INVESTITIONEN
Fischzug ohne Gewähr
Von Henryk Hielscher
Für die weltgrößte geschlossene Kaviarfarm wurden bei Anlegern
Millionen eingesammelt. Gegen die Betreiber ermittelt die
Staatsanwaltschaft.
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Unternehmer Schaefer, Koch-Ikone Witzigmann: " Weltweit führendes
Unternehmen"
Von kleinmütigen Charakteren hält Frank Schaefer, 49, nichts. Mit
reichlich Gel im Haar und einer winterfesten Sonnenbräune, wie sie
sonst nur bei Discobetreibern auf Ibiza zu besichtigen ist, kämpft
der Vorstandsvorsitzende der Caviar Creator Inc. für eine kühne
Vision: " Ziel des Unternehmens ist es, die weltweite
Marktführerschaft für die Produktion von Stör, Kaviar und
Stördelikatessen zu erlangen."
In fünf Jahren will Caviar Creator jährlich mindestens 400 Tonnen
Kaviar und 10 000 Tonnen Störfleisch in den Markt drücken - viermal
so viel wie die wichtigsten Exportländer Russland und Iran
zusammen.
Während Branchenkennern bei solchen Zahlen der Atem stockt,
präsentiert sich das Unternehmen so, als hätte es die Mission
längst erfüllt: Briefpapier und Broschüren in dezentem Golddruck,
die Düsseldorfer Filiale in bester Lage. In der vergangenen Woche
wurde eigens Koch-Ikone und " Caviar Creator Botschafter" Eckart
Witzigmann ins vorpommersche Demmin geladen, um der Eröffnungsfeier
der " weltweit größten Aquakulturanlage" für Störe etwas Glanz zu
verleihen.
In Sachen PR wird geklotzt und nicht gekleckert. Das muss die Firma
wohl auch, denn die Realität ist trist - und kaum dazu angetan,
Investoren anzulocken: Verbraucherschützer zweifeln an der
Seriosität der Firma, die Staatsanwaltschaft Düsseldorf ermittelt
gegen Schaefer und eine weitere Führungskraft. Der Verdacht:
Kapitalanlagebetrug. " Alles Quatsch" , weist Schaefer die
Anschuldigungen zurück.
Finanziert wird die Vision vom Zuchtkaviar vor allem mit dem Geld
privater Anleger. Zwar hatte das Land Fördermittel in Höhe von 3,35
Millionen Euro zugesagt, doch weil die Firma ihren Sitz nicht nach
Demmin verlegt habe, werde jetzt nochmals geprüft, ob das Geld
überhaupt ausgezahlt wird. Im Internet behauptet das Unternehmen
dennoch unverdrossen: " Caviar Creator erhält Fördergelder."
Auch bei der Kundenakquise ist die Vertriebstruppe nicht gerade
zimperlich. Mit unerwünschten Telefonanrufen, sogenannten Cold
Callings, und Versprechungen von bis zu 30 Prozent Rendite gehen
die Vermittler mitunter auf Kundenfang.
" Mindestens 20-, eher 30-mal" habe es die Kaviartruppe bei ihm
versucht, berichtet der baden-württembergische Unternehmer Marcus
Steiner. Zusätzlich an die 20 Werbefaxe seien in seinem Büro
gelandet. Ein Unternehmensberater aus Lohmar war von den forschen
Verkäufern derart genervt, dass er Anzeige erstattete. Schaefer
versichert dagegen: " Wir tun alles dafür, dass die Leute nicht
belästigt werden, wir machen kein Cold Calling."
Mehr als 3500 Anleger haben nach Unternehmensangaben bislang
investiert. 4,5 Millionen Euro hat Caviar Creator allein mit einem
Fonds eingesammelt. Zusätzlich wurden mehrere Millionen Aktien der
amerikanischen Muttergesellschaft verkauft. Die Papiere sind jedoch
derzeit kaum handelbar. Erst Ende des Jahres will sich das
Unternehmen mit offiziellem Sitz in Las Vegas an die
Technologiebörse Nasdaq wagen. " Eine Gewähr kann jedoch hierfür
nicht gegeben werden" , heißt es vorsorglich im Emissionsprospekt.
Für Thomas Bieler von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen
handelt es sich deshalb um ein " äußerst riskantes und
hochspekulatives Investment" .
Nicht weniger als elf Tonnen Kaviar pro Jahr soll die größte
überdachte Störzucht der Welt in der ersten Ausbaustufe liefern,
später sogar 33 Tonnen. Seit vergangener Woche ist die Anlage in
Betrieb, doch nur in einem der 176 Becken tummeln sich ein paar
Fische. Von den rund hunderttausend Stören, die hier dem Tag des
Laichens entgegenschwimmen sollen, fehlt bislang jede Spur. " Die
kommen noch" , versichert Vorstandschef Schaefer.
Die Gesellschaft rechnet im Fondsprospekt mit einem Preis von 670
Euro pro Kilo Kaviar. Für den Hamburger Großhändler Christian
Zuther-Grauerholz ist das " utopisch" . Allenfalls die Hälfte ließe
sich derzeit für Zuchtware erzielen. Andere Kalkulationen sind
ähnlich gewagt. Legt man die Zahl der genehmigten Aktien der
Muttergesellschaft und den aktuellen Emissionspreis zugrunde,
ergibt sich ein Unternehmenswert von rund einer halben Milliarde
Dollar.
Bisher allerdings erinnert die Firmenstruktur weniger an ein
künftig " weltweit führendes Unternehmen" der Kaviarproduktion
(Internet-Werbung) als an eine kleine Familienklitsche samt
Geschäftskonto bei der Kreissparkasse Bitburg-Prüm.
Bis vor ein paar Jahren führte die damals 77-jährige Mutter
Schaefers die Geschäfte der Caviar Creator Capital GmbH, die für
den Vertrieb der Fondsanteile zuständig war und inzwischen mit
einem anderen Tochterunternehmen verschmolzen wurde.
Die rüstige Rentnerin aus Meerbusch hatte die Firma laut
Handelsregister ursprünglich gegründet, um mit PC-Zubehör zu
handeln und Internet-Promotion zu betreiben, doch im Laufe der
Jahre entdeckte Mutter Schaefer offenbar ihre Liebe zur Aquakultur
und änderte den Unternehmensgegenstand.
Firmenchef Schaefer redet über die Vergangenheit nicht so gern, er
spricht lieber über die Zukunft: " Jeder glaubt an den Erfolg."
http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,347299,00.html
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EURO AM SONNTAG vom 20.03.2005
Caviar Creator: Keine Förderung
Für Caviar Creator läuft es nicht wie geplant. Die Firma, die für
Aquakulturanlagen zur Gewinnung von Kaviar Geld bei Anlegern
eingesammelt hat, muß für ihr Projekt in Demmin vorerst ohne die
eingeplanten 3,35 Millionen Fördermittel des Landes
Mecklenburg-Vorpommern auskommen, teilte eine Sprecherin des
Schweriner Agrarministeriums mit. Und weiter: " Wir prüfen auch
neuere Vorwürfe gegen die Firma" . EURO am Sonntag hatte mehrfach
über das dubiose Umfeld von Caviar Creator berichtet und vor
Investitionen in die Firma gewarnt. Auch die Staatsanwaltschaft
Düsseldorf ermittelt.