Neu auf wallstreet:online?
Jetzt registrieren | Login
x
Benutzername:

Passwort:

Angemeldet bleiben
Passwort vergessen?
Seite 1 von 1

Muammar AL Gaddafi - Geschäfte eines Geächteten (EurAmS)

Diskussionsstatistik
eröffnet am 30.09.02 10:04:14
von
neuster Beitrag 30.09.02 10:04:14
von

Anzahl Beiträge: 1
Aufrufe gesamt: 684
Aufrufe heute: 0
Diskussionsnr.: 640.269

Juventus F.C.

Chart
WKN: 794314
ISIN: IT0000336518
Symbol: JUVE
0,180
 
-10,00 %
-0,020
Frankfurt (EUR), 25.05.12 | 11:22
Beitrag schreiben
Ansicht

zum neusten Beitrag ]

Avatar
Nachrichten [W:O]
schrieb am 30.09.02 10:04:14
Beitrag Nr.1 
(7.483.859)
Antwort
Zitat

Der libysche Diktator Muammar al Gaddafi hat sich trotz internationaler Sanktionen ein weit verzweigtes Finanzimperium zusammengekauft. Selbst in den USA ist er aktiv.

von Peter Gewalt, Euro am Sonntag 39/02

Wie so viele Diktatoren liebt auch Libyens Staats-Chef Muammar al Gaddafi das Außergewöhnliche. So lässt sich der Despot gern in De-signer-Uniformen ablichten, seine Gäste empfängt er dagegen bevorzugt in Landestracht im klimatisierten Beduinenzelt - geschützt durch 40 Leibwächterinnen. Zudem schockiert der 60-Jährige die Weltöffentlichkeit regelmäßig durch radikale politische Ideen.

Für weit weniger Aufregung sorgt, dass der international geächtete Gaddafi auch als Großinvestor tätig ist - trotz langjähriger Wirtschaftssanktionen, die Libyen vom internationalen Geldfluss abschneiden sollten. Bis heute hat Gaddafi über seine staatliche Libyan Arab Foreign Investment Company (Lafico) weltweit rund sieben Milliarden Dollar angelegt. Allein auf eine Milliarde Euro wird der Wert der Lafico-Immobilien im Herzen Londons taxiert.

Nach eigenen Angaben hat sich die Investmentgesellschaft außerdem an 72 Unternehmen in mehr als 45 Ländern beteiligt, darunter börsennotierte Banken, Hotels und Ölunternehmen. Selbst beim Erzfeind USA ist die Gesellschaft aktiv, obwohl Amerikanern, die mit den Libyern zusammenarbeiten, zehn Jahre Haft und bis zu 250000 Euro Strafe drohen. Grund: Auf Gaddafis Konto sollen mehrere Terroranschläge gehen, denen auch US-Bürger zum Opfer fielen. Doch Gaddafis Geldverwalter hat Schlupflöcher entdeckt, um die Sanktionen zu umgehen. So sind die Lafico-Beteiligungen an US-Unternehmen so gering, dass sie den amerikanischen Behörden nicht gemeldet werden müssen, erzählte Lafico-Chef Mohammed Ali el Huwej der Nachrichtenagentur Bloomberg. Der zweite Trick von Huwej: Lafico wickelt die weltweiten Geldgeschäfte diskret über Banken und Beteiligungen in Europa ab. Denn europäische Regierungen lassen die Libyer schon länger fast ungehindert agieren. Und dies nicht erst, seit die UNO 1999 ihre Sanktionen gegen das nordafrikanische Land nach sieben Jahren aufgehoben hat. Auch in Deutschland hat Lafico investiert - sehr zur Sorge der Sicherheitsbehörden. Das baden-württembergische Innenministerium warnt, dass es Lafico gelingt, \"illegale nachrichtendienstliche Stützpunkte direkt im Industriebereich anzusiedeln\". Die Namen der betroffenen Unternehmen gibt es nicht bekannt.

In Italien, der ehemaligen Kolonialmacht Libyens, ist Gaddafis Geld dagegen herzlich willkommen. Zu den italienischen Beteiligungen an börsennotierten Unternehmen zählen neben der Banca di Roma auch die Textilgruppe Olcese, die die Modefirmen Bennetton und Armani mit Stoffen beliefert. Derzeit versucht Lafico sich für knapp 25 Millionen Euro bei der in Not geratenen Textilholding Finpart einzukaufen, die unter anderem die Modemarke Cerruti besitzt. Ein Geschäft, das ganz im Sinne von Huwej ist. Dieser investiert häufig in angeschlagene Unternehmen, die als Turnaround-Kandidaten gelten. Zum Beispiel der irische Ölförderer Bula Resources, an dem Gaddafi demnächst Anteile erwerben will.

Auch Juventus Turin gehört zum Portfolio des Dikatators. Doch die 7,5-Prozent Aktienbeteiligung am italienischen Rekordmeister Juventus Turin ist weniger als lohnende Geldanlage gedacht. \"Der Einstieg bei Juve ist vor allem ein gelungener PR-Schachzug. Fußball ist in Libyen äußerst populär. Gaddafi wird dadurch mehr mit Fußball als mit den vielen Problemen des Landes in Verbindung gebracht\", erklärt der englische Nahost-und Nordafrika-Experte Chris Doyle. So ließ Gaddafi auch den diesjährigen italienischen Supercup mit Juve-Beteiligung in seiner Hauptstadt Tripolis ausrichten. Und für das Jahr 2010 will sich Libyen sogar um die Austragung der Fußball-Weltmeisterschaft bewerben.

Zudem ist Gaddafis Sohn al Saady, der trotz wenig berauschender Leistungen in der libyschen Nationalmannschaft kickt, ein glühender Anhänger von Juventus Turin. Dank Gaddafis Geld darf al Saady nun von Zeit zu Zeit auch bei den Juve-Profis mittrainieren. Einen Sitz im Juve-Vorstand hat er zudem in Aussicht.

Mit dem Juve-Einstieg hat Gaddafi einem alten Bekannten geholfen - dem Hauptaktionär des Sportclubs und Fiat-Patron Giovanni Agnelli. Schon 1976 sprang Gaddafi dem Italiener hilfreich zur Seite, indem der Diktator 15 Prozent von Fiat übernahm. Nur dank dieser Finanzspritze schaffte es der Turiner Autobauer, die erste große Unternehmenskrise zu meistern. Zehn Jahre später drängte Agnelli den libyschen Aktionär jedoch auf Druck der Amerikaner aus dem Konzern. Für Gaddafi blieb immerhin ein Gewinn in Höhe von mehr als zwei Milliarden Euro.

Ganz nach der Lafico-Maxime, sich an Krisen-Unternehmen zu beteiligen, kaufte sich die Investmentgesellschaft im März dieses Jahres wieder bei dem angeschlagenen Fiat-Konzern ein. Diesmal investierten die Libyer rund 130 Millionen Euro. Ausgezahlt hat sich die Investition noch nicht. Das Fiat-Papier hat seit dem Einstieg der Libyer rund ein Drittel verloren. Das könnte sich ändern, sollte der Großaktionär von Fiat-Auto, General Motors, wie angedacht, die Italiener vollständig übernehmen. Pikant: Ausgerechnet ein US-Unternehmen sorgt dann dafür, dass Gaddafi kräftig verdient.Gut möglich, dass diese Gewinne über Lafico-Bankbeteiligungen postwendend wieder in die USA gelangen: Der saudische Prinz und Großinvestor al Waleed, der in Kontakt zu Lafico steht, empfahl den libyschen Kollegen bereits Ende 2001 verstärkt auf Value-Werte zu setzen. Unter seinen Tips: Apple, Citigroup, und AOL Time Warner.

Vita

Muammar al Gaddafi wurde 1942 geboren. Nach einemGeschichtsstudium trat er 1963 in die libysche Armee ein. 1969 kam Gaddafi durch einen Militärputsch an die Macht. Trotz mehrererAttentate ist er bis heute Staats-Chef. Er soll Auftraggeber von Terroranschlägen sein, darunter 1988 das Flugzeug-Attentat über Lockerbie in Schottland.

Wertpapiere des Artikels:
JUVENTUS FOOTBALL EO -,10
FIAT ORD. EO 5


Autor: (© wallstreet:online AG / SmartHouse Media GmbH),09:56 30.09.2002

Beitrag zu dieser Diskussion schreiben
Investoren, die diesen Wert beobachten,
informieren sich auch über:
WertpapierPerf. in %
0,00
-2,62
+4,90
+0,43
-1,68
+0,55
-0,12
-0,21
+1,18
+0,48