Euro-Krise Wettbewerb der Armseligkeit
Autor: Roland Klaus | 30.08.2012, 13:09 | 1638 Aufrufe | 1 |
Wenn von einem Auseinanderbrechen des Euro die Rede ist, dann wird
gerne ein Totschlagargument ausgepackt, um die Diskussion möglichst
schnell zu beenden. Ein Ende der Währungsunion verbiete sich
alleine schon deshalb, weil danach die deutsche Währung durch die
Decke schießen würde. So sagte jüngst Alt-Bundeskanzler Schröder:
"Welche Auswirkungen das auf unsere so exportorientierte Wirtschaft
haben würde, ist gar nicht auszudenken. Wir könnten einpacken."
Diese Meinung ist weitgehend Konsens unter deutschen Politikern und
auch unter vielen Volkswirten. Und sie zeigt, in welche
gedanklichen Sackgassen wir uns bei der Bekämpfung der Krise
manövriert haben.
Die Argumentation, eine starke Währung schade
einer Wirtschaft ist in etwa so schlüssig, wie der Ratschlag, ein
guter Schüler sollte sich im Unterricht gefälligst zurückhalten,
denn bei zu guten Zensuren würden ihn seine Mitschüler auf dem
Heimweg verprügeln.Keine Frage: Deutschland hat in den
vergangenen zehn Jahren mit einer zu niedrigen Währung gelebt. Ein
Rückkehr zur Mark oder ein Aufbrechen der Währungsunion in mehrere
Blöcke würde dazu führen, dass das deutsche Geld an Wert gewinnt.
Die Folge wäre ein schmerzhafter Anpassungsprozess für die
Exportwirtschaft und ein Anstieg der Arbeitslosigkeit. Diese
Effekte darf man nicht verharmlosen. Man sollte sie jedoch genauso
wenig dämonisieren. Die Auswirkungen, die sich durch einen Austritt
Deutschlands aus dem Euro ergeben würden, sind im Detail nicht zu
beziffern. Schätzungen, die von einem Anstieg auf zehn Millionen
Arbeitslose sprechen, halte ich jedoch für absolut übertrieben. Sie
sind Teil einer Maschinerie, die am liebsten bereits den Gedanken
an solche Optionen verbieten will.
Deutschland war bereits zu Zeiten der D-Mark Exportweltmeister und
würde sein Stärke in diesem Bereich wiedergewinnen. Möglicherweise
müsste die Politik durch Steuergelder oder Sonderkredite den
Anpassungsschock abmildern. Setzt man diese Gelder jedoch temporär
und mit Augenmass ein, dann sind sie sinnvoller verwendet als in
irgendwelchen intransparenten Transferkonstrukten zur Rettung der
Eurozone.
Was vielfach übersehen wird, ist der Nachteil für die breite
Bevölkerung, der mit einer schwindsüchtigen Währung einher geht.
Oder anders gesagt: Der Vorteil einer starken Währung. Sie schafft
Volksvermögen, stärkt die Kaufkraft im Ausland und ist der
vielleicht wirksamste Schutzwall vor Inflation. Die einzig
relevante Größe, um darüber zu urteilen, wer wirklich vom Euro
profitiert hat, ist die Entwicklung des verfügbaren
Haushaltseinkommens seit Einführung der Gemeinschaftswährung. Eine
Studie der UBS hat dies für den Zeitraum von 2000 bis 2010
untersucht und kommt zu dem klaren Schluss: In Griechenland,
Portugal und Spanien haben die Menschen profitiert.
Deutschland
und Österreich waren die Verlierer.
Man kann das auch anders ausdrücken: Die Einwohner jener Länder,
die ohne den Euro eine schwächere Währung gehabt hätten, haben von
der Stärke des Euro profitiert. Jene Staaten, die ohne den Euro
eine stärkere Währung gehabt hätten, haben unter der
Gemeinschaftswährung gelitten. Es gibt also keinen Grund für Angst
vor einer starken Währung, ganz im Gegenteil!
Eine starke Währung ist wie eine gute Zensur der Finanzmärkte für
die Wirtschaft und Wirtschaftspolitik eines Landes. Sie zeigt, dass
eine Devise ein attraktives Mittel zur Wertaufbewahrung ist und
dass in diesem Währungsraum einiges richtig läuft. Dennoch ist die
Wirtschaftsgeschichte voll von Beispielen, in denen Regierungen
versucht haben, ihre Währungen künstlich zu schwächen, um damit die
Wirtschaft (sprich: den Export) zu stärken. Mit Ausnahme einzelner
Maßnahmen wie der aktuellen Deckelung des Schweizer Frankens sind
solche Abwertungsabläufe nichts anderes als ein Wettbewerb der
Armseligkeit und ein Diebstahl am Vermögen der Bevölkerung.
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