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schrieb am 01.03.04 12:30:16
01.03.2004
Das Erdbeben in Berlin oder: Das alte System muss weg In der
Schaubühne diskutierten Vertreter der Banken-Initiative mit
Finanzsenator Sarrazin
Es ist Sonntag, 12 Uhr. Das Publikum füllt den Theatersaal der
„Schaubühne“ bis auf den letzten Platz. Das Stück heißt: „Pleite im
System“ und handelt von der Bankgesellschaft. Eigentlich sollte an
diesem Tag „10 Jahre Völkermord in Ruanda“ aufgeführt werden, die
Veranstaltung wurde verschoben. An vier separaten Tischen sitzen
der Finanzsenator (Thilo Sarrazin), der Hochschullehrer (Rolf
Kreibich von der Initiative Bürger gegen den Bankenskandal), der
Journalist (Matthew D. Rose) und der Moderator (Mathias Greffrath).
Sie rascheln mit Papier.
Erster Akt: Der Journalist sagt, dass die Berliner Politik keinen
Landeshaushalt, geschweige denn eine Bank führen könne. Es werde so
lange vertuscht, bis das System außer Kontrolle sei. Der
Finanzsenator erinnert daran, dass seine politische Verantwortung
erst am 18. Januar 2002 begann. Damals habe er sich wie nach einem
Erdbeben gefühlt. „Man steht da, muss aufräumen und sucht nach
Hohlräumen, in denen vielleicht noch Überlebende zu finden sind.“
Der Schaden, denn das Beben der Bankgesellschaft verursacht habe,
sei auf 3 bis 6 Milliarden Euro zu schätzen: Für die
Risikoabschirmung durch das Land, die er für richtig halte. Ein
Konkurs hätte 11 bis 14 Milliarden Euro gekostet. Aus dem Verkauf
der Bank bis 2007, der zu den Auflagen der EU-Kommission gehöre,
werde das Land Berlin einen „nennenswerten Kaufpreis“ erzielen. Der
Hochschullehrer sagt, das überzeuge ihn nicht. „Wir glauben Ihnen
keine Zahl mehr.“ Nicht weil der Senator lüge, sondern weil er es
nicht besser wisse. Das Kernthema sei doch Vertuschung, Täuschung
und Verantwortungslosigkeit. Die Bankgesellschaft sei nicht
sanierungsfähig und man werde den Finanzsenator umwerben, „sich vom
falschen Weg zu verabschieden“. Eine Untersuchungskommission müsse
prüfen, wer die Schuldigen seien. Heftiger Applaus.
Zweiter Akt: Der Finanzsenator erregt sich, wirft dem
Hochschullehrer vor, „absolutes Stammtischgeschwätz abzusondern“.
Er habe von der Bank keine Ahnung und stelle wilde Vermutungen an,
die einfach nur Unfug seien. Der Hochschullehrer kaut an seiner
Brille, aus dem Publikum gellen Pfiffe und der Journalist schließt
sich der Forderung nach einer Untersuchungskommission an, um die
tatsächlichen Finanzrisiken des Bankenskandals festzustellen. Der
Moderator gibt zu bedenken, dass ein Verkauf der Bankgesellschaft
inklusive der Sparkasse „an internationale Großkonzerne“ nicht im
Sinne der regionalen, mittelständischen Wirtschaft sei. Der
Finanzsenator sagt dem Journalisten, dass alle erkennbaren Risiken
bilanziert worden seien. „Es gibt keinen Bedarf für eine
Untersuchungskommission.“ Der Hochschullehrer beschwert sich über
die „miesen Vokabeln“ des Senators, der bürgerschaftliches
Engagement beschimpfe. „Uns gehört die Bank.“ Beifall auf offener
Szene.
Dritter Akt: Das Publikum befragt die Akteure. Ein bekennender
Marxist stellt die Systemfrage und eine Frau wirft dem Senator vor,
„unübertroffen arrogant“ zu sein. Zwischenrufe ertönen: „Heuchler,
Schwätzer, das System muss weg.“ Auch für den Journalisten ist das
System das Problem. Der Hochschullehrer „ringt um einen neuen Weg“.
Der Senator bekennt, dass das System immer noch verbesserungsfähig
sei und er selbst im Rahmen der Verfassung agiere. Der Vorhang
fällt. Ulrich Zawatka-Gerlach
schrieb am 01.03.04 17:57:02
@ WO:Surfer: die Ausgabenseite des IBV D 2 kenne ich leider nicht
im Detail, ich weiß aber, daß es hier Streit um die
Höchstpreisgarantien gibt. Anscheinend will der Garant einfach € 25
Mio. nicht bezahlen...
schrieb am 02.03.04 08:13:44
@ christopherm: Hmm, wundert mich dass zu sooo gravierenden
Abweichungen im Geschäftsbericht keinerlei Erläuterungen zu lesen
sind
schrieb am 02.03.04 09:02:11
Solange man nichts genaues über den Grund für die drastischen
Mehrausgaben mancher IBV / LBB Fonds weiß, kann man ja mal
spekulieren:
Zahlreiche Wohn- und Geschäftsgebäude stammen aus maroden Beständen
landeseigener Gesellschaften. Die Bankgesellschaft war Ihren
politischen Promotoren gerne dabei behilflich, problematische
Objekte in die Anlegerfonds zu entsorgen.
Heute scheinen nun die Instandhaltungs- und Sanierungskosten dieser
maroden Objekte zu explodieren
schrieb am 02.03.04 10:02:24
@ WO:Surfer: Geschäftsberichte und weitere Äußerungen seitens der
IBV kommen erst mit deutlichem Zeitverzug auf Probleme in der
Vergangenheit zu sprechen. Hier braucht man eigentlich gar nicht
mehr reinzuschauen
Die "Entsorgungstheorie" verdichtet sich immer mehr und mehr.
Wahrscheinlich ist der Rechtsweg der einzig sinnvolle Schritt.
Ansonsten teile ich Deine Ansichten zum Thema Mafia. Hätte das
früher auch nie für möglich gehalten, aber man lernt ja nie aus.
schrieb am 02.03.04 12:37:20
@ christopherm: Da hast du wohl völlig recht. Bei meinem LBB 9
warte ich auch noch auf den GB 2002 !!! Nach Gesellschaftsvertrag
ist der zwar innerhalb von 9 Monaten nach Geschäftsjahresabschluß
vorzulegen, aber Vertragspflichten sind natürlich nur was für die
Schwachen
schrieb am 02.03.04 13:25:56
Zum Thema "Rechtsweg". Auch das Manager Magazin rät den Anlegern
auf Rückabwicklung Ihrer Beteiligung zu klagen:
"Die Verkaufsprospekte der Fonds weisen nach Ansicht vieler
Juristen zum Teil gravierende Fehler auf. Die Anleger wurden, so
die Kritik, nicht ausreichend über die Qualität der Gebäude und die
Schwachpunkte der Garantiekonstruktion aufgeklärt. Konsultieren Sie
einen auf Anlagerecht spezialisierten Anwalt, reichen Sie Klage
gegen die Initiatoren ein, und fordern Sie die vollständige
Rückabwicklung Ihres Investments."
An anderer Stelle wird zum sofortigen Handeln aufgerufen, offenbar
verjähren wichtige Ansprüche am 31.12.2004.
Wenn man das alles so liest, kann man nur glauben, man sei
öffentlich-rechtlichen Anlagebetrügern zum Opfer gefallen
schrieb am 02.03.04 13:50:33
Bei den LBB Fonds ist wohl bis auf LBB 7 noch nicht ein GB 2002 an
die Gesellschafter gegangen.
Aber im Brief der Geschäftsleitung IBV an den Verwaltungsrat, der
dem Abstimmungsbogen beiliegt, wird großspurig von guter
Informationspolitik geschrieben. man hätte eine Leistungsbilanz
2002 erstellt. Was nützt das einem Gesellschafter, der bis heute
auf seinen Geschäftsbericht wartet?
Nein, man kann über den plötzlichen Sinneswandel vom VR Lange
sicherlich spekulieren, aber mit der Bemerkung, das die
Informationspolitik nicht wirklich vorhanden ist, hat er sicherlich
recht. Fragt sich nur, warum er so lange gebraucht hat, das zu
erkennen...
schrieb am 03.03.04 10:42:40
Interessant fand ich folgende (sinngemäße) Aussage des Moderators
im gestrigen heute-Journal:
"5% Rendite und volle Rückzahlung des Kapitals - das klang zu
schön, um wahr zu sein"
Na danke - bei solchen Verhältnissen in Deutschland brauche ich
dann ja nicht gerade auf die Rückzahlung von Staatsanleihen und
Kapitallebensversicherungen zu setzen
Siehe auch
http://www.heute.t-online.de/ZDFheute/mediathek/video/0,1473…
schrieb am 03.03.04 11:31:49
Tja, hab ich auch so empfunden ... Natürlich wird mit solchen
Sendungen und auch bestimmten Artikeln immer gerne Stimmung
gemacht. Allerdings war der Bericht gestern (bis auf die
Anmoderation) doch relativ sachlich und neutral.
Was allerdings die "Sicherheit" von Staatsanleihen betrifft, glaube
ich auch, dass noch fast keiner die Risiken dieser Anlageform
erkannt hat

Ich denke, wir erleben hier möglicherweise gerade das Vorspiel zu
einem später möglichen Staatsbankrott. Vielleicht wird ja später
über die heutigen Käufer von Staatsanleihen mal später ähnlich
berichtet wie heute über uns Fondsanleger
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