07.02.2012
Für SAP geht Datenklau-Ärger weiter: Oracle will neues
Verfahren
OAKLAND/WALLDORF (dpa-AFX) - Ein sieben Jahre zurückliegender
Datenklau bereitet dem deutschen Softwarekonzern SAP noch immer
Ärger in Amerika. Dem geschädigten US-Erzrivalen Oracle sind die
als Schadenersatz zugebilligten 272 Millionen Dollar (208 Mio Euro)
zu wenig. "Oracle hat keine andere Wahl, als das Verfahren neu
aufzurollen", erklärten die Anwälte des Unternehmens in einem
Schreiben an das zuständige Gericht im kalifornischen Oakland.
"Wir bedauern, dass Oracle die Chance nicht genutzt hat, zu einer
fairen Lösung der Angelegenheit zu kommen", erwiderte ein
SAP-Sprecher am Dienstag am Firmensitz in Walldorf. "Wir werden
weiterhin alles daran setzen, den Rechtsstreit zu einem
vernünftigen Ende zu bringen."
SAP hat die Verfehlungen längst eingestanden und sich auch
öffentlich entschuldigt. Die Deutschen sind zudem grundsätzlich
bereit, dem US-Erzrivalen den Schaden zu ersetzen. Doch scheiden
sich die Geister an der Höhe der gerechten Wiedergutmachung: SAP
bietet Millionen, Oracle verlangt Milliarden.
Die Verfehlungen liegen Jahre zurück. Die Mitarbeiter der 2005
übernommenen und mittlerweile geschlossenen SAP-Tochterfirma
TomorrowNow hatten im großem Stil unrechtmäßig Updates bei Oracle
heruntergeladen. Die Staatsanwaltschaft von San Francisco kam bei
ihren Ermittlungen auf mindestens 6249 Fälle und brummte SAP eine
Strafe von 20 Millionen Dollar auf.
Parallel läuft seit 2007 das Zivilverfahren, in dem Oracle auf
Wiedergutmachung pocht. Erst schienen die Amerikaner mit ihrer
hohen Forderung auch durchzukommen: Eine Jury sprach dem vom
streitbaren Lebemann Larry Ellison geführten Konzern 1,3 Milliarden
Dollar zu. Richterin Phyllis Hamilton empfand den Betrag jedoch als
"extrem übertrieben" und stutzte ihn auf 272 Millionen Dollar
zurecht. Alternativ könne Oracle ein neues Verfahren anstreben,
entschied sie.
Das war im September vergangenen Jahres. Oracle hat sich nach
monatelanger Bedenkzeit nun endgültig dafür entschieden, abermals
vor Gericht zu ziehen. Gründe führten die Amerikaner nicht an.
Auffällig ist aber, dass es SAP gerade besonders gut geht. 2011 war
das beste Jahr der Firmengeschichte. Dagegen lief das Geschäft des
erfolgsverwöhnten Oracle-Konzerns zuletzt schleppender.
Die beiden Unternehmen sind sich spinnefeind, nicht erst seit dem
Datenklau. SAP ist der Weltmarktführer für Unternehmenssoftware.
Damit regeln Firmen etwa die Buchhaltung oder die Kundenverwaltung.
Oracle dagegen ist führend bei Datenbanken, drängt aber immer mehr
in das angestammte Feld von SAP. Konzernchef Ellison gab in den
vergangenen Jahren dutzende Milliarden Dollar für Zukäufe aus und
steht nun unter Erfolgsdruck.
/das/DP/tw
dpa-AFX