Hallo,
zur Einstimmung ein interessanter Artikel der FD vom
19.01.2005.
Dieser Artikel ist ein klarer Indiz dafür, dass zur Zeit
sprunghafte Umsatzsteigerungen möglich sind. Ich vergleiche dies
mit dem Zusammenhang NeueEnergienGesetz und Solarfirmen
Mehr Inhalt: Mit neuen Angeboten wollen die Netzbetreiber die
mit UMTS-Handys nutzbaren mobilen Datendienste attraktiver
machen
Mobilfunkfirmen öffnen die Portale
Zunehmend bestücken Drittanbieter das Angebot an Handydiensten ·
Netzbetreiber hatten damit bislang kaum Erfolg
Von Kristina Spiller, Hamburg
Europas Mobilfunkanbieter ändern ihre Strategie für
Handydienste.
Bisher hatten sie versucht,die Inhalte auf per Handy
abrufbaren, abgespeckten Internetseiten komplett selbst zu
bestimmen. Nach harten Kriterien filtern sie die lukrativ
erscheinenden Anwendungen Tausender kleiner Inhalteanbieter
heraus. Jetzt denken die Konzerne jedoch um. „Wir haben geglaubt,
wir kennen unsere Kunden am besten. Doch nun stellen wir fest, dass
wir Drittanbietern mehr Raum
für ihre mobilen Anwendungen lassen müssen“, sagt der Manager eines
großen Mobilfunkkonzerns. Mit der größeren Offenheit versuchen die
europäischen Mobilfunkkonzerne,
endlich den Datenturbo in ihrem Geschäft in Gang zu bekommen. Da
das Wachstum der per Mobiltelefon geführten Gespräche nachlässt,
bauen die Unternehmen darauf, dass ihre Kunden verstärkt
Datendienste nutzen und so über
ihr Handy Klingeltöne, Spiele, Straßenkarten bis hin zu
Konzerttickets, Nachrichten und später sogar ganzen
Filmen herunterladen.
Doch bisher vorhandene Angebote werden weit weniger genutzt als
gedacht. Noch Anfang 2004 hatten die Unternehmen erwartet, dass 25
Prozent des Umsatzes zum Jahresende bereits aus dem Abrufen von
Datendiensten per Handy stammen werden. Tatsächlich liegt der
Anteil
aber bei unter 20 Prozent. „Ich stelle ein Umdenken bei
den Netzbetreibern fest. Sie öffnen sich den Inhalteanbietern
stärker“, sagt Roman Friedrich, Telekomexperte der Beratungsfirma
Booz Allen Hamilton. Accenture-Berater Nikolaus Mohr beobachtet
Ähnliches: „Sie merken, dass es umso schwieriger ist, an gute
Inhalte
zu kommen, je restriktiver sie gegenüber Drittanbietern agieren“,
sagt er.
2004 hätten Netzbetreiber zunehmend die technischen
Voraussetzungen geschaffen, damit Inhalteanbieter vorhandene
Angebote ergänzen könnten.
Die Inhalteanbieter spüren den neuen Wind schon seit einiger Zeit.
„Die Netzbetreiber haben ihre Portale
für Dienste weiter geöffnet, sie handhaben das Einstellen neuer
Angebote nicht mehr so strikt“, stellt Theodor Niehues fest, Chef
von Net Mobile. Auch Bernhard Ribbrock,
Chef des Handy-Diensteanbieters Arvato Mobile, erkennt eine
Trendwende: „Es werden verstärkt auch Produkte platziert, nicht nur
ein Portal“, sagt er. „Die Netzbetreiber haben erkannt, dass sie
nicht wissen
können, was die ganze Welt interessiert und sich verkaufen
lässt.“
So könnten die Anbieter seit 2004 auch ohne größere Probleme ihre
Dienste über die Handyrechnung der Netzbetreiberkunden abrechnen.
„Das war 2003 noch undenkbar“, sagt er. Grund für die Blockade war
vor allem
die Hoheit über die Einnahmen. Schließlich können Betreiber nicht
nur an der Nutzung ihres Netzes beim Abrufen von Datendiensten
verdienen, ihre Kunden zahlen darüber hinaus auch für das
Herunterladen der Angebote über Einmalentgelte für einen Klingelton
oder Abonnement-
Gebühren für neueste Nachrichten aufs Handy. Diese Einnahmen geben
die Konzerne aus der Hand, wenn sie den Zugang zu anderen Anbietern
erleichtern.
Ob Vodafone oder T-Mobile, Frankreichs Orange oder der italienische
Anbieter Telecom Italia – alle haben ihren Kunden eigene
Handy-Portale gebastelt, über die diese die
ausgewählten Angebote abrufen können. Der Weg ins freie Internet
ist meist kompliziert und Webseiten sind kaum erkennbar. „Das
ändert sich langsam“, sagt Berater Friedrich. Immerhin haben die
Unternehmen durch den Aufbau
der neuen Mobilfunkgeneration UMTS, mit der mobile Anwendungen weit
schneller als bisher auf das Handy geladen werden können, deutlich
mehr Kapazität für solche
Dienste als bisher. „Das Netz muss gefüllt werden, es liegt brach
herum“, sagt Friedrich. So überlegen die Netzbetreiber auch, den
Zugang zu Internetseiten per Handy attraktiver zu machen.
Derzeit, so Friedrich, verhandelten die Netzbetreiber
beispielsweise mit ICAN, der Organisation für die Vergabe von
Internet-Domains, über eine eigene Endung für Handytaugliche
Webadressen: mobile.de.
Zwar verdienen die Mobilfunkanbieter so
nichts an den Inhalten, aber immerhin an der Nutzung ihres
Netzes.
Auch Kooperationen mit großen Anbietern anderer Bereiche seien
denkbar, sagt Berater Friedrich. Ein Versandhändler wie Otto könnte
Kleidung auch übers Handy verkaufen,
Ebay das mobile Bieten erleichtern, Kinos ihre Programme über das
Mobilfunknetz schicken.