Es kommt so, wie es kommen musste:
"Solarworld hat die Kampagne gegen uns nur
gestartet, weil sie nicht wettbewerbsfähig
sind."
Jinko heizt Preiskampf auf deutschem Solarmarkt an
Exklusiv Chinesische Solarhersteller werden den deutschen Markt
bald noch mehr als bisher dominieren: Der Billigheimer Jinko
fürchtet die Kürzung der Solarförderung nicht im geringsten -
und glaubt, dass die Gesetzesänderung
Unternehmen wie Solarworld das Genick brechen wird. von
Kathrin Werner Hamburg Ein chinesischer Neueinsteiger bremst die
deutsche Solarindustrie aus. Während die Deutschen über die
geplante Kürzung der staatlichen Fördersätze klagen, jeden Tag über
das Ende des Solarmarkts, der Arbeitsplätze und der Energiewende
mäkeln und Großdemos veranstalten, geben sich billigere Hersteller
wie Jinko Solar selbstbewusst. Das Unternehmen mit Sitz in
Schanghai fürchtet sich nicht vor der Gesetzesänderung.
"Wir
können die Förderkürzung problemlos kompensieren", 
sagte Jinko-Vorstand Arturo Herrero der FTD.
"Unser Geschäft in
Deutschland wächst auch 2012."
Jinkos Aussage ist doppelt brisant: Zum einen zeigt sie, dass die
Bundesregierung mit ihrem Ziel scheitern könnte, den hiesigen
Solarmarkt nach dem Boom der vergangenen zwei Jahre abzukühlen. Zum
anderen ist sie ein Hinweis darauf, dass künftig noch stärker als
bisher chinesische Solarhersteller den deutschen Markt dominieren.
Die Fördermilliarden der deutschen
Stromverbraucher fließen schon jetzt zum Großteil nach
China.
Nach Schätzungen kamen nur rund 15 Prozent der
2011 installierten Solaranlagen von deutschen
Herstellern.
Durch die Kürzung der Solarförderung ...
Die Bundesregierung will die Einspeisevergütung, die
Solaranlagenbesitzer pro Kilowattstunde Solarstrom erhalten, um 20
bis 30 Prozent senken. Deshalb müssen Investoren die Solartechnik
günstiger einkaufen, damit sich deren Investition noch lohnt.
Solaranlagen verursachen aber Kosten, neben den Solarmodulen etwa
für Wechselrichter, Kabel, Haltevorrichtungen und
Handwerkerstunden. Jinko rechnet damit, dass von Kürzungen acht bis
zehn Prozent von Solarmodulbauern eingespart werden müssen.
"Und
wir können unsere Preise noch um acht bis zehn Prozent senken",
so Herrero.
Sparen will der Konzern insbesondere beim Einkauf des Rohstoffs
Silizium, der knapp ein Drittel der Kosten eines Solarmoduls
ausmacht. Gleichwohl leidet Jinko wie alle unter dem heftigen
Preisverfall. Zwar schreiben die Chinesen bislang Gewinne, die aber
sinken. In den ersten neun Monaten 2011 waren es bei 956,5 Mio.
Dollar Umsatz 72,5 Mio. Gewinn. Laut Deutsche-Bank-Analyst Vishal
Shah könne Jinko die Kosten weiter senken.
Ihr Vorteil sei, dass
sie keine großen Lagerbestände hat, die sie wegen des Preisverfalls
unter Produktionskosten verkaufen oder abschreiben
müsse.]Deutsche Hersteller seien schlicht
zu teuer, um mit den Chinesen mitzuhalten, sagte
Herrero.
"Solarworld hat die Kampagne gegen
uns nur gestartet, weil sie nicht wettbewerbsfähig
sind." Der Bonner Konzern klagt in den USA und plant
einen Prozess in der EU, um chinesische Solartechnik mit
Importzöllen zu belegen. Solarworld wirft den Chinesen Dumping vor,
weil sie von den chinesischen Staatsbanken vergünstigte Kredite
erhielten.
"Die chinesischen Banken haben viel Geld, das stimmt", sagte
Herrero. "Aber das Geld ist teuer." Chinesische Banken
verlangten meist rund acht Prozent Zinsen. Von europäischen Banken
bekomme Jinko Solar Kredite für rund vier Prozent. Jinko habe die
niedrigsten Produktionskosten der Branche, sagte Herrero. "Aber das
hat mit der Finanzierung nichts zu tun." Der Konzern produziert
deutlich mehr als alle deutschen Hersteller und habe deshalb
Skalenvorteile. Seit 2009 verdoppelte sich die Produktionskapazität
jedes Jahr. 2011 hat Jinko elf Prozent mehr verkauft als im Vorjahr
und ist jetzt Nummer sieben auf dem Weltmarkt, weit vor
Deutschlands Branchenprimus Solarworld. Jinko ist im Mai 2010 als
letzter chinesischer Hersteller an die Börse in New York gegangen.
"Weil wir so jung sind, haben wir die neuesten Maschinen", sagte
Herrero. "Mit ihnen produzieren wir günstiger."
Das schnelle Wachstum hatte im Herbst 2011 einen Dämpfer erhalten,
als chinesische Behörden eine Produktionsstätte in der
ostchinesischen Provinz Zhejiang vorübergehend schlossen.
Dort
sollen Fluoride in die Umwelt gelangt sein. Anwohner hatten das
Werk gestürmt und Jinko vorgeworfen, am Fischsterben in einem Fluss
schuld zu sein. 
In Deutschland hat Jinko 2011 Solarmodule mit einer Gesamtleistung
von 250 Megawatt (MW) verkauft und kommt so auf einen Marktanteil
von erst rund drei Prozent. Allerdings ist der Markt äußert
zersplittert. In diesem Jahr will Jinko hierzulande rund 300 MW
verkaufen.