Unfassbar!!
nach nur einem halben Jahr Betriebszeit ist das Space Center im
Space Park Bremen, nach eigener Werbung Europas größter
IndoorThemenpark für Raumfahrt und Weltraum wohl pleite bzw. nicht
überlebensfähig. 300 Mitarbeiter sollen bis Ende Oktober entlassen
werden.
Darüberhinaus wurden von den Investoren (Dresdner Bank/Allianz) ca.
600 Mio Euro, davon 170 Mio Land Bremen,in den Space Park
investiert, der auch über ein
Einkaufszentrum mit 44.000 qm
Verkaufsfläche verfügt, welches seit einem Jahr fertig erstellt
ist aber weder vermarktet geschweige denn vermietet ist.
Man lasse sich das Investitonsvolumen und die nicht vermietete
Einzelhandelsfläche auf der Zunge zergehen.
Im Space Center gehen die Lichter aus
300 Mitarbeiter ab Oktober ohne Job / Zukunft der
600-Millionen-Immobilie völlig ungewiss
Von unserem Redakteur
Jürgen Hinrichs Weser Kurier Online 24.08.04
Bremen. Aus, Ende und vorbei - der Space Park, eines der größten
Investitionsprojekte in der Geschichte Bremens, ist endgültig
gescheitert. Das Einkaufszentrum hat ohnehin nie einen Mieter
gesehen, und das Space Center macht nun auch dicht. Gut 300
Mitarbeiter werden bis spätestens Ende Oktober ihren Job verlieren.
Wie es danach weitergeht mit dem 600 Millionen Euro teuren
Raumschiff in Gröpelingen, steht noch in den Sternen.
"Wir haben uns mit der Dresdner Bank auf einen geordneten Rückzug
geeinigt", bestätigte gestern Abend Heiner Heseler aus der
Senatskanzlei. "Irgendwann im Oktober" solle das Space Center
geschlossen werden. Der Grund sind die zu geringen Besucherzahlen.
Seit Öffnung der Weltraum-Sause vor einem Dreivierteljahr konnte
vom amerikanischen Betreiber "ProFun" in keinem Monat auch nur
annähernd kostendeckend gewirtschaftet werden. "Es hat ja keinen
Sinn, wenn wir da immer wieder neu Geld hineinstecken", sagte
Heseler dem WESER-KURIER.
Zuletzt hatten sich die Dresdner Bank als Eigentümer der Immobilie
und der Bremer Senat vor zwei Wochen auf einen weiteren Zuschuss
von einer halben Million Euro geeinigt. Ein Tropfen auf den heißen
Stein, wie sich jetzt herausstellt. "ProFun" hatte nach den relativ
guten Zahlen während der Sommerferien, als an Spitzentagen bis zu
4000 Menschen das Space Center besuchten, bereits angekündigt, dass
es nun wohl wieder bergab gehe. Ursprünglich war pro Jahr mit 1,45
Millionen Besuchern gerechnet worden - eine Mondzahl, nachdem es
mit dem Einkaufspark nichts geworden war.
Völlig offen ist, was mit dem Space Park in der Zukunft geschieht.
Die Dresdner Bank bleibt vorerst Eigentümer und muss sich einen
Käufer suchen. Im Gespräch sind auch hiesige Investoren. "Es gibt
Leute in Bremen, die das Projekt unter bestimmten Bedingungen
übernehmen würden", deutete Heseler an. Mehr wollte er noch nicht
sagen: "Wir sind in Gesprächen." Zwei Namen werden in diesem
Zusammenhang intern immer wieder genannt: Kurt Zech, der Baulöwe,
und die Lürssen-Brüder, die in Bremen-Nord mit Schiffbau reich
geworden sind.
Sollte es zu einer Bremer Lösung kommen, steht der Betreiber eines
neuen Space Centers bereits fest: Es ist Carlo Petri, der mit
großem Erfolg das "Universum" führt. Auch Petri indes wird ohne
Nachbarn im Einkaufspark, die das Publikum ziehen, nicht
auskommen.
PRESTIGE-PROJEKT
Bremer Space Park vor dem Aus
Spiegel Online - 23.08.04
170 Millionen Euro vom Senat, Vorschusslorbeeren vom Regierungschef
- das alles ist keine Erfolgsgarantie, wie sich in Bremen zeigt.
Der mit Millionen-Investitionen errichtete Bremer
Weltraum-Erlebnispark Space Center steht vor dem Aus.
AP
"Space Center" in Bremen: Besucherzahlen blieben weit unter den
Erwartungen
Bremen - Ein Sprecher der SPD-Bürgerschaftsfraktion bestätigte am
Montag entsprechende Medienberichte. Die Senatskanzlei habe die
Fraktion darüber unterrichtet, dass das Zentrum spätestens Ende
Oktober seine Tore schließen wird. Das 500-Millionen-Euro-Projekt
war wegen geringer Publikumsresonanz in finanzielle Schwierigkeiten
geraten.
Nach Absprache mit dem Hauptinvestor Dresdner Bank soll der Betrieb
geordnet zu Ende geführt werden, hieß es in der Fraktion. Ein
Insolvenzverfahren werde es nicht geben. Das Ende des Space Centers
solle zugleich Auftakt für ein neues Investoren-Konzept sein,
teilte ein Senatssprecher mit.
Der Erlebnispark galt als Prestige-Objekt der großen Koalition in
Bremen. Eröffnet wurde er im Februar. Ehrgeizige Prognosen gingen
von bis zu 1,4 Millionen Besuchern im Jahr aus. Da ein
angegliedertes Einkaufszentrum mit einer Gesamtfläche von 44.000
Quadratmetern bis heute keine Mieter fand, blieben die angepeilten
Besucherzahlen Wunschdenken.
Bei der offiziellen Eröffnung hatte Bürgermeister Henning Scherf
(SPD) von einer Erfolgsgeschichte gesprochen. Das Projekt biete
gute Chancen zur Entwicklung von Stadt und Region, hatten sowohl
Scherf als auch der damalige Wirtschaftssenator Hartmut Perschau
(CDU) erklärt.
Der "Space Park" hatte aus dem hoch verschuldeten Bremen ein
galaktisches Ausflugsziel machen sollen. Doch das
500-Millionen-Projekt hatte von Anfang an Startprobleme. Die
Besucherzahlen im größten Freizeit-Indoor-Park Europas waren weit
hinter den Erwartungen zurückgeblieben.
Auch die direkt ans Center angrenzende Shopping-Mall ist ein
"Problemprojekt" geworden. Es fand sich kein Mieter, der als
Publikumsmagnet gedient hätte. Eine eigens von der Dresdner Bank
eingesetzte Task Force sollte Rettung in letzter Minute bringen.
Doch die Bemühungen erwiesen sich als aussichtslos. Deshalb fand
auch kein kleinerer Gewerbetreibender den Mut, einen der 120 Läden
auf der 44.000 Quadratmeter großen Fläche anzumieten. Und so bietet
sich in diesem Teil des Universums an der Weser ein tristes Bild:
Die Eingänge der "teuersten Ruine Deutschlands" ("Bild") wurden
provisorisch zugemauert, der Besucher der Entertainment-Anlage
läuft durch eine riesige, aber fast leere Halle.
Auch in der Bremer Bürgerschaft war das Projekt von Anfang an
umstritten. Als Kritiker traten vor allem die oppositionellen
Grünen auf. Kritisch hatte sich auch der Wirtschaftswissenschaftler
Rudolf Hickel geäußert. Der Mitte der neunziger Jahre konzipierte
Park sei ein "riesiger Planungsirrtum".


Dabei hatten Space Park" und "Space Center" Bremen zu mehr
positiver Aufmerksamkeit verhelfen sollen. Seit Jahren überlebt das
aus den Städten Bremen und Bremerhaven bestehende Mini-Bundesland
(660.000 Einwohner) nur noch durch die über neun Milliarden Euro
aus einem Nothilfeprogramm des Bundes, das aber Ende dieses Jahres
ausläuft.