ca. 35% seit 09.11.2005

Energie
Uran ist ein begehrter Rohstoff geworden
06. Januar 2006 Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hat in
dem politischen Streit um die Atomkraft klar Stellung gegen längere
Laufzeiten der Atomkraftwerke bezogen. Als Grund führte er an, daß
der Rohstoff Uran ebenso wie Öl oder Gas begrenzt sei und aus dem
Ausland eingeführt werden müsse.
„Wenn wir unabhängiger werden wollen von Importen, dann ist
jedenfalls der Weg in die Kernenergie der falsche Weg. Dann
natürlich muß man auch Uran importieren. Ausgerechnet Uran ist aber
der Brennstoff, der am kürzesten noch zur Verfügung steht, nämlich
je nach Nutzung der Kernenergie zwischen 20 und 60 Jahren. Also
noch weniger als Öl und Gas. Von daher ist es natürlich keine
besonders kluge Strategie, die eine Abhängigkeit vom Gas durch eine
noch größere Abhängigkeit vom Uran zu ersetzen”, sagte Gabriel im
Deutschlandfunk.
Preisanstieg um 400 Prozent
Die politische Debatte um die Reichweite der Uran-Vorkommen ist
vergleichsweise neu. Erst der Preisanstieg um 400 Prozent in den
vergangenen fünf Jahren auf etwa 35 Dollar je Pfund hat den
Brennstoff für die Atomkraftwerke wieder in die Schlagzeilen
gebracht. Hintergrund des starken Anstiegs sind die Pläne einiger
Länder wie China und Indien, neue Atomkraftwerke zu bauen und
zusätzlich Uran am Weltmarkt nachzufragen.
Die Exploration natürlichen Urans wurde lange Zeit vernachlässigt,
da gehortetes Uran aus dem Kalten Krieg und aus nicht mehr
benötigten Atomwaffen in großem Stil auf den Markt gebracht wurde.
Diese Reserven werden allerdings in etwa 20 Jahren aufgebraucht
sein, meint Peter Gerling von der Bundesanstalt für
Geowissenschaften und Rohstoffe. Seit etwa zwei Jahren wird daher
die Suche nach natürlichem Uran wieder vorangetrieben, das in der
Natur nur in Verbindung mit Sauerstoff als Uranoxyd vorkommt. Der
Hauptproduzent des Natururans ist Kanada mit einem Anteil von 28
Prozent im Jahr 2004 vor Australien (23 Prozent) und Niger (8
Prozent).
„Uran ist noch mindestens 200 Jahre verfügbar”
Die gesamten bekannten Reserven betragen etwa 1,8 Millionen Tonnen
Uran. Weitere 5,7 Millionen Tonnen sind nach Ansicht der
Bundesanstalt sogenannte Ressourcen, die bei steigenden Preisen und
technischem Fortschritt abgebaut werden können. Die größten
bekannten Reserven liegen in Australien, Kasachstan, Kanada,
Namibia, Südafrika und den Vereinigten Staaten. Vor allem
Australien bemüht sich, seine Uranvorkommen bestmöglich zu
vermarkten, und hat bereits Lieferverträge mit China
abgeschlossen.
Heute verbrauchen die rund 440 Atomkraftwerke in aller Welt rund
68.000 Tonnen Uran jährlich. Wie lange die Reserven noch reichen,
ist aber umstritten. „Bei jetzigem Verbrauch reichen die Vorkommen
noch 50 Jahre”, sagt Gerling. In dieser Zahl ist aber nur die
Förderung der heute bekannten Minen berücksichtigt. Wird Uran
intensiv gefördert, könnte der Rohstoff viel länger reichen, meint
Christian Wößner vom Deutschen Atomforum.
„Uran ist nach heutigem Kenntnisstand noch mindestens 200 Jahre
verfügbar”, meint Wößner, der den Interessenverband der deutschen
Atomwirtschaft repräsentiert. Petra Uhlmann vom Kraftwerksbetreiber
Eon-Kernkraft ist ebenfalls optimistisch: „Uran ist noch für
mindestens 200 Jahre vorhanden. Die Endlichkeit des Urans ist für
Eon kein Thema.” Außer aus den bekannten Minen könne Uran auch aus
Phosphaten und sogar aus Meerwasser gewonnen werden.
Geringer Anteil an den Gesamtkosten
Uran ist zwar für den Betrieb der Atomkraftwerke heute zwingend
erforderlich, spielt aber in den Kosten der Betreiber keine
wesentliche Rolle. „Nur etwa 3 Prozent der Stromerzeugungskosten
eines Kernkraftwerkes entfallen auf das Uran. Dieser Anteil ist im
Strompreis kaum spürbar”, sagt Wößner. Selbst wenn der Uranpreis um
200 Prozent steigen würde, gingen die Gesamtkosten des Kraftwerkes
nur um 4 bis 5 Prozent nach oben, rechnet Uhlmann vor.
Die Planungen für weitere Atomkraftwerke hat die Aktien der
Besitzer der Uranminen kräftig steigen lassen. Der Aktienkurs des
kanadischen Produzenten Cameco hat sich in den vergangenen zwölf
Monaten verdoppelt. Auch Rohstoffkonzerne wie BHP Billiton oder Rio
Tinto profitieren von der steigenden Nachfrage. In Australien sind
längst nicht mehr die Betreiber der Kohleminen die Lieblinge an den
Börsen, sondern die Besitzer der Uranminen.
In Deutschland aber ließ Bundeskanzlerin Angela Merkel ein
Machtwort sprechen. „Der Koalitionsvertrag läßt an dieser Stelle
nichts an Deutlichkeit zu wünschen übrig”, sagte Regierungssprecher
Thomas Steg diese Woche in Berlin. Das habe Merkel deutlich
gemacht. „Deshalb kann die Regelung zum Atomausstieg nicht geändert
werden.” Das bedeutet den Ausstieg aus der Atomkraft.
Text: ht., F.A.Z., 06.01.2006, Nr. 5 / Seite 13
Bildmaterial: F.A.Z.