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schrieb am 27.01.01 16:29:28
Hallo zusammen,
Ich möchte mal wieder auf eines dieser vergessenen
"Mauerblümchen" hinweisen, die exzellente Zahlen
produzieren, aber keinen interessiert`s. Vielleicht findet
sich der eine ohne andere, der sich meiner Meinung
anschließt und auch ein bisschen Wasser auf die ausgedörte
Pflanze gießt und, wenn sich genügend finden, die kräftig
gießen, ja dann kann sogar ein Mauerblümchen prächtig
wachsen und gedeihen.
Um wen geht`s? Um Bechstein Pianos. Ja diesen vermeintlich
langweiligen Hersteller der schwarzen Dreibeiner.
Langweilig?
Bechstein hat ein einmaliges Produktangebot vom
Einsteigerklavier für DM 5.000 bis zum Konzertflügel für
150.000, wie Mercedes-Benz vom Smart bis S-Klasse.
Was macht MB? Verdrängt Massenhersteller wie Opel, wäre da
nicht Chrysler ... aber das ist andere Geschichte.
Bechstein hat einen Spitzenmakrenimage mit Weltruf.
Bechstein hat kräftig in modernste Produktionsanlagen am
kostengünstigsten und handwerklich interessantesten
Standort in Deutschland investiert, in Sachsen (denkt an
den Erfolg von Lange Uhren u.a. aus Glashütte/Sachsen).
Bechstein hat enge Kooperationen mit verschiedenen
Herstellern insbesondere CZ.
Und dann hat Bechstein in der letzten Woche erste Zahlen
für 2000 bekannt gegeben:
Umsatz + 35 % auf 38 Mio. DM,
Jahresüberschuss auf 2,0 Mio. DM. verdoppelt!
Der Vorstand hatte bereits auf der HV im Juli die
Wiederaufnahme einer "ordentlichen" Dividendenzahlung
in Aussicht gestellt. Wie hat die Aktie reagiert?
Enttäuschend, nämlich gar nicht.
Zu den Fakten:
Ausgegeben sind 1.200.000 Aktien bei einem GK von
6,0 Mio.DM, d.h. Bechstein wird gerade mal mit
rd. 12 Mio. DM bewertet! Das ergibt ein KUV von 0,3 !!
Bei dem avisierten Ergebnis von 2,0 Mio. DM entspricht
das einem EPS von DM 1,66 oder € 0,85, was wiederum einem
KGV von 6,1 entspricht. Selbst wenn für 2001 nur ein JÜ
von 2,5 Mio. DM bzw. einem EPS von DM 2,08 bzw. € 1,06
gerechnet wird, ergibt das ein KGV von 4,8.
Und zu dem noch eine zu erwartende Dividende von
vielleicht der für das GJ 98 von € 0,40. Das würde auf
dem aktuellen Kursniveau einer Dividendenrendite
von 7,7 % entsprechen.
Charttechnisch ist die Aktie auch sauber. Der Boden ist bei
€ 5,00 gefunden, die Umsätze auf diesem Niveau nehmen
langsam zu, was mich fast zu der Vermutung kommen lässt,
sammelt da einer? Zumindest scheint das Kursrisiko nach
unten begrenzt. Der Weg nach oben scheint frei.
FAZIT:
Bechstein ist als Markenhersteller mit Weltruf hervorragend
positioniert. Die Fundamentals können nicht besser sein.
Wenn sich für 2001 nur ein erwartetes
EPS 2001 von € 1,06 und eine
Dividendenzahlung von € 0,40 einstellen sollte, ist bei
einem KGV von 7,5 bis 8,5 bei einer
Dividendenrendite von dann 4,4 % bis 5,0 % mein
Kursziel mindestens € 8,00,
immerhin + 53 %.
Bechstein ist für mich ein interessanter Nebenwert
für Fans der Old economy.
schrieb am 27.01.01 16:46:59
@qxc
Freut mich, dass Du Dich für BECHSTEIN ins Zeug legst.
Beobachte alle Piano-Firmen schon lange, musste aber leider
feststellen, dass sich deren Kurse so gut wie garnicht bewegen.
Vergleiche mal mit Steinway & Sons, Bösendorfer, Fasioli (man
könte sagen, incl. Bechstein die 4 Blue Chips);
Dann noch aus der 2.Reihe: Ibach, Grotrian Steinweg, Schimmel,
Blüthner, Kawai, Yamaha, Baldwin.
mfG
Roger ( Konzertpianist + Steinway-Besitzer )
schrieb am 27.01.01 17:23:02
@roger11
Größte Konkurrenz zu Bechstein ist sicherlich Steinway und
Yamaha.
Aber Steinway ist ausschließlich in den USA gelistet und
Yamaha ist ein Mischkonzern.
Dementsprechend sehe ich in dieser Branche aus Aktionärssicht keine
Alternative zu Bechstein.
schrieb am 28.01.01 14:30:13
Zur Info noch die Bechstein-Pressemeldung von der letzten
Woche:
Bericht zum IV. Quartal 2000
Bechstein übertrifft eigene Prognose
Nach ersten vorliegenden Erkenntnissen hat der Berliner Klavier-
und Flügelbauer
Bechstein die Absatzerwartungen mit nahezu 4000 Instrumenten
deutlich
übertroffen (Vorjahr 3.300 Stück). Trotz des wachsenden globalen
Wettbewerbs ist
mit 60% Inlandsabsatz eine starke Positionierung im deutschen Markt
zu
beobachten.
35% Umsatzsteigerung
Die bereits hoch angesetzten Planzahlen für 2000 von MioDM 36,0
wurden mit
nunmehr MioDM 38,3 (Vorjahr 28,3) tatsächlichem Umsatz nochmals
übertroffen.
Gewinnverdopplung
Obwohl noch keine vollständigen und geprüften Abschlussunterlagen
vorliegen, wird
mit einem Gewinn (Nettoumsatzrendite) von mindestens 5% gerechnet.
Der
Jahresüberschuß ist mit über MioDM 2,0 anzusetzen (MioDM 0.961 in
1999). Die
positiven Ergebnisse wurden trotz zusätzlicher Belastungen durch
investive
Tätigkeiten und fachliche Profilierung von Neueinstellungen
erzielt. Die geprüften
und verbindlichen Bilanzzahlen und Details werden Ende April 2001
vorliegen.
Das 1853 in Berlin gegründete und ansässige Unternehmen Bechstein
verkörpert
die Prinzipien der „Old economy“ mit traditionsorientierten
Produktkriterien und
Qualitätsprinzipien und „Leittugenden“ wie Offenheit und
Verantwortung. Nachhaltig
zeigt die Entwicklung, dass damit eine ordentliche Rendite zu
erzielen ist.
schrieb am 28.01.01 15:55:13
Das extrem niedrige KGV von Bechstein hängt wohl damit zusammen,
dass Bechstein keine Steuern zahlt (warum? Verlustvortrag?) Der
Markt bewertet solche Unternehmen in der Regel nach der alten
DVFA-Formel mit fiktiver Besteuerung; daraus ergäbe sich ein 2000er
KGV von 12. Die DVFA hat diese Berechnungsmethode zwar abgeschafft,
aber sie liefert meist eine bessere Aussage über die
zukünftigen Gewinne.
Die Umsatzplanung für 2000 wurde zwar leicht übertroffen, die
Gewinnplanung von 2,4 Mio. DM wurde aber deutlich verfehlt (siehe
auch
http://www.bechstein.de/deutsch/Aktien/Tabelle.html).
schrieb am 28.01.01 16:45:49
Dazu muss noch erwaehnt werden, dass Bechstein regelmaessig zu
optimistisch schaetzt, was den Gewinn angeht. Das Umsatzziel hatten
sie jedoch uebertroffen. Jetzt ist die Frage, ob die Margen sinken
(negativ) oder ob konservativer bilanziert wird (positiv). Zum
Beispiel koennte man auf aktivierte Eigenleistungen (0.6MioDM in
99) verzichten.
Trotzdem interessante Aktie.
Tschoe, Istanbul.
schrieb am 05.02.01 01:02:01
Bechstein hat mir auf Anfrage mitgeteilt, dass noch ein
steuerlicher Verlustvortrag in der Größenordnung von 20 Mio. DM
besteht. Das ist mehr als der gesamte Buchwert.
schrieb am 05.02.01 11:13:38
www.boerseberlin.de
Order Stück / Limit
Kauf 400 / 4.80
Kauf 200 / 5.22
Verkauf 1943 / 5.75
Verkauf 2256 / 5.90
Verkauf 2456 / 5,93
Da ist aber noch jede Menge Verkaufsdruck vorhanden..
schrieb am 05.02.01 11:27:51
Gönnen Sie sich einen kurzen Besuch bei der Firma. Der Sitz ist in
Berlin-Kreuzberg am Moritz-Platz (unweit des legendären
Oranienplatzes (bekannt aus Funk und Fernsehen jährlich am 1. Mai)
und direkt gegenüber des ehemaligen Zonen-Grenzübergangs
Heinrich-Heine-Straße).
Mein Eindruck war: Solide, aber sehr klein. Nur leichte
Veränderungen der Auftragslage wirken sich sehr stark auf die
Auslastung aus, große Erweiterungsinvestitionen sind am Standort
nur bedingt durchzuführen. Kleinere Erweiterungen sind dagegeben
durchaus möglich. Mir fiel bei einem Besuch, der allerdings schon 3
(?) Jahre her ist, auf, daß Teile des Firmengebäudes leergeräumt
waren und für eine externe Dauerausstellung (nichts mit Pianos)
genutzt wurden.
Trotz solidem Geschäft: Die Wachstumsmöglichkeiten der Firma sind
sehr beschränkt und große Investitionen sind mit den dazugehörigen
Risiken der sprungfixen Kosten verbunden, die im Falle eines
Auftragrückgangs für erhebliche bilanzielle Probleme sorgen
können.
Grüße
Peer Share
www.share-infos.de
schrieb am 06.02.01 00:24:33
@PeerShare:
Ihre Informationen zu Bechstein sind nicht mehr aktuell. Sowohl die
Verkaufsflächen als auch die Produktion wurden mittlerweile an
anderen Standorten erheblich erweitert.
Natürlich ist ein Investment trotzdem riskant. Man sollte auch
bedenken, dass Bechstein weiterhin kräftig subventioniert wird. Aus
eigener Kraft wären die Investitionen des letzten Jahres gar nicht
möglich gewesen.
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