Antwort auf Beitrag Nr.:
32.842.616 von Baltikteam am 21.12.07
19:29:46anbei mal wieder etwas Informatives aus der
lokalen Presse:
Horst Gesing nimmt nach 50 Berufsjahren Abschied vom Aluwerk
Unna
"Die müssen jetzt alleine klar kommen"
Unna, 21.12.2007
Der erste Tag im Rentnerleben von Horst Gesing war geschäftig, wie
kaum ein Tag zuvor: Hier ein Händedruck, da eine Umarmung – am Tag
der Weihnachtsfeier wollten die Kollegen „Auf Wiedersehen” sagen.
Horst Gesing nahm nach 50 Jahren seinen Hut.
Als Hilfsarbeiter hat Horst Gesing 1957 beim Aluwerk angeheuert.
„Ich hab noch von der Pike auf gelernt und mich hochgearbeitet”,
sagt Gesing. „Bis zum Werkzeugschleifer.” Nicht einmal hat er in
all den Jahren daran gedacht das Werk zu verlassen. „Es waren
schlimme und schöne Zeiten, die ich hier verbracht habe, doch
weggehen kam für mich nicht in Frage”, so Gesing.
Kein Büros, keine Winkel in den Hallen und keine Wege auf dem
Gelände, die Horst Gesing nicht in und auswendig kennt. Doch so
eng, wie er mit dem Werk verbunden ist, fühlt er sich auch in Unna
verwurzelt: „Ich bin hier aufgewachsen und hab hier immer gewohnt.
Ich brauch acht Minuten von zu Hause bis zur Arbeit – wenn ich
schnell geh.”
Seinen Abschluss hat er an der Herderschule gemacht. „Im nächsten
Jahr haben wir Klassentreffen. Über ein Jahr haben sie gesucht, um
alle wieder zu finden. Bis nach Kanada, Schweden und Dänemark sind
einige verzogen. Das wird ein Wiedersehen nach 50 Jahren”, freut
sich Gesing.
Auch sonst sieht er dem Ruhestand gelassen entgegen, will es
langsam angehen lassen, dieses neue Leben, an das er sich „erst
einmal gewöhnen muss.” Einen Hund will er sich zulegen, jetzt da er
die Zeit für ein Tier hat. Dazu freut er sich darauf, seinem Hobby
nachgehen zu können, der Funkerei. „Kurzwelle – dazu bin ich 1963
bei der Bundeswehr gekommen, da war ich Fernmelder”, sagt Gesing.
Doch bevor er wirklich zur Ruhe kommen kann, steht ihm noch ein
großer Tag bevor: An Heiligabend feiert Gesing seinen 65.
Geburtstag. Vom Chef gab es am Freitag schon einmal eine große
Überraschung vorab: Zu Blumen und Dankesworten überreichte ihm
Thomas Wiese noch einen Scheck über 5 000 Euro. Die anschließende
Umarmung war echt und herzlich: „Schließlich kenn ich den Thomas
schon als kleinen Jungen. Als ich hier angefangen bin, da war er
nicht mehr als eine Idee seiner Eltern”, sagt Gesing über seinen
Chef, der knapp die 40-Jahre-Grenze überschritten hat.
Die lockere Art ist bezeichnend für den Neu-Ruheständler. Seinen
Nachfolger hat er über die letzten drei Jahre angelernt und dieser
„muss jetzt allein klar kommen.” Und fehlen, da ist sich Gesing
ganz sicher, wird ihm seine Arbeit nicht: „Es ist dann ja auch mal
gut. 50 Jahre sind doch wirklich genug.”