrieder sowie Reitzle ihren Hut. Dem Vorstandschef, der eine
«zu lange Leine» für Rover eingeräumt hatte, werden die Versäumnisse
bei der Sanierung angelastet. Reitzles Bewerbung um den Chefposten
scheitert vor allem am Widerstand der Arbeitnehmervertreter im
Aufsichtsrat.

Produktionschef Joachim Milberg wird überraschend zum
Vorstandschef berufen. Dieser führt wider Erwarten die bisherige
Rover-Strategie fort, will Rover aber durchgängig in die
Konzernverantwortung einbinden. Auf der Hauptversammlung im Mai 1999
beziffert Milberg die bisherigen Aufwendungen für Rover zusammen mit
Verlusten von bislang 2,5 Milliarden Mark auf insgesamt 6,6
Milliarden Mark. Trotzdem kündigt er im Juni ein auf fünf Jahre
angesetztes Investitionsprogramm von zehn Milliarden Mark für Rover
an. Aber die von der britischen Regierung zugesagten
Millionen-Subventionen für Rover stocken, die EU-Kommission hat
Vorbehalte und prüft. Die Angst bei Rover insbesondere um die Jobs im
Werk Longbridge wächst, die Vorwürfe aus Großbritannien an BMW werden
lauter. Der Absatz der Marke sinkt weiter um ein Viertel und der
Marktanteil in Großbritannien sackt auf einen historischen
Tiefststand. Auch das erste unter BMW-Führung entwickelte neue
Modell, der Rover 75, erfüllt die Absatzerwartungen nicht. Das Pfund
steht inzwischen bei über drei Mark.

2000: BMW, das bislang hartnäckig sein Feshalten an Rover und
dessen Sanierung bekundete, verkündet am 16. März nach einem durch
Rover bedingten Konzernverlust von knapp fünf Milliarden Mark für
1999 den Sinneswandel. Der Aufsichtsrat beschließt in einer
Krisensitzung den Verkauf von Rover Cars mit der Sportwagen-Sparte MG
und anderen Traditionsmarken an den Risikokapitalfonds Alchemy. Ford
zeigt Interesse für Land-Rover. Die erfolgreich laufenden
Kaufverhandlungen sollen bis Sommer 2000 abgeschlossen werden. Für
Rover Cars verhandelt BMW zunächst «exklusiv» mit Alchemy, das die
Rover-Produktion stark zurückfahren will. Ein Angebot des
Phoenix-Konsortiums um Ex-Rover-Chef Towers wird zunächst als
finanziell nicht gedeckt abgelehnt. Erst als die Gespräche mit
Alchemy überraschend scheitern, kommt Phoenix für den symbolischen
Preis von zehn Pfund als Erwerber zum Zuge. ++
hpn/hwa

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