Einmal etwas Lemmingunterricht.
Geschrieben 23. August 2006 - 22:26
Hallo. Hier mal ein interessanter Beitrag zum Thema
Börsenmanipulation und OTC-Werte.
De Beira - Hafenarbeiter, Hell`s Angels und Sexshops
Armin Brack, Chefredakteur
Lieber Geldanleger,
ich habe eine todsichere Quelle für Sie, wenn Sie nach Aktien
suchen, die dem Untergang geweiht sind. Schauen Sie einfach in
Deutschlands Finanz-Communitys, welche Werte am meisten diskutiert
werden und meiden Sie diese wie der Teufel das Weihwasser.
Lesen Sie nachfolgend die Hintergründe über die Mutter aller
Rohrkrepierer: De Beira Goldfields!
*50.184 Beiträge zu einer Aktie
Ich bin nicht wirklich überrascht, als ich in der aktuellen Liste
der meist diskutiertesten Aktien einen alten Bekannten an erster
Stelle finde: DeBeira Goldfields. Nicht weniger als 50.184 Beiträge
finden sich aktuell zu DeBeira alleine in Deutschlands größtem
Diskussions-Forum. Wenn Sie diesen Text lesen, werden es schon
wieder einige hundert mehr sein. Nicht schlecht für eine Aktie, die
gerade mal seit ein paar Monaten börsennotiert ist, oder? Zum
Vergleich: Die Zahl der Diskussionsbeiträge bei Standard-Werten wie
Daimler-Chrysler oder Siemens liegt im Hauptthread derzeit bei 193
bzw. 318.
In einer konzertierten Aktion empfahlen mindestens sieben
kostenlose und kostenpflichtige Börsenbriefe in den letzten Wochen
und Monaten die Aktie wiederholt zum Kauf, in Deutschland und
Österreich wurden ganzseitige Anzeigen in großen Tageszeitungen
("BILD", "Der Standard") geschaltet und Investoren-Meetings
organisiert.
*Was steckt wirklich hinter DeBeira?
Ich habe mir die "Frechheit" erlaubt, objektiv zu recherchieren und
zu schauen, was es mit dieser Aktie wirklich auf sich hat. Gleich
vorab der Hinweis: Die nachfolgende Geschichte ist tatsächlich
wahr!
Der Hafenarbeiter Mike F., wohnhaft im Norden der kanadischen
Provinz British Columbia behauptet irgendwann im Jahre 2005, dass
unterhalb seines Grundbesitzes wertvolle Bodenschätze lagern. Er
gründet daraufhin eine Firma und beantragt die Explorationsrechte
für das Gebiet bei den zuständigen Behörden, was ihn 126 kanadische
Dollar kostet. Er engagiert daraufhin den Geologen Erik O., der ihm
in einem Report bestätigt, dass sich im Boden des betreffenden
Stück Landes sehr wahrscheinlich tatsächlich metallische Mineralien
befinden. Das kostet ihn 387 CAN-Dollar. Eine Bareinlage von 46.011
CAN-Dollar reicht ihm dann aus, um aus seiner Firma eine
Aktiengesellschaft zu machen. Er beauftragt ein
Buchhaltungsunternehmen aus Vancouver, die Bilanz des Unternehmens
(die ausschließlich aus dieser Bareinlage besteht) zu überprüfen,
und leitet weitere Schritte für einen Börsengang ein.
Jenes besagte Buchhaltungsunternehmen hat den Ruf, bei der Auswahl
seiner Klienten nicht besonders wählerisch ist. So unterstützte man
2005 alleine 14 Unternehmen beim Börsengang an den unregulierten so
genannten Over-the-Counter-Markt in den USA. Darunter war
beispielsweise auch eine Firma namens Tora Technologies, die
wiederum in engem Kontakt mit dem in Kanada berühmt-berüchtigten
Tony P. steht, einem Mitglied der nicht weniger berüchtigten
Motorrad-Gang Hell`s Angels, der bekanntlich mafia-ähnliche
Strukturen nachgesagt werden.
*Vom Hafenarbeiter zum Großaktionär
Aber zurück zu De Beira. Mike F. reicht anschließend einfach bei
der US-Wertpapierbehörde SEC ein und erhält prompt die Genehmigung
für ein Listing der Aktien. Der Hafenarbeiter Mike F. ist nun
Vorstand des Rohstoff-Explorations-Unternehmens De Beira
Goldfields, obwohl er laut Emissionsprospekt "keinerlei frühere
Erfahrung im Bereich der Exploration von Mineralien oder generell
im Führen eines Minen-Unternehmens" hat.
Die einzige weitere Voraussetzung für das Börsenlisting: Mike F.
muss mindestens 30 verschiedene Aktionäre finden. Auch das gelingt.
De Beira weist im Emissionsprospekt tatsächlich 35 Aktionäre aus,
die jeweils 25.000 oder 125.000 De Beira-Aktien besitzen. Der
Kaufpreis für diese Aktien beträgt 0,001 bis 0,05 CAN-Dollars je
Aktie!
*Die kurze Karriere von Mike F.
Der Witz an der Geschichte: Bei sämtlichen Aktionären handelt es
sich um Strohmänner, die auf Befehl sämtliche Aktien bereits vor
der Erstnotiz der Aktie wieder an Mike F. zurückgeben. So kann das
Angebot an Aktien, das nach dem IPO auf den Markt kommt, genau
gesteuert werden und damit auch der Preis der Aktie.
Die Erstnotiz am US-Bulletin Board am 12.April 2006 liegt dann bei
- mehr oder weniger willkürlich festgelegten - 1,33 US-Dollar. Mike
F. fungiert de facto als Alleinaktionär.
Ohne, dass die Gesellschaft operativ tätig geworden wäre, tritt er
bereits eine Woche später, am 19.April, als Vorstand zurück.
Ersetzt wird er vom Australier Reginald Gillard und dem
deutschstämmigen Klaus Eckhof, der hierzulande in der Branche
bereits durch andere Rohstoff-Projekte bekannt ist. Mike F. gibt 20
Millionen Aktien an das Unternehmen zurück, die im Anschluss
einfach annulliert werden. Die restlichen vier Millionen Aktien
verkauft er an Gillard. Der Verkaufspreis wird nicht öffentlich
gemacht.
Mit dem Ausscheiden von Mike F. ist auch der ursprüngliche
"Geschäftszweck" der Gesellschaft hinfällig. Die neuen Vorstände
beschließen nicht in Kanada sondern in Südamerika aktiv zu werden.
Tatsächlich aktiv werden sie aber vor allem in Deutschland- nämlich
als Promotion-Manager!
*Die Werbekampagne kann beginnen
Gillard und Eckhof sind als Aktien-Promoter bekannt. Beide waren
beispielsweise Direktoren bei den um die Jahrtausendwende massiv
gehypten Internetklitschen Adultshop.com und MyCasino.com, einem
Internet-Sexshop und einem (ehemaligen)
Internetglücksspiel-Anbieter. Dem einen oder anderen
Dotcom-Crash-Geschädigten unter Ihnen dürften die Aktien eventuell
sogar noch ein Begriff sein. Eckhof, der sich bei DeBeira als
Rohstoffexperte mit über 20 Jahren Berufserfahrung feiern lässt,
hatte zwischenzeitlich also die Gunst der Stunde genutzt und war
zum Internetexperten mutiert. Die Kurse von Adultshop und MyCasino
explodierten darauf hin im Zuge massiver Werbekampagnen auf über
einen bzw. sogar über zehn Euro - und rauschten anschließend wieder
in die Tiefe. MyCasino.com brachte es im April 2000 sogar zum
spekulativen Topp-Tipp in einer großen deutschen Börsenzeitschrift.
Heute notieren die Aktien bei 0,018 Euro bzw. 0,017 Euro, was
Wertverlusten von über 98 bzw. 99,9 Prozent entspricht.
*Kauf von Minen mit zweifelhafter Qualität
Die Parallelen zu De Beira sind verblüffend. Wenige Wochen nachdem
Gillard und Eckhof die Regie übernommen haben, unterzeichnet das
Unternehmen Absichtserklärungen zum Kauf zweier Gold- bzw.
Gold-Kuper-Projekte in Kolumbien und Ecuador. Parallel wird eine
beispiellose Werbekampagne im In- und Ausland gestartet, in dem
diese Absichtserklärungen und die schlichte Tatsache, dass Eckhof
für die Firma arbeitet, gefeiert werden.
Verschiedene Börsenbriefe preisen die Firma in den höchsten Tönen
an. Viele ahnungslose Kleinaktionäre kaufen die Aktie, die meisten
wohl, ohne zu wissen, dass die betreffenden Börsenbriefe, die Aktie
nur deshalb empfehlen, weil sie Geld von einer zwischengeschalteten
Promotion-Agentur aus Salzburg erhalten, die wiederum im Auftrag De
Beiras arbeitet (und zahlreicher weiterer Minen-Unternehmen).
Alleine auf Basis zweier Absichtserklärungen und der dazu gehörigen
Werbekampagne steigt die Aktie daraufhin von einem auf über 14 Euro
und bringt in der Spitze eine Marktkapitalisierung von über 500
Millionen Euro auf die Waage - ohne dass zu diesem Zeitpunkt auch
nur eine Probebohrung durchgeführt worden ist.
*Irreführende Pressemeldungen
Zumindest eine der Pressemeldungen, die das Unternehmen
veröffentlicht und die den Aufstieg der Aktie forcieren, grenzt
meiner Ansicht nach zudem an Irreführung der Investoren. So heißt
es bei der Bekanntgabe des Ecuador-Deals am 16.Juni beispielsweise
unter der Überschrift "Höhepunkte":
1." Erwerb einer produzierenden Goldmine mit Multi-Millionen-Unzen
Potenzial",
2."Bestehende Ressourcenbasis von mehr als 4 Millionen Unzen (nicht
NI43101-konform)" und
3."Das Projekt befindet sich in Südecuador, wo
Explorationsaktivitäten in letzter Zeit Weltklasseentdeckungen
zutage förderten, z.B. Aurelian Resources Inc. 189m @ 24g/t AU auf
seinem Fruta-Del-Norte-Projekt."
Hört sich klasse an, aber gehen wir mal die vermeintlichen Fakten
durch:
1. Die angesprochene Goldmine hat tatsächlich mal produziert,
allerdings wurde der Großteil der Produktion zwischen 1895 und 1950
abgebaut. Die Frage darf erlaubt sein, warum sich zwischenzeitlich
keiner mehr für das Projekt interessiert hat. Zudem wurde nur eine
Absichtserklärung zum Erwerb unterschrieben, die an verschiedene
Bedingungen geknüpft ist. Unter anderem soll die Transaktion mit
eigenen Aktien bezahlt werden. Schlecht nur, dass man dabei mit
einem Aktienwert von 10 US-Dollar je Aktie kalkuliert hat. Momentan
notiert das Papier nämlich gerade noch bei gut zwei US-Dollar. Die
Transaktion kann also in der ursprünglich geplanten Form gar nicht
durchgeführt werden.
2. In Klammern heißt es "nicht NI43101-konform", ohne dass dies
näher erläutert würde. Im Klartext heißt dies aber, dass nach den
kanadischen Regulierungs-Standards ("Standards of Disclosure for
Mineral Projects: National Instrument 43-101") das Vorhandensein
der 4 Millionen Unzen nicht hinreichend nachgewiesen ist.
3. Die Tatsache, dass in einem Projekt eines anderen Unternehmens
in Südecuador, Erdgestein mit einem sehr hohen Goldgehalt von 24
Gramm je Tonne gefunden worden ist, hat nicht das Geringste mit
DeBeira zu tun - und damit in der Meldung nichts zu suchen, schon
gar nicht unter der Rubrik "Höhepunkte".
Die tatsächlichen aktuellen, eigenen Ressourcen-Kalkulationen von
De Beira gehen von 4,73 Millionen Unzen Gold aus, das aus 127
Millionen Tonnen Stein generiert werden soll. Das ergibt
umgerechnet einen Gehalt von 1,16 Gramm Gold je Tonne und
entspricht damit nur einem Bruchteil des Goldgehalts des zum
Vergleich herangezogen Fruta-Del-Norte-Projekts von Aurelia.
• De Beira Goldfields Inc.
• WKN A0JDS0
• Börsenwert 69,66 Mio. Euro
• KGV 07e kein Gewinn
• Umsatz -
• Akt. Kurs 1,51 EUR
=> Weiterhin Finger weg!
*Das Ausland warnt, Deutschland empfiehlt...
Im Zusammenhang mit diesen Ungereimtheiten wurde die Aktie übrigens
wenige Tage später in Kanada vom Handel ausgesetzt und wird dort
bis heute nicht mehr gehandelt. Am OTC-Markt in den USA wurde das
Wertpapier-Kürzel nun von DBGF auf DBGFE verändert, was anzeigt,
dass das Unternehmen wichtige Papiere bei der SEC nicht
termingerecht eingereicht hat. Das dient Investoren als
Warnzeichen.
Nur in Deutschland wird die Aktie normal weitergehandelt und von
den einschlägigen "Hofberichterstattern" zum Kauf empfohlen als
wäre alles in bester Ordnung. Kommentar überflüssig!
*Fazit: De Beira ist kein Einzelfall
Es gebe noch einiges mehr zu De Beira und den dahinter stehenden
Machern zu berichten. Aber ich denke, die bisher präsentierten
Fakten in Kombination mit dem Kursverlauf der Aktie sprechen
ohnehin für sich.
Das bestürzende ist: De Beira ist bei weitem kein Einzelfall
sondern nur das momentan prominenteste Beispiel unter vielen.
Quelle: http://www.geldanlage-report.de