Smart Investor Weekly 40/2008 Münchner G’schichten – und Gruselstories aus der Finanzszene
Münchner G’schichtenDie Hauptstadt des Bundeslandes Bayern hat übers Wochenende hinweg eine dreifache Breitseite abbekommen. Erst blamiert sich Deutschlands Vorzeige-Fußballverein Bayern München am Samstag mit einer 0:1-Schlappe gegen die vermeintlich deutlich schwächeren Hannoveraner, nachdem ohnehin schon das Heimspiel vor einer Woche 2:5 an den Gegner Bremen ging. Was für viele Vereine ganz normale Realität wäre, ist für die Kicker von der Säbener Strasse schon eine Beinahe-Katastrophe.
Am Sonntag dann erfuhr die CSU, welche seit mehreren Jahrzehnten ein Quasi-Monopol auf die Regierungsbildung im Freistaat innehatte, dass es auch noch ein politisches Leben in Bayern außerhalb der CSU gibt. Nun mögen dies viele im übrigen Deutschland als Wohltat empfinden, bei uns hier in Bayern kam dies jedoch einem Sturm gleich. Die Münchner CSU-Parteizentrale bebte sozusagen.
Und dann wurde nach hartem Ringen am Wochenende am gestrigen Montag die massive Schieflage des Münchner DAX-Konzerns Hypo Real Estate (kurz HRE) bekannt gegeben. Mit voraussichtlich 35 Mrd. EUR muss abermals der Staat als Garant eintreten und so wie es aussieht, wird das Unternehmen über kurz oder lang abgewickelt werden.
Über Pleiten
Es versteht sich von selbst, dass solche Pleiten bzw. Beinahe-Pleiten, wie wir sie in den letzten Wochen gesehen haben, nicht ohne Folgen für die übrige Finanzbranche sein können. Ich will hier nicht zu sehr ins Detail gehen, aber: die Credit Default Swaps (Kreditversicherungen), die viele Banken abgeschlossen haben, hatten als Geschäftskontrahenten in vielen Fällen die nun fast Pleite gegangene AIG. Jedes dieser Geschäfte, und auch die deutschen Institute sind hier stark betroffen, müsste nun neu bewertet werde, und zwar anhand des niedrigeren Ratings, welches AIG nun erleiden muss. Das aber würde Abwertungsbedarf schaffen, welches sich unsere Banken mangels Eigenkapital nicht erlauben können, kurzum: Es gäbe jede Menge Stoff dafür, dass der sich in den letzten Tagen zuspitzende Horror noch nicht ganz ausgesessen ist. Der Commerzbank-Chart kann bei einem mit gesundem Optimismus ausgestatteten Börsianer jedenfalls keine Freude aufkommen lassen (siehe Abb.).
Dass der US-Kongress nun das 700-Mrd. USD- Sanierungspaket von Hank Paulson abgewiesen hat, wirkt in der momentanen Situation nicht gerade mildernd. Der gestrige vehemente Kursrutsch ist vor diesem Hintergrund durchaus verständlich.
Was wird passieren
Wie im soeben erschienenen Oktober-Heft in der Rubrik „Das große Bild“ ausgeführt, rechnen wir noch mit einer Zuspitzung der Krise in Europa. Die belgische Fortis und die englische Bradford & Bingley und jetzt eben HRE könnten dabei schon mal den Anfang darstellen. Aber wie gesagt: dabei muss es nicht bleiben. Und was uns da so an Informationen zugetragen wird, dürfte es bei unseren Großbanken in Deutschland alles andere als rosig aussehen.
Wir werden in letzter Zeit massiv bombardiert mit Fragen wie: welche Bank wird Pleite gehen, muss ich mein Geld abziehen? Hierauf lautet unsere Antwort: wir sind keine Insider, und deswegen wissen wir es nicht. Davon abgesehen gehen wir immer noch davon aus, dass eine trudelnde deutsche Großbank vom Staat aufgefangen werden MUSS, ansonsten käme es zu einem Run der Kundschaft (der in Zeiten des Internets übrigens auch per Mausklick erfolgen kann). Allerdings: eine Gewähr für diese Aussage geben wir selbstverständlich nicht. Was könnte ein ängstlicher Anleger tun? Entweder sein Geld abziehen, oder aber Wertpapiere (z.B. festverzinsliche) erwerben, dann ist sein Vermögen bei einem hypothetischen Bank-rott (an den wir wie gesagt nicht glauben) gesichert, denn nur Geldvermögen dürfte in die Kursmasse einer Bank fließen. Bitte zu diesem Thema keine weiteren Fragen an uns. Wir sind keine Bank-Experten! Und wenn es nach Peer Steinbrück geht, dann ist der Fall doch klar: „Die Einlagen sind sicher“, verkündete er kürzlich. Also, da haben Sie’s!
Aber soviel wollen wir prognostizieren: die europäische Bankenszene dürfte in einigen Wochen mehr oder weniger verstaatlicht sein, Vorbild wäre die USA.
Musterdepot
Das per Buy Stop gestern erwobene Short-Zertifikat von Trinkaus & Burkhardt mit der Kennnummer TB1NMK (Basispreis: 6.890 DAX-Punkte, Laufzeit: 17.12.2008, derzeitiger Kurs: 10,80 EUR) ging zu einem Kurs von 10,15 EUR ins Depot (1.500 Stück). Sobald der DAX oberhalb von 6.350 DAX-Punkten schließt werden wir es glattstellen.
Nochmals unser Risikohinweis: solche Derivate bergen die Gefahr des Totalverlustes und sind daher nur für erfahrene Anleger geeignet. Wir wollen Sie damit auch nicht animieren, es uns gleich zu tun. Unser Musterdepot ist nur als Demonstrationsbeisipiel für die Magazin-Leser gedacht, wie Smart Investor ein Depot strukturieren würde. Und dazu gehört in unsicheren Zeit für uns auch der Einsatz solcher Derivate.
Unser Kauflimits über 9.000 Teleplan* (WKN 916980) bei 1,04 EUR ging gestern auf. Dasjenige über 400 EquityStory* (WKN 549416) bei 21,30 EUR bleibt weiterhin bestehen.
Veranstaltungshinweis
Am 1. Oktober 2008 findet um 18:00 Uhr die 3. Ressourcenkonferenz der CM-Equity AG im Hotel Bayerischer Hof, Raum Palaishalle (Promenadeplatz 2-6, 80333 München) statt. Auch für das leibliche Wohl wird gesorgt sein. Der Eintritt ist frei. Die Anmeldung erfolgt formlos unter service@axino.de . Alle Details finden Sie unter folgendem Link: www.cm-equity.de/download/ ressourcenkonferenz_10_2008.pdf
Fazit
Wir wollen hier nicht in Panik machen, denn: wie wir bereits seit vielen Monaten immer und immer wieder schreiben, ist der Oktober der für uns prädestinierte Monat für eine langfristige Wende an den Märkten nach oben. Ab morgen nun ist Oktober und wir wären schlecht beraten, uns nun auf die Bärenseite zu schlagen. Nein, wir sehen die Chancen, die sich uns bieten und werden hier weiterhin zuschlagen (wie dieses Mal bei Teleplan). Dennoch halten wir im europäischen Finanzsystem noch einige böse Entwicklungen für denkbar, um nicht zu sagen: wahrscheinlich.
Ralf Flierl
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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Dienstagnachmittag.
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