Fonds-Check LHI Flugzeugturbinenfonds Royal Aero
Das neue Jahr ist da - und mit ihm die Abgeltungssteuer. Bei den Fondsinitiatoren beginnt das große Rechnen. Denn wegen der Finanzkrise haben die Anbieter im vergangenen Jahr längst nicht so viele Anteile platziert wie zunächst geplant.LHI etwa hat bei seinem „Flugzeugturbinenfonds Royal Aero“ nur rund die Hälfte der geplanten 17,5 Millionen Dollar eingesammelt und daher noch einiges offen. Anleger finanzieren ein Portfolio aus gebrauchten Triebwerken. Wer sich erst jetzt daran beteiligt, muss sich auf Grund der Abgeltungssteuer im Vergleich zu den Zeichnern aus 2008 mit nur rund 75 Prozent der kalkulierten Erträge zufrieden geben.
Objekte: Warum in ein komplettes Flugzeug investieren, wenn doch die Turbine das werthaltigste Teil des Fliegers ist? Diese Strategie hat bereits Anbieter GSI gewählt und einen vergleichsweise guten Fonds um die Triebwerke gestrickt. Die Turbinen werden regelmäßig und aufwändig gewartet. Damit die Flieger während dieser Zeit nicht am Boden bleiben müssen, werden Austausch-Triebwerke unter die Flügel geschraubt. LHI hat bereits sechs der Düsen zu Preisen zwischen 520.000 Dollar und sechs Millionen Dollar gekauft. Aktuell hat das Portfolio einen Wert von rund 22 Millionen Dollar. Die Turbinen sind zwischen zwei und fünf Jahre alt und sollen somit noch rund 30 Jahre lang im Einsatz bleiben.
Einnahmen: Die Leasingverträge mit den Airlines laufen nur kurze Zeit. Kuwait Airways, Cathay Pacific, Batavia Air und Lufthansa mieten die Turbinen 3 bis 12 Monate. Im Prospekt hatte LHI noch mit Laufzeiten bis zu 36 Monaten gerechnet. Anleger müssen sich bei diesem Konzept also darauf verlassen, dass kurzfristig andere Leasingnehmer parat stehen. Entscheidend ist darum auch, wie gefragt und verbreitet die Triebwerke sind. Das LHI-Portfolio ist geeignet unter anderem für eine ganze Reihe von Boeing- und Airbus-Maschinen. Verantwortlich für die Akquise der Leasingnehmer
ist die Royal Aero Group, einer der nach Prospekt-Angaben weltweit führenden Ersatzteil-Lieferanten für Turbinen.
Kalkulation: LHI plant eine Gesamtinvestition von 35 Millionen Dollar, wobei eine Erhöhung auf 100 Millionen Dollar möglich, aber nicht sehr wahrscheinlich ist. Fondszeichner beteiligen sich ab 15.000 Dollar daran und sollen insgesamt die Hälfte des Kapitals stellen. Agio fällt nicht an. Weil sich Banken bei der Kreditvergabe zurückhalten, stellt Initiator LHI die Fremdfinanzierung zur Verfügung und kalkuliert dabei Zinsen von sieben Prozent. Springt eine Bank ein, dürften die Konditionen günstiger werden. Anlegern sollen nach Abzug aller Ausgaben jährliche Ausschüttungen von 7,5 Prozent bleiben. Insgesamt geht LHI bei einer Laufzeit von fünf Jahren von einem Gesamtertrag in Höhe von 36 Prozent vor Steuern aus – für Zeichner ab 2009 reduziert er sich auf rund 27 Prozent.
Entscheidend dabei ist, dass der Fondsinitiator die Turbinen zum Einstandspreis wieder verkaufen kann. Voraussetzung ist, dass die Triebwerke regelmäßig gewartet werden. Zahlen muss die als „Maintenance-Reserve“ bezeichneten Kosten der Leasingnehmer.
Steuern: Thema Abgeltungssteuer. Noch rauchen bei den Steuergutachtern die Köpfe. LHI geht davon aus, dass Zeichner ab 2009 einen Teil des Verkaufserlöses mit dem Finanzamt teilen müssen. Die laufenden Ausschüttungen sollten davon unberührt bleiben, denn LHI zahlt diese Einnahmen aus dem Eigenkapital zurück. Insgesamt würde Zeichnern somit ein Ergebnis von rund 27 Prozent nach Steuern bleiben.
Weiche Kosten: Bezogen auf die Gesamtinvestition fallen knapp 19 Prozent an Gebühren und Provisionen an. Das sind rund 9,5 Prozent des Eigenkapitals – das ist etwas viel vor dem Hintergrund der kurzen Laufzeit und der reduzierten Nachsteuerrendite. An laufenden Kosten müssen jährlich 1,55 Prozent gezahlt werden. Dazu zählen auch die Gebühren des Partners Royal Aero Group. Er verdient zusätzlich, sollte es besser laufen als geplant.
Anbieter: LHI zählt zu den etablierten, seriösen Initiatoren geschlossener Fonds. Seit 35 Jahren hat das Unternehmen bei rund 19.000 Anlegern 2,7 Milliarden Euro eingesammelt und ein Gesamtinvestitionsvolumen von 6,4 Milliarden Euro gestemmt. Der Initiator weist 100 Prozent Bankenhintergrund nach: 51 Prozent gehören der LBBW, 49 Prozent der Nord LB. LHI-Chef Oliver Porr ist seit wenigen Wochen Vorstandsvorsitzender des Verbandes Geschlossene Fonds.
Meiner Meinung nach… Die Abgeltungssteuer versalzt auch Anlegern geschlossener Fonds die Kalkulation. Ein Beispiel dafür ist der „LHI Flugzeugturbinenfonds Royal Aero“. Die Nachsteuerrendite dürfte sich hier um rund ein Viertel reduzieren. Das Konzept scheint realistisch, verlangt von Anlegern aber einen Vertrauensvorschuss. Die tatsächlichen Leasingverträge der jüngsten Abschlüsse sind durch die Bank erheblich kürzer als im Verkaufsprospekt kalkuliert. Allerdings zahlen die Nutzer auch mehr als prognostiziert. LHI-Begründung: Die Airlines würden lieber moderne, Kerosin sparende Turbinen einsetzen als die eigenen, alten Spritfresser. Ein Kurzläufer mit unternehmerischen Risiken für Anleger, die entsprechende Wagnisse eingehen können.
Schreibe Deinen Kommentar
Disclaimer

0
