#191, das erinnert mich sehr an Probleme, vor denen ich mal stand.
Ich habe auch einen Teil meiner Absicherung über MLP gemacht (aber
nicht alles), und hatte auch die Diskussion über die Fondspolice
gemacht. Vorweg dazu etwas: der besondere Vorteil der angebotenen
Fondspolice ist, daß man dieses Jahr noch die Steuerfreiheit retten
kann und diese Police sehr lange laufen lassen kann, um sie dann im
Alter sogar für steuerfreie Auszahlungen zu nutzen. Aaaber: die
Verdreifachung des Beitrags ist vermutlich steuerschädlich. Die
Regierung bereitet Gesetzesvorlagen genau als Antwort für solche
Vorratspolicen vor, um diese von der Steuerfreiheit auszuschließen.
Irgendwo zwischen 10 und 20% Dynamik pro Jahr endet der Bereich, in
dem die Dynamik noch gefahrlos für Steuervorteile ist.
Generell gilt: man legt nicht alle Eier in einen Korb. Die
Forschung zu Anlagestrategien zeigt immer wieder, daß ein Depot, in
dem sehr unterschiedliche Anlageformen gemischt werden (bezogen auf
Risikoneigung, d.h. Volatilität und Art der Abhängigkeit von den
Märkten) sich besser entwickelt als eines, in dem man versucht,
immer die bestrentierende Anlage allein zu halten. Das gilt für den
Privatmenschen ganz genauso. Der hat aber ein Problem: der fängt
meistens mit kleinen Anlagesummen an und braucht lange Zeit, um auf
ein Depotvolumen über 100.000 Euro zu kommen, bei dem man eine
ausreichende Diversifikation betreiben kann (z.B. 60% Aktien, 20%
Renten, 10% Immobilien, 10% Hedgefonds, als Beispiel. Wer versucht,
10.000 Euro bei Hedgefonds und bei Immobilien unterzubringen, der
merkt schon, daß man hier als Kleinanleger ankommt, der nicht die
besten Konditionen erhält. Bei weniger als 100.000 Euro
Depotvolumen sieht es dann düster aus.)
Fonds und Versicherungen sind daher nicht die Ultima ratio für den
Anleger, weil die so gut wären - das sind die nicht, sondern weil
nur hierüber der Anleger überhaupt die Chance hat, diese notwendige
Diversifikation zu erreichen. Und all die Leute, die einem
einzureden versuchen, man sollte sein Geld alles in einen
bestimmten Fonds reinstecken, der seit 30 Jahren der beste wäre und
Versicherungen vergessen, der ignoriert diese Forschung über
optimierte Depotstrategien.
Die FLV der MLP ist nun nicht ausreichend für eine solche
Diversifikation. Sie ist auch von der Kostenseite her nicht
günstig. Ich halte sie nur für gut, wenn man zum einen daran
glaubt, daß die Dachfonds dort auf lange Sicht ihre Sache anständig
machen (was man eben im voraus weder hier noch bei irgendeinem
Fonds sagen kann; wir reden hier über eine Anlage über Jahrzehnte!)
und zum anderen den Steuervorteil dort wirklich nutzen kann. Ich
würde aber nur einen Teil meiner Altersvorsorge dort einsetzen.
Daneben sollte man mit Rentenfonds, Bundeswertpapieren usw.
zumindest seinen Sparerfreibetrag ausschöpfen, weiterhin sollte man
auch erwägen, eine Kapitallebensversicherung abzuschließen, so
lange man noch jung ist (Kosten niedrig!) und den Steuervorteil
noch hat (sonst lohnt sich eine KLV einfach nicht), weil man nur
hier die breitgefächerte Diversifikation in Renten, Aktien und
Immobilien hat. Von den gegenwärtig niedrigen Erträgen der
Lebensversicherungen sollte man sich nicht verrückt machen lassen,
weil nämlich Untersuchungen zeigen, daß langfristig die
durchschnittliche Kapitallebensversicherung im Sparanteil bei den
Renditen den durchschnittlichen Aktienfonds schlägt (kaum zu
glauben, aber war). Link dafür:
http://www.versicherungsmagazin.de/index.php?do=show&id=2254…
Wichtig ist bei den Versicherungen: hier darf nur das Geld hinein,
das man nach aller Voraussicht vor dem Versicherungsablauf nicht
braucht und für das man Beiträge immer leisten kann - eher noch
etwas weniger - der MLP-Berater möchte natürlich, daß man im
Interesse seiner Provision möglichst viel in die Versicherungen
steckt. Man sollte daneben immer auch noch zwei oder drei Fonds
(Ausnutzung des vermögenswirksamen Sparens als Sparplan) und
Direktanlagen laufen haben, um Marktchancen wahrzunehmen und
zusätzlich auch liquide zu sein. Wenn man vor aluter
Steueroptimierung noch nicht mal seinen Sparerfreibetrag
ausschöpft, ist der verschwendet. Und sobald man über 50.000 Euro
in Aktien stecken hat (in Fonds oder in der FLV), sollte man einen
Hedgefonds hinzunehmen, der ein anderes Schwankungsprofil aufweist,
und in den, je nach Risikoneigung, 10 bis 20% des Aktienanlage
hineingehen.
Und man sollte immer bedenken: was die beste Anlage war, weiß man
immer erst hinterher. Also sollte man sich nicht verrückt machen
lassen, sondern verschiedene Anlageformen nutzen. Mit den
Versicherungen fängt man an, weil bei geringem Eintrittsalter und
langer Laufzeit hier die Kosten am niedrigsten sind. Darauf setzt
man die Fonds, die die guten Chancen, aber auch die Risiken bieten,
die sich über eine lange Laufzeit hoffentlich glätten. Und im
mittleren Alter kommen dann alternative Anlagen hinzu, um zu
diversifizieren und die Risiken zu glätten. Was da am besten ist,
ist aber bei jedem Menschen so verschieden, daß man das nur durch
Selbststudium oder durch intensive Beratung herausfinden kann.
Also die MLP-Fondspolice ist geeignet, wenn man den Steuervorteil
vor allem bei der gedehnten Auszahlungsphase nutzen kann. Aber nur
als ein Baustein von vielen...