..... für ihn ist Produkt- und Markenpiraterie
„eine der schwersten Formen der Wirtschaftskriminalität im 21.
Jahrhundert“.
15 Mal kopiert
Ein Einkaufskorb hat es den Fälschern besonders angetan
Die dreistesten bekommen einen Preis
Milliardenschäden durch Plagiate
Frankfurt am Main - Die Bundesregierung will die Anstrengungen im
Kampf gegen Plagiate und dreiste Nachahmerprodukte verstärken.
Durch entsprechende Gesetzesänderungen sollen die Hintermänner von
Fälschern und Raubkopierern leichter greifbar werden. Einen
entsprechenden Gesetzentwurf habe das Kabinett jetzt beschlossen,
sagte Bundesjustizministerin Brigitte Zypries am Freitag bei der
Verleihung des „Plagiarius“ in Frankfurt. Der Plagiarius ist ein
Negativpreis für die dreistesten Nachahmerprodukte. Er wird seit 30
Jahren verliehen. Die Figur, ein schwarzer Zwerg mit goldener Nase,
soll versinnbildlichen, dass man mit dunklen Geschäften gutes Geld
verdienen kann.
Das Unterfangen der Regierung ist schwierig: Noch während die
Ministerin sprach, sammelte ein Einsatzkommando des Zolls ein paar
Meter weiter in den Hallen der Konsumgütermesse „Ambiente“ schon
wieder reihenweise Plagiate ein. Dort sind die Anwälte bekannter
Markenhersteller wie Alessi, Villeroy & Boch, Koziol oder Bodum
unterwegs, um Verstöße gegen die Marken- oder
Geschmacksmusterrechte ihrer Kunden aufzudecken.
Nach Angaben von betroffenen Mittelständlern nutzt das vorhandene
Strafrecht, das in Deutschland für Fälscher Freiheitsstrafen von
bis zu fünf Jahren vorsieht, wenig. Die Staatsanwaltschaften gingen
den Verstößen kaum nach, wirkliche Strafverfahren gebe es kaum.
Auch Zivilverfahren seien langwierig, mit oft kaum zählbaren
Ergebnissen für die geschädigten Firmen. Die Nachahmer-Firmen
können zudem immer nur wegen jeweils eines Plagiats angegangen
werden. Doch einige tun es immer wieder: So wurde in diesem Jahr
mit der Firma Glaser aus Hessen ein Unternehmen „ausgezeichnet“,
das die zweifelhafte Trophäe zuvor schon vier Mal erhalten
hatte.
Dabei ist der wirtschaftliche Schaden enorm. Allein in der
Bundesrepublik beläuft er sich nach Angaben von Zypries auf 29
Milliarden Euro pro Jahr, weltweit sollen es 200 bis 300 Milliarden
Euro sein. Vor wenigen Wochen beschlagnahmte der Zoll im Hamburger
Hafen 177 Container mit gefälschten Uhren, Schuhen und Spielzeug –
Handelswert etwa 300 Millionen Euro. An den Außengrenzen der EU
wurden 2005 mehr als 75 Millionen gefälschte Artikel beschlagnahmt.
Die Ministerin wies auch auf die gesundheitlichen Gefahren durch
die qualitativ meist mangelhaften Plagiate hin, etwa bei
technischen Geräten oder Spielzeug. Verbraucher und Handel sollten
von solchen Produkten Abstand nehmen. Mit Werbesprüchen wie „Geiz
ist geil“ verstärke der Handel allerdings den Wunsch nach
Billigprodukten und damit nach Plagiaten, die zum Teil nur ein
Zehntel der Originale kosteten. „Wir brauchen Kampagnen, die sagen,
dass gute Produkte auch ihren Preis haben“, appellierte
Zypries.
Der Plagiarius ging auch in diesem Jahr an mehrere chinesische
Firmen, die unter anderem eine Isolierkanne und sogar Zapfventile
für Tankstellen kopierten. Unter den „Bösewichten“ sind auch
etliche deutsche Firmen, darunter der Discounter Lidl. Er „glänzte“
durch das Plagiat eines Schmuckkoffers, der für ein Siebtel des
Preises des Originals verkauft wurde.
Kopiert wurden auch medizinisch- technische Instrumente einer
renommierten schwäbischen Firma und das gleich von mehreren
Unternehmen, unter anderem von Asap Endoscopic in Freiburg. Ein
Einkaufskorb wurde sogar von 15 verschiedenen Plagiatoren
abgekupfert. „Noch nie hatten wir so viele Plagiate von einem
Produkt“, sagte der Designer Rido Busse aus Ulm, der Initiator des
Plagiarius. Für ihn ist Produkt- und Markenpiraterie „eine der
schwersten Formen der Wirtschaftskriminalität im 21. Jahrhundert“.
Rolf Obertreis
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Prämierter Ideenklau. Auf der Konsumgütermesse in Frankfurt am Main
verleiht Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) heute
den
„Plagiarius 2007“,
eine Negativauszeichnung für den dreistesten Ideenklau. Der
schwarze Zwerg mit der goldenen Nase wird in diesem Jahr zum 31.
Mal vergeben. Erfunden hat den
„Plagiarius“ Professor Rido Busse. Es
war im Jahr 1977, als er auf der Frankfurter Konsumgütermesse eine
Fälschung seines eigenen Produkts entdeckte: Die
Diätwaage Nr. 8600, die er für die Firma Soehnle-Waagen 1965
entworfen hatte und die für 26 Mark verkauft wurde. Die Waage an
dem Messestand war ein
perfektes Ebenbild, nachgebaut von einem chinesischen Hersteller –
und kostete nur zehn Mark. Allein durch Plagiate und Fälschungen
entsteht weltweit jedes Jahr ein volkswirtschaftlicher Schaden von
bis zu 300 Milliarden Euro und es werden rund 200 000 Arbeitsplätze
vernichtet. Tsp
jetzt wollen die Asiaten die USA mit ihren billig Plagiaten
überschwemmen
dieser schreckliche Bericht steht heute im Tagesspiegel
v. 10. Februar 2007