Für LCD-Hersteller bringt die WM nicht das erhoffte
Geschäft
14. Juni 2006
Für die Hersteller von LCD- Fernsehgeräten ist die Fußball-WM ein
teurer Fehltritt. Sie haben im vergangenen Jahr geschätzte acht
Milliarden Euro in die Ausweitung ihrer Produktion gesteckt, da sie
auf ein glänzendes WM-Geschäft hofften. Immerhin ist die WM das
weltweit meistgesehene Sportereignis. Insgesamt werden 32,5
Milliarden Zuschauer die 64 Spiele mitverfolgen, schätzt die
FIFA-Tocher In Front Sports & Media.
Am Dienstag hatte jedoch mit
LG.Philips LCD der zweite große
Hersteller innerhalb einer Woche gewarnt, die Absatzzahlen im
laufenden Quartal könnten enttäuschend ausfallen. Außerdem scheinen
die Preise für die Geräte stärker zu fallen, als der Markt das in
seinem lange anhaltenden Optimismus offensichtlich erwartet hatte.
Allerdings gab es in den vergangenen Monaten auch kritische
Studien, die davor gewarnt hatten.
Flachbildschirme scheinen für viele Konsumenten noch zu teuer zu
sein
Wer sie gelesen (siehe auch: Flachbildschirme - überzogener
Optimismus?) hatte, dürfte vorgewarnt gewesen sein und konnte sich
rechtzeitig auf die Konsequenzen einstellen. Die Aktienkurse der
fünf größten Hersteller von flachen Fernsehgeräten befinden sich
zum Teil schon längere Zeit in der Defensive und haben an Marktwert
verloren. Denn, statt wie von den Unternehmen erwartet, neue
Flachbildschirme zu erstehen, scheinen die Verbraucher darauf zu
warten, daß die Geräte noch preiswerter werden. Unternehmen, vom
deutschen-japanischen Hersteller und Vermarkter Loewe bis hin zu
Elektronik-Einzelhändlern wie Media-Markt oder Saturn müssen sich
nun wohl auf eine deutlichere Schwächeperiode nach der WM
einstellen.
Das dürfte kaum verwundern. Denn die Preise für
Flachbildschirmgeräte sind nach wie vor relativ hoch. Bei Quelle
beispielsweise kostet in Plasma-TV-Gerät mit einer
Bildschirmdiagonalen von 107 Zentimeter knapp 1.600 Euro. Ein
LCD-Gerät mit einer Diagonalen von 102 Zentimeter von Samsung
kostet mehr als 1.800 Euro. Röhrengeräte sind deutlich günstiger zu
haben.
So dürfte es kaum verwundern, daß die Nachfrage hinter dem Angebot
zurückgeblieben ist, was für Preisdruck sorgt. Die Preise seien
teilweise schon unter die Produktionskosten gefallen, heißt es. Vor
zwei Monaten noch hatte LCD-Marktführer Samsung Electronics die
Prognose für die weltweiten Absatzzahlen heraufgesetzt. Inzwischen
erklärte das Unternehmen, die die Erwartungen an die WM seien nicht
erfüllt worden. Ähnlich sieht es bei
LG.Philips aus. Der
Branchenzweite hatte im April für das laufende Quartal mit 50
Prozent Zuwachs bei den Auslieferungen gerechnet. In dieser Woche
wurde die Prognose halbiert. In den vergangenen Tagen hatte schon
AU Optronics aus Taiwan die Absatzprognose reduziert.
Zum Teil deutliche Gewinnwarnungen
Auch bei deutschen Herstellern und Vermarktern wie Loewe aus
Kronach macht sich die Marktschwäche bemerkbar. Im zweiten Quartal
werde das Umsatzwachstum wahrscheinlich schwächer ausfallen als in
den drei Monaten davor, erklärte Axel Gentzsch, Leiter Investor
Relations beim TV-Anbieter, gegenüber der Nachrichtenagentur
Bloomberg.
Insgesamt scheinen Anleger in solchen Branchen mit unheimlich hohem
Investitionsbedarf, unglaublich schnellen Innovations- und auch
Produktivitätsfortschritten und den damit verbundenen
Preisverfällen nur unter großen Schwierigkeiten Geld verdienen
können. Gelingen dürfte das jeweils nur in Anfängen, wenn einem
Hersteller ein größerer Innovationssprung gelingt, für den er bis
zum Aufholen der Konkurrenz hohe Margen erzielen kann. Selbst dann
jedoch ist der Ertrag nicht sicher, da die Investitionskosten
gegengerechnet werden müssen.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des
Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET, picture-alliance/ dpa/dpaweb
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